Die US Navy benötigt Helikopter für eine breite Palette unterschiedlicher Einsätze. Mit der Sea-Hawk-Familie steht ein multifunktionaler Typ bereit.
Während der 1970er-Jahre sah sich die US Navy nach einem Nachfolger für die in die Jahre gekommenen U-Jagd-Helikopter des Typs Kaman SH-2 Sea Sprite um. Dabei ging es vornehmlich um das neu zu entwickelnde Light Airborne Multi-Purpose System III (Lamps III), das sowohl Luft- als auch Schiffssysteme integrierte.
IBM Federal Systems wurde dabei von der US Navy als der Hauptvertragspartner ausgewählt. Da der Sea Sprite nicht mehr groß genug war, um[ds_preview] die in Zukunft benötigten Ausrüstungen für die neuen Aufgaben zu transportieren. Begab man sich auf die Suche nach einer neuen Zelle.
Dabei beobachte man das laufende Auswahlverfahren der US Army, die gerade mit dem Uttas-Programm einen neuen Transporthubschrauber ausgeschrieben hatte. Zeitgleich warf man bei der Navy aber noch einen Blick auf Bell, Kaman, Westland und MBB. Diese Firmen boten aber nur Lösungen an, die der Navy zu klein waren. Schließlich gab man Sikorskys S-70B den Zuschlag, woraus der SH-60B Sea Hawk resultierte.
Mit IBM als Systemlieferant für Lamps III und Sikorsky als Lieferant für die Zelle stand also Anfang 1978 die neue Richtung fest. 83 Prozent des Sea Hawk sind identisch mit dem Army-Helikopter Black Hawk. Bei den Änderungen geht es primär um einen erhöhten Korrosionsschutz, leistungsgesteigerte Triebwerke vom Typ General Electric T-700, das Entfallen der linken Laderaumtür und ein Versetzen des hinteren Fahrwerks um 3,96 Meter nach vorn, um einen geringeren Platzbedarf auf den Flugdecks der Marineschiffe zu erzielen. Zwei Waffenstationen wurden ebenfalls ergänzt. Ein elektrisches Faltsystem für den Hauptrotor, den Heckausleger und den Stabilizer wurden verbaut. Der Sea Hawk erhielt größere Kraftstofftanks und ein Starter für 25 Sonarbojen wurde auf der Seite der entfallenen Laderaumtür ergänzt. Ein Notfall-Schwimmersystem wurde zunächst eingebaut, aber schließlich als unpraktikabel wieder verworfen.

Ein MH-60R Sea Hawk der Helicopter Maritime Strike Squadron (HSM) 51 bereitet sich für die Landung auf dem Zerstörer
USS Barry vor, Foto: US Navy/Molly Crawford
Der Sea Hawk SH-60B wird hauptsächlich auf Fregatten, Zerstörern und Kreuzern eingesetzt. Seine wichtigste Aufgabe ist die Über- und Unterwasseraufklärung. Dazu steht ihm ein umfangreiches Arsenal an Elektronik zur Verfügung. Angefangen bei de MAD-Magnetometern (Magnetic Abnormal Detector) bis hin zu den aus der Luft abwerfbaren Sonarbojen. Als weitere Sensoren finden sich ein Radar APS-124 sowie das ESM-System ALQ-142 an Bord. Eine am Bug montierte Wärmebildkamera ergänzt die Ausrüstung. An Bewaffnung trägt der Sea Hawk Leichtgewichtstorpedos der Typen Mk 46, Mk 50 oder Mk 54 und kann sogar mit Hellfire-Raketen ausgerüstet werden. Zusätzlich steht der Besatzung ein einzelnes Maschinengewehr M 60 oder M 240 mit Kaliber 7,62 Millimeter zur Verfügung. Alternativ ist die Mitnahme eins Maschinengewehrs GAU-16 mit Kaliber 12,7 Millimeter möglich. Die Besatzung besteht aus Piloten und Kopilot, Letzterer übernimmt die Aufgabe des Airborne Tactical Officers. Die Nummer drei an Bord ist der Aviation Warfare Systems Operator.

