The Russian war of aggression against Ukraine is having a serious impact on the German Navy. However, the return to national and alliance defence opens up a wide range of opportunities.
Die Deutsche Marine steht mit der Zeitenwende und dem Zielbild 2035+ vor grundlegenden Weichenstellungen. Sie soll durchsetzungsfähig und für zukünftige Herausforderungen gut aufgestellt sein. Aber wie sollte unsere Marine eigentlich hierfür „getakelt“ sein? Und vielmehr: Wie könnte die Deutsche Marine das von Heinz Schulte in der Aprilausgabe des marineforums beschriebene stovepiping vermeiden und sich in die Zukunft der Bundeswehr bedeutsam „einspleißen“? Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, einen Beitrag zur praktischen Ausgestaltung des Zielbilds 2035+ zu leisten, indem iterativ Ableitungen für die benötigte Kräfteausgestaltung, die Kräfteorganisation sowie die Kräftebereitstellung einer zukünftigen Deutschen Marine beschrieben werden.[ds_preview]
Zunächst: Was sind – in gebotener Kürze dargestellt – die angenommenen Bedrohungen für die Deutsche Marine in Nordatlantik und Ostsee? Nun, ein Blick in die publizierten Analysen des Center of Naval Analysis (CNA) oder des Center for European Policy Analysis (CEPA) bietet Antworten: Für die Landes- und Bündnisverteidigung stammen diese zweifelsohne aus Russland. Im Nordatlantik gilt dies insbesondere für die Nachversorgung Europas mit nordamerikanischen Truppen und die Gefahr eines potenziellen Abschneidens europäischer Handelswege durch russische Kampfeinheiten und Verminungen.

Vertikalstarter auf der britischen Fregatte Lancaster.Im Hintergrund der Versorger Tide Race unddie HMS Westminster, Foto: MoD Großbritannien/Crown Copyright/Dan Rosenbaum
Die russische Föderation hat – gemäß dieser Analysen – in ihrer Nordflotte jedoch mehrere Probleme. Sie hat zum einen nicht mehr die Anzahl von Kampfeinheiten, wie sie die mächtige Sowjetunion im Kalten Krieg vorweisen konnte. Zum anderen steht sie vor mannigfaltigen Herausforderungen beim enablement – eine geringere Anzahl an Versorgungsschiffen lässt nur sehr begrenzt den Einsatz von Überwasserkampfschiffen im Nordatlantik zu. Landabstützungen sind dort nicht möglich. Zudem leidet die russische Marine, wie die Jamestown Foundation berichtet, unter dem Zusammenbrechen der Lieferketten bei Antriebsaggregaten aus der Ukraine und aus dem Westen und einer zu hohen Diversifizierung ihrer Flotte, was die logistische Versorgung zusätzlich erschwert.
Damit läge der Fokus vermutlich auf dem Einsatz jener nuklearen Angriffs-U-Boote, welche nicht unbedingt zur Verteidigung der russischen Zweitschlagsfähigkeit in der Barentssee gebraucht würden. Doch auch hier hat Russland ein Problem: Aufgrund der reduzierten Gesamtanzahl an U-Booten stünden außerhalb der Barentssee nicht mehr viele Einheiten zur Verfügung. Dennoch: Es kann der Einsatz russischer U-Boote im Nordatlantik nicht ausgeschlossen werden, was eine grundsätzliche Bedrohung der Versorgung Europas durch amerikanische und kanadische Einheiten darstellt.
In der Ostsee scheint die Situation eine andere zu sein: Hier wäre derzeit für die NATO die Luft- wie auch die Überwasserbedrohung signifikant größer als die Unterwasserbedrohung, die mit aktuell nur einer dort stationierten KILO-Klasse überschaubar ist. Im Bereich der russischen Flugkörperbedrohung kann zweifelsohne von einer russischen Dominanz in der Ostsee gesprochen werden. Doch aufgepasst: Es muss damit gerechnet werden, dass aufgrund des NATO-Beitritts Finnlands und Schwedens auch eine Neujustierung und Priorisierung der Baltischen Flotte einhergeht und so die Unterwasserbedrohung größer wird.
