t i d m h c S e n a J / w B : o t o F Es gibt aber auch weitere infrastrukturelle Herausforderungen. Viele Gebäude in den Kasernen in Eckernförde sind relativ alt und müssen kernsaniert oder in Gänze neu aufgebaut werden. Das alles ist im laufenden operativen Geschäft zu bewerkstelli- gen, denn das Seebataillon ist eine Einsatzeinheit. Von unseren mehr als 1000 Soldaten und Soldatinnen sind derzeit etwa 200 im Einsatz beziehungsweise in nationaler oder NATO-Be- reitschaft. Rechnet man das durch, wird deutlich, wie hochbelas- tet der Verband beziehungsweise wie dünn die Personaldecke ist. Doch wir sind immer noch gut ausbalanciert. Klar, das Hemd ist kurz, aber nicht zu kurz. Der Verband ist so aufgestellt, dass er sowohl aktuelle als auch künftige Aufträge bewältigen kann. Dabei wird viel Flexibilität und Kreativität von uns verlangt, aber dafür sind Marineinfanteristen ja bekannt. Wer ausgebildet wird, will Gelerntes auch anwenden. Genau hier existiert ein Manko – es fehlt an Transport- und Wirkmitteln. Ist dies nicht insbesondere für die tak- tischen Einsatzkräfte frustrierend? Den Zulauf neuer Verbringungsmittel et cetera muss man aus zwei Perspektiven betrachten. Da sind zum einen die Bordein- satzkompanien. Mit dem Zulauf der neuen Fregatten der Klasse 125 wandelt sich das Boardinggeschäft komplett hin zu einer gänzlich neuen Qualität. Mit den auf diesen Schiffen eingesetz- ten jeweils vier Bustern haben wir zum ersten Mal taktische Ver- bringungsmittel, die dieser Bezeichnung gerecht werden. Das gibt den Bordeinsatzkräften einen hohen Motivationsschub. Erstmals befand sich eine Bordeinsatzgruppe auf der NORD- RHEIN-WESTFALEN im Einsatz im German Operational Sea Training (GOST GEA) und konnte dort wertvolle Erfahrungen sammeln. Um unsere taktische Bootsausbildung und die Einsatzvorberei- tung noch besser zu gestalten, warten wir in Eckernförde auf weitere Buster – bisher steht uns hier nur einer zur Verfügung. Zur Küsteneinsatzkompanie: Die wollen wir – im Rahmen der deutsch-niederländischen Kooperation – mittelfristig dazu be- fähigen, als gesamte Kompanie an amphibischen Operationen teilzunehmen. Wenn es um die maritimen Verbringungsmittel geht, sind wir derzeit noch in Gänze auf unsere niederländischen Kameraden angewiesen. Der nationale Planungsprozess für ein Mehrzweckkampfboot für das Seebataillon ist jedoch relativ weit fortgeschritten, und ich bin zuversichtlich, dass wir dieses neue Waffensystem bald zur Wirkung bringen könnten. Die hervorra- genden querschnittlichen Fähigkeiten eines solchen Bootes sind für unterschiedlichste Einsatzarten nutzbar – dazu zählt auch das schnelle Verbringen amphibischer Kräfte. Es ist kein Geheimnis, dass wir auch die schwedischen Kampf- boote CB 90 der neuen Generation testen und daraufhin prüfen, ob sie unsere Einsatzanforderungen erfüllen. Wir haben mit die- sen Booten bereits 2016 bei Baltops [Baltic Operations] gear- beitet. Sie wären aus meiner Sicht definitiv ein sehr geeigneter Kandidat für die Marine und die Bundeswehr. Mit diesen Booten könnten wir in der deutsch-niederländischen Kooperation ein ganz anderes Gewicht in die Waagschale wer- fen, zumal die Niederländer momentan nichts Vergleichbares besitzen – jedoch ebenso wie Deutschland die Beschaffung anstreben. Im Rahmen einer Kooperation ist es denkbar, dass wir unsererseits solche Boote einbringen und damit Synergie- effekte für eine gemeinsame Nutzung schaffen. Werden die materiellen Bedürfnisse des Seebataillons nicht zu sehr als Nischenprojekte eingestuft? Nischenprodukte oder -projekte stimmt insofern, als dass wir keine großen Schiffe wie Fregatten, sondern eher kleine Einsatz- Minentaucher bei der Einsatzvorbereitung mittel brauchen. Was die Mehrzweckkampfboote angeht, ha- ben diese heute einen prominenten Platz in der Wahrnehmung gefunden, weil die Marineführung immer wieder deutlich macht, wie wichtig diese Einheiten sind. Ich glaube, dass das auf der politischen Ebene auch angekommen ist. Ich denke, dass viele Akteure im parlamentarischen Bereich zumindest die Grundzüge dieses Verbands einordnen können – und ebenso die Notwendigkeiten, die sich daraus ableiten. Ein bisschen mehr geht immer, aber wir fühlen uns nicht nach hinten gedrängt, ganz im Gegenteil. Sie sagen, dass Kampfboote taktisch ein Nonplusultra für das Bataillon sind. Für diese Boote muss auch eine entsprechende Infrastruktur vorhanden sein, sprich: Lie- geplätze an der Pier, Trailer für den Transport, ein Hallen- platz für die Instandhaltung und Mittel für eine weltwei- te Verbringung. Wie stellt sich dies aus Ihrer Sicht dar? Ich bin Pragmatiker. Wenn man mir sagt, ich habe die Option, solche Einheiten zu bekommen, mache ich hier alles möglich, um sie für die Bundeswehr einzusetzen. Wir haben intern erste Überlegungen dazu angestellt, dass und wie wir dieses Einsatz- mittel auch bei knapper werdenden Ressourcen in einer An- fangsbefähigung verwenden können. Wenn die Boote in einer Anzahl X kommen, ist es machbar, sie ohne zusätzliches Perso- nal zur ersten Einsatzreife zu bringen. Das kann ich in meinem Verband mit eigenen Mitteln umsetzen, sowohl personell wie auch im Hinblick auf die notwendige Infrastruktur. Diese Boote sind aus Aluminium und könnten dementsprechend auch das ganze Jahr im Wasser liegen, Liegeplätze werden wir hierfür zur Verfügung haben. Zum Thema Trailer: Auch da bin ich pragmatisch, zur Not finden wir organisationsbereichs- übegreifend eine Transportmöglichkeit, beispielsweise durch eine Zusammenarbeit mit einem Logistikbataillon oder es wird, wie beim Buster, eine zivile Firma angemietet, die die Boote von A nach B fährt. Somit sehe ich auch da eine Herausforderung, aber kein unlösbares Problem. Zum Verbringen weltweit: Es gibt zahlreiche andere Nationen, die solche Boote auch luftverlastbar von A nach B bringen. Der A 400M kann sie vom Gewicht her transportieren. Was die Ab- maße angeht, ist es noch zu prüfen. Und falls diese Option nicht zieht, existieren Rahmenverträge mit zivilen Transportflugzeu- gen – oder dem Lufttransportverband der NATO. Wenn etwas mehr Zeit zur Vorbereitung hat, bleibt immer die Option, die Boote über See zu transportieren. 6 – 2021 marineforum 21