Die Geschichte der Ausbildung an der MUS ist gekennzeichnet durch ständige Anpassung. Nicht immer waren die neuen Wege erfolgreich.
Ralf Zielinski
Mit dem Einzug der MUS in die Kasernenanlage Plön Ruhleben am 23. September 1960 kehrte die militärische Ausbildung der Unteroffiziere der Marine nach Gründung der Bundeswehr wieder an einen ihrer Ursprungsorte zurück. Sie ist bis heute der Ort, an dem alle Unteroffiziere der Marine mindestens einmal in ihrer Dienstzeit einen laufbahnrelevanten Lehrgang absolvieren. Ausnahme bilden die Unteroffiziere, die als Marineuniformträger (MUT) Dienst im Organisationsbereich Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr (ZSanDstBw) leisten. Diese Unteroffiziere erhalten seit Aufstellung des ZSanDstBw ihre Laufbahnausbildung nicht mehr an der MUS sondern an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München.
Zu Recht kann man deshalb die MUS als Alma Mater der Unteroffiziere bezeichnen. Sie ist daher auch die Quelle für den Korpsgeist der Unteroffiziere der Marine unter Führung bewährter Stabs- und Oberstabsbootsmänner.
Der Weg dorthin war jedoch nicht immer gradlinig und frei von Hindernissen und Pannen. Politische, gesellschaftliche, demographische und technologische Entwicklungen und Prozesse haben von jeher einen starken Einfluss auf die Unterführerausbildung in der Marine und damit auch auf den Korpsgeist der Unteroffiziere gehabt.
Die ersten Jahrzehnte
In der Aufbauphase konnte die Marine, wie auch die anderen Teilstreitkräfte, auf viele kriegsgediente Unteroffiziere zurückgreifen. Ferner konnten Mannschaftsdienstgrade nach zwölf Monaten Dienst in der Truppe von ihren Vorgesetzten für die Unteroffizierausbildung vorgeschlagen werden. Nach der erfolgreich durchlaufenen Ausbildung erfolgte die Beförderung zum Maat nach 30 Monaten, später nach 24 Monaten und ab 1973 nach 18 Monaten. Aus dem Kreis der Maaten wurden dann bei weiterer Förderungswürdigkeit und Bewährung die Bootsmannanwärter ausgewählt. Dieses Verfahren hatte sich bewährt, entsprach den Forderungen des Bedarfsträgers, der Flotte, und wurde von allen Beteiligten innerhalb der Marine mitgetragen.

Lehrgangsabschlussmusterung 1983 mit Konteradmiral Dr.-Ing. Horst Geffers
Ausbildung in den Siebzigerjahren
Die gesellschaftlichen Auswirkungen des Vietnamkrieges und die 68er-Bewegung führten zu einer zunehmenden Ablehnung der Bevölkerung gegen das Militär. Steigende Zahlen von Wehrdienstverweigerern, sinkende Bewerberzahlen für den freiwilligen Dienst in den Streitkräften und die Reduzierung des Wehrdienstes von 18 auf 15 Monate waren die Folgen. Für die Unteroffiziere verschärfte sich das Problem noch mit der Einführung der Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes zum 31. Juli 1969 und der gleichzeitigen Aussetzung der Beförderung von Unteroffizieren zum Stabs- und Oberstabsbootsmann. Es entstand erstmals ein signifikantes Delta zwischen der Soll- und der Ist-Stärke in den Streitkräften.
Diesen Herausforderungen wurde mit einer Straffung der Ausbildung begegnet. In die bisher rein „grüne“ Grundausbildung wurden nun bereits fachliche Anteile integriert, der Gasten-Lehrgang entfiel. Dazu wurden die drei Marineausbildungsbataillone in Eckernförde, Glückstadt und Brake bis Oktober 1973 aufgelöst oder umbenannt. Der angehende Maat erhielt zwar noch seine militärfachliche Ausbildung an einer der Fachschulen der Marine, aber auf den allgemeinmilitärischen Lehrgang an der MUS wurde verzichtet. Ersatzweise wurde ein Truppenpraktikum an seinem zukünftigen Einsatzort absolviert. Zu Beginn des Praktikums war der Maatenanwärter noch nicht einmal befördert. Die Beförderung zum Maat erfolgte nach zwölf Monaten. Der Bootsmannlehrgang wurde beibehalten, musste aber im Anforderungsniveau deutlich reduziert werden.
Der Personalengpass war damit weitestgehend gelöst. Der Verzicht auf eine Vorgesetztenausbildung führte bei den jungen Maaten aufgrund fehlender Kompetenz und der daraus resultierenden Unsicherheit in der Menschenführung oftmals zu Kumpanei und Fehlverhalten im Umgang mit den Mannschaften. Den jungen Vorgesetzten fehlten häufig praktische Fertigkeiten, um Ausbildungsstoff schnell und richtig vormachen zu können, die Fähigkeit, Mängel zu erkennen und sie angemessen abzustellen, Sicherheit im Auftreten und das Gespür für richtige Menschenführung gegenüber oftmals dienstaltersgleichen oder älteren Untergebenen.
An der MUS in Plön wurden durch den fehlenden Ausbildungsgang Maat schlagartig Gebäudekapazitäten frei. Erstmals stand eine Standortschließung mangels Auslastung zur Debatte. Der bedrohten Schule wurde jedoch mit neuen Aufgaben eine Zukunft gegeben. Fortan wurden drei Marinesicherungskompanien, ein Ausbildungszentrum für Reservisten und die Fachausbildung der Verwendungsreihe 76 (Küstendienst) in der frei gewordenen Infrastruktur der Marinekaserne Plön Ruhleben stationiert und der MUS truppendienstlich unterstellt.

