"... after all, that's my job!"
Während im Kalten Krieg die territoriale Sicherheit im Vordergrund stand, rückte seit Mitte der 1990er-Jahre die globale Verantwortung Deutschlands in den Mittelpunkt des außenpolitischen Handelns. Als bevölkerungsreiches und wirtschaftlich starkes Land in der Mitte Europas trägt die Bundesrepublik Deutschland auch heutzutage weiterhin große Verantwortung. Dabei hat der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine den ursprünglichen Auftrag der Bundeswehr zur Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns gerückt – Abschreckung und Verteidigung sind abermals die zentralen Elemente. Dies erfordert wehrhafte, gefechtsbereite und kriegstüchtige Seestreitkräfte [ds_preview]– auch mit Blick auf Einstellung und Haltung der Soldatinnen und Soldaten.
Wehrhaftigkeit als auch Kriegstüchtigkeit sind dabei Synonyme sowohl für die Fähigkeit als auch für den Willen eines jeden Staates und einer jeden Gesellschaft, sich unmittelbar verteidigen zu können und somit für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu sorgen. Denn ohne Sicherheit gibt es weder Freiheit noch Stabilität und somit auch keinen Wohlstand.
Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenwürde sind Werte, für die Deutschland weltweit steht und sie bilden die Grundlage unseres Ge¬meinwesens. Sie basieren auf der unantastbaren Würde eines jeden Menschen und umfassen insbesondere das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, die Meinungs-, Presse-, Versammlungs- und Religionsfreiheit, die Gleichheit aller Men¬schen und ihr Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Diese Werte zu schützen und zu verteidigen, ist daher maßgebliche Aufgabe eines Staates und dementsprechend seine Bestimmung.
Uns Soldatinnen und Soldaten treibt in der Regel nicht nur Abenteuerlust an, in die Streitkräfte einzutreten, sondern gerade der sinnvolle Auftrag, für unser Land einzustehen. Wir entschließen uns damit bewusst, zum Wohl unseres Landes, unserer Gesellschaft und unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger zu dienen. Wir sind willentlich bereit, Entbehrungen in Kauf zu nehmen und auch unter Einsatz unseres Lebens für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten. Tapferkeit, Entschlossenheit, Disziplin, hohe persönliche Leistungs- und Einsatzbereitschaft sind deshalb auch Tugenden, die von uns als Soldatin oder Soldat erwartet werden können und uns inhärent sind.
Dabei ist eine Schiffsbesatzung nicht bloß eine Vereinigung von Gleichgesinnten, sondern eine militärische Kampfgemeinschaft, die Gefahren, Risiken und Belastungen gemeinsam übersteht und gemeinsam verarbeitet. Die Identifikation mit dem Auftrag, das Vertrauen auf das eigene Können und die enge Verbundenheit mit den Kameraden spornt an und trägt über Herausforderungen hinweg. Diese Verbundenheit untereinander, die Identifikation mit dem Auftrag und die eigene Leistung als Beitrag zum Erfolg der Kampfgemeinschaft prägen das einzigartige Berufsverständnis eines Soldaten.
Wehrhaft als auch kriegstüchtig zu sein bedeutet aber auch, dass jede Einheit und jeder Verband im Rahmen der Einsatzausbildung für den vorgesehenen Einsatz kriegs- und gefechtstauglich gemacht wird. Wesentlicher Schlüssel für die Einsatzfähigkeit und letztlich für das Bestehen im Gefecht ist das Vertrauen in das eigene Können, die Leistungsfähigkeit der Kameraden und das Waffensystem – also in Schiff, Mensch und Material.
Die Gesellschaft erwartet von uns Soldatinnen und Soldaten, dass wir pflichtbewusst und tapfer in den Einsätzen unseren Auftrag erfüllen. Dazu legitimiert uns das von ihnen gewählte Parlament. Von der Gesellschaft erwarten wir Soldaten die Anerkennung dieses Dienstes und die Einsicht, dass Sicherheit auch finanziert und politisch gestützt werden muss.
Die staatliche Integrität, Freiheit und Souveränität zu verteidigen und diese Werte zu schützen ist mein Auftrag als Soldat der Bundeswehr, möglicherweise unter Einsatz von Waffen und im äußersten Fall unter Einsatz meines Lebens. Denn das ist ja schließlich mein Beruf! Und es war die Antwort auf die Frage einer Parlamentarierin, ob ich freiwillig in einen (Auslands-)Einsatz gehen würde.
Flottillenadmiral Axel Schulz ist Kommandeur der Einsatzflottille 2 und führt derzeit in See den Indo-Pacific-Deployment-Verband der Deutschen Marine.
Axel Schulz












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