Differences and disputes are a major problem in everyday working life. This makes it all the more important to find a swift, amicable solution - with the help of conflict mediators.
From superiors to confidential counsellors, equal opportunities officers and military chaplains to family members and friends - aren't there already enough bodies that help to resolve conflicts between members of the Bundeswehr? Does the Bundeswehr, does the Navy need another contact point and - if so - what can it do? In other words, is there a problem with the Bundeswehr's current conflict management at all?
Fragt man den ehemaligen Wehrdisziplinaranwalt und Autor des Buchs „Konfliktmanagement in der Bundeswehr”, Matthias Schütte, dann ist der Fall klar: „Ich wünsche mir dringend, dass es einen Ruck gibt, dass man erkennt: Mit dem [ds_preview]scharfen Schwert des Disziplinarrechts allein werden nicht alle Probleme nachhaltig gelöst, und es wird dadurch auch kein Personal gebunden und noch weniger dringend benötigtes neues Personal gewonnen.” Nach Schüttes langjähriger Erfahrung wird allzu oft „mit Kanonen auf Spatzen” geschossen und zu schnell nach „Schema F” verfahren. Es fehle das „Lebensnahe”, die Einsicht, dass im Täglichen Dinge passieren, die keine so große Sache sind. Aber auch die würden mit dem Repertoire an Disziplinarmaßnahmen behandelt. Eine offizielle Entschuldigung oder eine im kleinen Kreis erreichte Einigung wäre manches Mal ausreichend.

Fregattenkapitän Hilgendag-Pawel (l.) und Fregattenkapitän Gößing begrüßen die Teilnehmer, Fotos: Bw
Es ist aber nicht nur das verwaltungsverfahrensförmige (dienstrechtliche) Agieren, das sich in vielen Fällen als problematisch erweist. Die Vielzahl und Vielfalt der involvierten Akteure, die Komplexität der Strukturen und Prozesse, eine massive Überregulierung durch Erlasse und Dienstvorschriften, die Distanz vieler Entscheidungsträger vom tatsächlichen Konfliktgeschehen und ihre häufig fehlende Fachkompetenz in der Konfliktbearbeitung tun ein Übriges.
Alles in allem ist das bestehende Konfliktmanagement oft zu rigide und zu sehr in alten Mustern verhaftet, sind die Möglichkeiten für die Suche nach konsensuellen und konstruktiven Lösungen, zur individuellen, flexiblen und vor allem niedrigschwelligen Konfliktbearbeitung begrenzt. Und es fehlt an einem breit verankerten Know-how, wie sich zwischenmenschliche Konflikte möglichst dauerhaft lösen lassen.
Die Zeit, um dieses Know-how im Rahmen der lehrgangsgebundenen Ausbildung zu vermitteln, reicht laut Fregattenkapitän Carolin Hilgendag-Pawel nicht aus. Die Offizierin gehört zum ID:EA-Team und ist Mediatorin im Marinekommando. „Aus dieser zeitlichen Begrenzung entstand der Gedanke, Anlaufstellen möglichst überall in der Marine zu etablieren, die dabei unterstützen, vor allem zwischenmenschliche Konflikte selbst zu lösen”, erzählt sie. Die Idee für die „Konfliktlotsen” war geboren.
Pragmatischer Wandel
Die Konfliktlotsen sollen mehr sein als lediglich „noch eine” Instanz im Rahmen des Konfliktmanagements. Idealerweise sollen sie einen paradigmatischen Wandel unterstützen in der Art und Weise, wie Konflikte innerhalb der Marine verstanden und gehandhabt werden.

Matthias Schütte erläutert rechtliche Grundlagen, Fotos: Bw
Ein solcher Wandel impliziert die Abkehr von einem disziplinarisch-reaktiven Ansatz hin zu einem systematischen Konfliktmanagement, das proaktive und präventive Elemente beinhaltet. Es geht darum, die Konfliktbearbeitung flexibler, schneller, individueller und auch humaner zu gestalten. Konfliktlotsen, als Teil dieses Ansatzes, sollen dabei unterstützen, die Konfliktbearbeitung direkt am Ort des Geschehens und in engem Zusammenwirken mit den Beteiligten durchzuführen. Das Ziel ist, eine Kultur zu etablieren, in der Konflikte als Gelegenheiten für Lernen, Veränderung und Verbesserung gesehen werden, statt als störende Ereignisse, die es mit den traditionellen, oft strafenden Methoden zu behandeln gilt, oder die im schlechtesten Fall durch Wegschauen ignoriert werden.
Zudem erfordert ein Kulturwandel in diesem Sinne eine stärkere Einbindung und ein Empowerment der direkt Beteiligten, um Konflikte eigenständig und verantwortungsvoll zu lösen. Die Idee zu den Konfliktlotsen ist ein Ausdruck dieser Denkweise, die darauf abzielt, die Eigenverantwortung zu stärken und das Bewusstsein für konstruktive Konfliktbearbeitung zu schärfen.
Das Konzept für die einwöchige Weiterbildung zum Konfliktlotsen hat das ID:EA-Team erarbeitet. Zu dessen Aufgaben gehört es, eine Kultur der Wertschätzung, des Vertrauens und der Fehlertoleranz voranzubringen. Neben theoretischen und rechtlichen Grundlagen liegt der Schwerpunkt auf praktischen Übungen in Form von Rollenspielen, die die Teilnehmer darauf vorbereiten, in realen Konfliktsituationen zu agieren. Der Workshop vermittelt den Teilnehmern ein Handwerkszeug, das ihnen hilft, besser zuzuhören, Fragen richtig zu stellen und Konfliktursachen frühzeitig zu erkennen. „Es muss also gar nicht immer um den konkreten Konflikt gehen, sondern es ist bereits von großem Nutzen, mit den Konfliktlotsen Kameraden in den Einheiten zu haben, die über ‚erweiterte’ kommunikative Skills verfügen”, erläutert Hilgendag-Pawel. Die Inhouse-Schulung baut auf dem auf, was in der lehrgangsgebundenen Ausbildung vermittelt wurde und kann für die gesamte Marine angeboten werden.