Es ist zudem festzustellen, dass die Landstreitkräfte, jenseits der starken Schwächungen durch Kriegsverluste in der Ukraine, im westlichen Militärdistrikt Russlands als stark aufgestellt gelten – ein Korps auf der Kola-Halbinsel und schnell verlegbare Luftlandekräfte nicht mit eingerechnet. Die baltischen Staaten hätten es bei normaler Aufstellung dieser Einheiten schnell mit einer quantitativen Übermacht an Landstreitkräften zu tun. Deutschland möchte hier gemäß öffentlicher Verlautbarungen der Bundeswehr im Ernstfall mit der 10. Panzerdivision unterstützen. Diese eigenen Landstreitkräfte müssten jedoch bei einer russischen Blockade der Suwalki-Lücke und der Aktivierung der in Kaliningrad stationierten S 300/S 400, Buks und Pantsirs sowie neuer S 500-Flugabwehrstellungen auch über den Seeweg verlegbar, versorgbar und – das gebietet seriöse Planung – notfalls evakuierbar sein.

Russische Korvette Stoikiy
Doch Landes- und Bündnisverteidigung ist nicht alles: Verpflichtungen zum internationalen Krisenmanagement werden neben den momentan bedeutsameren Erfordernissen der NATO, insbesondere des NATO New Force Models und des NATO-Konzept Defence and Deterrence of the Euro-Atlantic Area, zwar temporär heruntergefahren, jedoch, wie von Moritz Brake in der Aprilausgabe konstatiert, langfristig weiterhin zum Aufgabenportfolio europäischer Marinestreitkräfte gehören. Auch diese weltweiten Obligationen werden daher bei einem zukünftigen Kräftemodell einzupreisen sein. Und die mögliche Notwendigkeit, Operationen im Pazifik zur Unterstützung dortiger Wertepartner durchzuführen, wird perspektivisch zu den Aufgaben der Deutschen Marine gehören.
Kräfteausgestaltung
Wenn wir nun annehmen, dass die beschriebenen Bedrohungen jene sind, welche es zu begegnen gilt, müssen wir uns die Frage stellen: Welcher technischen Voraussetzungen einer Marine bedarf es dafür?
Zunächst bedarf es – wie im Zielbild 2035+ angedacht – stabiler Kampfschiffe, welche sich auch bei schwerem Wetter in den schwierigen Gefilden des Nordatlantiks behaupten können. In den letzten Jahren wurde über die Größe deutscher Fregatten gespottet, nun ist diese Größe für die meteorologischen Bedingungen des Nordatlantiks als zweckdienlich zu erachten. Da die Bedrohung dort primär aus der Tiefe kommt, gilt es, hierfür Kampfschiffe mit modernen Schleppsonaren, Anti-Submarine Rockets (Asrocs) und moderner U-Jagd-Ausstattung einzusetzen.
Gleichzeitig sollen sie aber auch in der Lage sein, nordamerikanische Verstärkungskonvois zu eskortieren. Bevor nun der deutsche Reflex geweckt wird, zwischen Luftverteidigungs- und U-Jagd-Fregatten zu unterscheiden, sollte eine andere Idee handlungsleitend sein: Gemäß der Idee „Linie statt Klasse“ bedarf es hierfür moderner Zerstörer, die beides bewerkstelligen können. Schiffe mit mehr Vertikalstart-Zellen und mehr firepower als bisherige deutsche Fregattenklassen, analog zur Royal Navy, der Marine Nationale, der Marina Militare und der US Navy. Schiffe, die weltweit, generell und universell einsetzbar wären. Übrigens: Aus Abschreckungsgründen sollte sich Deutschland zudem nicht davor zieren, mehrdimensional durchsetzungsfähige Kampfschiffe auch Zerstörer zu nennen.
U-Boote können im Nordatlantik auch einen Mehrwert besitzen, insbesondere wenn schweres Wetter den Einsatz von Überwasserkampfschiffen einschränkt. Dennoch gehören sie mit ihrer grundsätzlichen Passivausrichtung nicht zu den am besten geeigneten U-Boot-Jägern im tiefen Ozean. Fände aber ein Einsatz von russischen Überwassereinheiten im Nordatlantik statt, wären jene neuen U 212CD mit einer vorausstationierten Logistik sehr durchsetzungsfähig. Von großer Bedeutung bei der U-Boot-Jagd wären zudem Seefernaufklärern – hier bald die deutsche P-8A Poseidon – welche mittels Bojenfeldern die weiträumige Detektion von russischen U-Booten ermöglichen.
In der Ostsee bedarf es, um dem oben aufgezeigten Kriegsbild zu entsprechen, einer anderen Komposition von Einheiten als in der Nordsee. In Zeiten des Kalten Kriegs sollten dort der Ausbruch von sowjetischen Marineeinheiten in den Nordatlantik und sowjetische Anlandungen in Nordeuropa verhindert werden. Heute geht es aber vielmehr um die Ermöglichung eigener Operations- und Aufmarschfreiheit im Verteidigungsfall. Und um die Bereitschaft zum Seekrieg.

