w B o d K ü F s n E : i o t o F es den Dienstbetrieb, teilweise gingen sogar Informationen verloren. Hilfreich erwies sich die temporäre Weisung, offen eingestufte Vorgänge auch auf privater IT bearbeiten zu können. Nachholbedarf gibt es auch fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie bei der Aus- stattung mit mobilen Zugängen. Nicht jedes Personal, das grundsätzlich die Arbeit ortsun- abhängig erledigen könnte, verfügt über die notwendige Soft- bzw. Hardware. Hier ist die Umsetzung einfach noch zu langsam, was ei- ne schnellere Reaktion verhindert und damit den Handlungsspielraum verringert. Dabei hat sich doch gezeigt, wie effektiv auch im oft so skeptisch betrachteten Homeoffice Auf- träge erledigt werden können. An dieser Stelle hat die Pandemie tatsächlich eine Chance ge- boten. Mit geeigneter Infrastruktur, Vertrau- en und angepasstem Arbeitsverhalten kann Homeoffice auch für die Marine in vielen Be- reichen ein erfolgsbringender Faktor werden. Alltag in der Flotte Der Dienstalltag in der Flotte wurde vor al- lem unter dem Motto „Infektionsschutz ge- währleisten, gleichzeitig führungsfähig und einsatzbereit bleiben“ organisiert. Personal wurde ebenfalls auf das notwendige Maß re- duziert. Schlüsselpersonal in den Stäben und Geschwadern wurde, sofern möglich, mit mo- biler IT ausgestattet oder es wurde eine Art Schichtbetrieb eingeführt. Auf den seegehenden Einheiten wurde in der Regel nur den Kommandanten als In- formationsträgern eine mobile Ausstattung zur Verfügung gestellt. Dort wo es kaum möglich ist, den Mindestabstand einzuhal- ten, nämlich auf den seegehenden Einhei- ten, suchte man nach anderen praktikablen Lösungen. So wurden Besatzungen geteilt, wobei sich jeweils nur eine Hälfte, die be- triebsfähige Mindestbesetzung für den Ha- fen- oder Werftbetrieb, an Bord befand. Das Minenjagdboot DATTELN bewies, wie trotz beengter Platzverhältnisse mit umfunkti- onierten Halstüchern der Eigenschutz und die Hygienemaßnahmen bereits in der An- fangszeit an Bord umgesetzt und der Betrieb aufrechterhalten werden konnte. Im Seebetrieb standen die Besatzungen vor ganz anderen Herausforderungen. Die Crew des Tenders DONAU musste 102 Tage auf Landgang während ihrer Teilnahme an der SNMCMG 1, dem Minenabwehrverband der NATO, verzichten. Als äußerst positiv für alle Beteiligten sei hier jedoch auch erwähnt, dass eine durchgängige Zeit in See von 14 Tagen ohne Außenkontakte oder Einschif- fung eine anschließende Isolation in häusli- cher Umgebung ersetzen kann – Stichwort Kohortenisolierung. So konnte die Besatzung der Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG nach der Warmwassererprobung ohne Verzögerung im Heimathafen an Land gehen. MarineForum 12-2020 Einsätze gehen weiter Der Einsatzbetrieb der Flotte blieb weitgehend unberührt, sieht man von den umfassenden Hafenbeschränkungen für die Besatzungen und der damit einhergehenden Versorgung der Einheiten ab. Gerade am Anfang der Pan- demie unterlagen die einzelnen Bestimmun- gen einer sehr hohen Dynamik durch die sich nahezu täglich ändernden Rahmenbedingun- gen. Zusätzlich kam erschwerend hinzu, dass jedes Land andere Regelungen getroffen hat, die Hafenplanung, Verlegung, die Nachversor- gung und die industrieseitige Instandsetzung im Auslandshafen erheblich beeinflussten. Die Marine ist in diesem besonderen Fall ganz un- terschiedlich vorgegangen. Eine Einheit wurde beispielsweise aus dem NATO-Verband im Mit- telmeer herausgelöst und dafür in die Ostsee verlegt. Anders beim Einsatzgruppenversorger BERLIN – fast 170 Tage war das Schiff im Ein- satz in der Ägäis. Mit Verlassen des Heimatha- fens im April 2020 wurde die Besatzung isoliert und die Prophylaxe erhöht – dazu gehörten Ab- standsregeln, das Tragen von Masken sowie der Verzicht auf