Parts of the ANAKONDA23 and AURORA23 exercise during a joint transit under enemy threat.

Parts of the ANAKONDA23 and AURORA23 exercise during a joint transit under enemy threat.

Sweden's refocus on national defence

Many nations are taking part in the Swedish exercise Aurora 2023. Deu Marfor is taking over the command of NATO maritime units.

Totalförsvar was the motto of the Swedish exercise Aurora 23 and translated means nothing less than total defence. Sweden gave expression to this term with the largest defence exercise on its own territory for 30 years, which took place from 24 April to 11 May. In total, more than 26,000 men and women took part.

Totalförsvar ist ein fester Begriff des nationalen Verteidigungsplans, der die Zusammenarbeit von Militär und zivilen Behörden und Organisationen im Verteidigungsfall darlegt. Schon nach der russischen Annexion der Krim 2014 stellte Schweden die Landesverteidigung wieder in den Mittelpunkt. Das Verteidigungskonzept sollte daher zunehmend in das nationale Bewusstsein gerückt und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine seit dem vergangenen Jahr war für Schweden die endgültige Bestätigung der Richtigkeit dieser Refokussierung. [ds_preview]

Französischer NH90 Hubschrauber der FS NORMANDIE wirkte vor allem in der Uboot-Jagd mit.

Französischer NH90 Hubschrauber der FS NORMANDIE wirkte vor allem in der Uboot-Jagd mit.

Im Übungsszenario Aurora 23 hatte dieses Verteidigungskonzept nun seine Feuerprobe. In der Ausgangslage kam es zu simulierten bewaffneten Angriffen feindlicher Kräfte auf militärische sowie auf zivile Infrastruktur. Im weiteren Verlauf spitzte sich der Konflikt mit einer Invasion Schwedens zu, ab der sich Schweden im Krieg befand. Den Startschuss gab eine am 24. April ausgestrahlte Sondermeldung des landesweiten Senders Sveriges Radio P4. Dieser informierte die Bevölkerung über den Beginn der Übung und rief Reservedienstleistende zur Mobilisierung auf. Letztere wurden dazu aufgefordert, sich bei ihrer zugewiesenen militärischen Einheit zum Dienst zu melden. So wurde die zur Verteidigung notwendige Logistik für die Einberufung von Soldaten und die Umstellung von Teilen der öffentlichen wie auch zivilen Infrastruktur auf Kriegsmodus überprüft.

Für den Gesamtverantwortlichen der Übung, Brigadegeneral Stefan Andersson, war neben der Integration aller zur Verteidigung relevanter nationalen Stellen die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern ein weiteres wichtiges Ziel. 14 Nationen hatten sich bereiterklärt, die schwedischen Streitkräfte zu in dieser Hinsicht zu unterstützen. „Die Übung sendet ein wichtiges Signal an unsere Partner, dass wir ein glaubwürdiger Sicherheitsakteur in der Region sind“, so Andersson. „Wir sind allzeit bereit, unser Land und unsere Interessen alleine wie auch gemeinsam mit anderen zu verteidigen.“

Deutsche Unterstützung
Für den maritimen Teil der Übung oblag Deu Marfor die Aufgabe, die internationale Unterstützung mit dem schwedischen Maritime Component Command zu koordinieren. Einheiten aus Schweden und NATO- Mitgliedstaaten wurden dabei getrennt voneinander geführt. Es galt, den Informationsaustausch zwischen den jeweiligen Führungsstäben erstmalig zu initiieren und zu erproben. Die Schiffe der NATO- Mitgliedstaaten Frankreich, Großbritannien, USA, Deutschland, Estland, Lettland und Litauen wurden von Flottillenadmiral Stephan Haisch in seiner Funktion als Deputy Commander Deu Marfor als Commander Task Force 357 befehligt. So trug Deutschland wesentlich zum maritimen Anteil der Übung bei.

Zwei von insgesamt vier Task Groups bestanden aus der französischen Fregatte NORMANDIE, der deutschen Korvette ERFURT, dem britischen amphibischen Landungsschiff ALBION und drei britischen Patrouillenbooten der ARCHER-Klasse. Zwei Minenjagdboote aus Estland und Litauen sowie ein lettisches Unterstützungsschiff bildeten die dritte Task Group, ein amerikanischer und ein deutscher Seefernaufklärer die vierte.