Start eines Tomahawk Block V von der USS Chafee, Foto: US Navy/Sean Ianno
Wenn Wayne Hughes mit seinem Gedanken „the seat of purpose is on the land“ allerdings Recht hat, dann muss die Deutsche Marine befähigt werden, mit amphibischen Docklandungsschiffen Brigaden des Deutschen Heeres im Baltikum zu unterstützen und ihren Einsatz unter Zuhilfenahme des Seebataillons, von Minenabwehreinheiten und des Kommandos Spezialkräfte der Marine erst zu ermöglichen. Oder jene Heereseinheiten notfalls über den Seeweg zu evakuieren; diese Notfallplanung wäre die Bundeswehr ihren Soldaten schuldig. Das Baltikum verfügt nur über wenige Ro-ro-Häfen – würden diese zerstört, bliebe nur das Ausweichen auf amphibische Operationen an den unzähligen Stränden der Ostsee. Die hierfür notwenigen Docklandungsschiffe – wie die französische MISTRAL – sind entgegen anderslautender Gerüchte weder stark bemannt noch teuer. Es bedarf natürlich hierfür einer Infrastruktur und womöglich Bahngleise zur Fahrzeugverbringung in einen Marinestützpunkt – warum nicht Kiel? Diese Schiffe wären auch optimal ausgestattet für weltweite Krisenmanagment-Missionen.
Zur Verteidigung dieser amphibischen Einheiten und zur Unterstützung von Luft- und Landkampagnen der NATO gegen Kaliningrad bedürfte es zudem leichter Fregatten mit einer Luftverteidigungs-, U-Jagd- und Strike-Fähigkeit mittlerer Reichweite, ähnlich der französischen FREDA. Korvetten in ihrer bisherigen Konfiguration können diese Luftverteidigung nicht leisten. Seezielflugkörper mit Landzielfähigkeit in Zweitfunktion würden hier ausreichen, obgleich jene in Reichweite und Sprengkraft gegenüber normalen Marschflugkörpern deutlich unterlegen sind. Unbemannte Überwasserplattformen sind, wie im Zielbild 2035+ dargestellt, aus Gründen des Personalmangels priorisiert zu betrachten. Es bedarf zudem auch U-Boote zur Aufklärung und Bekämpfung gegnerischer Kampfschiffe, Seefernaufklärer und Drohnen sowie landseitige Flugkörperbatterien, welche mit weitreichenden Seezielflugkörpern und speziellen Lenkwaffen ausgestattet sind.
Es wird häufig über russische Anti-Access-Area-Denial-Gebiete (A2/AD-Gebiete) in der Ostsee gesprochen, aber warum baut die Deutsche Marine nicht eigene A2/AD-Gebiete auf? Wer sich im Seegebiet auskennt und es vorbereitet, besitzt den taktischen Vorteil. In der Ostsee könnte eine Kooperation der seeseitigen Abwehr ballistischer Raketen (Ballistic Missile Defence, BMD) mit landseitiger BMD, landseitigen Flugabwehrraketenstellungen und dem Integrieren von Küsten-FK-Batterien sowie einem Wiederbeleben der Coordinated Air/Sea Procedures Russland vor ein äquivalentes Risiko stellen.
Führen wir den Gedanken weiter: Gemäß der Maxime gegenseitiger Abschreckung „hold your opponent at risk“ erhielte die Deutsche Bucht in einem Konfliktszenario mit Russland einen besonderen strategischen Wert. Begänne die Deutsche Marine mit dem ernstgemeinten Einstieg in den Bereich maritime strike und einer Akquise von schweren Marschflugkörpern wie dem amerikanischen Tomahawk Block V, könnte im Verteidigungsfall von dort aus jeder Punkt in Kaliningrad, dem Grenzbereich zwischen Russland und den baltischen Staaten sowie St. Petersburg getroffen werden.
Alliierte Luft- und Landoperationen könnten so ermöglicht und unterstützt werden, ohne dass die die Waffen abfeuernden Einheiten selbst ein statisches Ziel bieten. Und das unter dem landseitigen Schutz von Schleswig-Holstein und Dänemark sowie der Möglichkeit einer schnellen Nachversorgung durch die Nordseehäfen. Eine alliierte „Zitadelle Nordsee“ also. Dazu noch die oben beschriebene amphibische Projektionsfähigkeit in der Ostsee und die Deutsche Marine würde in der Summe nicht nur der Kernpfeiler der konventionellen NATO-Abschreckung im Baltikum, sondern auch der attraktivste Anlehnungspartner in Nordeuropa. Und auch ein bedeutsamer Wegbereiter für bundeswehrgemeinsame Operationen – weltweit.
