ten 2022 – an die Marine Indonesiens liegt nur wenige Mona- te zurück. „Wir sind wieder zurück im Blick der Marine“, sagt Hellmann, „die Bestandseinheiten müssten eigentlich ersetzt werden, aber wenn man sich für die Lebenszeitverlängerung der 332er entscheidet, zeigt das ja, dass die von uns gebauten Plattformen verdammt gut sind. “ Er fügt jedoch mit kritischer Miene hinzu, dass es höchste Zeit war, denn eine „Jahrhun- dertkompetenz“ drohte zu schwinden. Anhand der Indonesi- en-Neubauten konnte das Minenabwehr-Spezialwissen gerade noch rechtzeitig an die nächste Generation weitergegeben wer- den, betont Hellmann. „Vorher hatte man den Eindruck, dass der Inspekteur der Marine die Minensucher immer ein wenig ausklammert. Wir mussten auch der Versuchung widerstehen, uns von dieser Kompetenz zu entfernen, auch wenn sie lange etwas ruhte.“ „Eine Marine, die einst die leistungsstärkste Mi- nenabwehr der Welt hatte, konnte sich nämlich auch auf die entsprechenden Werftkapazitäten stützen, das muss erhalten und regeneriert werden.“ Minensucher und A&R werden weltweit in einem Atemzug ge- nannt, von Brasilien über die Türkei bis nach Indonesien. Und da schließt der Werftchef ausdrücklich seine Mitbewerber ein: „Hier geht es ja schließlich nicht immer nur um wirtschaftliche Interessen“, sagt Hellmann überzeugt. „Wir können und müs- sen Marineschiffbau mit anderen zusammen machen, wir kön- nen auch Unterauftragnehmer sein, wie eben mit der F 123 und Saab. Wir arbeiten aktuell mit Fassmer zusammen, um Kapazi- täten und Können zu bündeln.“ Und er sagt eindringlich: „Unter- nehmerisches Handeln ist die eine Sache, aber langfristig geht es um Innovationen, Kompetenzen und den Wirtschaftszweig als Ganzes, da ist Wettbewerb sehr förderlich.“ Auf die Frage nach einer deutschen Großwerft nach franzö- sischem Vorbild sagt er: „Damit tue ich mich schwer, trotz Schlüsseltechnologie und europaweiter Stärke frage ich mich, ob Marktkonzentration für den öffentlichen Auftraggeber wirklich gut ist. Es könnte Ideen und Innovationsfreude bremsen, unsere deutsche Stärke ist doch“, er lächelt, „vitale Vielfalt!“ „Nicht ein nationaler Champion, sondern mittelständisch geprägte Koope- ration vieler kreativer Spezialisten ist eine große Stärke, dabei geht es auch um nationale Wertschöpfung, um Steuergeld, das im Lande bleibt.“ „Das ist die Zukunft aller deutscher Werften: Spezialisierung, Kompetenz, Qualität, Termintreue und Innova- tion gut organisiert.“ Was hält denn ein Werft-CEO vom Marine- arsenal Warnowwerft? „Das sind komplementäre Ressourcen, eine plausible Entscheidung. Das ist nicht die Lösung für alles, aber auch ein Teil der Vielfalt.“ Was er denn vom Wort des Jahres hielte? „Zeitenwende!“ Hell- mann scheint nicht begeistert. „Der politische Wille war erkenn- bar, auch in Gesprächen mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und der Marine, aber getan hat sich zunächst wenig. Erst mit der F 123 merkt man, dass mehr Dampf drin ist.“ Ist denn das bevorzugte Modell des Ministers, bereits Vorhandenes zu beschaffen, eine gute Lösung für Werften? Hellmann hat da eine deutliche Mei- nung: „Off the shelf gibt es im innovativen Marineschiffbau nicht, auch das bereits Entwickelte muss immer erst gebaut werden. Das Problem ist die Dauer der Beschaffungsprozesse, die in- donesischen Minensucher haben wir in Kurzzeit gebaut. Auch hochindividuelle Yachten, genauso maßgeschneidert wie Mi- nensucher, liefern wir drei Jahre nach Vertragsunterzeichnung ab. Im Verfahren liegt die Lösung." Und wie geht A&R in die Zukunft? Fahren wir mit CO2-neutra- len Minensuchern, Spezialschiffen und Luxusyachten? Matthi- as Hellmann, Carsten Wibel und Thomas Sperling haben da- rauf viele Antworten, aber auch Fragen, wir sprechen offen und diskutieren. Ein Themenfeld, für das ein Kaffee natürlich nicht reicht. „Die Zukunft ist hier und heute, das Antriebsthema und das Ende der fossilen Nutzung sind aktuell. A&R-Schiffe von heute fahren mindestens dreißig Jahre, perspektivisch wird es Methanol sein, die Motorenhersteller sagen, das wird aber zur Serienreife noch bis in das nächste Jahrzehnt dauern.“ Wir spre- chen über E-Fuel, Brennstoffzellen und die draußen an der Pier liegende LNG-Technologie. Wir hatten gedacht, wir blicken auf 50 Jahre zurück, es wurde aber ein Gespräch über Innovation ≈ und Zukunft. Danke dafür, auf die nächsten 50 mit Euch! R & A : o t o F Indonesien entschied sich 2020 für zwei hochmoderne Minensucher von Abeking & Rasmussen 18 marineforum 4 – 2024