Seafarer's Social Service Oldenburg is the name of the latest support and counselling service offered by the Humanist Association. A team of volunteers looks after seafarers from all over the world at the inland harbour in Lower Saxony.
When people go to sea for work, it usually has little to do with the romance of a cruise and a relaxing holiday under palm trees. No, work at sea is hard, full of privation, often monotonous and even more often shockingly poorly paid. Going to sea means constantly roaring diesel engines, small cabins and a life confined to a few square metres on and in steel hulks for months on end.
Soziale Kontakte? Gibt es kaum. Unter Schiffsbesatzungen sind Zweckgemeinschaften üblich, viele ziehen sich zurück, Freundschaften schließen nur wenige. Seeleute arbeiten insofern unter extremen Bedingungen, die sich während der Coronapandemie noch verschärft haben. Das weiß auch Axel Kittel.[ds_preview] „In den letzten Jahren konnte man beobachten, wie immer mehr Seeleute vereinsamen“, sagt der 57-Jährige, der selbst jahrelang zur See gefahren ist und sich heute zusammen mit seinem Mitstreiter Till Andrzejewski der Betreuung von Seeleuten am Oldenburger Hafen verschrieben hat. Zusammen haben sie das Projekt Seafarer’s Social Service Oldenburg (SSSO) angestoßen, das zu Beginn des Jahres 2021 unter dem Dach der Humanistischen Vereinigung ins Leben gerufen wurde. „Seeleute haben besondere Bedürfnisse und einen großen seelsorgerischen Bedarf“, betont Kittel.
Der Fall eines von Andrzejewski aufgespürten Seemanns, der sich seit 17 Monaten an Bord eines Schiffes befand, mag da nur ein Extrembeispiel sein. Doch ist er Indiz genug für die teils fatalen Entwicklungen in der internationalen Schifffahrt. Viele Seeleute sehnen sich nach der Ruhe, die sie an Bord zwischen Maschinen und Motoren nie haben, oder sie dürsten geradezu nach Abwechslung und menschlicher Interaktion. Andere freuen sich nach Monaten, in denen sie nur das offene Meer vor sich gesehen haben, über Radtouren oder Wanderungen ins Grüne. All diesen Ansprüchen will das ehrenamtliche Team des SSSO gerecht werden. Außer Kittel und Andrzejewski gehören derzeit auch eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin dazu.

Eingang des 50 Miles, Foto: Humanistische Vereinigung
Humanismus muss praktisch sein
„Wir haben schon 2018 angefangen zu überlegen, wie wir Humanismus in Oldenburg sichtbar machen können“, berichtet Kittel über den langen Vorlauf des Projekts. Gesprächskreise und Vorträge waren allerdings seine und Andrzejewskis Sache nicht, ihnen war nach etwas handfesterem. Und so kamen sie auf die Betreuung von Seeleuten, für die sich bis dahin niemand so recht zu interessieren schien.
„Es war schon so, dass Oldenburg ein wenig vernachlässigt war und sich, obwohl es den Bedarf gibt, keiner für die Betreuung der Seeleute verantwortlich gefühlt hat“, sagt auch Jürgen Steinecke, Regionalgeschäftsführer Nord der Humanistischen Vereinigung.
Liegen könnte das an der besonderen Lage des Hafens. Oldenburg ist zwar ein durchaus geschichtsträchtiger Schifffahrtsstandort mit einer mehrere Hundert Jahre alten Geschichte, aber dennoch unter den deutschen Seehäfen wahrlich kein Riese. Der Hafen liegt ein ganzes Stück landeinwärts und genau 50 Seemeilen entfernt von der Nordsee.
Links und rechts der Hunte, eines Nebenflusses der Weser, wurden im Ostteil der Stadt Pieranlagen gebaut, an denen Futtermittel, Baustoffe und chemische Erzeugnisse wie Dünger umgeschlagen werden. Vor allem Binnenschiffe legen hier an, doch fahren auch einige Seeschiffe, derzeit noch rund 60 im Jahr, regelmäßig die Weser und Hunte hinauf nach Oldenburg. Schon jetzt ist der Hafen damit „rege frequentiert“, findet Axel Kittel, und ist wahrscheinlich, dass der Schiffsverkehr in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Erst im Mai wurde ein neues Wendebecken freigegeben, das nun auch Schiffen von bis zu 110 Meter Länge die Einfahrt in den Hafen erlaubt. Mit den größeren Pötten wird es auch deutlich mehr Seeleute nach Oldenburg verschlagen als bisher.
Freifunk
Woher diese Seeleute dann kommen werden, darüber lässt sich nur spekulieren. Stand jetzt stammen viele Seeleute, die in Oldenburg von Bord gehen, von den Philippinen, sie sind damit Tausende Kilometer entfernt von Heimat, Freunden und Familie. Der SSSO besucht die Seeleute an Bord und fragt nach Problemen, Wünschen und Bedürfnissen.
Zusammen mit Unternehmen vor Ort und dem Verein Freifunk hat der SSSO außerdem eine Anlage installiert, die Seeleuten am Hafen Oldenburg freien Internetzugang gewährt. Kontakt mit seinen Liebsten zu halten, wird so um ein Vielfaches einfacher. Noch viel mehr Betreuungsangebote macht der SSSO, seit sein Club 50 Miles die Türen geöffnet hat. Der Name 50 Miles leitet sich ab von der Entfernung des Oldenburger Hafens zur Nordsee. Dahinter verbirgt sich ein Treffpunkt für Seeleute, wie es ihn an vielen anderen Häfen schon länger gibt. Hier können Seeleute Billard oder Tischfußball spielen – das mag banal scheinen, doch auf schaukelnden Schiffen gibt es solche Spiele nicht. Sie können sich unterhalten oder unterhalten werden. „Ganz bewusst“, sagt Kittel, „haben wir bei der Einrichtung viel Holz verwendet“ – und damit ein Material, das sich an Bord so gut wie nie findet. Auch Grünpflanzen bilden im 50 Miles einen ansprechenden Kontrast zur metallenen Monotonie der Frachter. Wer will, kann sich außerdem in einen eigens eingerichteten Raum der Stille zurückziehen und nach all dem Lärm an Bord kostbare Ruhe finden oder auf individuelle Weise seine jeweilige Religion ausüben. Das gilt natürlich auch für Frauen, denn diese fahren zunehmend zur See.
Projekt und Club werden übrigens aus öffentlicher Hand gefördert, und dass Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann die Schirmherrschaft übernommen hat, unterstreicht nur, wie sehr man auch an der Stadtspitze um den Wert des neuen Betreuungsangebots weiß. Dennoch werben Axel Kittel, Till Andrzejewski und Jürgen Steinecke um weitere Unterstützung. „Wir wollen Seeleute aus ihrem Alltag herausholen“, sagt Kittel – und mit zusätzlichen Ehrenamtlichen
könnten schließlich weit mehr Seeleute betreut werden als bisher.
Dieser Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift „humanistisch!“ der Humanistischen Vereinigung.
Marco Schrage












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