naturgemäß damals fast ausschließlich den Crewen der Kriegs- und Vorkriegszeit an. Junge Mitglieder aus den Nachkriegscre- wen mussten, wenn man den Fortbestand der Vereinigung si- chern wollte, dazugewonnen werden. Und das geschah durch den persönlichen Einsatz des Vorstands, der an verschiedenen Offizierlehrgängen Informationsvorträge hielt. Das Einzige, was außer der Zielsetzung der Kameradenhilfe wer- bend wirken sollte, war die Lieferung eines monatlichen Mittei- lungsblatts mit Vereinsnachrichten und ein Mitgliederverzeichnis. Aus heutiger Sicht war das wenig attraktiv, aber der Auftritt des Vorstands war so nachhaltig und überzeugend, dass es gelang, in wenigen Monaten einige Hundert neue Mitglieder zu gewin- nen. Feststellung: Um die MOH lebendig zu halten, war ein sehr aktiver Vorstand nötig, aber genauso bedeutend war auch die vorbehaltlose Unterstützung der aktiven Marine, vor allem der jeweiligen Schulkommandeure. Wenn auch „die Pflege der Kameradschaft und die Kameraden- hilfe“ weiter im Vordergrund stand, so hieß es schon ab 1961 im Impressum der „MOH-Nachrichten“ (so hieß das Mitteilungs- blatt): „Daneben sind sie ein Informationsblatt. Sie bemühen sich, einen Überblick über einige wesentliche Ereignisse und Fragen aus dem maritimen Bereich zu geben.“ Eine sich als bedeutsam erweisende Entwicklung der Vereinigung sollte sich ab 1963 mit der Wahl des gerade in den Ruhestand getretenen Stellvertreters des Inspekteurs der Marine, Flottillenadmiral Alfred Schumann, zum Vorsitzenden der MOH herausstellen. Der Geschäftssitz wurde unter ihm von Krefeld nach Bonn und damit an den Ort des damals politischen und militärischen Geschehens verlegt. Noch einschneidender war eine Veränderung 1966, als man auf der Mitgliederversammlung dem Antrag Schumanns zustimmte, die MOH in „MOV – Marine-Offizier-Vereinigung" und den MOH- Sozialfonds in „MOH – Marine-Offizier-Hilfe" umzubenennen. Das Mitteilungsblatt wurde in „MOV-Nachrichten“ umgetauft. Schumann hatte seine Wiederwahl zum Vorsitzenden von die- ser Maßnahme abhängig gemacht. Diese Umbenennungen wa- ren nun keineswegs eine bloße Formalität – und fanden, wie Sie sich denken können, durchaus nicht überall Unterstützung, vor allem nicht bei den älteren Mitgliedern. Das Ziel dieser Umbe- nennung war – Zitat von Admiral Schumann bei der besagten Mitgliederversammlung: „… die Vereinigung vor dem Siechtum zu bewahren, für junge Offiziere attraktiv zu machen und außer der Pflege der Kameradschaft die Pflege des Seegedankens nach vorne zu rücken.“ Das zielte als Maßnahme nicht nur auf die weiterhin fortzuset- zende Mitgliedergewinnung unter den jüngeren Offizierjahrgän- gen, sondern bereits auf deren aktives Mitwirken und Einbinden in das Vereinsgeschehen. Wie wurde das konkret umgesetzt? Die Pflege des Seegedankens – später sagten wir das „Mariti- me“ – sollte die Hauptaufgabe der Zeitschrift „MOV-Nachrich- ten“ werden. Jüngere Offiziere sollten zur Mitarbeit, das hieß zum Schreiben, ermuntert werden. Zusammen mit dem Stell- vertretenden Inspekteur der Marine, Konteradmiral Erich Topp, lud Schumann im Oktober 1968 ins Hotel „Rheinland“ in Bad Godesberg zu einer Besprechung zum Thema: „Wie kann die fachbezogene und schriftstellerische Tätigkeit der Berufs- und Reserveoffiziere der Bundesmarine aktiviert werden?