Departure of the corvette Magdeburg in Klaipeda, Photo: Bw/Marcus Mohr

Departure of the corvette Magdeburg in Klaipeda, Photo: Bw/Marcus Mohr

Innovation driver for naval warfare

This year's Baltops manoeuvre took place in the Baltic Sea in June. As part of this manoeuvre, the German Navy led a naval unit with multinational participation for the first time as a Commander Task Force.

Nach zwei intensiven Wochen endete am 20. Juni die 53. Auflage des Manövers Baltic Operations, kurz Baltops. Hierbei handelt es sich um die wichtigste und größte multinationale maritime Militärübung im Ostseeraum. Die diesjährige Übung war ein Paradebeispiel für die enge militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den NATO-Verbündeten. Unter Führung der US Naval Forces Europe-Africa und der 6. Flotte der US Navy demonstrierten 20 Nationen gemeinsam mit den neuen NATO-Mitgliedern Finnland und Schweden die kollektive Verteidigungsfähigkeit in der Ostsee. Neben den Naval Striking and Support Forces NATO (Strikfornato) übernahm auch[ds_preview] die Deutschen Marine mit dem multinationalen Führungsstab German Maritime Forces, kurz Deu Marfor, erstmals eine führende Rolle bei dieser Großübung.

„Ich bin stolz darauf, dass Deutschland im Rahmen von Baltops durch die USA eine wichtige Führungsposition übertragen bekommen hat“, sagte der Kommandeur Deu Marfor, Konteradmiral Stephan Haisch.

Admiral Haisch nutzte als Commander Task Force 369 die Möglichkeit, seinen Stab während Baltops auf die geplante Übernahme des Auftrags als Commander Task Force Baltic (CTF-B) ab 1. Oktober 2024 vorzubereiten. Der CTF-B wird zukünftig den taktischen Verteidigungsplan für die Ostsee und die dazu erforderliche Koordination mit allen NATO-Staaten im Ostseeraum verantworten. Beginnend ab Oktober, werden dazu Soldaten aller Ostseeanrainer in Rostock gemeinsam maritime Aktivitäten in der gesamten Ostsee planen, führen und überwachen. Dies wird die bisherige enge militärische Zusammenarbeit im Ostseeraum weiter intensivieren und nicht zuletzt die „neuen“ NATO-Mitglieder Schweden und Finnland vollständig in die gemeinsamen Aufgaben und Verteidigungsplanungen integrieren.

„Die multinationale Beteiligung am entstehenden Führungsstab stärkt unsere gemeinsame Integration, das umfassende Verständnis aller Vorgänge in der Ostsee und ist ein beeindruckendes Beispiel des gemeinsamen Verantwortungsgefühls innerhalb der Allianz“, stellte Konteradmiral Haisch heraus.

Soldaten der Korvette Magdeburg legen Übungsminen, Foto: Bw/Marcus Mohr

Soldaten der Korvette Magdeburg legen Übungsminen, Foto: Bw/Marcus Mohr

Baltops zählt zu den ältesten multinationalen Übungen weltweit. Gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien ist Deutschland seit 1972 dabei. Entstanden war Baltops im Jahr zuvor als Teil amerikanischer Bestrebungen, in Zeiten des Ost-West-Konflikts mehr Sicherheit und Stabilität in der Ostsee zu gewährleisten. Dementsprechend lag das Augenmerk auf dem Schutz der Ostseezugänge, den dänischen Inseln sowie den dänischen Meerengen. Ziel war es, den eigenen Schiffen jederzeit Zugang zur Ostsee zu gewährleisten – und feindlichen Kräften das Erreichen der Nordsee zu verwehren.

Nach der NATO-Osterweiterung ist die Ostsee heute mehr denn je die Lebensader vieler NATO- Anrainerstaaten. Sie gehört mit ihren Meerengen und Flachwasserstellen zu den am stärksten befahrenen und anspruchsvollsten Seegebieten der Welt. Der Verantwortungsraum für die NATO ist dabei stetig gewachsen.

