After two years, the German Navy is returning to the Indo-Pacific. Together with the German Air Force, it will take international cooperation in the region to a new level.
This year's Indo-Pacific Deployment of the German Air Force and Navy renews the German signal of wanting to contribute more to the security of the community of values in the region. Both branches of the armed forces will be deployed together for several months between the west coast of America and the east coast of Africa.
Seit vier Jahren zeigt die Bundeswehr in dieser Region Flagge. Den ersten Schritt machte die Fregatte BAYERN mit ihrer Auslands-Ausbildungsfahrt von August 2021 bis Februar 2022. Ihr folgte im Sommer 2022 die Luftwaffe,[ds_preview] die im Rahmen der Übung Rapid Pacific 2022 mit sechs Eurofightern, vier A 400M und drei A 330 MRTT (Multi Role Tanker Transport) Interoperabilität mit ihren Partnern in und über Australien, Japan, Singapur und Südkorea trainierte. 2023 setzte das Heer die Zusammenarbeit mit der Teilnahme an der Übung Talisman Sabre in Australien fort – eine Premiere für die Bundeswehr. Zu den mehr als 200 Mann starken Heereskräften, in der Masse aus dem Fallschirmjägerregiment 31, gehörten auch Soldaten des Seebataillons.
Trotz strapazierter Ressourcen fällt in diesem Jahr das Kontingent noch größer aus. Im Mittelpunkt steht die Teilnahme am Manöver Rimpac 2024, der 29. Übung der 1971 begonnenen Reihe Rim of the Pacific. Mit mehr ca. 25.000 Teilnehmern, 49 Schiffen, sechs U-Booten, 200 Flugzeugen und 40 Kampfjets, gilt sie als die weltgrößte internationale Marineübung und findet – seit 1974 im zweijährigen Rhythmus – in den Gewässern vor Hawaii statt.
Zu den übergeordneten Zielen des Manövers gehören die Förderung der Zusammenarbeit und des Vertrauens zwischen den teilnehmenden Nationen sowie die Stärkung der maritimen Sicherheit in der Region. Das Manöver wird von der US Navy ausgerichtet und bringt bereits in der vorausgehenden Planungsphase bis zu 750 Experten zusammen. Teilnehmende Nationen an Rimpac 2024 sind Australien, Belgien, Brunei, Chile, Dänemark, Deutschland, Ecuador, Frankreich, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, die Niederlande, Peru, Philippinen, Singapur, Sri Lanka, Südkorea, Thailand, Tonga, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika.
Unter den europäischen Teilnehmern sind Belgien, Italien, die Niederlande und Deutschland hervorzuheben. Für Frankreich als Pazifik-Anrainerstaat ist die Teilnahme quasi eine Selbstverständlichkeit, ebenso für das Vereinigte Königreich. Wie für die Niederlande, die die Fregatte TROMP entsenden, wird es auch für Italien und Deutschland die erste Beteiligung mit einer seefahrenden Einheit sein. Die Marina Militare schickt den Flugzeugträger CAVOUR samt einem noch festzulegendem Begleitschiff auf die Reise. Erstmals beteiligt sich die Luftwaffe an Rimpac, auch Frankreich und Spanien entsenden Flugzeuge.
Von der Arktis bis zum Äquator
Daneben sind als Partner bei Pacific Skies 24 Großbritannien, Australien, Indien, Japan und die USA dabei. Darüber hinaus besuchen Luftwaffeneinheiten Kanada, Malaysia und Neuseeland. In fünf Übungen, darunter Arctic Defender in Alaska, Pitch Black in Australien und Rimpac, wird die Zusammenarbeit unter Luftstreitkräften geübt. Im Rahmen von Tarang Shakti 1 stehen gemeinsame Trainingsflüge mit der indischen Luftwaffe auf dem Programm. Bei Arctic Defender hat die Luftwaffe die Führungsrolle übernommen, bei Rimpac stellt sie drei Eurofighter und einen A 400M. Insgesamt wird die Luftwaffe mit 32 Flugzeugen verlegen: zwölf Tornados, acht Eurofighter, vier A 400M, vier A 330 MRTT sowie vier Unterstützungshubschrauber H 145M.
In den Augen des Inspekteurs der Marine, Vizeadmiral Jan Kaack, ist das Indo-Pacific Deployment ein gutes Beispiel für das von ihm promovierte Motto der Marine „Regionally rooted and globally committed“.

