Auf Einladung der norwegischen Marine übten in der zweiten Novemberhälfte Schiffe aus Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Kanada, Portugal und Deutschland gemeinsam mit Einheiten des nordischen Partners zwischen Bodø und Tromsø. Zum Manöver Flotex Silver 21 kamen Fregatten, Korvetten, Minenjagdboote und Versorger, aber auch U-Boote, Seefernaufklärer, Kampfflugzeuge, Hubschrauber und die norwegischen Küstenjäger, eine Infanterieeinheit, im bereits eiskalten Norden Europas zusammen.[ds_preview]

Einlaufen in Narvik. Foto: Bw/M. Schmidt
Die raue Atlantikküste, die Fjorde und die verwinkelten Bergketten boten dabei eine optisch beeindruckende, aber herausfordernde Kulisse für die Übungen. Es kommt nicht häufig vor, dass so viele Schiffe aus allen Teilen der NATO gemeinsam in diesem einzigartigen Seegebiet Übungen wie den Schutz eines Versorgers gegen den Angriff eines U-Bootes durchführen können.
Fast drei Wochen trainierten die NATO-Einheiten gemeinsam im Nordmeer ihre Fähigkeiten. Zum Abschluss stand eine sogenannte Freeplay-Phase auf dem Plan, bei der das Erlernte in der Praxis getestet werden konnte. Ohne dass die teilnehmen Einheiten wussten, was sie erwartet, galt es, einen Versorger sicher zu seinem Zielhafen zu eskortieren. Am Ende hieß es dann auch für die Besatzung Alpha der SACHSEN-ANHALT: „Mission accomplished!“ – Auftrag erfolgreich abgeschlossen!
Flotex Silver 21 markierte für die Besatzung Alpha einen wichtigen Schritt hin zur vollen Einsatzbereitschaft. Zugleich war es das erste Mal, dass eine Fregatte der Klasse 125 an einem NATO-Manöver teilnahm – und das mit Erfolg.
Während der Fahrt waren knapp 50 Offizieranwärter der Crew VII/21 an Bord eingeschifft. Durch den Wegfall der Einsatz- und Ausbildungsverbände bot sich hier für die jungen Kadetten die erste Gelegenheit, Seeluft zu schnuppern und ihren zukünftigen Arbeitsplatz kennenzulernen. Mit großem Elan nahm sich die Stammbesatzung der Fregatte dem Offiziernachwuchs an und integrierte die Männer und Frauen in den Tagesablauf an Bord.

Einmaliges Naturerlebnis: Polarlichter. Foto: Bw/M. Schmidt
Neben der Teilnahme an den Seewachen auf der Brücke, im Leitstand und in der Operationszentrale, sammelten die Offizieranwärter auch erste Erfahrungen beim simulierten Gefecht und bei der Schadensabwehr. Flotex Silver bot einen geeigneten Rahmen, um möglichst viele operative Bereiche abzubilden. Doch nicht nur die praktische Ausbildung stand im Fokus. Die jungen Soldatinnen und Soldaten mussten sich erstmals in eine Bordgemeinschaft integrieren, an neue Lebensumstände anpassen, eigene Befindlichkeiten hintanstellen und im Team agieren. Erschwerend hinzu kam die äußerst raue See des europäischen Nordmeeres, die nicht nur den Offizieranwärtern viel abverlangte. Polarlichter und die Taufe beim Überqueren des Polarkreises entschädigten später für die Entbehrungen. Am Polarkreis war allerdings noch nicht Schluss: Erstmals fuhr eine Fregatte der Klasse 125 in die Gewässer nördlich des 70. Breitengrads.
Mit Ende des Manövers nahm die SACHSEN-ANHALT vom Andfjord Kurs gen Norden mit Ziel Tromsø. Ziel war eine Vorbeifahrt am Wrack des Schlachtschiffs TIRPITZ, das durch britische Lancaster-Bomber am 12. November 1944 im Tromsøfjord versenkt wurde. 1204 Mann verloren dabei ihr Leben, 890 konnten gerettet werden. Während des Loiterns in der Nähe des Wracks erklärte der Erste Schiffseinsatzoffizier über die Lautsprecheranlage der Besatzung die historischen Hintergründe. Fast acht Jahrzehnte nach den Ereignissen gedachten deutsche Seeleute den damals gefallenen Soldaten – auf dem modernsten Schiff der Flotte und als Botschafter in Blau.
Ein kurzer Besuch in Reykjavik auf Island rundete die Fahrt ab, anschließend machte sich die SACHSEN-ANHALT auf den Weg zurück nach Wilhelmshaven, wo nach einem anstrengenden Seefahrtprogramm Familien und Freunde bereits sehnsüchtig auf die Besatzungsangehörigen warteten.
Autoren: Daniel Epkenhans und Fabio Nilgen












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