Als Nachfolger der in die Jahre gekommenen P-3C wurde Boeings bewährte Poseidon ausgewählt. Bereits in zwei Jahren soll die erste Maschine für die Marine fliegen.
Maritime Patrol Aircraft (MPAs) leisten einen bedeutenden Beitrag zur Fähigkeit der Langstreckenaufklärung über See sowie zur weiträumigen U-Boot-Abwehr aus der Luft und bleiben somit für die deutsche Marine unverzichtbar. Daher zeichnete die Bundeswehr im Anschluss an die parlamentarische Behandlung im Juni 2021 einen Vertrag über die Beschaffung von fünf Luftfahrzeugen des Typs P-8A Poseidon vom amerikanischen Flugzeughersteller Boeing.
Foreign Military Sales
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) beschafft die Luftfahrzeuge über das Foreign-Military-Sales-Verfahren (FMS) der US Navy. Auf Basis einer umfassend modifizierten Boeing 737-800 wurden die Luftfahrzeuge seit 2004 entwickelt und ersetzen seit 2013 sukzessive die P-3C-Flotte der US Navy. Inzwischen werden mehr als 130 Poseidons weltweit eingesetzt. Neben den USA zählen Australien, Indien, Südkorea, Neuseeland, Norwegen und Großbritannien zu den Nutzern. [ds_preview]
Der im Juni 2021 unterzeichnete FMS-Vertrag beinhaltet die nachfolgenden Hauptkomponenten:
• Radarsystem AN/APY-10
• Akustiksystem AN/AQQ-2
• Elektronisches Unterstützungssystem ESM AN/ALQ-240
• Elektronisches Selbstschutzsystem
• EO/IR HD-Kamerasystem MX-20
• IFF Transponder AN/APX-123
• IFF-Abfrager AN/UPX-43
• Kommunikations- und Datenlinksysteme (u.a. Satcom, Link 16)
• Search and Rescue Kit

Sonarbojen warten auf ihren Einsatz, Foto: Boeing
Derzeit arbeitet das Projektteam des BAAINBw zusammen mit der US Navy an einer ersten Ergänzung des bestehenden Vertrags, um neben der Ausstattung des Luftfahrzeuges die Erstausbildung der Besatzung und des Instandhaltungspersonals sicherzustellen. Weitere Bestandteile des Vertrags sind der Ersatzteilbedarf, Zubehör, Bodendienst-, Prüfgerät und Sonderwerkzeug (BPS), Missions-Unterstützungssystem, technische und nichttechnische Dokumentation sowie technische- und technisch-logistische Unterstützung für die ersten drei Jahre. Das Waffensystem wird außerdem in der modernsten Ausstattungsvariante beschafft, die auch das System Large Aircraft Infrared Countermeasures (LAIRCM) AN/AAQ-24 beinhaltet. Dabei handelt es sich um ein Selbstschutzsystem zur Abwehr anfliegender Lenkflugkörper.
Das Waffensystem
Aus technischer Perspektive unterscheiden sich P-8A Poseidon und P-3C Orion insbesondere durch ihre Größe:
Die Kernfähigkeit des Waffensystems liegt in der Bekämpfung von U-Booten. Mittels modernster Ausstattung in Form von Sensorik, Sonarbojen und Torpedos Mk 54 können U-Boote aufgespürt und abgewehrt werden (Anti-Submarine Warfare). Das Sensorsystem besteht aus hochmodernen Rechenanlagen zur Akustikverarbeitung, einem Radar mit inverser synthetischer Apertur (ISAR) sowie einem Radar mit synthetischer Apertur (SAR) und weiteren elektronischen Unterstützungsmaßnahmen (ESM). Darüber hinaus ist das Waffensystem zur Ortung, Klassifizierung und Bekämpfung von Seezielen mit Lenkflugkörpern befähigt (Anti-Surface Warfare). Die Fähigkeit zur optischen Aufklärung mittels hochauflösender Kamerasysteme, die auch den Infrarotbereich abdecken, leistet einen weiteren Beitrag zur umfassenden Lagebilderstellung. Weiterhin kann die Poseidon in der Kampfführung auf moderne Kommunikations- und Datenlink-Systeme zurückgreifen. Sie nimmt mit ihrer Führungsfähigkeit im Kampf der verbundenen Kräfte eine besondere Rolle ein.

