Akteure aus der Schifffahrtsbranche äußern sich besorgt über die zunehmende Gefahr, die von einer größer werdenden „Schattenflotte“ ausgeht: Tankschiffe, mit denen Öl und Ölprodukte aus Ländern wie Russland, Iran oder Venezuela transportiert wird, um damit Sanktionen zu umgehen. Sie verweisen darauf, dass diese unter Billigflaggen fahrenden Schiffe kaum Sicherheitsstandards einhielten, häufig ohne angemessene Versicherung oder Aufsicht betrieben und nur minimalen oder [ds_preview]gar keinen Sicherheitskontrollen unterzogen würden.
Nichts Gutes ... außer man tut es!
Singapurs Maritime & Port Authority (MPA) ist für die Erfüllung der Verpflichtungen aus den SOLAS- und SAR-Übereinkommen in der Seenotrettungsregion Singapur (MSRR) verantwortlich. Die Behörde hatte eine Warnung an alle Eigner und Betreiber von Schiffen herausgegeben, die den Hafen von Singapur anlaufen wollen, die Anforderungen der internationalen Vorschriften zu erfüllen. Mit der vollumfänglichen Wiederaufnahme ihrer Inspektionsprogramme im Rahmen der Hafenstaatkontrollen (PSC) musste MPA Singapur seit Anfang 2022 auch eine dramatische Zunahme von Beanstandungen feststellen. Zu PSC siehe Europe: Modern shipping regulation.
Gemäß Jahresbericht 2022 hatten 30 Schiffe die Sicherheitskontrollen und Inspektionen durch Singapur nicht bestanden - so viele wie insgesamt in den zehn Jahren zuvor! Allein im April 2023 seien bereits neun Schiffe beschlagnahmt worden.
Der Fall „Lefkada“
Zu den im letzten Monat festgesetzten Schiffen gehörte der unter der Flagge Gabuns fahrende Rohöltanker „Lefkada“ (ca. 105.000 Tonnen), der von der Reederei Gatik Ship Management (GSM) betrieben wird. Die indische Reederei wird mit russischem Ölhandel in Verbindung gebracht. Bei der jüngsten Inspektion der "Lefkada" durch Singapur wurden laut Reuters unterlassene Wartung, Verstöße gegen das Brandschutzverordnung und fehlende Rettungsausrüstung festgestellt.
Classes
Unterdessen berichtete Reuters, dass der Versicherer der GSM-Flotte seine Policen für die Schiffe zurück ziehen werde. Lloyd’s Register wiederum wollte zum 3. Juni die Klassenzertifizierung für 21 GSM-Schiffe zurück ziehen - damit ist der „Schiffs-TÜV“ - die sogenannte Klasse - abgelaufen. Klassifikationsgesellschaften stellen ihrerseits die Einhaltung internationaler Vorschriften bezüglich Typ, Bau, Ausrüstung, Wartung und regelmäßige Überwachung sicher und sind für das Ausstellen gültiger Schiffssicherheitszeugnisse für diese Fahrzeuge verantwortlich.

MT Pablo off the Malaysian coast. Photo: Malaysian Maritime Enforcement Agency
Threat
Die Bilder des Feuers und der Explosionen, die die "Pablo" auseinander rissen, werden immer wieder als Beispiel für eine wachsende Gefahr durch die Schattenflotte angeführt. Die Deutsche Allianz schätzt in ihrem Jahresbericht zur Schiffssicherheit die Größe der Schattenflotte auf bis zu 600 Schiffe. Diese Zunahme ist besorgniserregend: Größere Zwischenfälle mit nicht versicherten Schäden an Mensch und Umwelt sind zu erwarten und werden von den Betreibern dieser Fahrzeuge rücksichtslos in Kauf genommen.
And now?
Weltweit werde zwar versucht, gegen die Schattenflotte vorzugehen. Aber bis zum Vorliegen einheitlicher Ergebnisse werden wie in Singapur einzelne staatliche Behörden dafür sorgen müssen, derartige Zwischenfälle zu verhindern. Solange Schiffe jedoch ausgeflaggt und ohne Klassifikation oder Versicherung auf den Weltmeeren unterwegs sein können, bleibt es schwierig, die Herausforderungen der Schattenflotte in den Griff zu bekommen.
Sources: MARITIME EXECUTIVE, Tokyo-MoU, Reuters, Allianz











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