Die Lotsen nutzen Lego Serious Play im Workshop, Fotos: Bw
Beim 1. Ubootgeschwader hat die Frage von ID:EA, ob dort Interesse an der Pilotschulung besteht, „offene Türen eingerannt”, berichtet Obermaat Manrico Balg. „Es gab keine zwei Meinungen dazu, dass natürlich – wie überall – Konflikte bestehen, die die Auftragserfüllung hemmen, und es hilfreich wäre, wenn wir die ‚Werkzeuge’ dafür hätten, sie selbst zu lösen. Genau hierbei hilft uns ID:EA, besser zu werden”, so Balg. Nach der ersten Schulung im November 2023 mit acht Teilnehmern in Eckernförde könne man nun „mit Bordmitteln” arbeiten. „Die Weiterbildung hat sehr geholfen. Die Workshopteilnehmer fühlen sich auf ihre Rolle gut vorbereitet und trauen sich die Aufgabe zu”, resümiert der Obermaat. Die Konfliktlotsen agieren auch nicht allein, sondern stets als Tandem.
Mit Hilfe von Lego Serious Play wurde im Workshop und unter Beteiligung von Kommandeur Lars Gößing herausgearbeitet, wie das 1. Ubootgeschwader weitermachen möchte. Ergebnis: Es gab einen Tagesbefehl mit Information zu den Konfliktlotsen, Flyer wurden erstellt und in jedem Gebäude aufgehängt. Es gibt Räumlichkeiten und eine zentrale Telefonnummer für die Konfliktlotsen. In weiteren Workshops soll nun die Basis verbreitert werden.
Outlook
Die Konfliktlotsen bilden eine Art entry level in die Konfliktlösung. Zuhören und reflektieren, ob das Problem selbst gelöst werden kann oder professionelle Hilfe erforderlich ist. Das ist der erste Schritt. Im besten Fall sind die Konfliktparteien in der Lage, den Konflikt eigenständig zu lösen. Selbst wenn das nicht der Fall ist, ist der Konflikt „im System”. Er ist aufgenommen, und man bietet eine erste Hilfestellung an. Zudem wird die Angelegenheit mit dem psychosozialen Netzwerk verbunden. „Wichtig ist, dass niemand durchs Raster fällt, damit Konflikte nicht eskalieren, sondern schnell mit Bordmitteln unterstützt werden kann”, betont Hilgendag-Pawel. Die Konfliktlotsen seien im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe als niederschwelliges Angebot gedacht — nicht zuletzt mit dem Ziel, die Konfliktkosten zu senken.
Eine andere Kultur kann man nicht von heute auf morgen „einführen”. Das hat einerseits etwas mit Vorleben zu tun, andererseits geht es um die Stärkung der Konfliktlotsen, um Rückendeckung für die Beteiligten durch ihre Vorgesetzten. Das muss sich erst etablieren. Für Matthias Schütte ist die Weiterbildung zum Konfliktlotsen „der erste kleine Schritt in die richtige Richtung”. Für einen Bewusstseinswandel brauche es aber ein systematisches Konfliktmanagement. Wenn der Stein, den das 1. Ubootgeschwader ins Wasser geworfen hat, möglichst breite Kreise in der Marine und in der gesamten Bundeswehr ziehen soll, dann wird das laut Schütte nicht ohne das Verteidigungsministerium und die Kommandobehörden gehen.
Eine Kultur zu fördern, in der Konflikte effektiv und konstruktiv angegangen werden – man könnte auch sagen: ein professionelles Konfliktmanagement zu etablieren –, ist nicht zuletzt mit Blick auf die Nachwuchsgewinnung und die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber von nicht zu überschätzender Bedeutung.
Oberleutnant d.R. Dr. Nicolai Hammersen ist Unternehmensberater für Kommunikation bei NM Hammersen & Partner.
Dr. Nicolai Hammersen
Bei Interesse an einer Inhouse-Schulung für Konfliktlotsen wenden Sie sich bitte an ID:EA, Telefon: (0381) 802 51175
Mail: MarKdoIDEA@bundeswehr.org












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