For some years now, Turkey has been focussing on developing its own weapons systems. This also supports export successes in the defence industry.
Turkey is systematically expanding its global presence with the help of a flourishing defence industry. With over 250 embassies and consulates, the country is even ahead of Germany, which only has 226 missions abroad. Only the USA, China and France have more. This global network supports Turkey's military, economic and cultural presence on all continents, but particularly in Africa.
Allein dort ist die Türkei in 46 der 54 Staaten vertreten, nachdem sie den Kontinent zu einem strategischen Partner erklärt hat. Im Februar 2024 hat die Türkei mit Somalia ein auf zehn Jahre angelegtes militärisches Abkommen in den Bereichen maritime Sicherheit und Wirtschaft geschlossen. Darin wurde der Türkei die volle Souveränität über die somalischen Hoheitsgewässer mit der gleichzeitigen Verpflichtung zu deren Schutz und Verteidigung übertragen.[ds_preview] Zudem soll die Türkei die somalische Marine ausbilden und ausrüsten, um sie langfristig zu befähigen, ihre Territorialgewässer selbst zu schützen und zu sichern. Bereits seit 2012 bildet sie somalische Soldaten aus und seit 2027 betreibt sie in Somalia das weltweit größte Militärtrainingszentrum. Somalia spielt eine entscheidende Rolle in der türkischen Afrikapolitik, denn damit vermochte die Türkei in der Vergangenheit, ihre militärische Präsenz am Horn von Afrika zu festigen.
Die türkische Afrikapolitik ist erfolgreich, denn inzwischen unterhält sie neben Somalia auch militärische Stützpunkte in Libyen und im Sudan. Ein bilaterales Militärabkommen wurde 2021 mit Äthiopien unterzeichnet, und Kampfdrohnen wurden nach Somalia, Togo, Niger, Nigeria und Äthiopien geliefert. 2022 hat beispielsweise Tansania einen 1,9 Milliarden Dollar schweren Auftrag zum Bau einer Eisenbahnstrecke nicht an China, das seit jeher in Afrika macht- und wirtschaftspolitisch präsent ist, sondern an die Türkei vergeben. Mit Lateinamerika hat die Türkei ihre Handelsbeziehungen ausgeweitet. Auch intensiviert sie ihre Beziehungen mit den Staaten Zentralasiens und belebt damit die 2021 formulierte Asieninitiative.
Boom der Rüstungsindustrie
In den vergangenen 20 Jahren, der Ära von Präsident Erdogan, hat die türkische Rüstungsindustrie einen enormen Aufschwung erfahren. Erdogan setzt die Militärtechnik gezielt in der Außen-politik ein und hat beispielsweise Drohnen zum Symbol für das von ihm ausgerufene „Jahrhundert der Türkei“ erhoben. Auch als NATO-Mitglied will die Türkei autarker werden und damit unabhängig von westlichen Waffenlieferungen. Drohnen stehen für die angestrebte Unabhängigkeit vom Westen, eine robuste Außenpolitik, einen militanten Nationalismus und Hightech-Rüstung.

Fregatte Istanbul auf Erprobungsfahrt, Foto: STM Defence
Zur wachsenden Palette heimischer Rüstungsprojekte zählen Panzer, Raketen, Radarsysteme, optische- und elektronische Systeme, Schiffe und Hubschrauber. Künftig sollen U-Boote, Flugzeuge, Überwasserdrohnen und vor allem Kampfdrohnen wie die Killerdrohne Kargu, die ferngesteuert aufklärt und Ziele autonom bekämpft, hinzukommen. In zehn Länder auf drei Kontinenten wurde diese Drohne bereits geliefert.