Zivil-militärische Zusammenarbeit zwischen der FGS ERFURT und dem schwedischen Küstenwachschiff KBV 002 TRITON.

Zivil-militärische Zusammenarbeit zwischen der FGS ERFURT und dem schwedischen Küstenwachschiff KBV 002 TRITON.

Vom neuen Führungszentrum der Marine aus Rostock führte Deu Marfor die Einheiten ab dem 1. Mai mit dem Auftrag, den simulierten Gegner abzuschrecken und Schweden bei der Erstellung eines See- und Luftlagebildes zu unterstützen. Zu dessen Erfüllung nahmen die Einheiten unter anderem Kurs auf die im Südosten Schwedens liegende Insel Gotland. Im Übungsszenario war diese durch feindliche Kräfte besonders bedroht.

An deren Küste übten Teile des britischen 45 Commando Royal Marines amphibische Angriffe. Mit schwedischer Unterstützung wurden die Anlandung und Sicherung ganzer Küstenstreifen erprobt. Abläufe und Verfahren zwischen den beiden Nationen griffen im Laufe der Vorhaben immer besser ineinander. Von den dabei gewonnenen Erfahrungen zum Einsatz amphibischer Operationen profitierten nicht nur die teilnehmenden Verbände. Auch Deu Marfor gewann für die zukünftige Führung amphibischer Kräfte wertvolle Erkenntnisse.

Ein weiteres Highlight waren die Übungsanteile mit einem schwedischen U-Boot, das die Gegnerdarstellung übernahm. So konnte auf dem Weg durch die Ostsee in Richtung Südschweden, neben der Bekämpfung von Überwasserzielen und Flugabwehr, das gesamte Spektrum des dreidimensionalen Seekriegs gewinnbringend abgebildet werden. Durch einen durch Deu Marfor koordinierten engen Austausch mit und zwischen den Task Groups konnte der Führungsstab seine regionale Expertise einbringen, sodass auch die Einheiten der nicht aus dem Kreis der Ostseeanrainer stammenden Nationen ihren Auftrag bestmöglich ausführen konnten.

Zeitgleich mit Aurora 23 fand die polnische Übung Anakonda 23 statt. Ein gemeinsames Übungsziel beider Vorhaben war die Verlegung von militärischem Gerät von Polen über die Os tsee nach Schweden. AufAnfrage der schwedischen Marine stellte Deu Marfor hierbei den Schutz des Konvois über die Ostsee unter simulierter Gegnerbedrohung sicher. Der Stab koordinierte die Zusammenziehung maritimer NATO-Einheiten aus beiden Übungsvorhaben und integrierte somit auch polnische Schiffe in einen gemeinsamen Verband. Aufeinander abgestimmte Taktiken und Verfahren demonstrierten erneut ein starkes Netzwerk aller teilnehmenden Nationen in der Ostsee.

Der trinationale Verband der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen „Baltic Naval Squadron“ (BALTRON) vor Gotland während der Übung AURORA23.

Der trinationale Verband der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen „Baltic Naval Squadron“ (BALTRON) vor Gotland während der Übung AURORA23.

Die Unterstützung der schwedischen Übung verlangte von Deu Marfor genau die Kompetenz, die der Stab ad hoc abzurufen hat, und zwar das Führen von internationalen Verbänden sowie die Koordination maritimer Vorhaben in der Ostsee. „Wir setzen den Gedanken eines Regionalen maritimen Hauptquartiers für die Ostseeregion schon jetzt bei Aurora in die Tat um“, fasste Admiral Haisch die Teilnahme von Deu Marfor bei Aurora zusammen.

Diese Fähigkeiten wurden auch bei der Übung Northern Coasts im September 2023 verlangt. Hier übernahm der Führungsstab Deu Marfor die Übungsleitung sowie erneut die operative Führung aller Einheiten und festigte so weiter den Anspruch Deutschlands, mehr Verantwortung im Ostseeraum zu übernehmen.

Ob Aurora, Anakonda oder Northern Coasts, eines zeigt die Fülle von Übungen in der Ostsee ganz deutlich: Deutschland ist zusammen mit den Partnernationen jederzeit in der Lage, für Sicherheit und Stabilität einzutreten und sich gegen jede Form militärischer Aggression zu verteidigen.

Kapitänleutnant Florian Ruchnewitz ist Offizier für die Logistische Planung in der N4-Abteilung von Deu Marfor und in der Informationsarbeit tätig.

Florian Ruchnewitz

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