HDMS Esbern Snare der Absalon-Klasse. Foto: Dänische Marine

HDMS Esbern Snare der Absalon-Klasse. Foto: Dänische Marine

Dänische Marine – Im Hotspot der Piraterie

Dänemark bereitet sich auf den Einsatz gegen Piraten im Golf von Guinea vor

Zwischen November 2021 und April 2022 wird der Dannebrog, die Flagge Dänemarks, nicht nur über Handelsschiffe in der Bucht von Guinea wehen, sondern auch von der Fregatte ESBERN SNARE gezeigt werden. Das Schiff, ausgerüstet mit einem Seahawk-Hubschrauber und einer rund 175 Mann starken Besatzung einschließlich einer Spezialtruppe, soll die Piraten Westafrikas in die Schranken verweisen. Das Schiff wird Teil einer internationalen Einsatzgruppe sein, die als Antwort auf eine IMO-Resolution vom Mai 2021, in der Staaten, die UN sowie die G7++ Friends of the Gulf of Guinea aufgefordert werden, alle nötigen Maßnahmen zur Piratenbekämpfung einzuleiten. Welche europäischen Länder sich anschließen werden, ist gegenwärtig noch nicht geklärt.
Dänemark hat bereits seit 2016 periodisch Ratgeber mit militärischem Hintergrund an den Botschaften in Ghana und Nigeria stationiert, die diese Länder beim Aufbau von Kapazitäten zur Piratenbekämpfung unterstützten. In den letzten Jahren kamen auch gemeinsame Übungen westafrikanischer Marineeinheiten und dänischer Spezialkräften hinzu, die 2021 beispielsweise an der Übung Obangame Express teilnahmen, in der Einsatzplanung, Seetaktik, Schiffsboarding, die Sammlung von Beweismaterial und Erste Hilfe geübt wurden. [ds_preview]

Die Vorgehensweise der Piraten hat sich über die Jahre hinweg deutlich verändert. Zunächst waren es nur kurze Überfälle, bei denen es um Bargeld und schnell veräußerbare Waren ging. Später handelte es sich vorzugsweise Tanker, die angegriffen und in das Nigerdelta gezwungen wurden. Dort pumpte man die Ladung auf andere Schiffe um, damit diese auf dem Schwarzmarkt verkauft werden konnte. In den letzten Jahren kam die „somalische Variante“ hinzu, bei der für gekaperte Schiffe Lösegeld verlangt wird. Mittlerweile finden 95 Prozent der weltweiten Schiffsentführungen in diesem Seegebiet statt. Die Einschiffung bewaffneter Wächter, wie es regelmäßig am Horn von Afrika praktiziert wird, ist keine Option, da viele Schiffe westafrikanische Häfen anlaufen und die Behörden keine Erlaubnis dafür erteilen.

Die königlich dänische Marine hat Erfahrung in der Pirateriebekämpfung. Foto: Dänische Marine

Die königlich dänische Marine hat Erfahrung in der Pirateriebekämpfung. Foto: Dänische Marine

Der Einsatz in der Guineabucht unterscheidet sich wesentlich vom Flotteneinsatz am Horn von Afrika, an dem Dänemark ebenfalls teilnahm. Während hier die machtlose Regierung in Mogadischu um internationale Hilfe gebeten hatte, ist dies bei den 20 Anrainern des westafrikanischen Seegebiets nicht der Fall. Prinzipiell ziehen diese es vor, die Piratenbekämpfung selbst zu führen, womit das Operieren in deren Territorialgewässern ausgeschlossen ist. Dem Maritime Domain Awareness for Trade – Gulf of Guinea (MDAT-GoG) wird dabei eine besondere Rolle zukommen. Dieses Lage- und Informationszentrum wird auch von der EU unterstützt. Insbesondere Nigeria als lokale Großmacht ist bisher sehr abweisend gewesen, ausländische Hilfe anzunehmen. Das Land hat aber besondere Verantwortung, da die Piraten sich häufig in das weitverzweigte Nigerdelta zurückziehen und hier nicht nur ihre Basen, sondern auch Rückhalt in der verarmten Bevölkerung haben. Das Mandat der Piratenjäger umfasst gegenwärtig nur die Beschlagnahmung von Waffen und Bootsmotoren, während die Behandlung gefangener Piraten noch mit den Anrainerstaaten geklärt werden muss. Eine Verhandlung vor einem dänischen Gericht ist ausgeschlossen.

Dänische Reedereien, die direkt oder indirekt 20 Prozent der Welthandelsflotte kontrollieren, haben ein besonderes Interesse an der maritimen Sicherheit in diesem Seegebiet. Täglich befinden sich hier 30 bis 40 Schiffe dänischer Reedereien, wobei Dänemark nicht notwendigerweise Flaggenstaat ist. Dänische Regierungen sind jedoch sehr entgegenkommend, wenn sich die Branchenorganisation an sie wendet. Allerdings ist der Einsatz eines Kriegsschiffes bei dänischen Seeleuten und Sicherheitsexperten umstritten. Manchen ist der Schiffsbetrieb zu teuer und eigentlich nur durch die Hubschrauber-Option zu rechtfertigen. Zum anderen kann das Schiff über Monate hinweg nicht an der normalen Ausbildung und NATO-Bereitschaft teilnehmen, teils opponieren Experten dagegen, dass Singapur als einer der wichtigsten Flaggenstaaten dänischer Reedereien Kosten und Risiko an Dänemark delegiert. Letztlich erkannten die verantwortlichen Politiker, dass die Piraterie sich immer weiter entlang der afrikanischen Küste ausbreitet und die maritimen Versorgungslinien ernsthaft bedrohen könnte. Auch kann ein Ineinanderfließen von kriminellen Handlungen und islamistischem Terror kann nicht ausgeschlossen werden.

Autor: Andreas Knudsen

18. Okt. 2021 | 0 Kommentare

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