The striking Sea King has been flying for the German Navy since 1974. Over the past five decades, the helicopter has proven its flexibility and reliability - especially when rescuing people at sea.
Orkanartiger Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Kilometern in der Stunde fegte vom Atlantik herein durch den englischen Kanal und türmte bis zu 20 Meter hohe Wellen auf. An der felsigen Südküste von Cornwall brach sich mit ohrenbetäubendem Donnern und Brausen eine haushohe Brandung. Die Wege und Straßen im Südwesten der Insel waren weitgehend menschenleer. Auf allen Flugplätzen Südenglands war der Flugbetrieb eingestellt worden. Selbst die SAR-Hubschrauber der Royal Navy in Culdrose standen in den Hangars. Bei dieser Wetterlage,[ds_preview] wie sie England seit Jahren nicht mehr erlebt hatte, geriet das dänische Motorschiff MERC ENTERPRISE etwa 20 Meilen südlich von Plymouth in Seenot und funkte SOS. Damit begann eine Rettungsaktion, die an Dramatik nichts zu wünschen übrig ließ.“
So beschreibt Kapitänleutnant a.D. Hermann Neuber in seinem Buch „Mayday, Mayday“ die Ausgangslage, als zum ersten Mal in der Geschichte ein deutscher Sea King Mk 41 zu einem Einsatz abhob. Und das von englischem Boden, wo die Luftfahrzeuge gebaut wurden. In der Ausbildung befindliche deutsche Besatzungsangehörige bildeten gemeinsam mit britischen Kameraden die Crew. Auch ein zweiter deutscher Sea King mit gemischter Besatzung wird neben anderen Hubschraubern und Schiffen an der Rettungsaktion am 16. Januar 1974 beteiligt sein. Am Ende wurden elf der 19 Seeleute des gekenterten Frachters gerettet. Die „Germany 5“, so der Rufname des ersten deutschen Sea Kings, erhielt jedoch direkt einen Folgeauftrag und konnte im Anschluss daran nur knapp bis über die rettende Steilküste manövriert werden. Starke Salzablagerungen in den Triebwerken aufgrund der enormen Gischt hatten erhebliche Leistungsausfälle zur Folge. Bei der daraus folgenden Notlandung stürzte die Maschine durch eine Überlandleitung und kam schwer beschädigt in einem Acker zum Stehen. Die Crew blieb unverletzt.
Zwei Monate nach dieser spektakulären Feuertaufe wurden am 28. März 1974 die ersten vier der insgesamt 22 bestellten Mk 41 mit einem Festakt beim Marinefliegergeschwader 5 in Kiel begrüßt. Die Leistungsfähigkeit des neuen Seenothubschraubers ermöglichte es, die bisher als SAR-Einsatzmittel dienenden Amphibienflugzeuge, Flugsicherungsboote und H-34-Hubschrauber zu ersetzen. Damit begann die 50 Jahre währende Erfolgsgeschichte des Sea King in der Deutschen Marine.
Häufig nachts und bei herausfordernden Wetterbedingungen wurden 14 000 Rettungseinsätze geflogen. Bis zu seiner Außerdienststellung absolvierte der Sea King insgesamt 170 000 Flugstunden und brachte jedes Besatzungsmitglied wieder sicher nach Hause. Unzählige Menschen verbinden aufgrund des langjährigen, facettenreichen und oft dramatischen Einsatzauftrags emotionale Erinnerungen mit diesem Luftfahrzeug.
Die Szenarien erstreckten sich von Kranken- und Intensivtransporten über die Unterstützung bei Notlagen von Wassersportlern bis hin zur Rettung und zum Transport verletzter Besatzungsangehöriger und Schiffspassagiere. Personen wurden von Offshore-Plattformen gerettet und Luftfahrzeuge in Not sicher zum nächstgelegenen Flugplatz begleitet.
Und auch bei Großschadenslagen, wie jener der LISCO GLORIA im Oktober 2010, kam der Sea King zum Einsatz. Auf dem Weg von Kiel nach Litauen wurde die Fähre durch eine Explosion in Brand gesetzt. In einer gemeinsamen Rettungsaktion von Schiffen und Hubschraubern gelang es, alle 236 Menschen zu evakuieren. Unter anderem konnte ein von Flammen in seiner Kabine eingeschlossener 14-jähriger Junge durch ein eingeschlagenes Bullauge auf den SAR-Hubschrauber gewincht werden.

SAR-Demonstration in der Kieler Förde, Foto: Bw/Helwin Scharn
Lebensretter
Bei Suchen nach vermissten Flugzeugen, nächtlichen Schwimmern, Wattwanderern oder Über-Bord-Gegangenen war die lange Ausdauer in Sachen Flugzeit besonders hilfreich. So konnten beim Untergang der Segelyacht SILJA im August 2021 zwei Personen Anfang 20 nach mehrstündiger Suche gerettet werden. Sie trieben stark unterkühlt in der Nordsee.