Traditionell lädt jedes Jahr die amerikanische Marine als Übungsleiter zu Baltops ein, während die Rolle als Gastgebernation von Jahr zu Jahr zwischen den Ostseeanrainern wechselt. Mit Strikefornato ist ein auf die Planung und Durchführung von multinationalen maritimen Operationen spezialisiertes schnelles einsatz- und verlegefähiges Hauptquartier der NATO in Lissabon mit der Planung beauftragt.

Gemeinsam trainieren für den Ernstfall

Neben den USA, Schweden und Deutschland nahmen noch 17 weitere Nationen an Baltops 24 teil, darunter Frankreich, Griechenland, Großbritannien und die Türkei. Aufgeteilt in einen Überwasserkampfverband und einen amphibischen Verband übten 60 Schiffe, 85 Luftfahrzeuge und 9000 Soldaten das gesamte Spektrum der maritimen und amphibischen Seekriegsführung. Die Deutsche Marine war dabei mit den Korvetten BRAUNSCHWEIG und MAGDEBURG, dem Minenjagdboot BAD BEVENSEN, dem Betriebsstofftanker RHÖN, U 36, einem Seefernaufklärer P-3C Orion, der Küsteneinsatzkompanie des Seebataillons und dem multinationalen Führungsstab Deu Marfor als CTF 369 beteiligt. Im sogenannten Exercise Control unterstützte zudem die in Glücksburg stationierte deutsche Submarine Operations Authority bei der Koordinierung der U-Boote. Damit war Deutschland sowohl als Übungsteilnehmer als auch in der Übungsleitung repräsentiert.

US Marines üben das Anlanden bei Baltops 24, Foto: US Marines/Mark Andries

US Marines üben das Anlanden bei Baltops 24, Foto: US Marines/Mark Andries

Dieses Jahr stand erstmals ein Szenario im Rahmen der kollektiven Verteidigung und Sicherung der Allianzgrenzen im Ostseeraum im Vordergrund. In diesem Kontext trainierten die Einheiten, sich gegen eine komplexe hybride Bedrohung zu verteidigen und militärisch zu intervenieren. Der Fokus lag auf der Abschreckung durch die Demonstration militärischer Fähigkeiten der NATO. Eine prominente Rolle dabei hatte der große amphibische Verband, der während der Übung mehrere zeitgleiche Landungsoperationen in der westlichen und zentralen Ostsee durchführte.

Flottillenadmiral Haisch (v.) während eines Briefings in Putlos, Foto: Bw

Flottillenadmiral Haisch (v.) während eines Briefings in Putlos, Foto: Bw

Am 7. Juni startete mit dem Combat Enhancement Training und dem Force Integration Training der erste große Übungsabschnitt. Hierbei übten die Einheiten grundlegende taktische Verfahren, um sich auf komplexere Übungsanteile im späteren Verlauf vorzubereiten. Der Kommunikations- und Lagebildaufbau, die Integration in den Verband, das gemeinsame Üben von NATO-Verfahren und die Vorbereitungen von amphibischen Landungsoperationen standen im Vordergrund. Dabei bildete das intensive Trainings- und Übungsprogramm ein breites maritimes und amphibisches Aufgabenspektrum ab. Ziel war es, die taktischen Fähigkeiten der Einheiten zu schärfen und die Interoperabilität, also die Kooperation zur See, in der Luft und an Land zu steigern. Zu den Übungsinhalten gehörten dementsprechend die Durchführung von amphibischen Operationen, die U-Boot-Jagd, Minenräumen, Luftverteidigung, See- und Landzielschießen, Seenotrettung, das Bekämpfen von asymmetrischen Bedrohungen, Seeversorgung, Schadensabwehr und der Umgang mit medizinischen Notfällen im Verbandsrahmen.

