View of the well-utilised shipyard today

View of the well-utilised shipyard today

A bridge to the future

Despite all the setbacks of the past hundred years, the Gebrüder Friedrich shipyard has always capitalised on its opportunities. The company is also successful as a service provider for the navy.

Am 5. Juli 2021 wird die Gebr. Friedrich GmbH & Co. KG Schiffswerft 100 Jahre alt. Und pünktlich zum Jubiläum startet das Kieler Unternehmen mit 180 Mitarbeitern und seinen Tochtergesellschaften in Kiel und Rostock eine Innovationsoffensive. Die gerade fertiggestellte innovative Hybrid-Pier vor der Werft ist kennzeichnend für das Familienunternehmen, das sich von einem kleinen Handwerksbetrieb zu einem modernen mittelständischen Industriebetrieb gewandelt hat. In vier Generationen hat die Familie die Werft ständig ausgebaut und den Erfordernissen ihrer Zeit flexibel angepasst.[ds_preview]

Die vom Bund und dem Land Schleswig-Holstein als besonders innovatives Vorhaben geförderte Brücke mit Versorgungseinrichtungen für fossile und regenerative Energieträger ist der Start in die digitale Zukunft der Werft. Damit ist sie für die zukünftigen Anforderungen der Schifffahrt an Wartung, Reparatur und Klimaschutz gerüstet. Zugleich stellt sie den ersten Teil eines  weit größeren Gesamtvorhabens mit der Bezeichnung DienstMaritim 4.0 dar. Die Gebr. Friedrich Werft baut als eine der ersten europäischen Reparaturwerften eine IT-Umgebung auf, die große Datenmengen unterschiedlichster Quellen für verschiedene Zwecke integrieren und verarbeiten kann. Dazu gehören Sensordaten von Bord, 3-D-Aufnahmen von Teilen oder Räumen, Schnittstellen zu Life-Cycle-Management-Systemen und CAD-Modelldaten für die additive Fertigung, die bereits heute auf der Werft erfolgt. Damit kann das Unternehmen Ersatzteile aus Metall oder Kunststoff, die schwer oder gar nicht mehr zu beschaffen sind, selbst und zeitnah herstellen.

Hundert Jahre zuvor gründeten der Schlossermeister Wilhelm Friedrich und sein Bruder, der Maschinenbaumeister Johann Friedrich, ihre kleine Firma als Bau und Maschinenschlosserei GbR Friedrich an der Strandstraße 14 in Kiel-Pries. Direkt an der Kieler Förde richteten sie ihre erste Werkstatt ein. Die Anfänge waren bescheiden. Mit zuerst drei Mitarbeitern, von denen zwei aus ihrem Geburtsort Kasendorf im bayerischen Franken stammten, reparierten die Brüder Friedrich Fischerboote, erledigten Schlosser-, Maschinenbau- und Schmiedearbeiten. Sie bauten Brennhexen, Tabakschneidemaschinen, Kochtöpfe aus alten Helmen und setzten die zerschossenen Schießscheiben der Reichsmarine instand.

Sie waren tüchtig, denn sie überstanden die Wirren der Nachkriegszeit, die Inflation und die Wirtschaftskrise nach dem Bankencrash an der Wall Street. Mit dem Wirtschaftswachstum der Dreißigerjahre ging es bergauf. Die Friedrichs konnten sich nun sehr teure Werkzeugmaschinen leisten, und damit Spezialanfertigungen herstellen, die die hohen Ansprüche ihres wichtigsten Kunden, der Kriegsmarine, erfüllten.

Die Werft gegen Ende des Zweiten Weltkriegs

Die Werft gegen Ende des Zweiten Weltkriegs

Keine Zeit für die Stunde Null

Das Ende des Zweiten Weltkriegs machte die Werft nicht arbeitslos. Die Stunde Null fand nicht statt. Im Gegenteil. Ein breiter Kundenstamm aus Fischern, die mit ihren Kuttern aus dem Osten Deutschlands geflohen waren, sorgte mit Wartung und Reparatur der oft betagten Schiffe für Beschäftigung. Tatkräftige Unterstützung erfuhren die Gründer durch Wilhelm Friedrichs Tochter Charlotte, die seit 1931 im Betrieb arbeitete und den Schwiegersohn, Marineingenieur Willy Herm, die nach der Pensionierung der Gründer zusammen den Betrieb weiterführten und in der Wirtschaftswunderzeit ausbauten.

