USS Indianapolis

USS Indianapolis

The fate of the heavy cruiser USS Indianapolis

In recent years, a whole series of warship wrecks from the Second World War have been found in the Pacific, which were lost in the battle between the US Navy and the Imperial Japanese Navy. Billionaire, Microsoft co-founder and philanthropist Paul G. Allen, who died in 2018, had financially supported the search for such ships.

The expeditions sponsored by Allen were mostly carried out from the research vessel Petrel, with remote-controlled robots also being used. The research team has achieved some spectacular successes, including the discovery of the Japanese battle cruiser Hiei and the mighty battleship Musashi, the sister ship of the legendary Yamato, the American aircraft carriers USS Lexington (CV-2) and Hornet (CV-8) and finally, on 19 August 2017, at a depth of almost 6,000 metres, the USS Indianapolis (CA-35) .

Der knapp 10 000 Tonnen schwere, 186 Meter lange und mit neun 20,3-Zentimeter-Geschützen bestückte Kreuzer, ein Schiff der Portland-Klasse, wurde auf der Camden Werft in New Jersey gebaut und am 15. November 1932 in Dienst gestellt. Zuerst fuhr sie für einige Zeit im Atlantik, wobei sie dreimal aus unterschiedlichen Gründen als illustren Gast  Präsident Franklin D. Roosevelt an Bord hatte. Zum Zeitpunkt des japanischen Überfalls auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 war der Kreuzer bei den Johnston-Inseln im Pazifik unterwegs. Während der ersten Kampfhandlungen war die Indianapolis Teil der Kampfgruppe um die USS Lexington, dann Teil der Yorktown-Kampfgruppe vor Neu Guinea. Es folgten bis im Spätsommer 1943 Einsätze im Nordpazifik. [ds_preview]

Nach einem Werftaufenthalt wurde sie Flaggschiff der 5. US-Flotte unter Vizeadmiral Raymond Spruance. Als solche war sie an Aktionen auf Tarawa, dem Kwajalein-Atoll und Palau (in den Westkarolinischen Inseln), im Juni 1944 bei Saipan und danach an der Schlacht im Philippinischen Meer beteiligt. Nach der Rückeroberung von Guam war die Indianapolis eines der ersten Schiffe, das dort in die Lagune von Apra Harbor einlief. Nach einem weiteren Werftaufenthalt im Herbst 1944 wurde der Kreuzer im Februar 1945 der Schnellen Trägerkampfgruppe von Vizeadmiral Marc Mitscher zugeteilt und nahm an der Rückeroberung der Insel Iwo Jima teil, gefolgt von Aktionen der Trägerkampfgruppe, die sich nun zunehmend dem japanischen Mutterland näherten, so Ende März auch gegen Okinawa. Am 31. März 1945 wurde der Kreuzer dort von einem japanischen Kamikaze-Flugzeug getroffen und beschädigt. Erneut war die USS Indianapolis gezwungen, die Mare Island Werft nördlich von San Francisco aufzusuchen.

USS Indianapolis Denkmal

Historisches Denkmal der USS Indianapolis

Dort lief sie am 16. Juli 1945 unbegleitet aus. An Bord führte sie Urankerne mit, streng geheime Komponenten für die beiden Atombomben, die im August Hiroshima und Nagasaki zerstören sollten. Die Besatzung wusste nichts vom brisanten Inhalt der Behälter. Sie hatte den Auftrag, diese Teile möglichst schnell auf die Insel Tinian zu bringen, von wo aus die Bomber des Typs B-29 die Angriffe auf die beiden Städte flogen. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf Hawaii lief der 32 Knoten schnelle Kreuzer am 26. Juli in Tinian ein. Die 9000 Kilometer hatte er in nur zehn Tagen zurückgelegt. Von Tinian fuhr sie danach nach Guam, wo sie Personal und Material abzugeben hatte. Dort legte sie am 28. Juli 1945 wieder ab.

Sie sollte jetzt wieder Routineaufgaben übernehmen und wurde zu diesem Zwecke nach Leyte befohlen. Dies sollte angesichts einer geringen Bedrohung in diesen Gewässern – so die Marineführung – ohne Begleitung erfolgen. In Leyte sollte sie sich dem Schlachtschiff Idaho (BB-42) und den Verbänden von Vizeadmiral Jesse Oldendorf anschliessen, um an den Operationen gegen Japan teilzunehmen. Die USS Indianapolis unter ihrem Kommandanten, Kapitän zur See Charles B. McVay III, Sohn eines Admirals, Absolvent der Marineakademie von Annapolis und Träger des zweithöchsten militärischen Ordens, des Silver Stars, sollte dort nie ankommen.

