Corvette Braunschweig, type ship of the class 130, photo: Daniel Angres

Corvette Braunschweig, Type ship of the class 130, Photo: Daniel Angres

Let's get to work!

Since the beginning of the Russian invasion of Ukraine, the German Navy has once again focussed on the Baltic Sea. The crews of the 1st Corvette Squadron are well equipped to defend against the various threats.

The corvettes of the German Navy have been required for missions in the Mediterranean in recent years - but they were not designed for this purpose. The demand for units was already higher during the planning phase than the number of units available today. Despite this, the second batch is still waiting in the wings.

How is the association doing under the current circumstances? Time to head off to the summery beauty of Warnemünde once again to capture the mood. We know each other, the welcome from the commander, Frigate Captain Marc T. Tippnerand the Head of the Corvette Operations and Training Centre, Frigate Captain Thorsten Vögler, ist kameradschaftlich herzlich und die Stimmung vertraulich gut.[ds_preview]

Der Kommandeur kommt sogleich auf die Kernfrage, was das 1. Korvettengeschwader ausmacht:
„Wir sind der für die Überwasserseekriegsführung in Randmeeren spezialisierte Kampfverband der Deutschen Marine.“

Er verweist auf den landzielfähigen schweren Seezielflugkörper RBS 15 Mk 3 von Saab, die Fähigkeit, Seeminen zu legen, Aufklärung zu betreiben und sich gegen Luft- und Überwasserbedrohungen zu verteidigen.

Fregattenkapitän Marc Tippner mit marineforum-Chefredakteur Holger Schlüter, Foto: hsc

Fregattenkapitän Marc Tippner mit marineforum-Chefredakteur Holger Schlüter, Foto: hsc

Zwar sei das luftgestützte Projekt Aufklärung und Identifizierung im maritimen Einsatzgebiet noch nicht realisiert, es gebe aber einen neuen Ansatz und mit dem Future Combat Surface System werde zudem die Integration von schwarmfähigen Überwasserdrohnen angestrebt. Das Future Combat Surface System soll die bestehenden Überwassereinheiten vernetzt ergänzen, weshalb das Geschwader die Entwicklung und den Einsatz autonomer Systeme im Rahmen von Operational Experimentation unterstütze. „Das macht eine Korvette zu einem flexiblen Seekriegsmittel im gesamten Intensitätsspektrum“, fügt Tippner hinzu. Zusammen mit dem Stab, dem Einsatz- und Ausbildungszentrum und der Systemunterstützungsgruppe sei das ein „starkes Team, das gegebenenfalls weltweit zur Sicherheit Deutschlands beiträgt“.

Weltweit, wirklich? Bisher war es doch nur das Mittelmeer! Der Kommandeur lässt sich nicht beirren. Man habe in der Tat über viele Jahre durchgehend Beiträge zur Verteidigungsdiplomatie, der nationalen Risikovorsorge und dem Internationalen Krisenmanagement insbesondere bei Unifil geleistet. Zuletzt sei die Korvette LUDWIGSHAFEN AM RHEIN kurz vor Weihnachten von der libanesischen Küste zurückgekehrt, ein weiterer Einsatz, der die Besatzung besonders gefordert habe. „Die erfolgreiche Abwehr eines Angriffs mit einer bewaffneten Drohne am 17. Oktober 2024 hat gezeigt, dass unsere Besatzungen für ihre Einsätze gut ausgebildet werden und ihr Waffensystem beherrschen.“

Und weiter: „Unser Kernauftrag lautet jedoch Abschreckung und Verteidigung an der Nordflanke und fordert uns nun verstärkt in der Ostsee.“

Zurück in die Seegebiete vor der Haustür, ist das nicht auch eine Erleichterung? Tippner betont, dass man auf die geleisteten Unifil-Einsätze durchaus stolz sei und er über deren Relevanz nicht zu urteilen habe. Für ihn sei Einsatzfähigkeit der Kern, und zwar sowohl für die ständige Präsenz in der Ostsee wie auch vor der Levante. „Dass wir uns jedoch in der aktuellen sicherheitspolitischen Lage auf die Ostsee konzentrieren, verschafft uns im Kriegsfall einen klaren taktischen Vorteil. Wir operieren seit Jahresbeginn zeitgleich mit bis zu drei Korvetten in der Ostsee, tragen hierdurch zu einem engmaschigen Lagebild und der notwendigen Raumkenntnis in einer anspruchsvollen Geografie bei und stellen Reaktionsfähigkeit auch gegenüber hybriden Bedrohungen sicher.“

