CCAMLR-Tagung. Foto: CCAMLR/B.Zuur

CCAMLR-Tagung. Foto: CCAMLR/B.Zuur

Antarktis: Erneut keine neuen Schutzgebiete

Die Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR - Convention on the Conservation of Antarctic Marine Living Resources) hatte im Juni 2023 zu einer Sondersitzung eingeladen, um den sechs Jahre dauernden Stillstand bei der Einrichtung zusätzlicher Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer zu überwinden. Wieder einmal blockieren China und Russland.[ds_preview]

Historie

CCAMLR trat 1982 als Schlüsselinstrument des Antarktis-Vertragssystems nach zweijähriger Verhandlung in Kraft. Die Kommission setzt sich für einen vorsorglichen Schutz dieser (noch) unberührten Region ein. Den Anstoß für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten im Südpolarmeer gab die ehemalige UdSSR, die es innerhalb von nur zwei Jahren durch Überfischung schaffte, die Population des Marmorbarsches auf unwirtschaftliche 2,5% zu reduzieren.

Regelmäßige Tagungen

CCAMLR besteht derzeit aus 27 Mitgliedsstaaten und hat seinen Sitz in Hobart/Australien. Auf den Jahrestagungen werden u.a. Erhaltungsmaßnahmen beschlossen, indem beispielsweise die Meeresgebiete zum Schutz der maritimen Biodiversität ausgewiesen oder die Fischfangquoten in den antarktischen Gewässern festgelegt werden.

Schutzgebiete

Im Jahr 2009 hatte die Kommission über 93.000 Quadratkilometer des Meeres um die südlichen Orkney-Inseln unter Schutz gestellt. Das letzte im Jahr 2016 von CCAMLR ausgewiesene MPA (Marine Protected Area) befindet sich in der Rossmeer-Region. Mit einer Fläche von ca. 1,1 Millionen Quadratkilometern ist es das größte Schutzgebiet der Welt.

Problemstellung

Auf der diesjährigen Sondersitzung sollten drei groß angelegte MPAs in der Ostantarktis, im Weddellmeer und entlang der Antarktischen Halbinsel mit zusammen fast 3,9 Millionen Quadratkilometer genehmigt werden. Ein Vorschlag, der im Einklang steht mit der im Dezember 2022 in Montreal/Kanada eingegangenen Verpflichtung der 196 Vertragsparteien des UN- Übereinkommens zur biologischen Vielfalt, bis 2030 mindestens 30 % der weltweiten Land-, Süßwasser- und Meeresökosysteme zu schützen.

Karte und Logo der CCAMLR. Grafik: CCAMLR

Handlungsbedarf

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Schutz des Südlichen Ozeans immer dringlicher wird. Die Antarktis ist derzeit durch den Klimawandel einem immensen ökologischen Druck ausgesetzt. Die abnehmende Eisbedeckung führt zu Veränderungen in der physischen und biologischen Umwelt der Antarktis. So verändert sich die Verteilung der Pinguinkolonien mit der geänderten Meereis-Bedeckung. Das Vorhandensein von Meereis ist auch für den Lebenszyklus des antarktischen Krills unerlässlich. Ein Problem, dass uns auch in Europa auf der nördlichen Hemisphäre betrifft. Siehe dazu auch den Artikel vom 27.06.2023 - „Hitzewelle heizt Nordsee auf“.

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Die Einrichtung von Meeresschutzgebieten bleibt deshalb eine vordringliche Aufgabe, weil nur MPAs die biologische Vielfalt schützen können. Dazu erforderlich ist auch die Begrenzung der systematischen Überfischung und die wirksame Bekämpfung der illegalen Fischerei. Es sind zwei Länder, China und Russland, die immer wieder Maßnahmen verzögern und noch mehr Daten verlangen. Peking und Moskau blockieren den Plan zur Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete, seit er 2010 von Australien erstmals vorgelegt wurde, auch nachdem der Vorschlag 2017 zurückgenommen wurde. Und so endete auch diese Sondersitzung so, wie die vorangegangenen Jahrestagungen. Zwei Länder blockieren die Entscheidung, endlich meßbare Fortschritte auf dem Weg zu zusammenhängenden MPAs im Südpolarmeer zu erzielen.

Eigeninteresse vor Weltziele

Nationale Interessen dieser Staaten sind offensichtlich wichtiger, als eine geschützte Lebensgrundlage. Davon zeugt auch das neue chinesische Interesse an der Antarktis. Siehe dazu den Artikel vom 15. Mai 2023 - „Satellitenfotos: China auf dem Vormarsch in der Antarktis“.

Quelle: The Maritime Executive, Umweltbundesamt

12. Juli 2023 | 0 Kommentare

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