Der Höhepunkt der Übung wurde während der Taktikphase erreicht. Ab dem 15. Juni wurden die maritimen Einheiten entlang des Szenarios in eigene und simuliert feindliche Verbände unterteilt. Ziel war es, durch eine schrittweise Eskalation der Lage ein späteres Aufeinandertreffen der gegnerischen Verbände zu provozieren. Diese Phase zeichnete sich durch ein hohes Maß an Handlungsfreiheit der Verbandsführer auf See aus. Dadurch konnte sich das Ausgangsszenario praktisch frei weiterentwickeln, abhängig von den getroffenen Entscheidungen der jeweiligen Verbandsführer.

Deutsche Marine führt 40 Schiffe

Erstmals in der Geschichte von Baltops übernahm die Deutsche Marine das taktische Kommando über einen beträchtlichen Teil der Einheiten. Der Überwasser-Kampfverband mit 40 Schiffen aus 13 Nationen wurde vom multinationalen Führungsstab Deu Marfor in seiner Funktion als Commander Task Force 369 unter der Leitung von Konteradmiral Stephan Haisch aus Rostock geführt.
„Als Deutsche Marine tragen wir damit Verantwortung für den Hotspot der Seeverbindungswege in der Ostsee und der maritimen kritischen Infrastruktur aller Ostseeanrainerstaaten“, so Haisch.

Bereits im letzten Jahr konnte die Deutsche Marine während der Übung Northern Coasts erfolgreich die Fähigkeit zur Führung eines multinationalen Verbandes in der Ostsee nachweisen. Baltops 24 stellte den Führungsstab allerdings vor neue Herausforderungen. Die Task Force war größer, multinationaler und hatte einen umfangreicheren Auftrag: Sicherung der Seewege, Gewährleistung der ungehinderten Schifffahrt und die Unterstützung der amphibischen Task Force 162 bei ihren Operationen. Der Joint-Gedanke mit der Koordinierung und Kooperation zwischen den zwei unterschiedlichen Marineverbänden stand dabei im Fokus.

Die Schiffe der Task Group 369.10, angeführt vom Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 1, der spanischen Fregatte ALMIRANTE JUAN DE BORBÓN, bildeten gemeinsam mit der Task Group 369.20 den schlagkräftigsten Überwasserkampfverband der Übung. Der Auftrag bestand darin, als Supporting Task Force durch Absicherung des See- und Luftraumes die amphibischen Operationen abzusichern, potenzielle Angriffe von gegnerischen Einheiten zu verhindern und die Navigations- und Handlungsfreiheit im Ostseeraum sicherzustellen. Die Herausforderung in dem Übungsszenario war es dabei, trotz des erforderlichen robusten militärischen Auftretens den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Dies erforderte auch von der Führung aus Rostock ein besonderes Fingerspitzengefühl in der Befehlsgebung und Koordination des Verbands.

Eine erfolgreiche Operation erfordert aber nicht nur Kampfkraft, sondern auch umfassend logistische Unterstützung. Personal, Kraftstoff, Versorgungsgüter, Material, medizinische Unterstützung und Munition müssen zu den Einheiten in das Operationsgebiet gebracht werden. Die Task Force 369 verantwortete die Koordinierung der Versorgung in See und den landgestützten Nachschub für die seegehenden Einheiten.

Besonders hervorzuheben war die Rolle des schwedischen Logistikstabs im Marinestützpunkt Haninge, nahe Stockholm, der sowohl die gesamte amphibische Operation im schwedischen Archipel unterstützte, als auch den Minensuchverband in See nachversorgte.
Einen besonderen Nebenauftrag nahm dieser Minensuchverband mit mehr als 700 Soldaten, 23 Schiffen, 20 unbemannten Unterwasserfahrzeuge und zwei Hubschraubern wahr. Dieser demonstrierte eindrucksvoll die neuesten Fortschritte in der Minenjagdtechnologie. Gemeinsam kartographierte der Verband den Meeresboden, übte die operative Minensuche, legte Übungsminen und setzte ein System ein, um Minen aus der Luft zu lokalisieren und zu beseitigen. Der große Einsatz wurde letztlich mit der Sprengung einer alten Weltkriegsmine vor der lettischen Küste erfolgreich beendet.