Erstmals wird mit der Baden-Württemberg eine Fregatte der Klasse 125 die Erde umrunden, Foto: Bw/Marcel Kröncke
Von unterschiedlichen Orten aus, nämlich Rota für die Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG und Wilhelmshaven für den Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN wird die Marine am 7. Mai ihr Indo-Pacific Deployment 2024, kurz IPD 24, starten. Der erste Halt an der kanadischen Westküste wird einer von insgesamt dreizehn Hafenbesuchen.
Fünf Schwerpunkte legt die Marine auf ihr Indo-Pacific Deployment in diesem Jahr, das sie mit dem Slogan Pacific Waves illustriert. Erstens das Befahren internationaler Schifffahrtsrouten, um die Freiheit der Seewege gemäß dem Seerechtübereinkommen der Vereinten Nationen zu wahren. Zweitens ein Beitrag zur Überwachung der UN-Embargo-Operation gegen Nordkorea. Drittens die gemeinsame Teilnahme des Deutsch-Französischen Marineverbands Defram an der maritimen Präsenz der Europäischen Union im westlichen Indischen Ozean. Viertens die Teilnahme an verschiedenen Seemanövern mit Partnern in der Region – darunter das Highlight Rimpac. Und fünftens die militärdiplomatischen Hafenbesuche entlang der Route, um internationale Beziehungen zu vertiefen.
„Und ich hoffe auch, dass das Indo-Pacific Deployment gewisse Werbeeffekte haben wird“, fügte Admiral Kaack in der Vorstellung der Reisedetails am 20. März in Berlin hinzu. „Denn ohne Menschen, die mit Leidenschaft zur See fahren, können wir das alles nicht tun.“ So wird der Marineverband aus einer Fregatte und einem Einsatzgruppenversorger auch rund 200 Offizieranwärter während der Fahrt einschiffen.
Ausgelassene Chance
In acht Häfen wird es zu Industrieausstellungen kommen. Dabei nutzen deutsche Unternehmen die Möglichkeit, Einblicke in ihre Produktereihen geben zu können. Etwa 25 Unternehmen wollen sich derart engagieren. Wobei es je nach Land und den zu erwartenden Vermarktungschancen zu unterschiedlichen Konstellationen kommen wird.
Der indopazifische Raum bietet Rüstungsfirmen vielversprechende Aussichten. Viele Anrainerstaaten verfolgen aufgrund der geopolitischen Situation, insbesondere vor dem Hintergrund der von China ausgehenden Bedrohung, mehr oder weniger ehrgeizige militärische Beschaffungsprogramme. Womit sich für deutsche Firmen nicht nur beim Großgerät, sondern auch für Komponenten und Subsysteme Chancen ergeben können. Nun ist das beste Aushängeschild für die Leistungsfähigkeit der deutschen Rüstungsindustrie zum einen die Nutzung durch die parent navy. Zum anderen die Demonstration am lebenden Objekt. Umso mehr fällt ins Gewicht, dass dieser showcase nicht alle Jahre und nicht überall vorgeführt werden kann. Weswegen bei der diesjährigen Weltumrundung das Auslassen Australiens, das in die Leistungsfähigkeit seiner Marine investieren möchte, aus Vermarktungsgründen abträglich sein mag.

Anfang Dezember wird die Frankfurt Am Main in Wilhelmshaven zurückerwartet, Foto: Daniel Angres
Während andere Nationen offensiv handeln, verhält sich Deutschland auf diesem Gebiet mehr als zögerlich. Können internationale – auch europäische! – Mitbewerber in der Regel mit der Unterstützung bis in höchste politische Ebenen rechnen, so überlässt Berlin die Angelegenheit sich selbst. Mit dem Ergebnis, dass sich Teilnahmemöglichkeiten reduzieren oder ihr Effekt aufgrund mangelnder Unterstützung verpufft. Statt einer kleinen Industrieschau an Bord mit damit einhergehenden Demonstrationsmöglichkeiten für die Dauer des Hafenaufenthaltes wird in vier zu besuchenden Häfen eine Darstellung der Leistungsfähigkeit der deutschen Marineschiffbauer und ihrer Zulieferer am Rande des Botschaftsempfangs stattfinden. Immerhin verbleiben damit vier gute Möglichkeiten.