Aber auch bei Schneekatastrophen wie 1978/1979 in Holstein oder 2010 auf Rügen, dem Oderhochwasser 1997 oder dem Elbehochwasser 2002 sowie bei der Tsunami-Katastrophe in Südostasien 2004/2005 stellte der Mk 41 für die Marine eine verlässliche Säule des Rettungsdiensts und der humanitären Hilfe dar.
Die Rettung von Menschen war zwar durchweg der Kernauftrag dieses Luftfahrzeugs und seiner Besatzungen, über die Jahre kamen allerdings noch weitere Aufgaben hinzu und machten den Sea King letztlich zum Bundeswehrhubschrauber mit dem umfassendsten Fähigkeitsspektrum.
So wurden ab dem Jahr 1987 sukzessiv Kampfwertsteigerungen durchgeführt und technische Neuerungen eingeführt. Die Möglichkeit zum Anbau eines Maschinengewehrs und einer Täuschkörperwurfanlage, die neue Radarwarnanlage und die für einige Jahre geschaffene Fähigkeit zum Abschuss von Seezielflugkörpern des Typs Sea Skua stärkten die militärischen Fähigkeiten.
Von 360-Grad Radar, Triebwerks-Sandfilter (der auch das Ansaugen von Meersalz verhinderte), digitalem Anzeigegerät für Luftfahrtkarten, GPS, Automatic Identification System, weiteren Funkgeräten, Wärmebildkamera oder Nachtsichtbrillen profitierte auch der SAR-Betrieb erheblich.
Mit dem Ende des kalten Krieges und dem Wandel der Bundeswehr zu einer international agierenden Einsatzarmee beteiligte sich die Marine dann mit dem Minenabwehrverband Südflanke an Operationen im Rahmen des Golfkriegs von 1991. Es wurden drei Mk 41 nach Bahrain verschifft, um von dort die seegehenden Einheiten bei der Räumung irakischer Minenfelder zu unterstützen.
Nach den Angriffen auf die USA am 11. September 2001 löste die NATO erstmalig den Bündnisfall aus. Deutsche Sea Kings waren hierdurch bis 2005 mehrfach an der Operation Enduring Freedom am Horn von Afrika beteiligt. Zeitweise auf dem Flughafen Dschibuti stationiert, aber mit der Indienststellung der Einsatzgruppenversorger ab 2001 auch in ihrer damals neuen Funktion als Bordhubschrauber. Erfahrungen mit Einschiffungen konnten in den Jahren zuvor bereits auf Einheiten anderer Nationen gemacht werden.
Es folgten weitere Teilnahmen an internationalen Einsätzen: 2006/2007 bei UNIFIL, 2010 bei der Operation Active Endeavour, 2012 und 2014 bei Atalanta. Dabei kamen oft auch die Fähigkeiten des Mk 41 bei der taktischen Fliegerei zum Tragen. Die Möglichkeiten zur Verbringung von Boardingteams, Spezialkräften und Material per Fast-Rope-Verfahren, Fallschirm oder als Flachwasserspringer sowie der Einsatz in SAR-Missionen unter Feinddruck oder in militärischen Evakuierungsoperationen sind weitreichend.
Letztere standen 2011 bei der Operation Pegasus kurz vor ihrer Einsatzprüfung. Ein deutscher Marineverband mit zwei Sea Kings wurde für Evakuierungen aus Libyen vorbereitet. Der Verband verbrachte letztlich 412 nach Tunesien geflüchtete ägyptische Staatsangehörige in ihr Heimatland.
Im Zuge der beginnenden Neuausrichtung der Bundeswehr musste das Marinefliegergeschwader 5 seinen langjährigen Heimatstandort in Kiel-Holtenau aufgeben. Im Jahr 2012 erfolgte der Umzug von der Ost- an die Nordsee. Die bereits auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz bei Cuxhaven beheimateten Bordhubschrauber Sea Lynx Mk 88A wurden nun auch dem MFG 5 unterstellt.
Um Personalkapazitäten der 1. Fliegenden Staffel des MFG 5 für die schrittweise Einführung des Nachfolgehubschraubers NH 90 Sea Lion ab 2019 frei werden zu lassen, wurde der Betrieb des Sea Kings gegen Ende seiner Dienstzeit wieder vornehmlich vom SAR-Auftrag geprägt. Dennoch konnten kürzere Einschiffungen auf deutschen und niederländischen Einheiten für Übungsvorhaben in Ost- und Nordsee und sogar bis hinauf zum Polarkreis durchgeführt werden. Außerdem wurde die Aus- und Weiterbildung von Besatzungen wieder verstärkt nach England verlegt, wo vor 50 Jahren die Geschichte des Mk 41 so turbulent begann.
Mit der Außerdienststellung dieses ruhmreichen Luftfahrzeugs geht zwar ein bedeutendes Kapitel der deutschen Marinefliegerei zu Ende, durch die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte mit sechs der deutschen Sea Kings nicht jedoch die ehrenvolle Geschichte dieses technischen Wunderwerks im Einsatz für Humanität, Frieden und Freiheit.
Kapitänleutnant Rolle und Kapitänleutnant waren Sea-King-Piloten und fliegen nun den NH 90.
Nicolai Knecht und Johannes Rolle












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