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	Comments on: … und führe uns nicht in Versuchung!	</title>
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		<title>
		By: Torge Milthaler		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Torge Milthaler]]></dc:creator>
		<pubdate>Wed, 10 Sep 2025 18:44:05 +0000</pubdate>
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					<description><![CDATA[Der Artikel von Heinz Schulte trifft einen wunden Punkt der deutschen Sicherheitspolitik: Wir stehen vor einem Füllhorn an finanziellen Mitteln, aber gleichzeitig vor der Versuchung, dieses Geld durch Zögern, bürokratische Ineffizienz oder strategische Unklarheit zu verschwenden. Die zentrale Forderung nach einem „seriösen Diskurs“ ist daher mehr als nur ein Appell – sie ist eine Notwendigkeit. Doch was zeichnet einen solchen Diskurs aus? Er erschöpft sich nicht in der Wiederholung von Fähigkeitslücken oder dem Ruf nach mehr Budget. Ein seriöser Diskurs ist konstruktiv, er bringt konkrete, durchdachte und vor allem machbare Vorschläge auf den Tisch. Er verbindet das strategische Wünschenswerte mit dem technologisch und zeitlich Realisierbaren.

Genau hier setzt der Gedanke an, das „Future Combat Surface System“ (FCSS) nicht als monolithisches Großprojekt zu betrachten, sondern es intelligent aufzusplitten und damit die Einführung unbemannter Systeme massiv zu beschleunigen. Dies soll kein abstraktes Gedankenspiel, sondern ein handfester Vorschlag sein, der den Geist der oft nach getrauerten Schnellboote in das 21. Jahrhundert überführt.

Die Anatomie eines umsetzbaren Vorschlags

Die vorgeschlagene Zweiteilung des FCSS-Programms ist ein Paradebeispiel für proaktiven Pragmatismus:

Die mittelschwere Plattform – Evolution statt Revolution: Die Entscheidung der Marine, im Rahmen der Operationellen Experimentation (OPEX) für das FCSS von Beginn an auf marktverfügbare Systeme zu setzen, ist der einzig richtige und pragmatische Weg. Er untermauert den Ansatz „Evolution statt Revolution“ und vermeidet von vornherein die typischen Risiken einer kompletten Neuentwicklung, die erfahrungsgemäß mit unkalkulierbaren Zeitverzögerungen, Kostenexplosionen und technischen „Kinderkrankheiten“ einhergeht. Ein Konzept wie die norwegische Skjold-Klasse dient hier als exzellentes Beispiel für die Philosophie hinter einem solchen Vorgehen: Man nutzt eine bei einem NATO-Verbündeten erprobte, seetüchtige und schnelle Plattform als Basis. Die Entwicklungsressourcen können sich so voll auf die komplexe Aufgabe der unbemannten Systemintegration konzentrieren. Diese ca. 274 Tonnen schweren unbemannten Einheiten wären das Rückgrat der verteilten maritimen Schlagkraft. Ein erstes Los von 18 Einheiten, den Korvetten der Klasse K130 zugeordnet, würde deren Sensorreichweite und Wirkungsradius exponentiell erhöhen. Die Korvette wird vom Einzelfahrer zum Befehlshaber eines tödlichen Rudels. Ein zweites Los könnte dann operativ den neuen Tendern der Klasse 405 (MUsE) im Verhältnis 1:6 zugewiesen werden und reaktiviert so die bewährte Doktrin der Schnellbootgeschwader in moderner, unbemannter Form.

Die leichte Plattform – Eine geplante Fähigkeit pragmatisch vorziehen: Hierbei handelt es sich nicht um eine neue Forderung, sondern um die konsequente Beschleunigung eines bereits erkannten Bedarfs. Im „Kurs Marine 2025“ ist die Einführung von unbemannten Mehrzweck-Kampfbooten (MZKB) ohnehin bis 2035 geplant. Der Vorschlag, parallel zum FCSS marktverfügbare, leichtere unbemannte Plattformen zu beschaffen, zieht diese essenzielle Fähigkeit um fast ein Jahrzehnt nach vorn. Systeme wie das „CB90 NG mit Autonomous Ocean Core“ sind adaptierbar und könnten die Fähigkeitslücke, die heute bereits offensichtlich ist, zeitnah schließen. Zwanzig solcher Drohnen könnten als erste Welle bei einer Annäherung dienen, um den Gegner niederzuhalten und das Leben der Marineinfanteristen zu schonen. Ihre möglichen weiteren Aufgaben im leichten Begleitschutz der Unterstützungseinheiten oder Objektschutz von etwa Marinestützpunkten und in der „verlusttolerierbar“ Lage-Erkundung sind nicht nur sinnvoll, sondern entlasten auch die hochkomplexen sowie unsere wenigen Fregatten und Korvetten von Aufgaben, für die sie überqualifiziert sind.

Dieses Vorgehen würde den Plan aus „Kurs Marine 2025“ nicht über den Haufen werfen, sondern ihn pragmatisch beschleunigen und mit Leben füllen.