Vizeadmiral Michael Boyle, Befehlshaber der 3. US-Flotte,
spricht bei der abschließenden Planungskonferenz zu Rimpac 2024, Foto: US Navy/Lily Gebauer
Security policy categorisation
Mit den Leitlinien zum Indo-Pazifik hat Deutschland seine Interessen in diesem geopolitisch bedeutenden Raum formuliert. Petra Sigmund, Leiterin der Abteilung für Asien und Pazifik im Auswärtigen Amt, betonte bei der Vorstellung des diesjährigen Engagements, dass bereits die BAYERN-Reise von 2021/22 Deutschlands Beziehungen in der Region Raum auf ganz neue Ebenen gehoben habe. „Unsere Partner konnten sehen: Es ist deutsches Verständnis und Bereitschaft da, sich mit ihren Herausforderungen auseinanderzusetzen.“ Dabei seien diese Beziehungen nun, in der Zeit des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, noch wichtiger geworden. „Zum Beispiel helfen uns Japan, Südkorea, Singapur, Australien aktiv in dieser schwierigen Lage in Europa“, führte sie an und schloss daher: „Wenn wir auf unsere Partner weltweit zählen wollen, gerade auch die aus dem Indopazifik, müssen wir auch in der Lage sein zu signalisieren, dass sie auf uns zählen können.“
Über die temporären Präsenzen hinaus ergriff Deutschland weitere Maßnahmen, um auf verteidigungspolitischem Gebiet Zeichen der Zusammenarbeit mit Partnern in der Region zu setzen. Im August 2021 ist Deutschland dem Abkommen zur Pirateriebekämpfung in Asien beigetreten (Regional Cooperation Agreement on Combating Piracy and Armed Robbery against Ships in Asia, ReCaap). Im Kontext des Indo-Pacific Deployments von 2021 wurde der Posten für einen Verbindungsoffizier am Information Fusion Center in Singapur eingerichtet. Zugleich ist dieser an der Asean-Koordinierungsstelle für humanitäre und Katastrophenhilfe (Humanitarian Assistance & Disaster Relief in Asean) nebenakkreditiert. Weiterhin soll eine Verbindung zu den US-Streitkräften etabliert werden. Vorgesehen ist hier Comlogwestpac, der Kommandierende General über die Logistische Gruppe Westpazifik, gleichzeitig Commander Task Force 73. Darüber hinaus sollen Verbindungsoffiziere bei der Dienststelle zur Überwachung UN-Sanktionen gegen Nordkorea (Enforcement Coordination Cell in Japan) sowie beim US Indopacom, dem indopazifischen Kommando der USA ihren Dienst verrichten. Die Entsendung von Austauschoffizieren zu den Hauptquartieren der US Navy und der US Air Force im Pazifik wird ebenfalls angedacht.
Auf Wiedersehen
Das diesjährige Indo-Pacific Deployment ist mehr als der Name hergibt – die Deutsche Marine goes global. Das vom Inspekteur ausgegebene Motto „regional verwurzelt – weltweit engagiert“ wird einmal mehr mit Leben gefüllt. Hier das IPD 2024, dort die EU-Operation Aspides im Roten Meer. Nicht zu vergessen: die Teilnahme an den Einsatzverbänden der NATO und an anderen Missionen der EU. Ebenso wie die Tatsache, nicht nur die schwimmenden und fliegenden grauen Einheiten zu berücksichtigen, Seebataillon und SEKM mischen ebenfalls mit.

Während des IPD 2021 traf die Fregatte Bayern auf Zerstörer der japanischen Marine, Foto: US Navy/Haydn N. Smith
Am Ende sollte das Fazit stehen, dass die planerischen 28 000 Seemeilen und die 212 Abwesenheitstage für den Einsatzgruppenversorger gut angelegt sind. Nicht nur wegen der operativen lessons learned. Denn es gilt, für Deutschland Türen zu öffnen. Und sich selbst vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, um ein eigenständiges Lagebild zu erhalten. Denn um andere Weltschauplätze zu verstehen, muss man sich vor Ort engagieren. Dies erleichtert nicht nur die eigene Lagebeurteilung. Sondern beschränkt auch das Risiko, zu sehr von den Einschätzungen anderer abhängig zu werden. Hinzu kommt, dass das selbst gemachte Erfahren dazu beiträgt, den eigenen Kompass auszurichten.
Letztendlich hatte Deutschland bei den zurückliegenden Reisen versprochen, wiederzukommen. Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, drückte das am 20. März vor 200 Gästen so aus: „Als die deutschen Luftstreitkräfte vor zwei Jahren erstmalig in der Region waren, ist mir persönlich oft die Frage begegnet: ‚Kommt ihr wieder?‘“ Seine Antwort, so Gerhartz, lautete: „Ja, wir werden das verstetigen, wir kommen wieder.“
Hans-Uwe Mergener












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