Man las die Schlagzeile „4-Tage-Woche bei der Marine!“ Das stiftet Verwirrung. Unser Minister, Boris Pistorius, unser Generalinspekteur, General Carsten Breuer, und unser Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack erwähnen es immer wieder: „Einfach mal machen!“ Und sie sagen auch, dass die bestehenden Vorschriften und Weisungen dafür durchaus mal ausgereizt werden dürfen – sofern dadurch niemandem Nachteile entstehen und die Einsatzbereitschaft nicht leidet. „Einfach mal gemacht“ hat das 3. Minensuchgeschwader im aktuellen Pilotprojekt der Einsatzflottille 1. [ds_preview]Dort wird der Freitag einer Woche im Hafen für die seegehenden Einheiten des Geschwaders als dienstfreier Tag festgelegt. Es werden keine Vorhaben für diesen Tag durch den Geschwaderstab für die Boote geplant. Sollten beispielsweise externe Techniker an diesem Tag zu Wartungs- oder Reparaturzwecken an Bord sein müssen, wird eine entsprechende Anwesenheit durch die Systemunterstützungsgruppe sichergestellt.
Die Reaktion bei den Besatzungen ist mehr als positiv. Seien es die Pendler, die früher losfahren können, oder die am Standort lebenden Kameradinnen und Kameraden – alle profitieren. Damit lässt sich die vorhande Arbeitszeit für die Besatzung viel besser planen. Zeitgleich ändert sich nichts am pro Woche zu erbringenden Stundensoll von 41 Stunden!
Und wie sollen die Stunden erbracht werden? Entweder wird angefallene Mehrarbeit am Freitag abgebaut, oder es wird in der Woche länger gearbeitet, ohne das Tagessoll zu überschreiten. Ursächlich für die hohe Anzahl an Überstunden sind im 3. Minensuchgeschwaders unter anderem die zahlreichen eintägigen Seefahrten. Aber auch Einsatzvorbereitung, Wartung und Instandhaltung sowie sonstige Verpflichtungen generieren zusätzliche Stunden.
Es zählt zur Fürsorge, diese Belastungen auszugleichen. Daher ist die Institutionalisierung des Überstundenabbaus genau der richtige Schritt, um nicht nur die Frauen und Männer an Bord stärker an die Marine zu binden, sondern auch, um die noch unentschlossenen jungen Menschen dazu zu motivieren, sich für eine Karriere bei der Marine zu entscheiden. Es ist ein deutlicher Schritt in Richtung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Danke an die Beteiligten, die es „einfach mal gemacht“ haben!
Zurück an Bord
Das andere untergehende Abendland ist das Wohnen an Bord. Über Ursachen, Wahrnehmung und Unzufriedenheit wurde oft berichtet. Daher nur ganz kurz die zweite großartige Information aus dem 3. Minensuchgeschwader. Dort wird das Wohnen an Bord unter neuen Rahmenbedingungen erprobt. Die Hauptursache für das sogenannte „Freiziehen“ der Schiffe und Boote, war die hohe Überstundenzahl, die die Brandabwehrgestellung auslöste. Nun wird es organisatorisch ohne Sicherheitseinbuße anders gelöst. Das beginnt mit der Möglichkeit der Fernüberwachung unter direkter Anbindung an die Stützpunktfeuerwehr im Heimathafen Kiel. Einfach gesagt: Werden Alarmsysteme ausgelöst, klingelt bei der Feuerwehr das Telefon und sie rücken aus. Gleichzeitig werden an Bord Alarme ausgelöst, die die an Bord befindlichen Menschen zuverlässig wecken. Über das schon immer an Bord befindliche Stecktafelsystem lässt sich – wie früher schon – feststellen, wer überhaupt an Bord ist. Natürlich haben alle Soldatinnen und Soldaten an Bord die notwendigen Kenntnisse in Schiffssicherung. Sonst wären sie nicht Teil der Besatzung. Somit ist dann auch ein jeder in der Lage, auf dem Weg von Bord mit einem Handgriff die Lüfter abzuschalten und damit eine der ersten Maßnahmen im Brandfall zu erledigen. Außerdem werden brandanfällige Bereiche wie Kombüse und Betriebsräume außerhalb der Dienstzeit nicht mehr betreten, Anlagen und Geräte bleiben schlichtweg aus.
Wichtig an dieser Stelle ist es zu erwähnen, dass die gesetzlich vorgegebenen Zeiten bei der Brandbekämpfung eingehalten werden. Das beruht auf Versuchen des 3. Minensuchgeschwaders zur Vorbereitung auf eine Rückkehr an Bord. Die dort erzielten Reaktionszeiten haben die Vorgaben deutlich unterschritten. Beide Maßnahmen werden zunächst erprobt, aber der erste Schritt ist getan: Einfach mal machen!
Fregattenkapitän Marco Thiele ist Vorsitzender Marine im Deutschen BundeswehrVerband (DBwV). Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung der Verbandszeitschrift „Die Bundeswehr“ des DBwV.
Marco Thiele










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