Zu den Aufklärungs- und Kampfdrohnen gehört auch die Bayraktar TB 2. Diese Drohne lieferte einen entscheidenden Beitrag im Krieg Aserbaidschans gegen Armenien, im libyschen Bürgerkrieg und in der Ukraine. Das türkische Rüstungsunternehmen Baykar plant, demnächst eine Drohnenfabrik in der Nähe von Kiew zu bauen. Über 30 Länder, darunter die NATO-Staaten Polen, Rumänien und Finnland, haben bisher die TB 2 bezogen. Die große Nachfrage begründet sich vor allem im Preisvorteil. Die TB 2 kostet fünf Millionen Dollar, eine amerikanische MQ-9 Reaper das Vierfache.
Die Nachfolgedrohne TB 3 mit Klappflügeln fliegt weiter und besitzt eine größere Zuladung. Sie wird auch auf dem neuen Amphibischen Angriffsschiff ANADOLU, dem Flaggschiff der türkischen Marine, eingesetzt. Noch größer ist die Jet-Drohne Kizimelma und die schwere Kampfdrohne Akinci. Davon hat Saudi-Arabien bereits ein großes Kontingent gekauft. Der Drohnenhersteller Baykar sprach von einem drei Milliarden Dollar umfassenden Exportvertrag und einem Technologietransfer an Saudi-Arabien. Im Januar 2024 absolvierte die Stealth-Kampfdrohne Anka-3 ihren Jungfernflug. Sie hat die Größe eines Kampfflugzeugs und kann 3,1 Tonnen Waffen ins Ziel bringen, darunter lasergesteuerte Bomben oder Cruise Missiles vom Typ SOM-J. Die optischen Sensoren lieferte das Tochterunternehmen des deutschen Rüstungsunternehmens Hensoldt in Südafrika. Dort wurde die Sensorik entwickelt und gefertigt und unterliegt damit der südafrikanischen Exportkontrolle.
2019 haben die USA die Türkei aus dem Programm für das Kampfflugzeug F-35 ausgeschlossen, weil die Türkei das russische Raketenabwehrsystem S-400 angeschafft hatte. Daher hat die Türkei ein eigenes Kampfflugzeug Kaan entwickelt, das, eskortiert von F-16-Kampfflugzeugen, bereits zu seinem Jungfern-flug gestartet ist. Präsident Erdogan sprach von einem „stolzen Tag für die türkische Rüstungsindustrie“. Inzwischen beziehen 171 Staaten Militärprodukte aus der Türkei. Skrupel oder verweigerte Exportgenehmigungen kennt die Türkei nicht.
Marinerüstung
Die türkische Marine verfügt über mehr als 90 Schiffe und Boote und ist damit die größte Marine im Mittelmeerraum. Ausbau und Modernisierung schreiten zügig voran – ausschließlich mit Einheiten und Waffensystemen aus heimischer Produktion. So wurden bereits im Milgem-Programm zwischen 2011 und 2019 vier moderne Korvetten gebaut. 2022 folgte ein Auftrag zum Bau von drei Fregatten, die Ende 2025 vom Stapel laufen sollen. 2023 hat die Marine ihre bislang größte Einheit, das amphibische Angriffsschiff ANADOLU (27 436 t) im Beisein von Erdogan übernommen. Im Januar 2024 folgten gleich drei Schiffe: zwei logistische Versorgungsschiffe, die DERYA (26 115 t) und die ÜSTEĞMEN ARIF EKMEKÇI (8.477 t), sowie die Fregatte ISTANBUL (3000 t). Die ISTANBUL ist das Typschiff der gleichnamigen Klasse, von der sich drei weitere Schiffe im Bau befinden.