Im Philippinischen Meer, etwa 1000 Kilometer von Leyte entfernt und etwa 800 Kilometer nördlich von Palau, wurde sie am 30. Juli um kurz nach Mitternacht bei 17 Knoten Fahrt und ruhiger See vom japanischen U-Boot I-58 mit zwei Torpedos getroffen. Sie sank nur knapp eine Viertelstunde später mit fatalen Folgen. Ein Notsignal konnte nicht mehr abgesetzt werden. Der U-Bootkommandant, Fregattenkapitän Mochitsura Hashimoto, hatte die tödlichen Waffen aus einer Distanz von nur 1500 Yards abgefeuert. Die Indianapolis wurde erst am 31. Juli vermisst, als sie nicht wie geplant in Leyte eintraf. Entsprechende Suchen setzten erst jetzt sein. An Bord hatten sich 1195 Seeleute befunden, von ihnen blieben 300 im Rumpf des Schiffes gefangen. Von den ursprünglich 879 von Bord gegangenen Seeleuten überlebten schliesslich nur 316. Genaue Zahlen konnten bisher nie richtig ermittelt werden, weil die entsprechenden Unterlagen mit dem Schiff in den Tiefen verschwanden. Die genannten Zahlen gelten nunmehr jedoch offiziell.

Die Überlebenden hofften auf baldige Rettung. Zuletzt war der Kreuzer am 29. Juli 1945 vom Landungsschiff LST-779 gesichtet worden. Vier lange Tage sollten die Überlebenden auf Hilfe warten müssen. Eine ganze Kette von unglücklichen Umständen, Inkompetenz, bürokratischen Hindernissen und vor allem die Intensivität der Marineoperationen anderswo im Pazifik verhinderten schnelleres Handeln. Auf See dezimierten Hunger und Durst, Ölteppiche, fehlende Rettungsmittel, vor allem aber eine tödliche Gefahr durch Haie die Zahl der Schiffbrüchigen. Die im Wasser treibenden Seeleute müssen Schreckliches durchgemacht habe. Bereits im Verlauf des ersten Tags wurden sie von Hunderten von Haien eingekreist, die zuerst vor allem die außen treibenden Seeleute angriffen und lebendigen Leibes fraßen. Viele der Menschen verloren ihre Sinne, halluzinierten oder drehten durch. Am dritten Tag sollen nur noch etwa 400, am fünften Tag noch 320 Seeleute gelebt haben.

Erst am Morgen des 2. August kurz nach elf Uhr entdeckte Oberleutnant zur See Wilbur Gwinn auf einem Routineflug mit seiner PV-1 Ventura zufällig eine Ölspur im Wasser. Er folgte dieser, ging auf 100 Meter hinab und entdeckte die im Wasser verzweifelt winkenden Männer. Er alarmierte ein in der Nähe kreisendes Flugboot, dessen Pilot, Leutnant Marks, Rettungsinseln und Lebensmittel abwarf und schließlich in der Nähe des Unglücks wasserte. Marks konnte 56 Seeleute an Bord nehmen und retten, die beschädigte Catalina PBY war nicht mehr flugtüchtig. Ihre Leute konnten aber an die zuvor von Marks alarmierte USS Cecil Doyle übergeben werden.  Nach und nach trafen zehn weitere Kriegsschiffe ein, darunter sieben Zerstörer und Geleitschiffe, die die Bergung der noch Überlebenden sicherstellten. Hunderte der ursprünglich 900 Überlebenden hatten einen schrecklichen Tod vor allem durch Haie erfahren. Kapitän McVay hatte überlebt und war – wie er später sagte – von einer Welle von Bord gespült worden, bevor er seine Aufgaben als Kommandant des sinkenden Schiffes hatte zu Ende führen können. Die amerikanische Administration liess sich bis zur Kapitulation Japans am 15. August 1945 Zeit, um von der Katastrophe zu berichten. Damit sollte die Nachricht von Japans Niederlage nicht durch die Horrormeldung über den Untergang der Indianapolis überschattet werden.

Die Empörung in der amerikanischen Öffentlichkeit war riesig, die Katastrophe hatte ein Nachspiel. Der Ruf nach einem Kriegsgericht wurde laut, dem sich Admiral Chester Nimitz zuerst widersetzte, welches hingegen Admiral King, Chief of Naval Operations, befürwortete. Kapitän zur See Charles McVay III wurde als einziger Kommandant der US Navy während des Zweiten Weltkriegs im November 1945 wegen des Verlusts seines Schiffes vor ein Kriegsgericht gestellt. Damals hatte die US Navy immerhin 380 Schiffe im Kampf verloren. Im Wesentlichen wurden gegen ihn zwei Vorwürfe erhoben:

  • Er habe es versäumt, die Aufgabe und Evakuation des Kreuzers rechtzeitig anzuordnen und umsetzen zu lassen.
  • McVay habe es unterlassen, angesichts der Gefahr durch U-Boote im besagten Gebiet einen Zickzack-Kurs zu steuern.

