After the beginning of the Second World War, the Kriegsmarine took over the bathing ship Rugard. In the final days of the war, it rescued thousands of refugees and soldiers.
Wie viele andere deutsche Passagierschiffe wurde die am 13. März 1927 bei den Stettiner Oderwerken vom Stapel gelaufene und im Seebäderdienst eingesetzte Rugard im Zweiten Weltkrieg von der Kriegsmarine requiriert. Dabei war sie zunächst Flaggschiff und Versorgungsschiff, bevor sie schließlich als Führerschiff der 9. Sicherungsdivision zum Einsatz kam. In dieser Eigenschaft erlebte sie nicht nur das Kriegsende, sondern auch[ds_preview] ein Gefecht mit sowjetischen Schnellbooten, als sie als letztes Schiff der Kriegsmarine mit über 1000 Flüchtlingen und Soldaten an Bord von der Halbinsel Hela Richtung Westen aufbrach. Eigentlich nichts Spektakuläres, möchte man meinen, doch fand das Scharmützel mehr als einen halben Tag nach der deutschen Kapitulation statt, nämlich am Nachmittag des 9. Mai 1945. Die Rugard hatte Glück. Ihrer Besatzung gelang es, die Attacke mit Bordwaffen abzuwehren, auch überstand der Dampfer, wenngleich beschädigt, einen sowjetischen Luftangriff. Einen Tag später erreichte das Schiff schließlich die Kieler Förde und konnte die Geretteten an Land entlassen.
Begonnen hatte die Rugard ihren Werdegang wie gesagt als Fahrgastschiff. Von der Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. Braeunlich im Juni 1927 in Dienst gestellt, verkehrte der für 1852 Passagiere ausgelegte und 2000 PS starke Doppelschrauben-Schnelldampfer bis Kriegsausbruch zwischen Stettin, Binz und Sassnitz und fuhr auch Bornholm und Kopenhagen an. Im September 1939 war es mit der Beschaulichkeit vorbei. Die Kriegsmarine bewaffnete die Rugard mit drei Schnellfeuerkanonen und zwei Flakgeschützen und setzte sie zunächst als Flaggschiff des Führers der Vorpostenboote Ost und des Befehlshabers der Sicherung der Ostsee ein.

Fahrplan der Rugard aus dem Jahr 1935
1942 kam der einst so schmucke Dampfer als Versorgungsschiff zur 31. Minensuchflottille, ein Jahr später war er als Begleitschiff an Minenlegeaktionen in der Kronstädter Bucht beteiligt. Zuletzt diente die Rugard als Führerschiff der 9. Sicherungs-Division unter Kommandeur Fregattenkapitän Adalbert von Blanc. Dabei evakuierte sie während des Unternehmens Walpurgisnacht in der Nacht vom 4. zum 5. April 1945 rund 30.000 Flüchtlinge und 10.000 Soldaten aus dem Raum Danzig auf die Halbinsel Hela. Als sich Anfang Mai 1945 das Kriegsende abzeichnete, kam ihr die Aufgabe zu, ein Teil der Evakuierten von Hela nach Westen zu bringen. Außer ihr beteiligten sich zahlreiche andere deutsche Dampfer, Fischerboote und sogar Kriegsschiffe an der Rettungsaktion, denn nach den Kapitulationsbedingungen mussten alle Fahrzeuge, die sich nach Mitternacht des 8. Mai östlich des 15. östlichen Längengrads aufhielten, sowjetisch besetzte Häfen anlaufen. Obgleich sich die Rugard am Nachmittag des 9. Mai mehrere Seemeilen westlich Bornholms befand, versuchten die Russen, sie und andere Schiffe am Durchbruch nach Westen zu hindern. Während man einige Räumboote laufen ließ, konzentrierten sich mehrere sowjetische Schnellboote auf das einstige Bäderschiff und forderten nach einem Warnschuss vor den Bug dessen Kommandanten auf, Rønne anzulaufen. Auf deutscher Seite kam man zunächst dem Befehl nach, drehte aber dann unter Höchstgeschwindigkeit nach Westen ab. Daraufhin legte eines der Schnellboote eine Nebelwand, ein zweites versuchte einen Torpedoangriff, der jedoch scheiterte. Die Rugard erwiderte das Feuer, woraufhin vermutlich ein Angreifer versenkt wurde und die übrigen abdrehten. Auch einen sowjetischen Luftangriff auf die im Gebiet liegenden deutschen Schiffe überstand der Dampfer glimpflich und erreichte schließlich am 10. Mai Kiel.

Zeitgenössische Zeichnung der Rugard
Für die Sowjets war die Angelegenheit damit aber nicht vom Tisch. Sie verlangten von der britischen Besatzungsmacht die Auslieferung des Kommandanten, wurden aber abschlägig beschieden mit der Begründung, dass die Rugard in Notwehr gehandelt habe, die russischen Schnellboote hingegen die Waffenruhe gebrochen hätten, da sich das Schiff am Nachmittag des 9. Mai westlich der vereinbarten Demarkationslinie befunden hätte. Verhindert werden konnte indes nicht, dass die Rugard im Folgejahr als Reparationsleistung an die Russen ausgeliefert werden musste. Nach einer Grundüberholung in Wismar wurde sie im November 1946 in Ilja Repin umgetauft. 1950 wurde sie zum Passagierschiff für das Nördliche Eismeer umgebaut und war als solches bis Ende der 1950er-Jahre im Einsatz. 1960 wurde die Ilja Repin schließlich aus dem Lloyd’s Register of Shipping gestrichen.
Andreas von Klewitz












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