Außenkontakt und Landgänge. So- wohl vor dem Transit als auch vor dem ersten Einlaufen im Mittelmeer wurde die komplette Besatzung getestet, sodass man mit sehr ho- her Wahrscheinlichkeit sagen konnte, dass nie- mand eine Coronavirus-Infektion aufweist. Mit der auch im weiteren Verlauf durchgeführten Kohortenisolierung – einzig im Hafen auf Kre- ta gab es die Möglichkeit, die Pier ohne weitere Kontakte zu begehen – gelang es, eine mög- liche Infektion mit dem Virus zu verhindern. Um eine Prüfung an Bord vornehmen zu kön- nen, wurden ambulante Tests entwickelt, die durch einen extra eingeschifften medizinisch- technischen Laborassistenten und zusätzliches Gerät im bordeigenen Rettungszentrum See analysiert werden konnten. Zusätzlich wurde das Personal an Bord telemedizinisch, also per Bildtelefonie, begleitet. Mit diesem hohen Auf- wand wurde die BERLIN das erste Marineschiff weltweit, das Coronatests auf See durchfüh- ren ließ. Ein großer und weit über die Grenzen Deutschlands registrierter Erfolg. Weitere Einschränkungen verhinderten zunächst geplante Besatzungswechsel, wie während des Einsatzes Unifil auf der Korvette LUDWIGSHAFEN AM RHEIN, oder Personaltausch im Unifil-Hauptquartier im Libanon wurden von der UN untersagt und mussten nach hin- ten verschoben werden. Gleichzeitig konnten diese nur mit stark reglementierten vierzehn- tägigen Quarantänemaßnahmen sowohl in Deutschland als auch im Gastgeberland – und umgekehrt – durchgeführt werden. Die Marine muss, und das wird aus der aktuellen Einsatzsituation ersichtlich, Lösungen für sol- che Lagen erarbeiten, um die Auswirkungen für das Personal und die Angehörigen zu mi- nimieren und um überhaupt an den Einsät- zen durchhaltefähig teilnehmen zu können. Immer mit Schutzmaske Lessons Identified Die Marine befindet sich noch im Ausnah- memodus, die Pandemie ist noch lange nicht überwunden, weshalb das aktuelle Handeln weitestgehend davon beeinflusst wird. Aber als Zwischenfazit kann die Marine sagen, dass sie bis dato glimpflich davongekommen ist. Nicht zuletzt aufgrund der strikten Einhaltung von Maßnahmen, von Personalauflockerun- gen, der Schaffung von Möglichkeiten des mo- bilen Arbeitens, einer Anpassung der Ausbil- dung und dem Charakter des Dienstes an Bord. Aber auch, und das sei hier an dieser Stelle her- vorgehoben, dem disziplinierten Verhalten der Marineangehörigen selbst ist es geschuldet, dass die Marine ihren Kernauftrag erfüllen kann und handlungsfähig bleibt. Alle Einsät- ze, Missionen und einsatzgleichen Verpflich- tungen können sichergestellt und der Schutz der Marineangehörigen vor Covid-19 konnte bislang gewährleistet werden. Reibungsver- luste lassen sich in so einer komplexen und unbekannten Lage nicht verhindern. Gerade zu Beginn der Pandemie mit einer sehr dyna- mischen Lageentwicklung mussten Prozes- se erst gefunden werden und sich einspielen. Bleibt zum Abschluss vielleicht noch die Frage, ob es nicht notwendig wäre, vor- bereitete Pläne und Weisungen „in der Schublade“ vorzuhalten. Sicher eine Mög- lichkeit, allerdings ist das Bereithalten von dezidierten Plänen für eine derart überra- schend auftretende Pandemie weder mög- lich, noch realistisch planbar, noch notwen- dig. Aktuell zeigt sich allerdings auch, dass sich die Vorbereitungen und die Erfahrun- gen aus dem Frühjahr auszahlen. Deutlich schneller können Weisungen umgesetzt und Kräfte aktiviert werden. Aus vielen Er- eignissen wurde gelernt und erste Konse- quenzen gezogen, damit die Marine auf sol- che Herausforderungen besser vorbereitet ist. Nun heißt es aber auch, nicht locker zu lassen und gleichzeitig unter den Rahmen- bedingungen weiterhin bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. L Hauptmann Juliane Lüben arbeitet im De- zernat Controlling des Marinekommandos. 15