If you look at sea areas far from the North Sea and Baltic Sea, you will almost always find a task force supply ship somewhere. The Bonn can also look back on an eventful operating period with many trips abroad.
Fregattenkapitän Eike Deußen übernahm am 11. Dezember 2020 das Kommando über das jüngste Schiff der Klasse 702, die Bonn, um unmittelbar danach mit den Vorbereitungen für das Absolvieren des Einsatzausbildungsprogramms zu beginnen. Die Aufgaben und Abwesenheiten wurden dem Schiff bereits in den Kalender geschrieben. Und in dieser Betriebsperiode hatten es die Aufgaben in sich. Den Start machte die Teilnahme an Eunavfor Med Irini im September 2021 unter Corona-Bedingungen. Im Mai 2022 wurde erneut das Mittelmeer angesteuert, diesmal für eine fünfmonatige Beteiligung an der Standing NATO Maritime Group 2. Fast schon nebensächlich erschien der Prozess zur Implementierung des Hubschraubers NH 90 Sea Lion, bevor die Bonn im April 2023 wieder ins Mittelmeer entsandt wurde, um[ds_preview] ein weiteres Mal an der EU-Mission Irini teilzunehmen.
Die Bonn absolvierte damit vier Einsätze in vier Jahren – neben ihren Aufgaben im Grundbetrieb. Der Transit bot keine Überraschungen – bis technische Störungen die Bonn nur noch mit gedrosselter Geschwindigkeit vorankommen ließen. Aber Störungen treten eben auf. Also IH-Meldung, Service vom Rahmenvertragspartner abfordern und dann geht’s weiter – so zumindest der Plan.
Im April 2023 jedoch brachen im Sudan Kämpfe zwischen der sudanesischen Regierung und der Rapid Support Force aus. Die Bundesregierung zeigte sich besorgt um die deutschen Staatsbürger im Sudan. Mit einem Einsatzgruppenversorger (EGV) in Handlungsreichweite ergaben sich Handlungsoptionen für eine eventuelle Evakuierung deutscher und ausländischer Staatsbürger. Die Bonn wurde so als potenzielles Einsatzmittel für die Bundesregierung in dieser Krise betrachtet. Zur Vorbereitung der Evakuierung wurden der Stab des Commanders Task Group, Bordeinsatzkompanie, Krisenunterstützungsteams, zusätzliche Feldjägerkräfte und weitere Angehörige anderer Ressorts eingeschifft.
Und was war nun mit der technischen Störung? 120 Schrauben waren an das Schiff im Ausland adressiert worden. Irgendwo in Italien aber verlor sich die Spur der Ersatzteile. Verzögertes Auslaufen und Verzug auf der weiteren Route waren die Folge.
Widrigkeiten haben in der Marine immer Pragmatismus zur Folge. Ein sizilianischer Bedarfsdecker wurde identifiziert und über diesen Ersatzteile für die verloren gegangenen Ersatzteile beschafft. Selbst ein sizilianisches Erdbeben hielt den Tatendrang der Schiffstechniker an Bord der Bonn nicht ab. Und so stand der Einsatzgruppenversorger rechtzeitig vor dem Sueskanal – nur um wenige Stunden später zu erfahren, dass der Kanal nicht durchfahren werden sollte. Damit musste auf die Leistungsfähigkeit des Schiffes im Hinblick auf eine mögliche humanitäre Hilfeleistung verzichtet werden.
Nach der Verkündung über die Nichtteilnahme an der militärischen Evakuierungsoperation hatte die Bonn bis zum Einlaufen in Wilhelmshaven im Juli 2023 wichtige Ausrüstung anderer Verbände an Bord. Zynisch betrachtet muss man nur wissen, auf welchen Lagerort das Material gebucht ist.
Cold start capability
Während sich die berlin, Typschiff der Klasse 702, in der planmäßigen Instandsetzung befand, hielt sich das Schwesterschiff Frankfurt am Main im Mittelmeer auf, um anschließend die Entsendung in den Indopazifik vorzubereiten. Indes stand für die Bonn eine Teilnahme an der Very High Readiness Joint Task Force (Maritime) – kurz: der VJTF (M) – der NATO auf dem Programm. Bis eben die Situation im Mittelmeerraum das Vorhalten geeigneter maritimer Optionen erforderlich machte. Kurz vor dem Auslaufen kam dann allerdings der Manöverabpfiff vor dem Manöveranpfiff. Ein Großteil der Besatzung hatte nach dem Irini- Einsatz im Jahr 2023 wohlverdienten Urlaub angetreten oder Präventionskuren in Anspruch genommen. Nach Bekanntwerden der Vorbereitungen für das Mittelmeer wurden diese Maßnahmen von vielen Besatzungsmitgliedern unterbrochen, um das Schiff vorzubereiten und sich einzubringen. Eine Kaltstartfähigkeit der Besatzung par excellence!
Im Januar 2024 wurde die Bonn der VJTF (M), unter der Führung des spanischen Admirals Joaquín Ruiz Escagedo, unterstellt. Die Route führte den EGV zusammen mit dem spanischen Flaggschiff Almirante Juan de Borbón zunächst nach Klaipeda. Eine Unregelmäßigkeit an der Vortriebsanlage warf die Planungen der Besatzung durcheinander und machte eine äußerst kurzfristige, außerplanmäßige Instandsetzung erforderlich. Zuvor galt es, eine erhebliche Menge Kraftstoff zwischenzulagern. Hierfür bot sich die in Kiel liegende Spessart an. Zur Prävention einer größeren Havarie wurde die Bonn in das Trockendock des Marinearsenals Warnowwerft Rostock verholt. Den Zurufen von der Seitenlinie zum Trotz, dass dies nicht möglich sei, wurde zusammen mit den Experten der Werft die Bonn eingedockt.
Nach einer Instandsetzung, die vor dem Fertigstellungstermin beendet wurde, konnte die Bonn in den NATO-Verband reintegriert werden. Somit stand nun auch einer Teilnahme an der maritimen Großübung Steadfast Defender 2024 nichts mehr im Weg – inklusiv einer Überquerung des Polarkreises.
Välkommen till Sverige
Anstatt einen der geplanten norwegischen Häfen für die Versorgung nach der Seephase von Steadfast Defender 2024 zu nutzen, verlegte der Verband nach seinem Aufenthalt im Seegebiet vor Nordnorwegen erneut in die Ostsee. Dies geschah, nachdem Schweden im März 2024 der NATO beigetreten war, um als maritimer NATO-Verband im neuen Mitgliedsland Flagge zu zeigen. Als Entschädigung für die 24-tägige Seephase war nicht nur eine eindrucksvolle Passage der Schären vor Stockholm zu betrachten, sondern insbesondere die äußerst freundliche Aufnahme durch die schwedische Bevölkerung. Damit bekundeten die Menschen ihre spürbare Erleichterung nach dem Beitritt zum nordatlantischen Bündnis.
103 835 Seemeilen später endete im Juli 2024 die Betriebsperiode des EGV Bonn. Mit dem Beginn der Werftphase bei German Naval Yards in Kiel, stehen Umbrüche an. Verdiente Besatzungsmitglieder verlassen das Schiff, um sich anderen Aufgaben zu widmen oder um die Bundeswehr zu verlassen. Mit neuer Schiffsführung und veränderter Besatzung wird das Schiff nun die nächsten Seefahrten, Einsätze und Manöver bestreiten. Alles in einer Betriebsperiode.
Daniel Angres












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