Nach dem Ende des Kalten Kriegs schlossen die USA die auf Grönland installierten Radarstationen. Nun hat Dänemark erneut ein arktisches Überwachungsprogramm beschlossen.
Nach zweijähriger Analyse- und Planungsphase beschloss das dänische Parlament im Februar dieses Jahres die Umsetzung des bereits 2019 beschlossenen Programms zur erweiterten Überwachung des arktischen Luft- und Seeraumes. Eine spannungsfreie Arktis hat höchste politische Priorität für die dänische Politik, doch der Ausbau der russischen Stützpunktkette entlang der sibirischen Küste ist Anlass zur Beunruhigung. Dies gilt besonders für den Luftwaffenstützpunkt Nagurskoye auf den Franz-Josef-Inseln, denn Kampfbomber können von hier aus mit Hilfe von Luftbetankung den amerikanischen Stützpunkt Thule angreifen. [ds_preview]
Problemfall GIUK-Linie
Mit dem Ende des Kalten Kriegs wurden 1991 die vier Radarstationen der Distant-Early-Warning-Linie in Grönland und 2007 das Langstreckenradar auf den Färöer-Inseln abgebaut sowie 2006 die Keflavik-Basis auf Island von der US-Luftwaffe aufgegeben. Der amerikanische Fokus richtete sich auf den asiatisch-pazifischen Raum, während von Russland scheinbar keine Gefahr mehr ausging. Dies erwies sich als Trugschluss und heute müssen die Nato und Dänemarks Arktisches Kommando, das die Verantwortung im Gebiet zwischen Grönland und den Färöern hat, große Löcher in der Überwachung des See- und Luftraums konstatieren. Zwar kann das Kommando auf eine begrenzte Anzahl von Flugstunden für die Überwachung durch Herkules-Maschinen zurückgreifen, doch diese sind auf vorbestimmte Perioden im Jahr beschränkt. Die vier Schiffe des Kommandos sind von Aufbau, Bewaffnung und Aufgaben her Küstenwachschiffe und können keine weiträumige und permanente Überwachung sichern. Zivile Satellitenbilder der Seeüberwachung können zwar genutzt werden, sind aber oft nicht detailliert genug für militärische Zwecke und die Satellitenüberwachung endet etwa beim 80. Breitengrad.
Mehrfach wurde das Arktische Kommando vom Anlaufen russischer und chinesischer Forschungsschiffe in Grönland überrascht. Die Besuche geschahen zwar auf Einladung, aber ihre Ankunft war nicht festgelegt auf ein Datum. Auch offiziell unbestätigte Tauchgänge russischer U-Boote in grönländischen Fjorden soll es gegeben haben.
Verstärkte Überwachung
Die Anschaffung von Drohnen, Radaranlagen und Satellitenkapazitäten für die Überwachung des Nordatlantiks soll den blinden Fleck nun beseitigen. Das Langstreckenradar auf den Färöern wird wiedereröffnet, während entlang der grönländischen Küsten drei bis vier Radarstationen mit kürzerer Reichweite aufgebaut werden. In Grönland werden zwei Langstreckendrohnen, möglicherweise vom Typ Reaper stationiert, die insbesondere nördlich und östlich der Insel zum Einsatz kommen sollen, um eine Vorwarnzeit zu ermöglichen. Ergänzt werden sie durch land- und schiffgestützte kleinere Drohnen, den Ankauf von weitaus mehr Satellitenbildern sowie den Bau eines Empfangs- und Analysezentrums in Nuuk. Bisher kann nur die Basis in Thule Bilder von Satelliten auf einer orbitalen Umlaufbahn empfangen. Insgesamt 200 Millionen Euro investiert Dänemark. Weitere Anschaffungen könnten in den nächsten Jahren notwendig werden, aber die finanziellen Belastungen durch die Coronakrise setzen enge Grenzen. Eine erhöhte militärische Präsenz der USA über Thule hinaus stößt auf Ablehnung in Grönland und würde seitens Russlands als offensiver Schritt betrachtet werden.
Um Grönland enger an sich zu binden, beinhalt der beschlossene Maßnahmenkatalog auch die Einrichtung einer spezifischen grönländischen Militärausbildung. Nur wenige Grönländer nutzen das Recht, Militärdienst abzuleisten und sollen mit einer spezifisch arktischen Ausbildung dazu animiert werden.
Die Drohnenbilder sollen auch der Überwachung der Eisverbreitung und der Meeresverschmutzung sowie der Fischereikontrolle und Seenotrettung dienen. Dies sind wichtige Aspekte für Dänemark, das in Vertretung Grönlands große Seegebiete bis an die 200-Seemeilen-Grenze Russlands bei der UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels angemeldet hat, um diese als exklusive Wirtschaftsgebiete anerkannt zu bekommen. Der Umfang der dänisch-grönländischen Ansprüche überschneidet sich beträchtlich mit den russischen, was in Moskau Überraschung und Verärgerung hervorrief. Gegenwärtig arbeitet Russland an einer wissenschaftlichen Grundlage, um der Kommission die Erweiterung seiner Gebietsansprüche vorlegen zu können.
Autor: Andreas Knudsen










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