F o r u m Vieviele Weckrufe noch? Der Artikel von Axel Stephenson im marineforum 5-2023 zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines ist wahrlich sehr be- achtlich. Vor allem die Informationen zu dem russischen See- manöver in diesem Gebiet, die der Autor anführt, sind höchst aufschlussreich. Die Teilnahme der erwähnten Einheiten mit dem U-Boot-Rettungsmodul spricht Bände. Bei der Frage nach den Akteuren des Anschlags stellen diese Informationen praktisch erdrückende Indizien dar. Wie immer, wenn man „nur“ Indizien hat, spielt die Plausibilität der Argumentation eine entscheiden- de Rolle. Und bei der Plausibilitätsprüfung hilft die Kontrollfrage cui bono? Zwar muss man in der Tat schon etwas um die Ecke denken, wenn man den Nutzen für die Russen erkennen will. Der Nutzen ist auch weniger direkt abzuleiten, es ist vielmehr die Botschaft dahinter: „Seht, wie wir Eure kritische Infrastruk- tur jederzeit und überall treffen können." Und damit wird – zu- sammen mit dem geschilderten russischen Seemanöver – die Antwort auf die Frage nach den Akteuren sehr klar. Mit „Wollen wir das wirklich wissen?“ ist der Artikel überschrieben. Die Ant- wort auf diese rhetorische Frage sollte eindeutig sein, wenn wir Konsequenzen auf die sowohl subtile als auch klar militärische Botschaft der Russen ziehen wollen. Lehren daraus zu ziehen ist aus meiner Sicht dringend geboten. Denn wie vieler Weckru- fe bedarf es noch, um uns wirklich wach zu rütteln? Auf die Er- kenntnis, dass wir in einer Zeitenwende stehen, müssen schon auch adäquate Taten folgen. Gottfried Reichert, Fregattenkapitän a.D. Ostasien oder Ostsee? Die Marine hält mich über das marineforum auf dem Laufen- den, das ich aufmerksam lese. Dabei fällt mir mit Sorge auf, wie nun schon mehrere Artikel ein Engagement der Marine in Süd- ostasien befürworten, [insbesondere in der] Taiwan- Straße, die „uns Europäern nicht gleichgültig sein kann." Das ist wahr, aber wenn für uns der Ernstfall im Februar 2022 ausgebrochen wäre, hätte sich, wenn ich recht informiert bin, die BAYERN, also eines der wichtigsten unserer Schiffe, fern, fern vom Kriegsschauplatz befunden. War nicht sogar in einem der Artikel kurioserweise zu lesen, die Landesverteidigung solle man Heer und Luftwaffe überlassen, während die Marine „global“ unterwegs ist? So sehr ich die Begeisterung zu verstehen suche, was wir alles auch können, so sollte man sich doch bei der Marine hinsicht- lich der kleinen Flotte, noch dazu durch Werftliegezeiten und Personalmangel reduziert, auf die wesentlichen Aufgaben be- schränken, die wahrhaft groß genug sind. Um welche es sich dabei handelt, ist allgemein bekannt. Ich würde es begrüßen, wenn im marineforum jetzt auch ein- mal von kompetenter Seite ein kritischer Artikel über „Ostasien“ erscheinen würde, und damit eine sachliche Diskussion ausge- löst würde. Auf „die Politik" sollte man sich nicht einfach berufen. Prof. Dr. Christian Lenz, Korvettenkapitän d.R. 50 marineforum 6 – 2023 98. Jahrgang · 2023 Herausgeber: Deutsches Maritimes Institut e.V. (DMI) Deutsches Maritimes Institut e.V. (DMI) Jadeallee 102, 26382 Wilhelmshaven Tel.: +49 (0) 4421 500 47 - 0 Fax: +49 (0) 4421 500 47- 29 dmi@mov-moh.de Chefredakteur Holger Schlüter (hsc): Holger.Schlueter@mittler-report.de Redaktion Hans-Uwe Mergener (hum): Rüstung und Politik Dr. Michael Stehr (ms): See- und Völkerrecht Axel Stephenson (ajs): Marinen aus aller Welt Andreas Uhl (au): NATO und Projekte Dr. Heinrich Walle (HeiWa): Geschichte Jürgen Witthöft (hjw): Wirtschaft und Häfen Ständige Mitarbeiter Sidney E. Dean, Hans Karr, Baron Ludolf von Löwenstern, Michael Nitz, Dieter Stockfisch, Daniel Angres (dan) Verlag Mittler Report Verlag GmbH Beethovenallee 21, 53173 Bonn Tel.: +49 (0) 228 3500 870 Ein Unternehmen der Gruppe Tamm Media Anzeigenleitung Achim Abele, Tel.: +49 (0) 228 2 59 00 347, a.abele@mittler-report.de Annika Kordysch, Tel.: +49 (0) 228 3500 883 a.kordysch@mittler-report.de Susanne Sinß, Tel.: +49 (0) 40 707 080-310 s_sinss@hansa-online.de Anzeigenrepräsentanz Baltische Staaten, Benelux, Israel, Skandinavien, Kanada und USA: Stephen Elliott, Tel.: +49 (0) 228 3500 872 s.elliott@mittler-report.de Anzeigenrepräsentanz Frankreich, Italien, Irland, Osteuropa, Türkei und Vereinigtes Königreich: Stephen Barnard, Tel.: +49 (0) 228 3500 886 stephen.barnard@mittler-report.de Layout AnKo MedienDesign GmbH, Meckenheim Tel.: +49 (0) 2225 608 6742 Druck Lehmann Offsetdruck und Verlag GmbH, Gutenbergring 39, 22848 Norderstedt www.lehmann-offsetdruck.de Heftbestellung und Abonnentenbetreuung PressUp GmbH, Wandsbeker Allee 1, 22041 Hamburg Tel.: +49 (0) 40 38 6666-319, Fax: -299 Die Zeitschrift MarineForum erscheint zehnmal jährlich. Der Preis beträgt je Heft € 8,80 zzgl. Versandkosten, Abonnementspreis € 92,00 pro Jahr inklusive Versandkos- ten (nicht per Luftpost sowie ins Ausland). Vertragslaufzeit des Jahresabos: 12 Monate. Nach Ablauf eines Jahres ver- längert sich das Abonnement jeweils um einen Monat, falls nicht vier Wochen vor Ablauf des Bezugszeitraumes gekündigt wird. Preisänderungen vorbehalten. Gerichtsstand und Erfüllungsort ist Bonn. Die mit Namen oder Initialen der Autoren gekennzeichne- ten Beiträge oder Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder wird keine Gewähr übernommen. Durch Annahme eines Manuskripts erwirkt der Verlag auch das Recht zur teilweisen Veröffent- lichung und Kürzung. Alle Rechte des Nachdrucks bleiben vorbehalten. Das MarineForum als Publikation der Marine- Offizier-Vereinigung ist unabhängig, überparteilich und wird nicht von Behörden, Institutionen oder Ministerien unter- stützt. Das MarineForum behandelt maritime Themen mit den Schwerpunkten Streitkräfte, Sicherheitspolitik, Technik und Wirtschaft. ISSN (Allgemeinausgabe) 0172 – 8547 ISSN (Mitgliederausgabe) 0172 – 8539