Für den ersten Anklagepunkt wurde er freigesprochen, hingegen für den zweiten belastet. Er wurde auch nicht für den Verlust des Schiffes an sich schuldig gesprochen. Diesbezüglich und in allen anderen Belangen wurde Nachsicht geübt. Angesichts seiner stets ausgezeichneten Leistungen wurde das Urteil ausgesetzt und McVay konnte seinen Dienst fortsetzen. Im April 1946 wurde er Stabschef des Kommandanten des 8. Naval Districts in New Orleans, im Juni 1949 trat er 51-jährig in den Ruhestand.

Später hat sich vieles relativiert, was damals im Zeichen des Zeitgeistes unmittelbar nach Kriegsende offenbar als unvermeidlich angesehen wurde. Es musste damals jemand für diese Katastrophe herhalten. Es gab es von Beginn an aber auch zahlreiche Beobachter, die überzeugt waren, dass McVay bloß als Sündenbock für die Versäumnisse der höheren Navy-Führung dienen musste. McVay stand als Kommandant, das lässt sich nicht wegdiskutieren und das hat er selber auch eingeräumt, zwar immer in der Verantwortung. Aber es gab Argumente, die ihn erheblich entlasteten. So hatte er vor der Fahrt nach Leyte einen Begleitschutz verlangt, weil die USS Indianapolis über keine Mittel zur U-Bootabwehr verfügte. Der zum Kriegsgericht geladene japanische U-Bootkommandant Hashimoto bestätigte zudem, dass der Kreuzer auch bei einem Zickzack-Kurs keine Chance gehabt hätte. Unterstützung erhielt McVay ferner durch den legendären Codebrecher, Fregattenkapitän Joseph Rochefort (der die Insel Midway als Ziel der Japaner im Juni 1942 identifiziert hatte). Dieser warf den Kryptologen in Bezug auf die Lage im Philippinischen Meer vor, versagt zu haben. Und schließlich hatte die Navy selber das Philippinische Meer zu diesem Zeitpunkt als nicht mehr gefährlich bezeichnet und verlauten lassen, dass es dort kaum mehr eine japanische Präsenz gebe und die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens mit japanischen Kriegsschiffen daher gering sei. Insofern steht diese Aussage in einem krassen Widerspruch zur Urteilsbegründung vom Dezember 1945. Experten sind sich heute einig, dass bezüglich der Verurteilung von McVay unterschieden werden müsse in einerseits ein rechtlich korrektes und andererseits in ein gerechtes Urteil. Letzteres sei es nie gewesen. Das Verfahren hat in den USA auch eine andere Frage aufgeworfen, die bis zum heutigen Tag als berechtigt angesehen wird: Vermögen Zivilisten und sogenannte Karriereoffiziere, die kaum mehr einen Bezug zur Seefahrt haben, über solche „Vergehen“ kompetent zu urteilen?

Je grösser der zeitliche Abstand zu den damaligen Vorkommnissen wurde, desto mehr wurde McVay Verständnis entgegengebracht. Im Jahre 2000 schließlich hat der US-Kongress in einer Resolution den ehemaligen Kommandanten der Indianapolis rehabilitiert und von jeglichem Schuld freigesprochen. Er wurde – wie das in der damaligen Praxis üblich war – aufgrund des milden Urteils am Tag seiner Versetzung in den Ruhestand zum Konteradmiral befördert.

An einem grauen Tag im Jahr 1966 zog der mittlerweile 70-Jährige seine Uniform an, nahm eine Seemannsfigur – eine Erinnerung an seine Jugendzeit – zur Hand, ging in seinen Vorgarten und erschoss sich. Er hatte es trotz der Rehabilitierung durch den Kongress nicht mehr ertragen, dass er seit seiner Verurteilung Ende 1945 regelmäßig und meist am Jahresende von Angehörigen der Opfer beschimpft und für den Tod ihrer Angehörigen verantwortlich gemacht wurde. Einsam und gebrochen durch den Tod seiner Frau, hatte er die letzten Jahre verbracht. Die wenigen heute noch lebenden Opfer stellen sich die berechtigte Frage, ob dieses traurige Kapitel noch zu ihren Lebzeiten versöhnlich ad acta gelegt werden kann. Sie selber sind bereit dazu. Kurz vor seinem Tod 1999 hatte auch der japanische U-Bootkommandant Hashimoto die USA gebeten, gegenüber Kapitän McVay Nachsicht zu üben. Die Ehre des Kreuzers wurde in der Folge durch die Benennung eines Atom-U-Bootes (SSN-697), das im Dezember 1998 außer Dienst gestellt wurde, und durch ein im Oktober 2019 neu in Dienst gestelltes Littoral Combat Ships (LCS-17) hochgehalten.

Oberst i.G. a.D. Jürg Kürsener war u.a. Schweizer Verteidigungsattaché in Deutschland und wissenschaftlicher Berater des Chefs der Armee.
Photo: US Navy

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