Deutschlands neuer Seefernaufklärer
Ferner leisten MPAs durch ihre große Reichweite, die durch Luftbetankung noch erhöht werden kann, und moderne Sensorik einen wichtigen Beitrag bei Search-and-Rescue-Operationen (SAR). So sind sie in der Lage, weiträumige See- aber auch Überlandgebiete in großer sowie geringer Höhe nach hilfsbedürftigen Personen abzusuchen und die Rettung aus der Luft zu koordinieren. Dies schließt das Abwerfen des UNI-PAC-Überlebenspakets für Such- und Rettungseinsätze mit ein.
Betrieb des Waffensystems
Nach geplanter Auslieferung der Luftfahrzeuge im vierten Quartal 2024 und ersten Quartal 2025 ist der Betrieb beim Marinefliegergeschwader 3 Graf Zeppelin (MFG 3) am Standort Nordholz vorgesehen, wo aktuell auch die P-3C Orion stationiert ist. Dort sollen auch Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten für die Sicherstellung des täglichen Flugbetriebs durch die Bundeswehr erbracht werden. Damit einhergehende technisch-logistische Unterstützungsleistungen wie die Materialbewirtschaftung sollen durch die Industrie erfolgen. Demnach wird die Marine lediglich für den Betrieb der Luftfahrzeuge und einfache Wartungs- und Instandsetzungsleistungen verantwortlich sein. Der öffentliche Auftraggeber befindet sich diesbezüglich in Abstimmungsgesprächen mit industriellen Partnern und strebt eine leistungsbasierte Zusammenarbeit an. Das Waffensystem P-8A Poseidon wird im DEMAR-Regelungsraum betrieben. Hierbei handelt es sich um europäisch harmonisierte Lufttüchtigkeitsanforderungen im Militärbereich (European Military Airworthiness Requirements, EMAR).
Die Einführung des neuen Waffensystems bedarf weiterhin Änderungen in der Betriebsorganisation und einer umfassenden Ausbildung des technischen und fliegerischen Personals. Vor dem Hintergrund des Nutzungszeitraums von 2025 bis 2035 werden derzeit keine umfangreichen Ausbildungsmittel beschafft. Daher ist die Bundeswehr im Hinblick auf die Ausbildung des Personals von externen Kooperationspartnern abhängig. Nach aktuellem Projektstand soll diese in Kooperation mit der US Navy erfolgen.

Das Cockpit der Poseidon ist state of the art, Foto: US Navy
Hintergrund der Beschaffung
Die Beschaffung ist durch das festgelegte Nutzungsdauerende des Waffensystems P-3C Orion im Jahr 2025 erforderlich. Ursprünglich war der Betrieb dieser Flugzeuge nach Abschluss eines Modernisierungsprogramms zur Produktvorbesserung und Nutzungsdauerverlängerung bis zum Jahr 2035 vorgesehen. Neben der Erneuerung der Tragflächen und des Leitwerks wurden weitere Maßnahmen im Bereich der Avionik zum Erhalt der Einsatzreife und der Beseitigung zunehmender Obsoleszenzen eingeleitet. Aufgrund fortwährender Komplikationen ab Herbst 2018 und der daraus resultierenden erheblichen Einschränkung im Flugbetrieb durch mangelnde Verfügbarkeit des Waffensystems entschied das Bundesministerium der Verteidigung im Juni 2020, das Gesamtprogramm zur Modernisierung abzubrechen. Vertraglich vereinbarte Leistungen innerhalb der Projekte sowie die damit verbundene Industrieinstandsetzung wurden unzureichend mit mehrjähriger Verspätung und damit einhergehenden Kostensteigerungen durch den Auftragnehmer erbracht. Die Erneuerung der Tragflächen wurde im Anschluss an die Kündigung für zwei Luftfahrzeuge durchgeführt und beendet. Im Februar 2021 konnte das erste Luftfahrzeug mit einer Verzögerung von 31 Monaten durch den Auftragnehmer ausgeliefert werden. Die Auslieferung des zweiten Luftfahrzeuges erfolgte im April 2022.
Der Betrieb des Waffensystems P-8A Poseidon ist nach aktuellem Stand als Interimslösung bis zur geplanten Indienststellung des deutsch-französischen Nachfolgewaffensystems Maritime Airborne Warfare System (MAWS) im Jahr 2035 vorgesehen. Somit wird die P-8A Poseidon eine bevorstehende Fähigkeitslücke schließen.
David Liesenfeld ist Risikomanager im Referat L3.2 (Marineflugzeuge) des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.
David Liesenfeld










Die Poseidon bei der Deutschen Marine lediglich als Interimslösung einzustufen, weil die europäische Traumtänzerei eines selbstentwickelten U-Bootjägers entgegen aller Vernunft
fortgeführt werden soll, widerspricht dem Ansinnen Rüstungsgüter von der Stange zu kaufen.Die Poseidon wurde inzwischen weit über 100 mal gebaut und wird von mehr als einen halben Dutzend Marinen als U-Jäger eingesetzt. Also warum ? Sollen wieder Milliarden Euros überflüssigerweise in Entwicklungskosten gesteckt werden? A400 M und NH 90 lassen grüßen! Detlev Salewski, Essen