In diesem Jahr lag der Übungsschwerpunkt allerdings nicht ausschließlich beim Kampf auf See. In großem Umfang standen auch amphibische Operationen auf der Tagesordnung, bei denen die Land-, See- und Luftstreitkräfte von vier Landungsverbänden koordiniert werden mussten. Mit der Task Force 162 übernahm Strikfornato die Führung des amphibischen Landungsverbands und rückte den amphibischen Kampf in den Vordergrund.

Ankunft von US-Truppen in Lettland, Foto: US Marines

Ankunft von US-Truppen in Lettland, Foto: US Marines

Der französische Helikopterträger MISTRAL, das US-Landungsschiff WASP, die amerikanischen und niederländischen Transportdockschiffe NEW YORK und JOHAN DE WITT bildeten zusammen mit dem spanischen Flugzeugträger JUAN CARLOS I und 5000 Marineinfanteristen die größte maritim-amphibische Streitmacht in der Ostsee in den vergangenen Jahrzehnten. Jederzeit seeseitig unterstützt und abgesichert von der Task Force 369, führten die vier Task Groups teilweise parallel laufende amphibische Operationen in Schweden, Lettland, Polen und in Deutschland durch. Ziel war es, durch die Sicherung der Land- und Küstengebiete mögliche Aggressionen eines fiktiven Gegners einzudämmen. Dabei beteiligten sich Soldaten aus mehr als acht Nationen an den Übungsabschnitten für urbane Kriegsführung, taktische Personen-Evakuierung, Luftlandeoperation, Küstenlandung, Waldnavigation und Fallschirmübungen im umkämpften Gebiet. Highlights waren der Einsatz des mobilen Artilleriesystems Himars M 142 in Schweden und die groß angelegten amphibischen Angriffe auf eine fiktive gegnerische Streitmacht.

Mehr Sicherheit durch Innovationen

Das diesjährige Baltops bestach durch viele Neuerungen. Schon immer fungierte die Übung als Katalysator und Innovationstreiber im Bereich der Seekriegsführung. Durch Anpassung, Weiterentwicklung und Integration neuer Technologien in bestehende militärische Abläufe trugen alle Übungsteilnehmer zur Bewältigung vergangener, aktueller und zukünftiger Sicherheitsherausforderungen bei.
In diesem Jahr diente die Übung auch als Testumgebung für ein Logistikmanagementsystem der neuesten Generation. Forciert wurde zudem der Einsatz von unbemannten Fahrzeugen und innovativen Taktiken der amphibischen Kriegsführung. Auch die Deutsche Marine trug mit der Multi-Sensor Data Fusion-Cell des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr zur Weiterentwicklung der maritimen Kriegsführung bei. Dieses System bringt Weltraum- und Unterwasserdaten zusammen und verbessert so die Lagebilderstellung
Die vielfältigen Aktivitäten zeugten wieder einmal von der Bedeutung des Manövers für die NATO und die Ostseeanrainer. Mit dem Ziel, die Kooperation innerhalb der Allianz sowohl militärisch als auch politisch auszubauen, förderte Baltops die Integration der neuen Mitgliedsstaaten Finnland und Schweden in die NATO und bot anderen Nationen eine willkommene Übungsmöglichkeit unter komplexen Rahmenbedingungen. Gerade vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs trug die massive militärische Präsenz und die damit einhergehende mediale Außenwirkung bedeutend zur Abschreckung und damit zur Sicherheit im baltischen Raum bei. Baltops 24 bot allen Teilnehmern eine Gelegenheit, ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern.

Die Deutsche Marine hatte einen erheblichen Anteil am Erfolg des Manövers. Durch die erfolgreiche Führung eines Marineverbands unterstrich Deutschland seinen Anspruch auf eine Führungsrolle in der Ostsee und damit die Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen und einen größeren Beitrag zur kollektiven Sicherheit innerhalb der NATO zu leisten.

Kapitänleutnant Ricardo Rosendo Patricio ist tätig bei Deu Marfor.

Ricardo Rosendo Patricio

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