S t a n d p u n kt ( e ) Eine Selbst- verständlichkeit? Ende März hat mit dem MOV-Mitglied Fregattenkapitän Inka von Puttkamer die erste Frau in der Marine ein Bootsgeschwader übernommen. Die Nachricht ging durch die Medien; Fernsehen, Radio und das Internet wussten allerlei zu berichten, oftmals in einer hölzernen und ungeschickten Formulierung. In der MOV-WhatsApp-Gruppe stellte ich die Frage, ob man so eine Komman- doübergabe denn noch extra und so prominent erwähnen müsse. Schließlich hatte am Vortag ja auch ein weiblicher Offizier das Kommando über den Tender ELBE übernommen. Zur selben Zeit fand im Einsatz ein IO-Wechsel auf einen weiblichen Offizier statt, im Roten Meer führte eine Frau als I SEO eine Kriegs- marschwache in einem Kampfeinsatz (!) und der männliche Kommandant der HESSEN wechselte sich mit seinem weiblichen IO als „Entscheider“ ab. Zudem haben und hatten wir bereits zahlreiche Boots-Kommandantinnen, weibliche WOs, IOs, STOs, Schiffs- und Führungsmitteltechnische Offiziere, eine Lehrgrup- penkommandeurin, Luftfahrzeugführerinnen, Kompanie- und Inspektionschefin- nen, Hörsaalleiterinnen, weibliche S3s … . Bis zur ersten Schiffskommandantin, zum ersten weiblichen Admiralarzt oder Admiral ist es letztlich nur eine Frage der Zeit, schließlich sind alle Laufbahnen erst seit 2001 geöffnet. Muss man das also wirklich noch extra erwähnen? Ich war und bin der Meinung, dass die Antwort „Ja!“ lautet. Weil wir einem Dienst- herrn dienen, bei dem Frauen (mittlerweile!) wie selbstverständlich in Führungspo- sitionen stehen. Derzeit sind mit 24 390 Soldatinnen mehr als 13 Prozent unseres militärischen Personalkörpers weiblich, davon fast 7000 als Offizierin oder Offi- zieranwärterin. Bei der Marine dienen bei deren Gesamtumfang von 15 529 Per- sonen insgesamt 1725 Frauen (11 %). Beim Sanitätsdienst sind es über 40 Pro- zent, unter anderem, weil dieser Bereich bereits seit 1974 für Frauen geöffnet ist. Und Führungspositionen sind ja nicht nur auf Offiziere beschränkt, auch weib- liche Portepee- und Unteroffiziere sowie weibliche Zivilbedienstete sind in den unterschiedlichsten Ebenen und Funktionen mit Führungsaufgaben betraut. Im Sinne unseres Eides und der DNA unserer Streitkräfte und unserer Marine ist vieles (mittlerweile!) selbstverständlich, was es in der sogenannten „freien Wirt- schaft“ noch nicht ist. Equal Pay ist im Besoldungsrecht klar festgeschrieben; die Aufstiegschancen sind – zumindest theoretisch – dieselben. Ist alles perfekt bei uns? Leider nicht! Zur Wahrheit gehört es auch, dass viele Frauen bewusst nicht die militärische Karriereleiter ganz nach oben klettern wol- len. Oftmals wird in der Abwägung zwischen Karriere und Familie letzterer der Vorrang gegeben. Werdegänge, zum Beispiel zur Kommandantin einer Fregat- te, sind derzeit noch wenig flexibel und nicht (ohne Weiteres) mit der Rolle einer Mutter vereinbar. Weit überwiegend ist es die Frau, die den größeren Anteil der Elternzeit nimmt und damit längere Zeit „aus dem Rennen“ ist. Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind noch nicht da, wo sie sein könnten, oder sind nicht oder nur sehr eingeschränkt mit den Besonderheiten des (See-) Dienstes vereinbar. Dennoch sollten und können wir aus meiner Sicht sagen, wo wir gut sind und zugleich daran arbeiten, dass der Rest auch noch (mög- lichst schnell) besser wird. In der WhatsApp-Gruppe gab es viel Zustimmung, nur ein jüngerer, mir nicht persönlich bekannter Offizier widersprach. Er führte aus, dass „gerade, weil es für uns inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist, braucht es diese besondere Herausstellung gerade nicht. Seit der Öffnung aller Bereiche der Bundeswehr für Frauen ist das nur eine logische Konsequenz, die nur auf sich hat warten lassen.“ Liege ich falsch, liegt er richtig? Ich denke, es ist eine Frage der Perspektive! Es ist gut, wenn es für die jüngere Generation eine Selbstverständlichkeit ist. Für mich, der ich vor der Öffnung aller Laufbahnen für Frauen zu den Streitkräften kam, ist es – noch – keine Selbstverständlichkeit. Daher sollten wir es extra erwähnen! Insbesondere auch, um die Pionierinnen zu würdigen, denen nicht alles zugeflogen ist und bei friktions- und frustrationslos klappte. Jan Hackstein 50 marineforum 5 – 2024 99. Jahrgang · 2024 Herausgeber: Deutsches Maritimes Institut e.V. (DMI) Deutsches Maritimes Institut e.V. 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