Für beide Seegebiete sollte die Marine zudem in moderne Extremely-High-Frequency-Satellitenkommunikation einsteigen, da sie schwerer zu stören und zu detektieren ist. Sie ist womöglich Voraussetzung für den Einsatz von unbemannten Systemen. Gleichzeitig sollte die Anschaffung von Satelliten zur elektronischen Aufklärung sowie der Aufbau von Überwasser- und Unterwassersensorverbünden – manchmal auch als seabed warfare bezeichnet – eine frühzeitige Detektion russischer Einheiten im Nordatlantik wie in der Ostsee erleichtern. Ist das Gefechtsfeld dann erst gläsern, wäre in möglichen Seegefechten die Fähigkeit zum cooperative engagement, also der technologischen Fähigkeit der Zielzuweisung durch Dritte, ein potenzieller Gamechanger. Dies muss dringend durch die Marine beherrscht werden, da es die taktischen Möglichkeiten dramatisch erweitert. Projekte wie das amerikanische NIFC-CA und das französische TSMPF weisen hier den Weg. Dies entspräche auch den zukunftsweisenden Vorstellungen des französischen Militäranalysten Guy Hubin, wonach eine Entkopplung des Waffeneinsatzes von der Zielzuweisung entscheidende Vorteile auf dem Schlachtfeld verspricht.
Abgeleitete Kräfteorganisation
Wie sind diese Kräfte nun zu organisieren? Entsprechend den oben aufgeführten Erkenntnissen ergibt die Einteilung in eine Blue-water- und eine Green-water-Komponente, also den derzeitigen Einsatzflottillen (EF) 1 und 2, weiterhin Sinn. Auch die Tatsache, dass Marinefliegerkräfte aus logistischen Gründen in einem Kommando zusammengehalten werden und jederzeit beide Flottillen unterstützen, ist ebenfalls kohärent mit der notwendigen Kräftegestaltung. Aber: Ist es nach wie vor sinnvoll, EF 1 und EF 2 nach Schiffs- und Bootsklassen zu unterscheiden? Wohl eher nicht. Es bedarf leichter Fregatten in der Ostsee und auch Minenabwehreinheiten sowie U-Boote zum Schutz deutscher Seeverbindungswege in der Nordsee. Beim Verlust eines Stützpunkts wären die Kräfte zudem diversifiziert und die Deutsche Marine noch handlungsfähig. Es sollte zudem insgesamt hinterfragt werden, ob mit einer immer weiter voranschreitenden Reduktion von Flottenstützpunkten nicht auch die Verwundbarkeit der Deutschen Marine zunimmt.
Darüber hinaus wird für alle Kampfverbände die Frage im Raum stehen, wie eine möglichst lange Stationierungszeit in der Ostsee, aber auch insbesondere im Nordatlantik erreicht werden kann. Und unter Umständen auch in Asien. Forward-basing mit einer Vorausstationierung von Munition, Ersatzteilen und Luftunterstützung und der frühzeitige Aufbau eines Sensorverbunds – oder die deutsche Beteiligung an bereits bestehenden Verbünden – auf und unter Wasser ist daher anzuraten, sei es in Norwegen, Schottland, Island, Litauen oder Singapur.

Frigate Brandenburg, Photo: Bw/Ricarda Schönbrodt
Die Schullandschaft sollte bestehen bleiben, da eine Veränderung den Personalaufbau über Jahre hinweg stören würde. Es wird aber darüber nachzudenken sein, die Überwasserflotte mehr mit der Operationsausbildung zu verquicken. Der Aufbau der Einsatzausbildungszentren (EAZ) in den Marinestützpunkten ist daher der richtige Weg. Synthetisches Training und die Zusammenarbeit mit den Wehrtechnischen Dienststellen wird hier bedeutsam sein, aber auch Doktrinenerarbeitung vor Ort. Abgefahrene B-wertige Offiziere – auch die mit steiler Karrierekurve und Perspektive zur Teilnahme am Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National – sollten hier ihre Erfahrungen an junge Offiziere weitergeben. Die Besten gehören in die Ausbildung. Warum nicht das ZSM an eine höhere Kommandobehörde binden und damit aufwerten?
Plötzlich würde es ein attraktiver Karrierebaustein für Admiralstabsoffiziere. Die Ausbildung sollte insgesamt wettbewerbsorientierter sein, Schiffe, Boote und Flottillen gegeneinander antreten. Hierdurch würden Taktiken einem Stresstest unterzogen und initiatives Handeln vermittelt, was Trent Hone in seinem Buch „Learning War“ wie auch Milan Vego in seinem Werk „General Naval Tactics“ als weiteren Erfolgsfaktor einer durchsetzungsfähigen Marine identifizieren. Ein Grundverständnis für Taktik könnte zudem für die angehende Führung bereits an der Marineschule Mürwik geschaffen werden. Diese wird bislang ausschließlich als Nautik- und Führungsschule verstanden, doch durch frühestmögliches war gaming könnten Verständnisse für die taktischen Abläufe und die große Bedeutung des Zusammenwirkens aller Teilbereiche gelehrt werden.
