durch schnelle, flexible Präsenz und Dislozierung von See- und Luftstreitkräften in Spannungsgebiete gewährleistet werden. Es gilt, durch Koordination dieser Domänen eine Überlegenheit zu gewinnen, militärische Eskalationen unterhalb der nuklearen Schwelle zu halten und konventionell abzuschrecken. Japan, Australien und Südkorea sind als traditionelle Alliierte der USA in das ASB-Konzept voll eingebunden. Im Rahmen der üblichen Rimpac-Manöver werden alle Dimen- sionen der Seekriegführung in weiträumig angelegten Übungs- szenarien abgedeckt. Dazu gehören U-Jagd (ASW), Überwas- ser-Seekriegführung (ASuW), Artillerie- und Raketenschießen, Verbandsflugabwehr (AAW), Minenjagdoperationen (MCM), am- phibische Operationen, Landzielbekämpfung, Abfang- sowie Durchsuchungs- und Embargo-Operationen (Maritime Inter- ception Operations), Anti-Piraterieoperationen, Katastrophen- hilfe auf See oder Such- und Rettungs-Operationen (SAR). Ne- ben diesen klassischen maritimen Kampf- und Seeoperationen unter, auf und über Wasser werden zunehmend auch der nahe Weltraum, der gesamte Bereich der elektronischen Kampf- und Gefechtsführung sowie Cyberwar-Operationen in das Manöver- geschehen integriert. Am diesjährigen Manöver ist die ameri- kanische Marine erstmals mit vier Unmanned Surface Vessels (USVs) der HUNTER-Klasse beteiligt. China ausgeschlossen Russland hat sich nur einmal im Jahr 2012 an Rimpac beteiligt. China war 2014 und 2016 der Einladung zur Teilnahme am Ma- növer gefolgt und hatte in beiden Jahren Zerstörer, Fregatten, ein U-Boot-Rettungsschiff und ein Lazarettschiff ins Manöver geschickt. Doch seit 2018 haben die USA dem aufstrebenden Riesenreich eine erneute Teilnahme verwehrt. Die USA begrün- deten Chinas Ausschluss mit der zunehmenden Militarisierung des Südchinesischen Meeres und der völkerrechtswidrigen In- besitznahme von Inselgruppen, Atollen und Riffen durch die Nu- klearmacht. Dabei wurde auf die Stationierung von Anti-Schiffs- und Boden-Luft-Raketen sowie elektronischen Störsendern und den Aufbau von Landebahnen für Kampfflugzeuge und Bomber verwiesen. Es hieß, diese Militarisierung stelle eine zunehmen- de Bedrohung der internationalen Sicherheit und Stabilität im Südchinesischen Meer dar und sei mit dem Geist von Rimpac nicht vereinbar, da dieses auf Frieden, Stabilität und Sicherheit im pazifischen Raum, die Sicherheit der Seewege und eine freie und ungehinderte Seefahrt abziele. Vormachtstreben im Pazifik Inzwischen besitzt China mit 355 Schiffen und Booten die nach Anzahl der Einheiten größte Marine der Welt. Kontinuierlich wächst sie weiter auf und hat ihr amerikanisches Pendant, das derzeit lediglich über 298 Einheiten verfügt, auf den zweiten Platz verwiesen. Allein zwischen 2014 und 2018 hat China sei- ner ohnehin beachtlichen Flotte weitere Einheiten im Umfang der Gesamttonnage der Royal Navy hinzugefügt. Chinas maritime Expansionspolitik im Pazifik schreitet kontinuier- lich voran. Im Windschatten des Ukrainekriegs hat China Ende März mit den Salomonen ein Sicherheitsabkommen geschlossen. Danach kann die Regierung des kleinen Staates zur Aufrechter- haltung der „öffentlichen Ordnung“ chinesische Sicherheitskräf- te anfordern, und chinesische Kriegsschiffe dürfen die Inseln als Versorgungsbasis nutzen. Die Inselkette, gelegen an der unteren Spitze des Dreiecks zwischen Hawaii, der amerikanischen Pazi- fikbasis Guam und Australien, steht für China nunmehr als Brü- ckenkopf für die Versorgung seiner Seestreitkräfte und die Aus- weitung seiner Einflusssphäre im Pazifik zur Verfügung. Das nur 1900 Kilometer entfernte Australien befürchtet, dass China dort einen ständigen Militärstützpunkt errichten könnte. Im Norden der Inselkette verläuft eine der wichtigsten Container- und Ener- gierouten der Welt zwischen China, Taiwan, Korea und Japan sowie zwischen der amerikanischen Westküste und Australien. Die Salomonen haben seit jeher ein hohes geostrategisches Ge- wicht in der Seekriegführung. Noch während des Pazifikkriegs vor 79 Jahren war die Hauptinsel Guadalcanal einer der wichtigsten Schauplätze im Krieg zwischen den USA und Japan. Mit einem weiteren Expansionsschritt will China auch die Insel- welt des Westpazifiks, die jahrzehntelang geopolitisch überse- hen wurde, an sich binden. Mit zehn Inselstaaten, darunter die Salomonen, Kiribati, Samoa, Fidschi, Tonga, Vanuatu, Timor- Leste und Papua-Neuguinea, wo China seit Jahren aktiv ist und Rohstoffe abbaut, plant das Land eine „Gemeinsame Entwick- lungsvision“, die nichts anderes darstellt als einen regionalen Wirtschafts- und Sicherheitspakt unter Führung des kommunis- tischen Staates. Der angestrebte Pakt soll neben Freihandel und Tourismus mit China vor allem auch eine Kooperation in Sicher- heitsfragen umfassen. Zu den gemeinsamen Themen gehören Polizeiausbildung, Cybersicherheit, Dateninfrastruktur und Inter- netdienstleistungen, Satellitenüberwachung und die Verlegung von Unterseekommunikationskabeln. Die kleinen Inselstaaten verfügen mit ihren Ausschließlichen Wirtschaftszonen über riesi- ge Meeresgebiete und damit über reiche Fischereigründe sowie Bodenschätze unter dem Meeresgrund. Von Bedeutung dürften auch ihre Stimmen in internationalen Organisationen sein, die Entscheidungen zugunsten von China beeinflussen könnten. Die von Armut, Ausweglosigkeit und Ausbeutung angesichts der Klimakatastrophe geprägten Inselstaaten suchen nach starken Partnern für ihre künftige Entwicklung. China hat eine solche Partnerschaft spontan angeboten, um sich damit im Westpazifik neue Einflusszonen sowie einen zweiten äußeren geostrategischen Ring der Absicherung seines Festlandes und seiner Versorgung zu sichern. Die USA, Japan, Indien und vor allem Australien waren über Chinas Absicht, die Inselstaaten an sich binden zu wollen, alarmiert. Australiens Außenministe- rin reiste daher umgehend zu den Inseln, um Chinas Vordrin- gen zu kontern. Sie hat immerhin erreicht, dass ein zeitnaher Abschluss des Wirtschafts- und Sicherheitspaktes vorerst ge- stoppt wurde. ≈ y v a N S U : o t o F Multinationaler Schiffsverband bei Rimpac 7/8 – 2022 marineforum 35