To this day, a memorial stone on the railings of the MUS commemorates Fridolin. Who is behind it?
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Unzweifelhaft muss der Dienst in den Streitkräften im Allgemeinen und die Übernahme von Verantwortung als Vorgesetzter im Besonderen von Ernsthaftigkeit geprägt sein. Gleichwohl hat es gerade die Marine stets vermocht, ihren Dienst sowohl mit Professionalität und Leidenschaft als auch mit Humor und der, wie Vizeadmiral Axel Schimpf es 2010 in einer Rede ausdrückte, „marineeigentümlichen heiteren Gelassenheit“ zu versehen. In diesem Kontext ist auch die inzwischen schon etwas ältere, aber in ihrem Wesen noch topaktuelle Geschichte unseres Fridolin zu sehen. Wie so oft wurde seine Erfolgsgeschichte auf einer, wie man vermuten darf, feuchtfröhlichen Feier der damaligen 4. Schiffsstammabteilung (SStA) Eckernförde im April 1957 geboren. Man einigte sich, ein lebendes Maskottchen zu erwerben, was damals durchaus normal war. Ein zuerst auserkorenes edles Shetlandpony erwies sich als zu teuer. Im marineeigenen Pragmatismus, gepaart mit Selbstironie, wurde es dann eben ein Esel, gekauft für 250 Deutsche Mark vom Tierpark Hagenbeck.
Fridolin, wie er genannt wurde, war alsbald Freund der Kinder und treuer Gefährte der Soldaten. Auf historischen Fotos führt er die Marschformation der künftigen MUS-Angehörigen beim erstmaligen Einzug in die Kaserne Ruhleben im September 1960 an. Er war im Alltag der Schule präsent und nahm auch an jeder Musterung teil. Untaten an gärtnerischen Anlagen, abgestellten Autos und nichtsahnenden Fußgängern, die er von hinten anzuspringen pflegte, wurden ihm stets großmütig verziehen, wobei mitunter ergänzend die eigens abgeschlossene Haftpflichtversicherung befasst werden musste. Entgegen aller sonstigen Beförderungsgrundsätze der Marine wurde Fridolin wegen seiner Ärgernisse nicht degradiert, sondern auch noch belohnt – mit einer Beförderung! „Aufgrund hervorragender Einzelleistungen, insbesondere durch Abfressen von Blumen und Zertrampeln von Beeten sowie Zerstören und Beschädigen fremden Eigentums, verleihe ich dem Esel Fridolin vom Noor (gemeint ist das bei Eckernförde gelegene Windebyer Noor) den Dienstgrad eines Seewebels. Gezeichnet: Der Kommandeur“ So soll seinerzeit der Text der Beförderungsurkunde gelautet haben, die sich im Original leider nicht erhalten hat. Mit ähnlichen „Leistungen“ brachte es Fridolin zum Enddienstgrad Oberseewebel. Selbstverständlich wurden die Beförderungen Fridolins gebührend nach Marineart in der Kantine gefeiert. Fridolin selbst war dann auch immer dabei und soll das eine oder andere Getränk zu seinen Ehren zu sich genommen haben.
Im Jahr 1969 verstarb Fridolin als damals dem Vernehmen nach dienstältestes Maskottchen der Bundeswehr. An Fridolin erinnert heute ein Gedenkstein, und die allermeisten Lehrgangsteilnehmer wie auch der eine oder andere Stammangehörige dürfte die eben erzählte Geschichte nicht kennen. Dennoch steht Fridolin auch heute sinnbildlich sowohl für das stets vorhandene Maß an Augenzwinkern, das unserer Teilstreitkraft eigen ist und das gerade durch seinen Kontrast die wichtigen Dinge ins rechte Licht rückt, als auch für eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht, kleine Schwächen verzeiht und Großes miteinander erlebt.
Text: Jan-Nicolas Orth; Foto: MUS












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