Nachruf auf Korvettenkapitän a.D. Peter Jürgen Steskal Wir haben am 08.01.20 nach tragischer Krank- heit einen treuen Crewkameraden verloren, der sich nach einem Sturz und der folgenden Opera- tion einfach nicht mehr erholen konnte. Peter Steskal war ein Feingeist. Viele haben es nicht gewusst, viele wollten es nicht wahrhaben und so verlief auch sein Leben nicht immer so, wie er es sich wünschte. Am 25.10.39 in Ludwigshafen geboren, durch- lief er nach dem Abitur 1959 mit uns die Aus- bildung. Seine ersten Erfahrungen sammelte er als Segeloffizier auf der „Gorch Fock“, als Prüf- offizier in der OPZ in Köln und als Wachoffizier auf einem Fletcher. Nach kurzer WO-Zeit auf einem Schnellboot wurde er Kommandant, um danach als Sachbearbeiter im FüM III in Bonn eingesetzt zu werden. Das Gebiet Elektronischer Kampf wurde zu seinem Fach: im Marineamt und an der Marineortungsschule. Er wirkte in div. NATO-Gremien mit und sein Traum war ein Dienstposten in einem NATO-Stab. Seinen Freigeist, seine Kritikfreude, aber auch zermürbende private Probleme konnte er nicht mehr mit den Entscheidungen seines Diensther- ren in Einklang bringen. 1987 ließ Peter Steskal sich freiwillig nach dem Strukturgesetz in den Ruhestand versetzen, obwohl er die Marine doch so sehr liebte. Er versuchte einen Neuanfang als Weinhändler in der bierbestimmten Stadt Jever. Leider scheiterte seine Geschäftsidee an seinen Idealen, die mit dem Handel unvereinbar waren. So begann Peter im Herbst 1989 mit seiner Part- nerin Lele einen neuen, glücklichen Lebensab- schnitt im Markgräflerland. Drei Jahre arbeitete er dort in der Wehrtechnik, engagierte sich in der Kommunalpolitik und gründete einen Golfclub. Im Kreise der Crew war Peter als ein in sich ruhender Kamerad bekannt und geschätzt, der Fregattenkapitän a sich nicht in den Vordergrund drängte. Wer ihm näher kam, seine Freundschaft erwarb, lernte eine unverwechselbare, facettenreiche Persön- lichkeit kennen. Sein Widerspruchsgeist konnte provozieren, wo- bei sein oft hintergründiger Humor Schärfen in Schmunzeln auflöste. Er liebte und pflegte die Geselligkeit. Peter beteiligte sich an der Organisation von drei Crewtreffen, 1976 in Jever, 1986 in Varel und 1995 in Bingen. Wir haben einen markanten, oft verkannten Crewkameraden verloren, an den wir noch oft denken werden. Wir trauern mit seiner Lele und seiner Tochter Nina. Für die Crew IV/59: H. Peter Bunks Traurig-schön: Abschied von der „Wilden 13“ Die Außerdienststellung eines Schiffes findet in einem kurzen, eher zurückhaltenden Zeremoni- ell statt. Von wegen! Am 18. Dezember 2019 hängt der Himmel über dem Marinearsenal in Wilhelmshaven voll grauer Wolken. Nach 30 Jahren und 15 Tagen im Dienst der Flotte wird die Fregatte „Augsburg“ F 213, die vorletzte der Klasse 122, nach genau 767.467,3 Seemeilen und einem „erfüllten“ Schiffsleben, darunter der Beteiligung an 15 maritimen Einsätzen, Aus- landshäfen „round the world“ und kurzfristi- gen „Spezialaufträgen“ wie dem UN-Einsatz zur Vernichtung syrischer Chemiekampf- stoffe im Mittelmeer bis zum Geleitschutz des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ im Persischen Golf, außer Dienst gestellt. Ein letztes Mal ist die (Rest-)Besatzung in 1. Garnitur blau auf das Flugdeck herausgetreten, diesmal flankiert vom Ehrenzug und dem un- längst neu aufgestellten Marinemusikkorps Wil- helmshaven unter Leitung von Fregattenkapitän Matthias Prock. Erstes Stück und auf Wunsch der Besatzung: das „Lummerland-Lied“ aus der „Augsburger Puppenkiste“. Grandios. Hangar und Flugdeck voll, die Abteilungsleiter