Matthias Hellmann is CEO of Abeking & Rasmussen, photo: hsc

Matthias Hellmann is CEO of Abeking & Rasmussen, photo: hsc

Abeking & Rasmussen: Vital diversity

For a coffee at Abeking & Rasmussen: On the occasion of 50 years of marineforum, it was more about the present and the future.

The traditional shipyard on the Weser - motto: The art of shipbuilding - is an advertising customer, readership and companion. All the columns and articles that dealt with mine countermeasures units in 500 issues were somehow also about Abeking & Rasmussen. And when the editorial team needed specialist support, every piece of research was handled here in Lemwerder. Time to visit our friends on the Weser again.

Herzlicher Empfang durch CEO Matthias Hellmann, Jahrgang 1970, ehemaliger Bankmanager und Strategieberater. [ds_preview]Auf die Frage, wie er ohne Schiffbauhintergrund hier bestehen könne, bezeichnet er sich als „neugierigen Kaufmann“. „Ich bin eher Generalist, habe Profitabilität und Produktivität eben mehr im Blick als Ingenieure – das war anfänglich nicht so ganz einfach. Zumindest habe ich einen Bootsführerschein.“ Was er plant, auch um die Marine besser kennenzulernen, verraten wir hier noch nicht.

Wofür steht A&R 2024? Schwierige Zeiten für Werften? Druck aus Fernost? Hellmann lehnt sich zurück, schildert zunächst das Geschäftsmodell Yachten: „Wir bauen immer Unikate, manchmal in Kleinserie, aber immer hochspezialisiert. Yachtbesitzer wollen Individualität, Qualität und höchstes Fertigungsniveau – das können wir.“ Stunden vorher hatte eine Luxusyacht festgemacht, mit weiter Anreise, wieso? Hellmann weiß es genau: „Die Crew wollte es ausdrücklich, der Eigner nimmt die Anreisekosten nach Norddeutschland in Kauf, weil er hier seine Qualitätsansprüche erwarten kann.“ Ist der Yachtmarkt nicht eingebrochen? Sind nicht bestimmte Kunden im Bann? Hellmann kennt genaue Zahlen, die Bedarfe und die Möglichkeiten, gibt auch ein wenig preis – der Moment, wo der Bleistift ruht. Am Ende sagt er, es „ist ein intakter Markt, auch für Refits und gebrauchte Yachten“.

Und dann schweift der Blick zum eingehausten Aufbau eines Neubaus für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV); erstes von drei baugleichen Mehrzweckschiffen, die die bewährten Schiffe SCHARHÖRN (Baujahr 1974), MELLUM (1983) und NEUWERK (1998) ersetzen werden. Sie werden mit LNG oder synthetisch erzeugtem LSM betrieben, haben über der Back ein Hubschrauberlandedeck, mittschiffs Chemikalientanks, achtern Laderaum und Ölbekämpfungsausrüstung. Ferner gibt es eine Notschleppeinrichtung mit 145 t Pfahlzug, Vorrichtungen zur Brandbekämpfung und die Eignung für den Einsatz in gefährlicher Atmosphäre. Dadurch sind die Schiffe auch in zündfähiger oder giftiger Umgebung einsetzbar – eine WSV-Forderung, die über ABC-Schutz deutlich hinausgeht. Die letzten Havarien in der Nordsee bestätigen, wie nötig das ist.

Spezialschiffbau: das zweite Standbein. Weltweit bekannt ist die Swath@A&R-Technologie, im Einsatz bei Marinen, Behörden und Lotsen. Erklären kann die High-Tech-Fahrzeuge Carsten-S. Wibel, Sales Director Special Vessels, in begeisterndem Seefahrerdeutsch. Ganz Ingenieur, steht er neben dem Kaufmann Hellmann für diese A&R-Sparte, die sich immer wieder mit den Yacht- und Marinebereichen der Werft ergänzt. Und siehe da: Es gibt auch eine Swath@A&R-Yacht, die gerade von A&R für ihren neuen Eigner umgebaut und überholt wird.

Fünf Einheiten umfasst die lettischeSkrunda-Klasse. Der Swath-Entwurf stammt von Abeking & Rasmussen, Foto: A&R

Fünf Einheiten umfasst die lettische Skrunda-Klasse. Der Swath-Entwurf stammt von Abeking & Rasmussen, Foto: A&R

