Victoria Kietzmann was in charge of Teaching Group C at the Naval Academy for two years. In this portrait, she looks back on a varied time.
Interview with Corvette Captain Victoria Kietzmann. A rainy summer's day at the naval technical school. In the afternoon hours, calm returns to the teaching group leadership. It is the first few days after the recruitment of new recruits. The commander describes her job, compared to her previous role as head of inspection, as a task that requires more wide-angle vision but still needs a high level of depth of focus.
Es gilt, das große Ganze im Blick zu behalten. Ein Workload der anders ist. Aufenthalte während der Geländeausbildung bei der Truppe sind leider zu selten, die Stabsarbeit sorgt für einen vollen Terminkalender während der Regelarbeitszeit. Junge Soldatinnen und Soldaten mit unterschiedlichem Hintergrund und Wissen ausbilden, das ist die Aufgabe der Lehrgruppe C.[ds_preview]
Hier zeigt sich – wieder einmal – dass die Bundeswehr nur ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Die jetzige Generation von jungen Soldaten wird der Generation Z zugeordnet. Dieser wird vor allem vorgehalten, unwillig zu sein. Victoria Kietzmann denkt differenzierter über die Auseinandersetzung mit der Generation. Vielleicht sollte auch ein Umdenken der älteren Generationen stattfinden? Vielleicht würde ein beherzteres Zugehen der Älteren auf die junge Generation einige Missdeutungen in der Gesellschaft ausräumen und beiderseitiges Verständnis fördern?
Kietzmann macht im Gespräch sehr deutlich, dass auch die Coronapandemie der jetzigen Generation merklich zugesetzt hat. Die Auswirkungen sind spürbar und sichtbar, jedoch könnten sich innerhalb der nächsten Jahre die Dinge wieder normalisieren, so hofft sie. Solange müssen Gruppen jungen Menschen der Generation Z wieder an eine Sozialisierung herangeführt werden. Kameradschaft kann erlernt werden, wenn sich eine Gemeinschaftsstruktur gebildet hat.

Muss die Generation Z wieder an eine Sozialisierung herangeführt werden? Foto: Daniel Angres
Für die Digital Natives, eine Bezeichnung, die der Gen Z zugesprochen wird, ist es jedoch einfacher, sich über ein Smartphone zu sozialisieren. Dort leben sie in ihrer Parallelstruktur einfacher als in einer Gruppe realer Soldaten. Ein Bedürfnis nach Gemeinschaft ist teilweise nicht vorhanden, gemeinsame Lernabende in den Lichthöfen und Fluren der Inspektionen sind schwer auszumachen.
Es ist daher Aufgabe des Ausbildungspersonals, die jungen Menschen abzuholen und Begriffe wie Gemeinschaft und Kameradschaft zu erklären. Schließlich hat die Gen Z., verglichen mit der Generation der Millenials, mit einer hohen Affinität zur digitalen Kommunikation, der Sinnsuche und einer ausgeprägten Work-Life-Balance ihre eigenen Schwerpunkte gesetzt. Hier sind die Ausbilder mehr denn je gefragt. Manche „Meckerpunkte“, wie das frühe Aufstehen oder das Angebot in der Truppenküche, waren schon immer allgegenwärtig und werden sicher noch in den nächsten Soldatengenerationen moniert, bemerkt die Hamburgerin amüsiert.
Vergleicht man die Grundausbildung in der heutigen Zeit mit der Grundausbildung zur Zeit der Wehrpflicht, könnte der Eindruck entstehen, dass der Altersdurchschnitt aufgrund der Freiwilligkeit deutlich gestiegen ist. Kommandeurin Kietzmann hat jedoch eine andere Wahrnehmung. Der Schnitt der Freiwilligen liegt immer noch bei etwas über 20 Jahren. Ab und an sind aber Soldaten auszumachen, die den Altersschnitt pro Einstellungstermin nach oben ziehen.
Auf die Frage, ob die momentane außen- und sicherheitspolitische Situation in Europa erheblichen Einfluss auf das Einstellungszahlen hat, berichtet Korvettenkapitän Kietzmann: „Einen großen Unterschied bei den Einstellungszahlen kann ich nicht bemerken, aber das Bewusstsein um die europäische Situation ist allgegenwärtig und die jungen Soldatinnen und Soldaten setzen sich in den Gesprächen im Rahmen der politischen Bildung ernsthaft damit auseinander.“ Die politische Bildung ist einer der Grundsteine der Inneren Führung. Gerade in der Grundausbildung ist es unabdingbar, sich kontrovers mit den Rekrutinnen und Rekruten über politische Themen auszutauschen. Bei solchen Runden werden viele Fragen mit unterschiedlicher Intensivität diskutiert. Gefährliche politische Strömungen sind dabei aber selten festzustellen. In der Regel greift das vorinstallierte Element der Überprüfung durch den Militärischen Abschirmdienst. Falls jedoch jemand durchs Raster fällt, wird dies in der Regel in der Truppe festgestellt und die Person aus den Streitkräften entfernt.
Nach einer abwechslungsreichen Zeit an der Marinetechnikschule verläßt Korvettenkapitän Kietzmann in Kürze die Strelasundkaserne und wird sich künftig im Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr neuen Aufgaben widmen.
Daniel Angres












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