Einweisung eines japanischen SH-60 Sea Hawk auf dem Zerstörer John S. McCain, Foto: US Navy/Jeremy Graham
Weitere Versionen
Nach Indienststellung des SH-60B bei der US Navy wurde der Ersatz der Hubschrauber vom Typ Sea King geplant. Zu diesem Zweck entstand der SH-60F. Er erhielt das Dipping-Sonar AQS-13F, das aus dem Sea King bekannt ist, und die erweiterte Avionik des Sea King. Der SH-60F wird überwiegend von Flugzeugträgern aus eingesetzt. Seine Hauptaufgabe ist die U-Boot-Aufklärung. Die Bewaffnung ist identisch mit der des SH-60B. Die Besatzung setzt sich jedoch aus Pilot und Kopilot, Tactical Sensor Operator (TCO) und Acoustic Sensor Operator (ASO) zusammen. Die erste F-Variante trat 1987 ihren Dienst in der Navy an, die letzte Staffel wurde 2016 mit dem Luftfahrzeugmuster ausgerüstet.

Ein SH-60 Sea Hawk des Helicopter Combat Squadron 4
vor dem Start vom Flugdeck der USS Ronald Reagan, Foto: US Navy/Timothy Schumaker
1989 begann die Navy, die Flotte der Helikopter für die bewaffnete Suche und Rettung (Combat Search and Rescue, CSAR) aufzubauen. Ebenfalls enthalten in diesem Einsatzspektrum sind der Einsatz von Spezialkräften (Naval Special Warfare, NSW) und die Überwasserkriegsführung (Anti-Surface Warfare, ASUW). Zu dem Zweck nahm man gemeinsam mit der US Coast Guard die Zelle des SH-60F und ergänzte weitere defensive und offensive Systeme. Dazu gehört ein FLIR-Turm mit Laser-Markierungssystem sowie das sogenannte Aircraft Survival Equipment (ASE). Dies besteht aus dem ALQ-144 Infra-Red Guided Missile Countermeasure Devices (IRCM), dem Laserdetektor AVR-2, Radardetektoren APR-39(V)2, Raketenstartdetektoren AAR-47 und dem Scheinzielwerfer ALE-47. Abgasdiffusoren zur Reduzierung der Wärmesignatur gehören ebenfalls dazu, um wärmesuchende Raketen das Auffassen des Hubschraubers zu erschweren.
Als Bewaffnung können bis zu vier AGM-117 Hellfire an externen Stationen mitgeführt werden sowie M-299-Startbehälter und Rohrwaffen der Typen M 60, M 240, GASSU-16 und GAU 17/A. Die Besatzung dieser als MH-60H (Heavy Helikopter) genannten Version besteht aus Pilot, Kopilot, Crew Chief, zwei Doorgunnern und einem Rettungsschwimmer. Die Navy unterstützt die US Army mit diesen Maschinen im Bereich der Evakuierung von Verletzten aus Gefechtszonen, Kriegs- und Krisengebieten (Medevac).

