V T C C : o t o F FUJIAN über elektromagnetische Katapulte (Electromagnetic Aircraft Launch System, EMALS) verfügt, die bisher ausschließlich in der US Navy verwendet werden. Katapultstarts ermöglichen auch den Einsatz des Aufklärungs- und Frühwarnflugzeugs KJ-600, der chinesischen Version der E-2D Hawkeye. Sicherlich wird auch die FC-31 als Jagdflugzeug und Jagdbomber zum Ein- satz kommen, ein Tarnkappenflugzeug mit starker Ähnlichkeit zur amerikanischen F-35C, dem Joint Strike Fighter. Schätzun- gen gehen von 48 bis 60 Flugzeugen aus, die auf der FUJIAN Platz finden könnten. Sie soll auch über einen integrierten oder sogar vollelektrischen Antrieb verfügen. Einen Nuklearantrieb erwarten die Experten allerdings erst für den Typ 004. Der Typ 003 ist nach der SHANDONG der zweite im Land gebaute Flug- zeugträger. Die LIAONING (Typ 991, Hull-Nummer 16) ist die in der Ukraine gebaute VARYAG, ein bereits für die sowjetische Marine gebauter Träger der KUSNEZOW-Klasse. Chinesische Medien bezeichnen die FUJIAN als ostasiatische Antwort auf die neueren Flugzeugträger der GERALD-R.-FORD- Klasse (74 Flugzeuge, darunter 44 F/A-18E/F und F-35C Kampf- flugzeuge, Länge 333 Meter, Verdrängung 100 000 Tonnen). Es wird noch mindestens zwei Jahren dauern, bis die FUJIAN ihre Einsatzreife erreicht. Ein dritter Träger im Kaliber der FORD-Klasse ist ein Statement für Chinas Absicht, weltweit maritim auftreten zu können. Es werden sicher noch keine rotierenden Trägergruppen sein, aber als Mittel zur Durchsetzung eines politi- schen Willens oder zum „Überzeugen“ neuer Partner mehr als genug. EUR OPÄ I SCHE UNION Naviris, ein Joint Venture zwischen der italienischen Fincantieri und der französischen Naval Group, hat zu- sammen mit der spanischen Navantia nach Initiativbeginn Mitte 2019 und einigen Abstimmungen am 12. Februar 2021 eine Ab- sichtserklärung unterzeichnet, um die industrielle Zusammenarbeit im Projekt Europäische Patrouillenkorvette (EPC) zu bekräftigen. Anfänglich ging es um eine Bündelung der personal- und kosten- intensiven Entwicklungs- und Konstruktionsarbeit der drei erfolg- reichen Werften, die zwar im gleichen Marktsegment konkurrieren, European Patrol Corvette i r e i t n a c n i F : k i f a r G sich aber im weltweiten Wettkampf zukünftig cleverer positionieren wollten. Das hören die beteiligten Marinen natürlich nur zu gerne. Jetzt kommen auch Fördergelder der EU dazu. Die EPC ist eine wichtige Marineinitiative innerhalb der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit der Europäischen Union (Pesco). Am Programm nehmen Italien als Lead Partner, Frankreich, Spanien, Griechen- land und jetzt auch Portugal als Beobachter sowie Dänemark und Norwegen als Mitfinanzierer teil. Die EPC soll „ein intelligentes, in- novatives, erschwingliches, nachhaltiges, interoperables und flexi- bles Schiff“ sein und zukünftige Missionen des mittleren 21. Jahr- hunderts erfüllen können. Als kleines Überwasserkampfschiff soll es – sozusagen in der zweiten Linie – ein Lagebild halten, Über- legenheit herstellen und Machtprojektion ermöglichen, aber auch Friedensaufgaben übernehmen, wie Piraterie und Schmuggel be- kämpfen, humanitäre Hilfe leisten, Migration kontrollieren und die Freiheit der Schifffahrt gewährleisten. Anfang 2021 gab die Europä- ische Verteidigungsagentur (European Defence Agency, EDA) be- kannt, dass sie den Beginn der Konzeptarbeit genehmigt hat, die zur Entwicklung der europäischen Patrouillenkorvette hinführen soll. Die teilnehmenden Mitgliedstaaten beabsichtigen, 2026 oder 2027 ihren ersten Prototypen auf Kiel zu legen – Auslieferung ab 2030. Das Schiff auf der Basis der Fincantieri-Standard-Korvette sollte anfänglich mit 100 Meter Länge und 3000 Tonnen Verdrängung in naher Zukunft mehrere Schiffsklassen ersetzen können, von Pa- trouillenschiffen bis hin zu leichten Fregatten. Mittlerweile scheint sich das Ziel aufgrund der divergierenden nationalen Bedarfe aus- geweitet zu haben auf eine neue „Familie von Marineschiffen“ mit konventionellem Rumpf aber unterschiedlichen Ausmaßen, Waf- fen- und Antriebssystemen. Drei Typen seien im Gespräch: ein Patrouillenschiff (Italien und Spanien, Nachfolgebedarf), ein Lang- streckenschiff (Frankreich, wegen seiner Überseegebiete) und eine Kampfversion (Griechenland, Fähigkeitslücke). Nach dem letzten Treffen im Rahmen der EDA im März sollen erst einmal die gemein- samen Fähigkeitsforderungen erarbeitet werden, damit alle wieder auf einen Nenner kommen. GR O S S BR ITA NNIE N Vor neun Monaten begann ihr Fünf-Jahres-Trip nach Ostasien, oder wie es auf englisch heißt: Indo-Asia- Pacific Deployment. Dabei sind die beiden OPVs TAMAR und SPEY (Modified-RIVER-Klasse, 81 Meter Länge) bestimmt keine Dick- schiffe, sondern müssen sich etappenweise um den Globus han- geln. Im September aus Portsmouth ausgelaufen, ging es bisher über Kolumbien, den Panamakanal und die US-Westküste hoch nach Hawaii. Im Januar stand die chinesische Südsee auf dem Programm mit Aufklärung und Überwachung unerlaubter mariti- mer Tätigkeiten, beispielsweise dem Umladen von Schiff zu Schiff mit nordkoreanisch geflaggten Fahrzeugen. Im Februar folgte die Teilnahme an der Übung Bersama Shield des Five-Powers-De- fence-Arrangements zwischen Singapur, Malaysia, Neuseeland, Australien und Großbritannien (FPDA). Zusätzlich wurde lokale Un- terstützung geleistet bei Umweltuntersuchungen und wissenschaft- lichen Studien: TAMAR und SPEY sind derzeit die beiden „grünsten“ Einheiten der Royal Navy. Vor der Abreise wurden sie umgerüstet auf green technology nach neuestem britischem Standard. Dazu gehört unter anderem ein selektives Katalyse-Reduktionssystem, bekannt als Ad-Blue-Verfahren aus der Kfz-Technik. Auf diese Wei- se kann die bordeigene Stickoxid-Emission über die Abgase der Antriebsdiesel um bis zu 97 Prozent reduziert werden, was es den Einheiten gestattet, mit minimaler Umweltsignatur auch seeseiti- 9 – 2022 marineforum 41