Proaktivität als Bündnisbeitrag: Die Antwort auf die Versuchung

Dies führt uns zur entscheidenden Frage, die der Artikel aufwirft: Auf detaillierte Forderungen der NATO warten oder selbst proaktiv werden? Die Antwort muss ein klares Plädoyer für die zweite Option sein. In einer sich derart schnell wandelnden Bedrohungslage ist das Warten auf einen von 32 Mitgliedern abgestimmten, detaillierten Forderungskatalog der sichere Weg in die strategische Passivität.

Proaktivität bedeutet hier nicht, einen nationalen Sonderweg zu gehen. Im Gegenteil: Es bedeutet, dem Bündnis das anzubieten, was Deutschland schnell und effektiv leisten kann. Es heißt, auf die NATO zuzugehen und zu sagen: „Wir haben die Bedrohung in der Ostsee und im Nordatlantik analysiert. Basierend auf der Technologie unserer Verbündeten können wir bis Anfang 2029 eine schlagkräftige, skalierbare Flotte unbemannter Systeme aufbauen, die die Seeraumüberwachung und -verteidigung voranbringt. Lasst uns gemeinsam definieren, wie wir diese Fähigkeit am besten in die Bündnisverteidigung integrieren.“

Das ist die „Butter bei die Fische“, die Heinz Schulte fordert. Es ist der konstruktive Gegenentwurf zur Versuchung, das Füllhorn des Wehretats entweder nur in prestigeträchtigen Großprojekten versickern zu lassen oder aus reiner Ratlosigkeit gar nicht erst anzutasten. Das bedeutet keineswegs, auf visionäre Vorhaben zu verzichten. Im Gegenteil: Die Forschung und der Projektstart für langfristige Großprojekte wie die Fregatte F127 oder im Besonderen die zukünftigen Large Remote Missile Vessels (LRMV) müssen bereits jetzt beginnen, denn dies sind Marathonläufe und keine Sprints wie das hier skizzierte FCSS. Ein seriöser Diskurs, gepaart mit dem Mut zu pragmatischen und schnellen Lösungen, ist der einzige Weg, um aus dem Geld eine Fähigkeit und aus der Fähigkeit einen relevanten Beitrag für unsere eigene Sicherheit und die unserer Verbündeten zu machen.

