Russland will seine Raptor Kampfboote modernisieren, Bildquelle: Pella

Russland will seine Raptor Kampfboote modernisieren, Bildquelle: Pella

Projekt 03160: Russland will seine Raptor-Kampfboote modernisieren

Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Ukraine Krieg will Russland offenbar seine Flotte an Projekt 03160 Raptor Kampfbooten modernisieren.

Dies gab die beauftragte Herstellerwerft in einer Stellungnahme bekannt. Der Schwerpunkt der Maßnahme soll neben der Bewaffnung auch den Schutz der Boote betreffen.

Das Projekt 03160 Patrouillenboot, welches von der in St. Petersburg ansässigen Pella Werft konstruiert und gefertigt wird, ist seit 2015 bei den russischen Streitkräften eingeführt. Mit einer Länge von 16,7 m und Breite von 4 m haben die Raptor laut Herstellerangaben eine Verdrängung von maximal 23 Tonnen und können neben der zwei- bis dreiköpfigen Besatzung im Rumpf noch 20 Soldaten mit persönlicher Ausrüstung und Bewaffnung aufnehmen. Die mitgeführten Kräfte können sowohl durch eine Klappe am Heck, als auch am Bug ein- und aussteigen, was die Boote der Raptor-Klasse für die In- und Exfiltration von Spezialkräften, aber auch zu konventionellen amphibische Landeunternehmen befähigt.

Für den Antrieb sorgen zwei C-18 Dieselmotoren des amerikanischen Maschinenbauers Caterpillar mit je 1150 PS. Diese treiben ihrerseits je ein Rolls-Royce Wasserstrahlantrieb an. Durch den geringen Tiefgang von maximal 85 cm können diese Boote laut Pella eine Spitzengeschwindigkeit bei ruhiger See von bis zu 48 Knoten (89 km/h) erreichen. Der Rumpf des Bootes besteht aus einer Aluminiumlegierung, ergänzt durch Panzerglas-Elemente, sodass die Raptor-Klasse Schutz vor Beschuss mit Waffen des Kalibers 7,62 mm x 39 mit Hartkern- und 7,62 mm x 54R mit Weichkerngeschossen bietet.

Als Bewaffnung verfügt die 2015 eingeführte Serienversion über eine ferngelenkte Waffenstation mit einem Maschinengewehr KPVT im Kaliber 14,5 mm x 114. Mit diesem können Ziele auf See oder an Land laut Hersteller bis zu einer Entfernung von 2.000 m bekämpft werden. Zusätzlich können zwei PKP Maschinengewehre im Kaliber 7,62 mm x 54R seitlich am Rumpf lafettiert werden.

Von den insgesamt bis zum Beginn des Ukrainekrieges gefertigten 17 Booten lagen russischen Quellen zufolge bei Ausbruch der Kampfhandlungen sieben im Schwarzen Meer. Internationale Bekanntheit erlangte die Raptor bei ihren Einsätzen rund um die Schlangeninsel. Dabei wurden mehrere Boote von Lenkflugkörpern getroffen, welche von ukrainischen Bayraktar TB-2 Drohnen verschossen wurden.

Auch die Beschädigung eines Bootes durch einen ukrainischen Panzerabwehrlenkflugkörper von Land verschossen, wurde dokumentiert.

Es ist davon auszugehen, dass durch die Kampfhandlungen zwei bis fünf der Boote dauerhaft kampfunfähig geworden, oder sogar gesunken sind. In sozialen Netzwerken kursierte im Mai das Bild einer stark beschädigten Raptor, welche auf einem Trailer zur Reparatur in die Werft zurück transportiert wurde.

So ist es nicht verwunderlich, dass an den verbliebenen Einheiten Nachbesserungen bzw. eine Kampfwertsteigerung erfolgen soll. Laut Sprecher der Pella Werft beziehen sich die Maßnahmen auf die Bewaffnung der Boote und ihren Schutz. Da zusätzliche passive Panzerung die Beweglichkeit der Projekt 03160 Patrouillenboote einschränken würde, ist davon auszugehen, dass die Schutzmaßnahmen aktiver Natur sind.

Dies scheint die modifizierte Raptor zu bestätigen, welche Ende Juli am Tag der Flotte in St. Petersburg bei einer Vorführung gezeigt wurde. Rund um den Bug wurden zylindrische Behälter angeordnet, welche von russischen Kommentatoren als Komponenten eines abstandsaktiven Schutzsystems, ähnlich dem im Armata Kampfpanzer verbauten KAZ Afganit, identifiziert wurden. Als deutlichste Modifizierung des in St. Petersburg gezeigten Bootes stechen jedoch die beiden Kornet-D Vierfachstarter für den Lenkflugkörper 9M133M Kornet-M heraus, welche rechts und links am Heck montiert wurden. Hiermit würde die Fähigkeit zur Bekämpfung von Zielen auf See und an Land bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern möglich werden.

Wie schnell die am Tag der Flotte gezeigten Modifikationen tatsächlich in das Projekt 03160 integriert werden können und ob es zudem Neubauten als Ersatz für die erlittenen Verluste geben wird, ist indes unklar. Es sei jedoch angemerkt, dass nicht nur die Fertigung neuer Boote, aber auch der Betrieb und die Ersatzteilversorgung der existierenden Einheiten zunehmend auf Schwierigkeiten stoßen werden. So wurden bis jetzt nicht nur der Antrieb der Boote aus dem Ausland importiert, sondern auch weitere Komponenten, wie z.B. das Navigationsradar. Diese Güter sind jedoch auf absehbare Zeit sanktionsbedingt nicht mehr verfügbar.

Kristóf Nagy

 

mit freundlicher Genehmigung von "Soldat & Technik"

12. Aug. 2022

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