Europas größte Volkswirtschaft und einst Russlands größter Erdgasimporteur, Deutschland, hat bisher kein russisches LNG direkt importiert. Seit über zwei Jahren fließt auch kein russisches Pipelinegas mehr. Die Gründe sind bekannt. Als Ersatz für das russische Gas wurden mit staatlichen Hilfen mehrere LNG-Terminals in Brunsbüttel, Wilhelmshaven, Stade und Mukran/Rügen errichtet. Seitdem wird LNG aus den Vereinigten Staaten, Katar und anderen Ländern in den betriebsbereiten Regasifizierungsanlagen verwendet sowie über Pipelinegas aus Norwegen eingespeist.
Politik
Nun wurde berichtet, dass das Wirtschaftsministerium (BMWK) die Deutsche Energy Terminal angewiesen habe, Direkt-Lieferungen russischen LNGs nicht anzunehmen. Das Unternehmen habe die Bundesregierung zuvor darüber informiert, dass die Anlage in Brunsbüttel eine entsprechende Lieferung erhalten sollte. Deutschland importiere grundsätzlich kein russisches Gas und für das BMWK sei auch klar, dass dies nicht über deutsche LNG-Terminals geschehen dürfe. Es gehe um „übergeordnete Interessen Deutschlands“, so ein BMWK-Sprecher. Die Lieferung würde die Bemühungen, Wladimir Putin wirtschaftlich zu isolieren und Russland von wichtigen Finanzquellen abzuschneiden und die Ukraine zu unterstützen, konterkarieren.
Die deutschen Unternehmen, die LNG importieren beziehungsweise nach Deutschland transportieren, haben sich dazu verpflichtet, bei ihren Einkäufen auf dem Markt darauf zu achten, dass kein russisches LNG nach Deutschland kommt. Die Annahme der Lieferungen würde dem Grund widersprechen, warum deutsche Terminals ursprünglich eröffnet wurden: "Um Deutschland und der EU zu ermöglichen, unabhängig von russischem Gas“ zu werden." So ein Sprecher des Ministeriums.

LNG-Tanker speist Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) im Brunsbütteler Elbehafen ein. Foto: Brunsbüttel Ports
Umwege
Es ist jedoch nicht klar, wer die Lieferung bestellt hat. In der Branche wird gemutmaßt, dass jemand sein Glück versucht habe und prüfen wollte, wie das zuständige BMWK reagieren würde. Böse Stimmen aus der Branche behaupten, dass es sich um einen ‚politischen PR-Gag‘ handeln könnte.
Tatsächlich bestehen jedoch keine formalen europäischen oder deutschen Sanktionen gegen russisches Erdgas. Indirekt importiert Deutschland also vermutlich über europäische Häfen erhebliche Mengen russischen Erdgases, berichtete die österreichische Zeitung ‚Der Standard‘. Dieses wird dort an den Terminals in das Leitungsnetz eingespeist. Die genaue Herkunft auf den europäischen Märkten ist dann nicht mehr feststellbar.
Eine Reuters-Analyse im April 2024 ergab, dass mehr als ein Zehntel des russischen, früher per Pipeline in die Europäische Union gelieferten Gases seither durch LNG ersetzt wurde und in EU-Häfen, hauptsächlich in Spanien, Belgien und Frankreich, umgeschlagen wird. Im vergangenen Jahr importierte Deutschland 48,6 % seines Gases über Pipelines aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wie die Bundesnetzagentur mitteilte.
EU
Die Lieferungen kämen wohl auch zur Unzeit: Die EU will offenbar mehr Flüssiggas aus den USA zu kaufen. So soll der designierte Präsident Trump nach Amtsantritt überzeugt werden, keine hohen Einfuhrzölle auf EU-Produkte zu erheben.
Eindeutig zweideutig: Erforderlich wäre, auch als kräftiges Signal an den US-amerikanischen Partner, ein europäisches Verbot für russisches LNG. Aber darauf wird man sich wohl nicht verständigen können.
Quelle: gCaptain, Focus, kdk










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