Bleibt am Ende nur die Frage, ob dieses Schriftwerk hier nun selbst ein Teil des geforderten „seriösen Diskurses“ ist – oder am Ende doch nur eine weitere Stimme aus dem „Kommentariat“, das der Autor kritisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Artikel von Heinz Schulte trifft einen wunden Punkt der deutschen Sicherheitspolitik: Wir stehen vor einem Füllhorn an finanziellen Mitteln, aber gleichzeitig vor der Versuchung, dieses Geld durch Zögern, bürokratische Ineffizienz oder strategische Unklarheit zu verschwenden. Die zentrale Forderung nach einem „seriösen Diskurs“ ist daher mehr als nur ein Appell – sie ist eine Notwendigkeit. Doch was zeichnet einen solchen Diskurs aus? Er erschöpft sich nicht in der Wiederholung von Fähigkeitslücken oder dem Ruf nach mehr Budget. Ein seriöser Diskurs ist konstruktiv, er bringt konkrete, durchdachte und vor allem machbare Vorschläge auf den Tisch. Er verbindet das strategische Wünschenswerte mit dem technologisch und zeitlich Realisierbaren.</p>
<p>Genau hier setzt der Gedanke an, das „Future Combat Surface System“ (FCSS) nicht als monolithisches Großprojekt zu betrachten, sondern es intelligent aufzusplitten und damit die Einführung unbemannter Systeme massiv zu beschleunigen. Dies soll kein abstraktes Gedankenspiel, sondern ein handfester Vorschlag sein, der den Geist der oft nach getrauerten Schnellboote in das 21. Jahrhundert überführt.</p>
<p>Die Anatomie eines umsetzbaren Vorschlags</p>
<p>Die vorgeschlagene Zweiteilung des FCSS-Programms ist ein Paradebeispiel für proaktiven Pragmatismus:</p>
<p>Die mittelschwere Plattform – Evolution statt Revolution: Die Entscheidung der Marine, im Rahmen der Operationellen Experimentation (OPEX) für das FCSS von Beginn an auf marktverfügbare Systeme zu setzen, ist der einzig richtige und pragmatische Weg. Er untermauert den Ansatz „Evolution statt Revolution“ und vermeidet von vornherein die typischen Risiken einer kompletten Neuentwicklung, die erfahrungsgemäß mit unkalkulierbaren Zeitverzögerungen, Kostenexplosionen und technischen „Kinderkrankheiten“ einhergeht. Ein Konzept wie die norwegische Skjold-Klasse dient hier als exzellentes Beispiel für die Philosophie hinter einem solchen Vorgehen: Man nutzt eine bei einem NATO-Verbündeten erprobte, seetüchtige und schnelle Plattform als Basis. Die Entwicklungsressourcen können sich so voll auf die komplexe Aufgabe der unbemannten Systemintegration konzentrieren. Diese ca. 274 Tonnen schweren unbemannten Einheiten wären das Rückgrat der verteilten maritimen Schlagkraft. Ein erstes Los von 18 Einheiten, den Korvetten der Klasse K130 zugeordnet, würde deren Sensorreichweite und Wirkungsradius exponentiell erhöhen. Die Korvette wird vom Einzelfahrer zum Befehlshaber eines tödlichen Rudels. Ein zweites Los könnte dann operativ den neuen Tendern der Klasse 405 (MUsE) im Verhältnis 1:6 zugewiesen werden und reaktiviert so die bewährte Doktrin der Schnellbootgeschwader in moderner, unbemannter Form.</p>
<p>Die leichte Plattform – Eine geplante Fähigkeit pragmatisch vorziehen: Hierbei handelt es sich nicht um eine neue Forderung, sondern um die konsequente Beschleunigung eines bereits erkannten Bedarfs. Im „Kurs Marine 2025“ ist die Einführung von unbemannten Mehrzweck-Kampfbooten (MZKB) ohnehin bis 2035 geplant. Der Vorschlag, parallel zum FCSS marktverfügbare, leichtere unbemannte Plattformen zu beschaffen, zieht diese essenzielle Fähigkeit um fast ein Jahrzehnt nach vorn. Systeme wie das „CB90 NG mit Autonomous Ocean Core“ sind adaptierbar und könnten die Fähigkeitslücke, die heute bereits offensichtlich ist, zeitnah schließen. Zwanzig solcher Drohnen könnten als erste Welle bei einer Annäherung dienen, um den Gegner niederzuhalten und das Leben der Marineinfanteristen zu schonen. Ihre möglichen weiteren Aufgaben im leichten Begleitschutz der Unterstützungseinheiten oder Objektschutz von etwa Marinestützpunkten und in der „verlusttolerierbar“ Lage-Erkundung sind nicht nur sinnvoll, sondern entlasten auch die hochkomplexen sowie unsere wenigen Fregatten und Korvetten von Aufgaben, für die sie überqualifiziert sind.</p>
<p>Dieses Vorgehen würde den Plan aus „Kurs Marine 2025“ nicht über den Haufen werfen, sondern ihn pragmatisch beschleunigen und mit Leben füllen.</p>
<p>Proaktivität als Bündnisbeitrag: Die Antwort auf die Versuchung</p>
<p>Dies führt uns zur entscheidenden Frage, die der Artikel aufwirft: Auf detaillierte Forderungen der NATO warten oder selbst proaktiv werden? Die Antwort muss ein klares Plädoyer für die zweite Option sein. In einer sich derart schnell wandelnden Bedrohungslage ist das Warten auf einen von 32 Mitgliedern abgestimmten, detaillierten Forderungskatalog der sichere Weg in die strategische Passivität.</p>
<p>Proaktivität bedeutet hier nicht, einen nationalen Sonderweg zu gehen. Im Gegenteil: Es bedeutet, dem Bündnis das anzubieten, was Deutschland schnell und effektiv leisten kann. Es heißt, auf die NATO zuzugehen und zu sagen: „Wir haben die Bedrohung in der Ostsee und im Nordatlantik analysiert. Basierend auf der Technologie unserer Verbündeten können wir bis Anfang 2029 eine schlagkräftige, skalierbare Flotte unbemannter Systeme aufbauen, die die Seeraumüberwachung und -verteidigung voranbringt. Lasst uns gemeinsam definieren, wie wir diese Fähigkeit am besten in die Bündnisverteidigung integrieren.“</p>
<p>Das ist die „Butter bei die Fische“, die Heinz Schulte fordert. Es ist der konstruktive Gegenentwurf zur Versuchung, das Füllhorn des Wehretats entweder nur in prestigeträchtigen Großprojekten versickern zu lassen oder aus reiner Ratlosigkeit gar nicht erst anzutasten. Das bedeutet keineswegs, auf visionäre Vorhaben zu verzichten. Im Gegenteil: Die Forschung und der Projektstart für langfristige Großprojekte wie die Fregatte F127 oder im Besonderen die zukünftigen Large Remote Missile Vessels (LRMV) müssen bereits jetzt beginnen, denn dies sind Marathonläufe und keine Sprints wie das hier skizzierte FCSS. Ein seriöser Diskurs, gepaart mit dem Mut zu pragmatischen und schnellen Lösungen, ist der einzige Weg, um aus dem Geld eine Fähigkeit und aus der Fähigkeit einen relevanten Beitrag für unsere eigene Sicherheit und die unserer Verbündeten zu machen.</p>
<p>Bleibt am Ende nur die Frage, ob dieses Schriftwerk hier nun selbst ein Teil des geforderten „seriösen Diskurses“ ist – oder am Ende doch nur eine weitere Stimme aus dem „Kommentariat“, das der Autor kritisiert.</p>
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