Thomas Sperling, Sales Director Navy, betont: Vertrauensvolle Kontakte gehören zur Firmen-DNA, wer selbst einmal als Besatzungsangehöriger einer Marineeinheit hier war – der Autor eingeschlossen – hat es erlebt: Wenn man beispielsweise von der Belegschaft spontan mit zum Bowling eingeladen wird. Und damit kommen wir zur Marine, dafür steht ihr doch immer noch, oder? Wann baut A&R endlich wieder Minensucher für die Deutsche Marine? Matthias Hellmann und Thomas Sperling zögern mit der Antwort nicht: „Wer will und darf, kann hier und heute einen Vertrag unterschreiben.“
Dieses Selbstbewusstsein ist angebracht, die Auslieferung der „modernsten Minensucher der Welt“ – so die Kieler Nachrichten 2022 – an die Marine Indonesiens liegt nur wenige Monate zurück. „Wir sind wieder zurück im Blick der Marine“, sagt Hellmann, „die Bestandseinheiten müssten eigentlich ersetzt werden, aber wenn man sich für die Lebenszeitverlängerung der 332er entscheidet, zeigt das ja, dass die von uns gebauten Plattformen verdammt gut sind. “ Er fügt jedoch mit kritischer Miene hinzu, dass es höchste Zeit war, denn eine „Jahrhundertkompetenz“ drohte zu schwinden. Anhand der Indonesien-Neubauten konnte das Minenabwehr-Spezialwissen gerade noch rechtzeitig an die nächste Generation weitergegeben werden, betont Hellmann. „Vorher hatte man den Eindruck, dass der Inspekteur der Marine die Minensucher immer ein wenig ausklammert. Wir mussten auch der Versuchung widerstehen, uns von dieser Kompetenz zu entfernen, auch wenn sie lange etwas ruhte.“ „Eine Marine, die einst die leistungsstärkste Minenabwehr der Welt hatte, konnte sich nämlich auch auf die entsprechenden Werftkapazitäten stützen, das muss erhalten und regeneriert werden.“

Minensucher und A&R werden weltweit in einem Atemzug genannt, von Brasilien über die Türkei bis nach Indonesien. Und da schließt der Werftchef ausdrücklich seine Mitbewerber ein: „Hier geht es ja schließlich nicht immer nur um wirtschaftliche Interessen“, sagt Hellmann überzeugt. „Wir können und müssen Marineschiffbau mit anderen zusammen machen, wir können auch Unterauftragnehmer sein, wie eben mit der F 123 und Saab. Wir arbeiten aktuell mit Fassmer zusammen, um Kapazitäten und Können zu bündeln.“ Und er sagt eindringlich: „Unternehmerisches Handeln ist die eine Sache, aber langfristig geht es um Innovationen, Kompetenzen und den Wirtschaftszweig als Ganzes, da ist Wettbewerb sehr förderlich.“

Auf die Frage nach einer deutschen Großwerft nach französischem Vorbild sagt er: „Damit tue ich mich schwer, trotz Schlüsseltechnologie und europaweiter Stärke frage ich mich, ob Marktkonzentration für den öffentlichen Auftraggeber wirklich gut ist. Es könnte Ideen und Innovationsfreude bremsen, unsere deutsche Stärke ist doch“, er lächelt, „vitale Vielfalt!“ „Nicht ein nationaler Champion, sondern mittelständisch geprägte Kooperation vieler kreativer Spezialisten ist eine große Stärke, dabei geht es auch um nationale Wertschöpfung, um Steuergeld, das im Lande bleibt.“ „Das ist die Zukunft aller deutscher Werften: Spezialisierung, Kompetenz, Qualität, Termintreue und Innovation gut organisiert.“ Was hält denn ein Werft-CEO vom Marinearsenal Warnowwerft? „Das sind komplementäre Ressourcen, eine plausible Entscheidung. Das ist nicht die Lösung für alles, aber auch ein Teil der Vielfalt.“

Indonesien entschied sich 2020für zwei hochmoderne Minensucher von Abeking & Rasmussen, Foto: A&R

Indonesien entschied sich 2020 für zwei hochmoderne Minensucher von Abeking & Rasmussen, Foto: A&R

Was er denn vom Wort des Jahres hielte? „Zeitenwende!“ Hellmann scheint nicht begeistert. „Der politische Wille war erkennbar, auch in Gesprächen mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und der Marine, aber getan hat sich zunächst wenig. Erst mit der F 123 merkt man, dass mehr Dampf drin ist.“ Ist denn das bevorzugte Modell des Ministers, bereits Vorhandenes zu beschaffen, eine gute Lösung für Werften? Hellmann hat da eine deutliche Meinung: „Off the shelf gibt es im innovativen Marineschiffbau nicht, auch das bereits Entwickelte muss immer erst gebaut werden. Das Problem ist die Dauer der Beschaffungsprozesse, die indonesischen Minensucher haben wir in Kurzzeit gebaut. Auch hochindividuelle Yachten, genauso maßgeschneidert wie Minensucher, liefern wir drei Jahre nach Vertragsunterzeichnung ab. Im Verfahren liegt die Lösung“.

Und wie geht A&R in die Zukunft? Fahren wir mit CO2-neutralen Minensuchern, Spezialschiffen und Luxusyachten? Matthias Hellmann, Carsten Wibel und Thomas Sperling haben darauf viele Antworten, aber auch Fragen, wir sprechen offen und diskutieren. Ein Themenfeld, für das ein Kaffee natürlich nicht reicht. „Die Zukunft ist hier und heute, das Antriebsthema und Ende der fossilen Nutzung ist aktuell. A&R-Schiffe von heute fahren mindestens dreißig Jahre, perspektivisch wird es Methanol sein, die Motorenhersteller sagen, das wird aber zur Serienreife noch bis in das nächste Jahrzehnt dauern.“ Wir sprechen über E-Fuel, Brennstoffzellen und die draußen an der Pier liegende LNG-Technologie. Wir hatten gedacht, wir blicken auf 50 Jahre zurück, es wurde aber ein Gespräch über Innovation und Zukunft. Danke dafür, auf die nächsten 50 mit Euch!

Holger Schlüter

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