Während der Übung Fuji Viper trainieren US Marines im Dezember 2019 die Durchführung von Spezialeinsätzen mit einem MH-60 Sea Hawk, Foto: US Marine Corps/Ujian Gosun
Ein neues Zeitalter
Mit dem MH-60R bekam die Navy eine Maschine, die die bisherigen analogen Hubschrauber ins digitale Zeitalter katapultierte. Aus IBM ist inzwischen Lockheed Martin geworden, das Upgrade Lamps III Block II wurde fertiggestellt und das Cockpit von Rundinstumenten auf vier 8 × 10 Inch (20,32 × 25,4 cm) große Multifunktionsdisplays umgestellt. Diese sind kompatibel mit Nachtsichtgeräten und in der Sonne gut ablesbar. Die Systeme stellt Owego Helo Systems her, eine Tochtergergellschaft von Lockheed Martin. Beide Piloten haben nun Flugkontrollsysteme. Die Sensoren an Bord dieser Variante bestehen aus dem Raketenwarnsystem AAR-47, das von ATK geliefert wird, dem elektro-optischem System AAS-44, bestehend aus FLIR und Laser-Entfernungsmesser, dem Scheinzielwerfer ALE-39 und dem Infrarotblocker ALQ-144 von BAE Systems. Zusätzlich verfügt der Hubschrauber über das ALQ 210, das die Besatzung bei der Lagebilderstellung unterstützt, bei Gefahren warnt und präzises Zielen ermöglicht. Es erkennt, identifiziert und lokalisiert Bedrohungen. Das Multi-Mode/IFF-Radar APS-147 wird derzeit gegen das modernere APS-153 getauscht, das nun auch aus dem Wasser ragende Periskope zu erkennen vermag. Das System wird von der Firma Telephonics hergestellt. Einzug hielt ferner ein weiter verbessertes AN/AQS-22, ein niederfrequentes Sonar der Firmen Raytheon und Thales sowie das Funkgerät ARC-210 von Rockwell Collins mit erweitertem luftgestützten Datalink SRQ-4 Hawklink und Funk-Terminal ARQ-59. Beides wird von L3Harris gebaut. Das LN-100G ist ein vielseitiges und hochgenaues Trägheitsnavigations- und GPS-System. Hersteller ist Northrop Grumman Litton. Mit Beginn des Jahres 2020 wurde ein Versuch gestartet, den MH-60R mit einem MAD-System auszurüsten. Die Bewaffnung besteht aus Torpedos Mk 54 und Hellfire-Raketen.
1997 entschied die Navy, sich von ihren Hubschraubern des Typs CH-46 Sea Knight zu trennen. Für erste Tests stand ein UH-60 der US Army zur Verfügung. Nach der Auswahlentscheidung baute man aus dem UH-60 einen Hybriden. So nahm man sich die Zelle mit den großen Ladetüren und statte sie mit dem faltbaren Navy Heckteil des SH-60 sowie den stärkeren T-700-Triebwerken aus. Vom UH-60 behielt man das weit hinten liegende Heckrad. Das Glascockpit und ausgesuchte Elemente der Bewaffnung stammen dann wieder aus den aktuellen HH-60R. Der MH-60S wird auf Flugzeugträgern, amphibischen Angriffsschiffen sowie schnellen Versorgungsschiffen eingesetzt. Eingesetzt werden die MH-60S zur Versorgung aus der Luft, zu Medevac-Zwecen und zu Combat Search and Rescue. U-Jagd, maritime Abfangoperationen, Nahbereichsunterstützung, Aufklärung, Überwachung und Einsatzunterstützung von Spezialkräften sind ebenfalls möglich. Die MH-60S sind mit dem AQS-20A und einem Airborne Laser Mine Detection System (ALMDS) zum Aufspüren von Minen ausgerüstet. Dadurch können kleinere Schiffe, von denen aus der schwere MH-53E nicht operieren kann, in dieser Rolle operieren. Dank seiner Abstammung vom UH-60 kann der Hubschrauber Army-Raketenstarter vom Typ Hydra 70 einsetzen. Ein am Bug montiertes FLIR-System liefert Zieldaten für die Hellfire-Raketen. Der Jammer ALQ-144 IR zur Abwehr von Raketen mit Infrarot-Suchkopf ist ebenfalls an Bord. Inoffiziell trägt dieser Hubschrauber die Bezeichnung Knighthawk. Seine Besatzung besteht aus Pilot und Kopilot sowie zwei Besatzungsmitgliedern, die als Tactical Cewman bezeichnet werden.
Zu den Nutzerstaaten des Sea Hawk gehören neben den Vereinigten Staaten auch Australien, Brasilien, Dänemark, Griechenland, Indien, Israel, Japan, Südkorea, Saudi-Arabien, Singapur, Spanien, Taiwan, Thailand und die Türkei.
Matthias Klingspohn










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