amphibiÜberwasserdrohne Marlin im Eskort-Einsatz, Foto: NATO
Neu in der Flotte ist auch die Überwasserdrohne Marlin aus der Familie der ULAQ-Drohnen. Die Marlins haben eine Reichweite von 400 Kilometern und erreichen eine Geschwindigkeit von über 45 Knoten. Die Drohnen werden ferngesteuert, können aber auch autonom operieren. Zur Bewaffnung zählen je nach Mission vier Startzellen für Cirit-FKs und zwei Startzellen für L-UMTAS-FKs, 12,7-Millimeter-Geschütze, Torpedos sowie Systeme für die Elektronische Kampfführung. Die Drohnen werden für Aufklärungs- und Überwachungsoperationen, für den Überwasserseekrieg oder zur U-Jagd eingesetzt. Sie eignen sich auch für Eskorteinsätze und den Schutz maritimer Infrastruktur.

Bereits in über 30 Länder wurde die Drohne TB 2 exportiert, Foto: Medico International
Auch in der Waffenausrüstung der Boote, Schiffe und Flugzeuge löst sich die türkische Marine durch heimische Entwicklungen von westlichen und insbesondere amerikanischen Waffenlieferungen. So werden ihre Schiffe mit dem vom türkischen Rüstungskonzern Roketsan entwickelten Seeziel-Flugkörper Atmaca ausgerüstet. Der Atmaca wird die über 350 Harpoons auf den Schiffen ablösen. Es hamdelt sich um einen unterschallschnellen Sea Skimmer mit einer Reichweite bis zu 250 Kilometern und einem Gefechtskopf von 250 Kilogramm. Er kann auch stationäre Landziele bekämpfen. Zudem ist er halb so teuer wie der Harpoon. Die Umrüstung auf den Atmaca soll in den nächsten zwei bis drei Jahren erfolgen, wenn die Schiffe zur routinemäßigen Instandsetzung in der Werft liegen. Der von Roketsan hergestellte Anti-Air-FK Sapan soll den Evolved Sea Sparrow Missile von Raytheon ersetzen. Die Schwergewichtstorpedos DM 2 A4 von Atlas Elektronik und Mk 48 von Lockheed Martin werden durch den jüngst entwickelten Schwergewichtstorpedo Akya Next Generation auf allen türkischen U-Booten eingerüstet.
Auffällig ist die Ausrüstung mit national produzierten Waffensystemen für die neuen Vertikalstarter auf den Fregatten der ISTANBUL-Klasse. Diese Schiffe sind nicht mehr mit dem in NATO-Marinen üblichen Mk 41 ausgerüstet, sondern mit dem von Roketsan entwickelten Starter MDAS. Das System ist länger und breiter als der Mk 41. Es besitzt 16 Zellen für insgesamt 64 türkische See- und Luftziel-FKs der Typen Atmaca und Hisar.
Streit mit Griechenland
Seit den 1980er-Jahren streiten die NATO-Mitglieder Griechenland und Türkei um Inseln und Gebiete der jeweils Ausschließlichen Wirtschaftszonen in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. Die Türkei beansprucht mit Blick auf die von Erdogan geförderte Doktrin Blaues Vaterland große Seegebiete vor der türkischen Küste. Erdogan hat die griechischen Inseln in der Ägäis als „besetzt“ bezeichnet und gewarnt, dass die Türkei diese Okkupation nicht anerkenne. Daraufhin sah sich Griechenland genötigt klarzustellen: „Wir sind fähig, unser Land, unsere territoriale Unabhängigkeit und Integrität zu verteidigen.“
Beide Länder befürchten, dass sie vor ihrer jeweiligen Küste geografisch eingeschlossen werden. So folgen regelmäßig gefährliche Auseinandersetzungen, wenn türkische Kampfflugzeuge in den griechischen Luftraum eindringen und griechische Abfangjäger aufsteigen.
1996 haben türkische Kommandoeinheiten drei unbewohnte griechische Inseln vor der türkischen Küste besetzt. Dabei ist ein griechischer Marinehubschrauber auf seinem Beobachtungsflug abgestürzt, drei Crewmitglieder kamen ums Leben. Griechenland machte die Türkei für den „Abschuss“ verantwortlich. Es drohte ein Krieg. Als US-Präsident Bill Clinton und die NATO daraufhin intervenierten, zogen sich die Kommandoeinheiten und die türkischen und griechischen Kriegsschiffe von den Inseln zurück.