der Einsatz- flottille 2 unter Führung ihres Kommandeurs, Flottillenadmiral Ralf Kuchler, ebenso zugegen wie der Bürgermeister der Stadt Wilhelmshaven, Uwe Reese und die Delegation aus der Paten- stadt „Augschburg“, wie Stadt und Fregatte, von Bernhard Mauermeir, Leiter des Hauptamtes der Stadt, in seiner Grußbotschaft erläutert, dort korrekterweise heißen, und wo man gern auf die jahrelange gute Patenschaft zurückblicke. Viele ehemalige Besatzungsangehörige waren da, von denen der mit der weitesten Anreise am Abend zuvor aus Houston/Texas eingeflogen war. Auch etliche ehemalige Kommandanten hatten den Weg zurück an Bord gefunden, darunter, mit 15 Offizieren und Unteroffizieren seiner Erstbesatzung, auch der erste Kommandant des Schiffes, Fregattenkapitän a.D. Friedrich von Kalm, der die „Augsburg“ am 3. Oktober 1989 mit dem Befehl „Heiß Flagge und Wimpel“ an der Ost- mole der 4. Einfahrt in Dienst gestellt hatte. 22 · MarineForum-Nachrichten 3-2020 f l h a R d n r e B : o t o F Als dann der letzte Kommandant, Fregatten- kapitän Mathias Rix, ans Rednerpult trat, kam noch einmal Wind auf, so als solle die Heck- flagge kurz vor ihrem endgültigen Niederholen noch einmal richtig auswehen. „Dienst an Bord dieses Schiffes“, so Fregattenkapitän Matthias Rix dann in seiner Abschiedsrede, „ war immer mehr als Daten und Zahlen. Das waren meine Frauen und Männer an Bord, die Verbindung zur Patenstadt, ehemalige Besatzungsangehörige, das letzte Einlaufen mit dem ersten Komman- danten an meiner Seite, Emotionen und vor al- lem die feste Überzeugung, dass dieses Schiff etwas Besonderes ist.“ Denn ein Schiff, und besonders dieses, sei mehr als ein Stück Stahl, besitze doch „jedes Schiff eine eigene Seele, die wechselseitig die Seeleute an Bord prägt und von diesen geprägt wird.“ „Tragen sie alle den guten Geist der ,Augsburg´in die Flotte und in die Marine hinein.“ – so Kapitän zur See Dirk Jacobus, Kommandeur des 4. Fregattengeschwaders, anschließend. Sei diese Außerdienststellung, so traurig sie sei, doch auch ein „sichtbares Zeichen einer neuen Zukunft“, die nämlich der neu zulaufenden Fre- gatten der Klasse 125. „Wir werden die ,Augs- burg´ nicht vergessen, auch wenn wir sie jetzt formell verabschieden.“ Nur ein Abschied auf Zeit, so Jacobus, denn der Name „Augsburg“ werde schon bald mit einer neuen Korvette in der Flottenliste auftauchen. Und wieder mit Sursulapitschi an Bord, der kleinen Meerjung- frau aus der „Augsburger Puppenkiste“ und vielleicht auch schon beim Stapellauf mit jener Magnum-Flasche original „Augsburg“-Sekt aus Zeiten der Indienststellung, die Kapitänleutnant aD Bernd Rahlf, Waffentechnikoffizier der Erst- besatzung, an den Kommandanten übergab. Dann das Kommando „Hol nieder Flagge und Wimpel!“ und es schien, als wolle sich die Flag- ge der „Augsburg“, „Wilde 13“ eben, unter den Klängen des „Holländischen Ehrenmarsches“ noch nach Kräften, wenngleich vergeblich, dagegen wehren, niedergeholt zu werden. Holländischer Ehrenmarsch und schließlich und feierlich die Nationalhymne, und am Ende spiel- te das Marinemusikkorps „Auld lang syne“, das alte schottische Abschiedslied. Es folgten drei Hurras „auf alle die, die dreißig Jahre hier zur See gefahren sind und auf die „Wilde 13““ – die, so hatte es der Kommandant zuvor gesagt, zwar nun nicht mehr sei, aber in den Herzen ihrer Be- satzungen immer weiterfahren werde. Nachsatz: Und das „Lummerland-Lied“ into- niert auch nur ein Marinemusikkorps – und daher ist es auch gut, dass es das in Wilhelms- haven wieder gibt. Frank Ganseuer „Augsburg“-Kommandanten