Der britische Verteidigungsminister hat Pläne für die offizielle Außerdienststellung von fünf Schiffen der Royal Navy bekannt gegeben. Alle Schiffe waren schon länger zur Außerdienststellung vorgesehen, aber die jetzige Entscheidung stößt auf Kritik.

HMS „Albion“ in besseren Zeiten. Foto: Royal Navy
Die Ausmusterung der zwei amphibischen Landungsschiffe HMS „Albion“ und HMS „Bulwark“ (176 Meter, 18.500 Tonnen) bedeutet das Ende der traditionellen amphibischen Angriffskapazitäten der Royal Navy. HMS „Bulwark“ befindet sich im Reservestatus ohne Besatzung und seit 2019 in einer geplanten Instandsetzung. Die „Albion“ wurde letztes Jahr in den Reservestatus versetzt. Beide Schiffe sind inzwischen rund 20 Jahre alt. Es wird gemunkelt, dass die Royal Navy Schwierigkeiten hat, genügend Besatzung zu rekrutieren, um beide Schiffe in Dienst zu halten.
HMS „Northumberland“ in See. Foto: UK MoD
Zu den betroffenen Schiffen gehört auch die Fregatte HMS „Northumberland“ (4.900 Tonnen, In Dienst seit 1994). Während einer Dockbesichtigung zu Beginn dieses Jahres wurden gravierende strukturelle Schäden entdeckt, die eine Reparatur unwirtschaftlich machen. Das britische Verteidigungsmagazin Navy Lookout wies darauf hin, dass die Northumberland und ihre derzeit noch acht von ursprünglich sechzehn verbleibenden Typ-23-Schwesterschiffe aus dünnerem Blech gebaut und für eine Lebensdauer von nur 18 Jahren ausgelegt waren - eine Zeitspanne, die längst überschritten ist.

RFA „Wave Ruler“ (A390) 2019 in Liverpool. Foto: Niels Johannes/Wikimedia Commons
Ebenfalls zur Außerdienststellung vorgesehen sind die beiden Flottentanker der Royal Fleet Auxiliary (RFA) „Wave Ruler“ und „Wave Knight“, beide seit 2003 in Dienst. Sie liegen seit Jahren auf Grund eines chronischen zivilen Besatzungsmangels bei der RFA an der Pier. Grund sind die seit langem stagnierenden, nicht wettbewerbsfähigen Löhne, die seit 2010 real um etwa 30 Prozent gesunken seien. Die zivilen Seeleute sind gewerkschaftlich organisiert und kämpfen für eine angemessene Entlohnung, u. a. auch mit Streiks.
Zusätzlich sollen die britischen Streitkräfte 14 schwere Transporthubschrauber vom Typ Chinook und 17 Puma-Hubschrauber außer Dienst stellen.
Insgesamt könnten durch diese Änderungen innerhalb von fünf Jahren schätzungsweise 600 Millionen Euro eingespart werden. Geld, das dringend in der Flotte gebraucht werde. Vor der Wahl sei bekannt gewesen, dass es ernsthafte Probleme im Verteidigungsbereich gäbe, denn unsere Streitkräfte seien in den letzten 14 Jahren „ausgehöhlt und unterfinanziert“ worden, so der britische Verteidigungsminister.
Wenn man das so liest, werden zwei Dinge wieder deutlich. Erstens wurde auch in Deutschland mindestens seit der Wiedervereinigung auf Verschleiß gefahren (Friedensdividende) und Personal massiv abgebaut. Zweitens dauert es sehr lange und kostet Geduld und viel Geld, abgebaute Strukturen erneut aufzubauen.
Sicherheitsvorsorge kostet, nicht nur Geld Personal und Material. Vonnöten ist insbesondere auch eine entsprechende Haltung der Gesellschaft. Den Kopf in den Sand stecken ist deshalb keine Lösung. Denn der wohl beliebteste Slogan der Friedensbewegung „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ wurde einmal mehr durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine widerlegt.
kdk, Maritime Executive












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