“ An dieser Besprechung nahmen außer den Einladenden Schu- mann und Topp auch der Referatsleiter des FüM I (Fiebig, Sa- Kapitän zur See a.D. Rolf Martens bei einer Rede loga) teil, als Pensionäre mit schriftstellerischer Erfahrung die Admirale a.D. Friedrich Ruge und Edward Wegener, von der Zeitschrift „Marine Rundschau“ der Herausgeber Dr. Jürgen Rohwer und ich. Das Ergebnis der Besprechung war, man wolle zukünftig Autorentagungen durchführen, zu denen aktive Offi- ziere als mögliche Interessenten an einer gelegentlichen oder längerfristigen Mitarbeit „zur Förderung des Seegedankens“ gezielt eingeladen wurden. Die von Schumann initiierte Besprechung hatte im Übrigen das Ziel, die Marineführung unterstützend in die Bemühun- gen der MOV einzubeziehen, ohne damit zum Sprachrohr der Marine zu werden, beziehungsweise umgekehrt sich einer ministeriellen Sprachregelung unterwerfen zu müssen (…). In der Folge wurden Redaktionsbereiche definiert, Themenka- taloge erarbeitet und ständige Mitarbeiter gewonnen. In den Jahren 1971 bis 1974, entscheidend für die Entstehung des Deutschen Marine Instituts, hatte sich, zusätzlich zu den er- wähnten Aktivitäten, eine Gruppe junger Stabsoffiziere, die in Bonn tätig waren, für regelmäßige Zusammenkünfte in der MOV-Geschäftsstelle um Admiral Schumann gebildet. Die hatten sich zum Ziel gesetzt, durch eigenes aktives Mitwirken aus den MOV-Nachrichten eine Marinezeitschrift mit hohem fachlichen Anspruch zu schaffen. Diese jungen Stabsoffiziere aus den Crewen 1957 bis 1959 wa- ren Dr. Kurt Fischer, Wulf-Dieter Fischer, Ulrich Hundt, Prof Dr. Michael Salewski und Rolf Martens. Mit Ausnahme von Salewski saßen wir in ministeriellen Schlüsselpositionen: Kurt Fischer war im Planungsstab, später bei Staatsekretär und Regierungsspre- cher Klaus Bölling, Wulf-Dieter Fischer bei Generalinspekteur Ar- min Zimmermann, Uli Hundt im Führungsstab der Marine im Re- ferat für Presse und Öffentlichkeitsarbeit und ich beim Chef des Stabes im Führungsstab der Streitkräfte, später auch als Adju- tant bei Generalinspekteur Armin Zimmermann. Warum war das bedeutsam? Aufgrund dieser dienstlichen Positionen kannten wir alle aktuellen militärischen und sicherheitspolitischen, nicht nur maritimen Themen, konnten selbst dazu Beiträge schrei- ben und taten das auch. Vor allem aber kannten wir „Leute“ aus vielen Bereichen der Bundeswehr, im In- und Ausland tätig, die wir um Beiträge bitten oder ermuntern konnten, sowohl im per- sönlichen Gespräch als auch telefonisch und schriftlich (das In- ternet war in weiter Ferne). Diese konnten auch Namensartikel verfassen und verfügten über eigene Schreibkräfte. Mit dem Schriftleiter der MOV und dem Geschäftsführer, Kapi- tän zur See a.D. Kurt Diggins, kamen wir für diese Zielsetzung monatlich meist mehrmals abends in der Geschäftsstelle, einer Villa in der Kronprinzenstraße in Bad Godesberg, zusammen, um Gestaltung und Inhalt zu diskutieren – manchmal spendierte Schumann dazu eine Flasche Riesling. Schon im letzten Jahrgang 1973 der MOV-Nachrichten hatten wir Beiträge über ein breites Themenfeld veröffentlicht: Über das NATO-Bündnis mit maritimem Bezug, über sicherheitspo- litisches und Operatives Geschehen, über Fragen der Ausbil- dung, zu Werfttätigkeiten und Rüstungsfragen und zur Logis- tik. Wir nahmen Berichte über Attaché-Erfahrungen auf, auch Kurzfassungen von aktuell relevanten Jahresarbeiten der Füh- rungsakademie, auch der ausländischen Offiziere, auch Hee- resoffiziere, auch zivile Autoren. Die Fachzeitschrift, so stellten wir es uns vor, sollte Pflichtlektüre aller aktiven Marineoffiziere werden, ein Forum für Meinungs- austausch, außerdem sollte man die Zeitschrift kaufen können, auch als Nicht-Mitglied der MOV. Die „MOV-Nachrichten“ mussten einen neuen Namen bekom- men, der Titel sollte die Zielsetzung wiedergeben, attraktiver 12 – 2023 marineforum 37