Zugleich nutze man eine Vielzahl von Manövern und Übungen zur Ausbildung der Besatzungen und zur Intensivierung der Kooperation mit anderen Seestreitkräften. Das stärke die Allianz und trage zur glaubwürdigen Abschreckung bei. Und wie sehen das die Besatzungen, oder besser: das ganze Team? Tippner hat die Frage erwartet, lehnt sich lächelnd zurück und stellt nicht ohne Stolz fest: „Das hat etwas gemacht mit den Menschen; vor der eigenen Haustür zu operieren, empfinden viele als einen sehr sinnstiftenden Dienst.“ Die Bedrohung der kritischen Infrastruktur in der Ostsee sei allen bewusst. Man wisse auch, dass durch russische Propaganda ein verzerrtes Bild über die Deutschen und ihre Marine verbreitet werde. Dieser mit sichtbarer Präsenz zu begegnen, sei ein von den Besatzungen verstandener Auftrag, zu dem man überzeugt stehe. Das Geschwadermotto „Packen wir’s an“ treffe es, sagt er. „Und weil Menschen kämpfen und nicht Schiffe, sind wir auf eine langfristige Bindung motivierter Menschen an unser Geschwader angewiesen.“ Daher sei ihm die Attraktivität des Diensts wichtig, betont er. Und dazu gehöre neben einer bestmöglichen Vereinbarkeit mit familiären Belangen und der Verfügbarkeit funktionsfähiger Einheiten aus seiner Sicht auch eine fundierte Ausbildung, die Perspektiven eröffnet.

Auf die Frage, wie sich die neue Ausbildungsanlage von Rheinmetall bewähre, zeigen sich beide Offiziere sehr zufrieden. Das habe den Verband vorangebracht, sowohl in der Effizienz der Ausbildung als auch im Teambuilding. „Wir haben den Besatzungen die Gewissheit zu geben, dass sie den bevorstehenden Herausforderungen gewachsen sind.“

Mussten Änderungen vorgenommen werden, um der aktuellen sicherheitspolitischen Lage zu begegnen? Kommandeur Tippner holt weit aus, ein ganzes Bündel an Maßnahmen sei angestoßen. „Wir haben unsere Geschwaderstruktur überarbeitet und evaluieren derzeit eine neue Besatzungsstruktur, die auf kurzfristige Regenerierbarkeit und langfristigen Erfahrungsaufbau ausgerichtet ist. Auch die Ausbildung unter Kriegsbedingungen betrachten wir intensiv.“ Ihm komme es jedoch besonders auf die Zusammenarbeit im Verband an: „Nur gemeinsam sind wir stark.“

Auf dem Hubschrauberdeck kann ein NH 90 landen, der Hangar ist jedoch nur für Aufklärungsdrohnen ausgelegt, Foto: Michael Nitz

Auf dem Hubschrauberdeck kann ein NH 90 landen, der Hangar ist jedoch nur für Aufklärungsdrohnen ausgelegt, Foto: Michael Nitz

Apropos gemeinsam: Wie steht es denn um den Nachwuchs? Tippner erwähnt, wie wichtig der Arbeitgeber Marine auch in der Region sei, und dass er auch mit Blick auf den neuen Wehrdienst zuversichtlich in die Zukunft schaue. Natürlich sei auch die Marine vom Fachkräftemangel betroffen und müsse daher als guter Arbeitgeber wahrgenommen werden.

Welche Rolle fällt den Kommandanten dabei heutzutage zu? Tippner zitiert aus der Vorschrift: „Der Kommandant trägt für Führung und Einsatzbereitschaft der Einheit, den Ausbildungsstand, die Disziplin und Pflichterfüllung der Untergebenen, das Wohl der Besatzung und für Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit seiner Befehle die Verantwortung.“ Der Kommandeur ist überzeugt, dass es keine andere Verwendung gibt, die eine vergleichbar vollumfängliche Verantwortung beinhaltet. „Es bedarf charakterlicher und geistiger Kraft sowie auf zielgerichteter Ausbildung und tiefgreifender Erfahrung beruhendem Können!“ Das brauche Zeit, die Erlangung der Kommandanten­eignung benötige im Schnitt sechs Jahre.

Zum Schluss die brennende Frage, wie es denn um den Zulauf der neuen Korvetten des zweiten Loses bestellt ist. Tippner reagiert abgeklärt, man tue seinen Job in der guten Zusammenarbeit mit der Werft. Die Vorbereitung der Besatzungen habe hohe Priorität, und es sei Licht am Ende des Tunnels zu erkennen: „Die EMDEN fährt bereits unter Bundesdienstflagge, und wir erwarten im kommenden Jahr alle fünf Einheiten des zweiten Loses in See.“ Man darf gespannt sein. Als Kommandeur wird Tippner diesen Meilenstein nicht mehr erleben dürfen, er übergibt sein Kommando am 24. September an Fregattenkapitän Stephan Lukaszyk.

Holger Schlüter

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