Die Hindernisbahn erfordert Mut und Geschicklichkeit
Neuausrichtung
Der Bundesminister der Verteidigung billigte am 4. März 1980 die Lösungsvorschläge einer aus den drei Teilstreitkräften bestehenden Arbeitsgruppe hinsichtlich einer Reform der Unteroffizierausbildung, um die Fehler der vergangenen Jahre zu korrigieren. Zum 1. Januar 1982 trat die Neuordnung der Ausbildung zum Unteroffizier in der Marine in Kraft und ab Oktober 1982 wurden wieder bis zu 900 Maatenanwärter pro Quartal an der MUS ausgebildet. Aus Platzgründen wurden die seit 1973 in Plön stationierten drei Marinesicherungskompanien an die Marinestützpunkte nach Flensburg, Olpenitz und Kiel, die Fachausbildung der Verwendungsreihe 76 nach Großenbrode und das Ausbildungszentrum für Reservisten der Marine nach Glückstadt verlegt.
Für die MUS begann eine längere Phase, in der die Ausbildungsziele und -inhalte im Wesentlichen unverändert blieben. Anpassungen, die sich durch politische, militärische oder ausbildungstechnische Veränderungen zwangsläufig ergaben, waren die Integration von Frauen in die Bundeswehr ab 1991, die Aufnahme von Soldaten der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR nach der Wiedervereinigung, die Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Einführung von Informationstechnologie (IT) in die Ausbildung.
1982 entschloss sich die Bundeswehr auch zur Wiedereinführung der Dienstgrade Stabs- und Oberstabsbootsmann und gab damit dem Unteroffizierkorps seine Spitze zurück. Im Gegensatz zu den bis 1972 verpflichtenden Lehrgängen für angehende Stabsbootsleute wurde ab 1985 das Weiterbildungsseminar für PUO auf freiwilliger Basis an der MUS angeboten.

Santiätsausbildung im Gelände
Wettstreit um Fachleute
Der sicherheitspolitische Wandel in Europa Anfang des Jahrtausends verlangte eine neue und in die Zukunft gerichtete Struktur der Bundeswehr. Die „Neuausrichtung der Bundeswehr“ und die Anpassung an das geänderte Fähigkeitsprofil hatten auch für die Teilstreitkraft Marine strukturelle und organisatorische Auswirkungen.
Mit der Einführung des Bootsmannanwärters wurde Bewerbern für den Dienst in der Marine der direkte Einstieg in die Bootsmannlaufbahn ermöglicht, während für die Unteroffiziere ohne Portepee der Maatenlehrgang unter Wegfall der Fächer Menschenführung und Methodik der Ausbildung von drei Monaten auf vier Wochen verkürzt wurde.
Unweigerlich wurde man an die Fehler aus den Siebzigerjahren erinnert. Allerdings hatte sich inzwischen aufgrund einer immer weiter zunehmenden Technisierung bei den Waffensystemen der Marine das Aufgabenfeld des Unteroffiziers hin zum Fachmann und Spezialisten gewandelt.
Um im Wettstreit mit zivilen Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können, musste die Attraktivität für die Unteroffizierlaufbahn deutlich verbessert werden. Der Ausbildung von Unteroffizieren kam nunmehr eine noch größere Bedeutung zu, um die fehlende Erfahrung aus einer Stehzeit in der Mannschaftslaufbahn zu kompensieren.
Das Bundesministerium der Verteidigung entschloss sich außerdem, geeigneten Mannschaften der Dienstgrade Stabsgefreiter und Oberstabsgefreiter die Übernahme in die Laufbahn der Unteroffiziere anzubieten. Für diesen Personenkreis wurde ein einwöchiger Kurzlehrgang an der MUS installiert.
Im Mai 2005 erließ der Generalinspekteur der Bundeswehr im Zuge seiner Verantwortung für die teilstreitkraftübergreifende Koordinierung der Ausbildung von Soldaten für Auslandseinsätze das „Konzept für die Einsatzvorbereitende Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung“ (EAKK). Die Umsetzung innerhalb der Marine führte dazu, dass Anteile der EAKK-Ausbildung in die Maaten- und Bootsmannausbildung implementiert wurden. Ab 2008 dauerte der Maatenlehrgang zwei Monate und der Bootsmannlehrgang vier Monate.
Von 2009 bis 2019 fand die Grundausbildung der Bootsmannanwärter aus allen Verwendungsreihen geschlossen an der MUS statt. Seit 2020 wird die neue „Grundausbildung Marine“ an der MUS (wie auch an der Marinetechnikschule und der Marineoperationsschule) für alle Verwendungsreihen und Anwärter durchgeführt. Die Kompetenz zur Durchführung einer Grundausbildung von Marinerekruten in Plön ist ebenfalls der Neuausrichtung der Bundeswehr geschuldet. Denn mit der Entscheidung, die Marinesicherungstruppen zu reduzieren und den Standort Glückstadt aufzulösen, verlegte das dortige Marineausbildungsbataillon 2001 nach Plön und wurde hier am 1. Oktober 2002 zur Lehrgruppe B. Mit dem Personal kam auch das „Grundausbildungs-Know-how“ an die MUS.
Fregattenkapitän Ralf Zielinski ist Protokollstabsoffizier im Landeskommando Hamburg und war davor Leiter Schulstab und S3 an der MUS in Plön.
Fotos: Archiv der MUS












0 Kommentare