Verbesserte Kräftebereitstellung
Wie könnten diese Kräfte nun bereitgestellt und die Einsatzbereitschaft erhöht werden? Die Flotte bedarf zunächst an Land eines Rückgrats, welches auch am Wochenende erreichbar ist und Lösungen just in time erarbeitet. Ein Mindset LV/BV bedeutet, auch in logistischen, technischen sowie operativen Stabsdienststellen Einsatzbereitschaft einzufordern. Alliierte Streitkräfte sollten gemäß des zukünftigen NATO New Force Model gemeinsam die tiers beüben, optimalerweise durch unangekündigte Übungen. Dadurch würden pulsartige Einsatzverbände zusammengefügt, welche durch widerholte Übungen keine längeren Phasen zur Herstellung von Einsatzbereitschaft und Verbandsintegration mehr bräuchten. Stehende Einsatzverbände sind nicht gottgegeben und erzeugen im Ernstfall nicht die notwendige Masse. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung mit den Standing NATO Maritime Groups und Standing NATO Mine Countermeasures Groups darf man über Alternativen nachdenken. Man muss es sogar. Das NATO New Force Model bietet diese Alternativen.
Das Gewinnen von Personal ist für die Einsatzbereitschaft bedeutsam. Wie können nun Anreize verstärkt werden, um Personal für die Marine zu gewinnen und zu halten? Zum einen bedarf es nun Veränderungen, die auf unterster Ebene wahrgenommen werden. Neue Uniformen wie ein neuer Bord- und Gefechtsanzug sollten als Aufbruchssignal nicht unterschätzt werden. Gleiches gilt für eine notwendige Novellierung der Soldatenarbeitszeitverordnung. Finanzielle Ausgleiche sollten Freistellungen vollumfänglich ausgleichen können und es müsste zudem ein einfaches Prämiensystem eingeführt werden, welches für alle leicht verständlich ist, sich nicht auf Wochenbasis ändert und damit gut beworben werden kann. Das bisherige Prämiensystem ist selbst für erfahrene Disziplinarvorgesetzte nicht nachvollziehbar – wie soll es dann vor der Truppe ausreichend kommuniziert werden? Schwimmtaucherlehrgänge, B-Lehrgänge und Laufbahnlehrgänge in Mangelverwendungen sind Beispiele für Lehrgänge, in denen einfache, leicht zu kommunizierende Festbeträge bei erfolgreichem Absolvieren als zusätzlicher Motivator dienen können. Zum anderen bedarf es grundlegender Umstrukturierungen in der Bundeswehr – die Kampftruppe muss deutlich gestärkt werden! Die Bundeswehr hat viel Personal, es wird allerdings überwiegend heizungsnah und an falscher Stelle eingesetzt. Auch bisher nicht erwogene Maßnahmen sollten hierfür bedacht werden: Warum nicht für jeden Tag auf See oder in der Luft einen Tag früher in Pension? Oder warum nicht die Übernahme des in Großbritannien sehr erfolgreichen adventurous training für die Kampftruppenteile der Deutschen Marine? Zeitenwende bedeutet auch die Notwendigkeit von unkonventionellen Maßnahmen. Im Verhältnis muss der Dienst in den Kampftruppenteilen attraktiver werden.
Genug der Spleiß- und Takelvorschläge. In Teilen provokante, aus offenen Quellen entnommene und in Gänze ohne Mitzeichnungsgang erstellte Vorschläge sollten hier skizzieren, wie die Deutsche Marine durch eine praktische Ausgestaltung des Zielbilds Marine 2035+ für die Zukunft gut aufgestellt wäre. Oder wie es Admiral James G. Stavridis in seinem Buch „Sailing True North“ schreibt: „In a world that moves at breakneck speed and refuses to slow down and consider what is right and just …“, kurz innezuhalten und vor dem Allemannsmanöver das weitere Vorgehen zu erörtern.
Fregattenkapitän Mark W. Baumert ist Erster Offizier der Fregatte BRANDENBURG. Kapitänleutnant Sebastian Grenstad ist Erster Schiffseinsatzoffizier der Fregatte BRANDENBURG.
Mark W. Baumert und Sebastian Grenstad












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