Mit dem Bau der ersten beiden Slipanlagen wurde der Betrieb von der Schlosser- und Maschinenbauwerkstatt endgültig zur Werft. Und unter den Eheleuten Herm nahm das heutige Kerngeschäft mit der Marine, Behörden und zahlreichen zivilen Auftraggebern langsam Form an. Der wichtigste Werftkunde wurde die Bundesmarine, nachdem es Willy Herm gelungen war, Anfang der 1960er-Jahre einen der begehrten Rahmenverträge für Wartung und Reparatur von Marineschiffen und damit Planungssicherheit für das Unternehmen zu ergattern. So lagen zahlreiche kleinere Marineeinheiten, darunter Schnelle Minensucher, Schnellboote und Hilfsschiffe, neben den Kümos, Fahrgastschiffen und Traditionsseglern auf den Slips oder an der Ausrüstungsbrücke der Werft. Folglich investierten Charlotte und Willy Herm in neue Anlagen und Werkstätten, eine Schiffbauhalle und eine zweite große Ausrüstungsbrücke, schütteten das Gelände auf und kauften schließlich das Mietgrundstück. Damit schufen die sie Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Dank einer leistungsfähigen IT-Umgebung können Konstruktionen schnell erstellt werden

Dank einer leistungsfähigen IT-Umgebung können Konstruktionen schnell erstellt werden

Ein kleiner Konzern entsteht

Die Werft wuchs: Die strategische Weiterentwicklung zu einem kleinen Konzern begann unter der dritten Generation: Tochter Irmgard und Schwiegersohn Klaus Birr. Sie erweiterten zunächst das Gelände, bauten einen dritten Slip, ein neues Bürogebäude, moderne Werkstätten und schließlich eine neue große Sliphalle. Nach dem frühen Tod seiner Ehefrau führte der Kaufmann Klaus Birr das Unternehmen allein, denn Tochter Katrin, die nach Bankausbildung und Studium in das Unternehmen eintrat, war noch ein Teenager. Schon als Kind hatte sie das Leben auf der Werft kennengelernt und wuchs im Lauf der Jahre nahtlos in das Unternehmen und seine heutige Führung hinein.
Die Werft übernahm eine insolvente Kieler Elektrofirma und gründete sie 1993 als Gebr. Friedrich Industrie- und Elektrotechnik GmbH neu. Sie liegt heute mit ihren modernen Anlagen auf 16 000 Quadratmetern im Gewerbegebiet Kiel-Wellsee und besitzt in Rostock eine Zweigniederlassung. 2016 kam mit dem Metallbau ein weiteres Betätigungsfeld hinzu. Als Lohn der Arbeit wurde das Unternehmen 2009 mit dem begehrten Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet.

Mit der modernen Hybrid-Pier hat die Werft in die Zukunft investiert

Mit der modernen Hybrid-Pier hat die Werft in die Zukunft investiert

Dienstleistung aus einer Hand

Heute bietet das moderne Unternehmen ein außergewöhnlich breites Spektrum an maritimen Dienstleistungen. Vor allem die Unternehmensstruktur aus Werft, Industrie- und Elektrotechnik sowie dem Metallbau bietet die Möglichkeit, hochspezialisierte Aufträge aus einer Hand kompetent zu erledigen. Davon profitiert die Deutsche Marine in hohem Maße. Das Spektrum reicht bis zu Entwicklung und Fertigung von komplizierten Schalttafeln für moderne U-Boote. Daneben sorgen die Mitarbeiter der Industrie- und Elektrotechnik mit fliegenden Teams für die Reparatur von Marine-, Handels- und Fahrgastschiffen in aller Welt.

Dr. Jürgen Rohweder ist Historiker und Journalist. Zuvor war er Leiter der Konzernkommunikation bei HDW und Thyssenkrupp Marine Systems.

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