F o r u m Grenzen der Glasnost Manchmal liest man Artikel im marineforum über die neue MPA der Marine, über die Abwehr ballistischer Flugkörper oder über Tests der US Navy mit einer Railgun. Alle diese exemplarisch herausgegriffenen Artikel bringen hochkarätige techni- sche Fakten, die grundsätzlich schützenswert sind. Klar, der Pressestabsoffizier der zuständigen vorgesetzten Kommandobehörde hatte seine Einwilligung zur Veröffentlichung erteilt, und bei den Texten von Sidney Dean sprechen wir gar nicht über die Deutsche Marine, sondern über unsere amerikanischen Freunde und deren technische Entwicklungen. Aber ist den Autoren (und ihren Vorgesetzten) eigentlich bewusst, wer alles das marineforum liest? Man kann diese wunderbare Fachzeitschrift an gut sortierten Kiosken kaufen, man kann sie ohne Identitätsprüfung als Privatperson abonnie- ren, in Papierform oder als E-Paper. Zur Leserschaft dürfte damit nicht nur die Marine-Community in Deutschland gehören, sondern auch Nachrichtendienste z.B. aus China, Russland oder dem Iran. Ich bin mir sicher, der russische und der chinesische Marineattaché in Berlin werten diese Zeitschrift jeden Monat sys- tematisch und akribisch aus. Das ist nicht so gefährlich, wenn wir dort Fragen des Traditionsverständnisses diskutieren. Wenn dort aber die Rede ist von For- schungsfeldern im Bereich der Spitzentechnologie, sollten wir möglicherweise weniger Glasnost beweisen als vielmehr Operational Security. Oder mit anderen Worten: Weniger need to share als need to know. Das ist natürlich gegen den Main- stream der sozialen Medien, in denen alles geteilt wird, was denkbar ist. Doch wir, die Autoren- und Leserschaft des marineforums, arbeiten in einem Metier, in dem technische Lösungen, Einsatzdoktrinen, auch Ausbildungskonzepte über Sieg oder Niederlage entscheiden. Dies führt uns allen der Krieg in der Ukraine tagtäglich und grausam vor Augen. In der Industrie gibt man sich oft zugeknöpfter als in dieser Zeitschrift, schließlich geht es hier auch ums Geschäft. Als Beispiel mag das Pressegespräch Ende Ok- tober 2022 gelten, auf der der Deutschland-Chef von MBDA über die Laserversu- che der Fregatte SACHSEN zur Drohnenabwehr berichtete. Zu Anzahl und Art der dabei bekämpften Drohnen machte Thomas Hauschildt ganz bewusst keinerlei Angaben. Solche Informationen sollten Industrie, Bundeswehr, Politik und Medien natürlich schützen. Medien? Ja, auch von deutschen Medien wünsche ich mir, dass sie in einer Art Selbstbeschränkung ihren Teil zur vielbeschworenen Resilienz der deutschen Gesellschaft beitragen. Ist das naiv? Ich glaube, das Verständnis für solche Maßnahmen wächst derzeit gerade in den Medien ganz erheblich. Wir wissen, dass die Chinesen Weltmeister des reverse engineering sind. Wenn sie also ein erfolgreiches westliches Waffensystem hinreichend genau kennen- gelernt – ausspioniert – haben, versuchen sie häufig, es nachzubauen. Wir soll- ten China und Russland die Baupläne dazu meines Erachtens nicht auf dem Sil- bertablett präsentieren, sondern die Schwelle für einen Nachbau so hoch wie möglich legen. Mit anderen Worten: Genauso, wie wir langsam lernen, unsere kritische Infrastruktur zu schützen, muss das umso mehr für das geistige Eigen- tum der deutschen Ingenieure im Rüstungsbereich gelten. Dazu zählen sicher- lich die Brennstoffzelle der U-Boote Klasse 212A, generell Drohnen-, Sensor- und Eloka-Technik und Methoden zur Übertragung und Verschlüsselung von Daten. Sicherlich ist auch das marineforum ein Geschäft, und der Mittler-Verlag will daran verdienen. Technische Fakten, die nur Insider kennen können, sind natürlich das Salz in der Suppe, die die Leser suchen. Aber dieser Ansatz muss doch Grenzen haben. Für Autoren, die aktive Soldaten oder Beamte im Rüstungsbereich sind, sehe ich hier nicht nur die zuständigen Presseoffiziere der Autoren in der Pflicht, sondern auch die jeweiligen Sicherheitsbeauftragten. Andere Autoren sollten hier einer gewissen Selbstbeschränkung folgen. Fregattenkapitän Christoph Karich ist Militärattaché in Marokko. 50 marineforum 12 – 2022 97. Jahrgang · 2022 Herausgeber: Deutsches Maritimes Institut e.V. (DMI) Deutsches Maritimes Institut e.V. (DMI) Jadeallee 102, 26382 Wilhelmshaven Tel.: +49 (0) 4421 500 47 - 0 Fax: +49 (0) 4421 500 47- 29 dmi@mov-moh.de Chefredakteur Holger Schlüter (hsc): Holger.Schlueter@mittler-report.de Redaktion Hans-Uwe Mergener (hum): Rüstung und Politik Dr. Michael Stehr (ms): See- und Völkerrecht Axel Stephenson (ajs): Marinen aus aller Welt Andreas Uhl (au): NATO und Projekte Dr. Heinrich Walle (HeiWa): Geschichte Jürgen Witthöft (hjw): Wirtschaft und Häfen Ständige Mitarbeiter Sidney E. Dean, Hans Karr, Baron Ludolf von Löwenstern, Michael Nitz, Dieter Stockfisch, Daniel Angres (dan) Verlag Mittler Report Verlag GmbH Beethovenallee 21, 53173 Bonn Tel.: +49 (0) 228 3500 870 Ein Unternehmen der Gruppe Tamm Media Anzeigenleitung Achim Abele, Tel.: +49 (0) 228 2 59 03 47, abele@hardthoehenkurier.de Annika Kordysch, Tel.: +49 (0) 228 3500 883 annika.kordysch@mittler-report.de Susanne Sinß, Tel.: +49 (0) 40 707 080-310 s_sinss@hansa-online.de Anzeigenrepräsentanz Baltische Staaten, Benelux, Israel und Skandinavien: Stephen Elliott, Tel.: +49 (0) 228 3500 872 stephen.elliott@mittler-report.de Anzeigenrepräsentanz Frankreich, Italien, Irland, Osteuropa, Türkei und Vereinigtes Königreich: Stephen Barnard, Tel.: +49 (0) 228 3500 886 stephen.barnard@mittler-report.de Anzeigenrepräsentanz USA/Kanada Black Rock Media, Inc. 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