Die US Coast Guard macht Fortschritte beim Bau der neuen schweren Eisbrecherklasse.
Bollinger Shipyards begann im August auf der Werft Bollinger Mississippi Shipbuilding mit dem Schneiden der ersten Stahlplatten für die erste Einheit der Polar-Security-Cutter-Klasse (PSC). Das Typschiff, die POLAR SENTINEL (PSC-1), ist seit 50 Jahren der erste schwere Eisbrecher, der in den Vereinigten Staaten gebaut wird. [ds_preview]OPÜ Die aktuelle Polareisbrecherflotte der US Coast Guard (USCG) besteht derzeit aus dem 1976 in Dienst gestellten schweren Eisbrecher POLAR STAR und dem seit 1999 eingesetzten mittleren Eisbrecher HEALY. Angesichts des Klimawandels und der steigenden wirtschaftlichen wie strategischen Bedeutung arktischer Gewässer gilt diese Minimalflottille seit Jahren als unzureichend. Im Rahmen des PSC-Programms sollen nun mindestens drei schwere Eisbrecher beschafft werden. Der Gesamtwert dieser Beschaffung wird auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzt. Anschließend soll eine als Arctic Security Cutter (ASC) bezeichnete mittlere Eisbrecherklasse eingeführt werden.
Die schweren Eisbrecher werden im Bundesstaat Washington stationiert, ihr primäres Einsatzgebiet bilden die Gewässer um Alaska. Grundsätzlich sollen sie allerdings global verwendbar sein, unter anderem, um den Zugang zu den antarktischen Gewässern und die Versorgung antarktischer Forschungsstationen zu gewährleisten. Sie sind dazu befähigt, das gesamte Einsatzspektrum der USCG wahrzunehmen. Hierzu gehören die Sicherung amerikanischer Gewässer und Küsten, die Unterstützung der Navy, die Überwachung von Fischerei- und Umweltschutzauflagen sowie die Durchführung von humanitären Einsätzen einschließlich Such- und Rettungsaufgaben und Seenothilfe. Zum Eigenschutz und zur Bekämpfung von Boots- und Flugzielen werden die Schiffe zwei 30-Millimeter-Geschütze des Typs Mk 44 mitführen.

Schneiden der ersten Stahlplatten
für den Polar Security Cutter am 9. August 2023, Foto: Bollinger
Deutsche Vorlage
Neben dem Hauptauftragnehmer Bollinger sind die Firmen ABB/Trident Marine für den Azipod-Antrieb, Raytheon für die Führungs- und Kommunikationssysteme sowie Caterpillar für den Dieselmotor am Bau der Eisbrecher beteiligt. Der Polar Security Cutter wird aus acht Hauptmodulen bestehen, die separat gefertigt und anschließend zusammengefügt werden. Das Schiffsdesign ist eine auf die operativen Bedürfnisse der Küstenwache zugeschnittene Weiterentwicklung des Entwurfs der deutschen POLARSTERN II. Die US-Schiffe sind 141,5 Meter lang und haben eine Breite von 27 Metern bei einer maximalen Verdrängung von etwa 23 000 Tonnen. Der Rumpf besteht aus einer 3,8 Zentimeter dicken Stahllegierung der stark genug ist, dem Druck der umgebenden Eisschollen zu widerstehen, jedoch gleichzeitig bei extrem niedrigen Temperaturen flexibel bleibt. Der dieselelektrische Antrieb mit über 45 200 PS ermöglicht es dem Schiff, bis zu 2,5 Meter dickes Eis zu brechen. Der Cutter bietet eine Unterbringungskapazität für 186 Personen und kann bis zu 90 Tage auf See verbringen.
Der letzte Schliff am Design der neuen Klasse wird derzeit ausgearbeitet. Die US Coast Guard rechnet damit, dass der eigentliche Baubeginn im März 2024 stattfindet. Der Bau der Hauptmodule dauert jeweils rund vier Monate und erfolgt unter Einbindung automatisierter Fertigungsmaschinen. Bei der Herstellung des ersten Schiffs werden die Fertigungsverfahren getestet und weiterentwickelt. Folglich wird der Bau des Typschiffs langsamer erfolgen als die Fertigung der nachfolgenden Einheiten und rund vier Jahre dauern. „Wir müssen wieder lernen, wie man diesen Schiffstyp baut“, erklärte der PSC-Programmmanager, USCG-Captain Eric Drey. „Es ist der erste schwere Eisbrecher, den unsere Nation seit 50 Jahren gebaut hat.“ Die Auslieferung des Typschiffs wird 2028 erwartet.
Sidney E. Dean










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