2020 eskalierte der Streit im Mittelmeer, als türkische Explorationsschiffe, gesichert durch Fregatten, in die von Griechenland und Zypern beanspruchten Ausschließlichen Wirtschaftszonen eindrangen, um nach Gas und Öl zu suchen. Griechische Fregatten stellten sich dem entgegen, wobei es zu einer schweren Kollision zwischen der türkischen Fregatte KEMAL REIS und der griechischen Fregatte LIMNOS kam. Erst als Frankreich und die EU Sanktionen gegen die Türkei beschlossen, zogen die türkischen Einheiten ab.
Kern des Konflikts in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer ist Griechenlands Anspruch, die Hoheitsgewässer um die dortigen Inseln auf zwölf Seemeilen auszudehnen. Griechenland beruft sich dabei auf das UN-Seerechtsübereinkommen von 1982, dem die Türkei aber nicht beigetreten ist. Viele griechische Inseln liegen direkt vor der türkischen Küste. Sollte Griechenland die Zwölf-Seemeilen-Regelung anwenden, würde das die Ägäis in ein „griechisches Meer“ verwandeln und die Türkei vor ihrer eigenen Küste einmauern, sagt die Türkei. Bislang hat Griechenland nicht gewagt, die Zwölf-Seemeilen-Regelung in Kraft zu setzen, die zwar völkerrechtlich abgesichert, aber politisch fraglich ist. Schließlich sind neben der Türkei auch die USA, Russland und die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres gegen eine Schließung der Ägäis. Schon vor der Erdogan-Ära hatte das türkische Parlament 1995 eine mögliche Ausweitung der griechischen Seegrenzen auf zwölf Seemeilen zum potenziellen Kriegsgrund erklärt. Seitdem unterstreichen die an der türkischen Westküste stationierten Streitkräfte mit ihren zahlreichen Landungsbooten diese Drohung, weshalb Griechenland Defensivkräfte auf den Inseln stationiert hat.

Abschuss eines Atmaca-FK von der Korvette Kiraliada, Foto: Türkische Marine
Ein weiterer Streitpunkt sind griechische Ansprüche auf eine angebliche Ausschließliche Wirtschaftszone Griechenlands und Zyperns im Mittelmeer, die es auch vor der türkischen Küste gebe. Denn dort liegt die winzige griechische Insel Kastelorizo mit ihren 300 Einwohnern. Sie befindet sich in Sichtweite der Türkei, aber 120 Kilometer östlich von Rhodos. Griechenland behauptet, mit einigen menschenleeren Felsinseln bilde Kastelorizo ein Archipel, an den sich eine 200 Seemeilen gen Süden erstreckende griechische Ausschließliche Wirtschaftszone anschließe. Das weist die Türkei zurück, denn der griechische Anspruch negiert damit das Recht auf eine ebensolche türkische Zone auf der gegenüberliegenden, viel längeren Küstenzone.
2023 schien eine Lösung im Territorialstreit greifbar zu sein. Damals hatte die Türkei akzeptiert, dass Griechenland eine Zwölf-Seemeilen-Zone an der griechischen Kontinentalküste einführt, nicht aber bei den Inseln. Das hätte eine freie Schifffahrt in der Ägäis nicht beeinträchtigt. Doch die Türkei hat ihre Zustimmung zu dieser Lösung wieder zurückgezogen. So stehen sich bis heute beide NATO-Länder zwar unverändert misstrauisch gegenüber, doch Erdogan hat seine Drohrhetorik gegen Griechenland seit einigen Monaten gemäßigt. Die türkische Wirtschaft schwächelt, und Erdogan hat gegenwärtig mit innenpolitischen Problemen zu kämpfen.
Dieter Stockfisch












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