Elegant interior in wood and leather, photo: hsc

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A small shipyard near Schwerin builds boats to high standards. It was already successful in GDR times.

Most readers of marineforum sail or have sailed on grey, blue or white ships, whether civilian, naval or government. Or they help build them. For many, this is not enough - they have their own boat. Happiness is a private ship was a code among insiders, wasn't it?

Das Angebot ist riesig, der Markt boomt – so bewies es Anfang des Jahres die Düsseldorfer Messe boot mit faszinierenden Träumen in 17 Hallen. In einer dieser Hallen fiel ein sehr eigenständiges, fast schon konservatives Design auf. Aus nächster Nähe betrachtet dann ungläubiges Staunen: Hier ist nichts von der Stange, alles Handarbeit. Wer auch nur ein klein wenig Sinn für Manufakturen hat, wer Detailverliebtheit mag, der muss einfach hinschauen. Also auf nach Plate, südöstlich von Schwerin.[ds_preview] Hier am Störkanal baut ein kleines Team von Spezialisten Sportboote mit einem Rumpf aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) nach DDR-Vorbild.

Bootsbau Schubert istmehr Manufaktur als Werft, Foto: hsc

Bootsbau Schubert ist mehr Manufaktur als Werft, Foto: hsc

Doch von vorn: Die schwer nachzuvollziehende Geschichte der kleinen Werft begann vor über 75 Jahren. Gegründet unter dem Namen Wiking baute man Freizeit- und Fischerboote. Das alte Schiffbauhandwerk wurde schließlich 1972 zu einem Volkseigenen Betrieb. Was man zu DDR-Zeiten baute, darüber kann der Bootsbaumeister und Ingenieur-Ökonom Jürgen Schubert trefflich berichten. 18 Jahre leitete er den staatlichen Bootsbaubetrieb Wiking in Schwerin, bis er am 1. April 1990 auf dem jetzigen Werftgelände in Plate den Handwerksbetrieb Bootsbau Schubert mit fünf Mitarbeitern gründete. Damals kosteten die noch in Mahagoni gefertigten Boote 10 000 DDR-Mark. Verkauft wurden sie überwiegend nach Berlin. Nicht alle, denn in der Planwirtschaft wurden auch Boote schwarz gefertigt. Man soll sie um den Schweriner See noch finden. Und die alten DDR-Kunden waren es auch, die ab 1995 die inzwischen aus GFK gefertigten Boote vom Typ VARIANT nachfragten. 1997 entstanden dann Weiterentwicklungen. Nachdem Schubert 2003 seinen Handwerksbetrieb in eine GmbH umfirmierte, ging es mit Neukonstruktionen weiter. Das traditionelle Design blieb, wie auch die Kundschaft eine treue Gemeinde ist. Als Jürgen Schubert 2015 in den Ruhestand geht, übernimmt Martin Krebs, ebenfalls Boots- und Schiffbauermeister, den Betrieb, in dem er seit 2002 arbeitet und vorher auch Gesellschafter war, vollständig.

Geschäftsführer Martin Krebs (l.) mitmarineforum-Chefredakteur Holger Schlüter Edle Innenausstattung in Holz, Foto: hsc

Geschäftsführer Martin Krebs (l.) mit
marineforum-Chefredakteur Holger Schlüter Edle Innenausstattung in Holz, Foto: hsc

Der alte Firmengründer wohnt gegenüber und kommt für Fragen gern herüber. Nicht für ein Interview, auch nicht für Fotos, und schon gar nicht für Schiffbau als politisches Thema. Wie ein Geschäftsführer im Ruhestand wirkt er auch nicht, der kraftvoll und zupackend auftretende alte Herr könnte gleich wieder an die Werkbank. So tritt er auf und so redet er auch: Er weiß unglaublich viel über den Markt, über Boote, die Geschichte und wie man mit Kunden umgeht. Die Frage, was einer Bootswerft das Leben erschwert, versteht er nicht. „Gar nix“, sagt er und verweist darauf, dass man pragmatisch sein muss. Auch die Frage nach der Zukunft, nach alternativen Antrieben und Nachhaltigkeit, kontert er gelassen. Er hat die Zielgruppe 55+ im Blick, kennt die Spielräume und die Bedeutung von Tourismus und Freizeit. Beim Abschied gibt es einen guten Rat: Wir sollen das marineforum umbenennen, schließlich berichten wir über mehr als Marine. Danke.

Der Rundgang mit dem quirligen Geschäftsführer Martin Krebs entwickelt sich schnell zu einer Fachsimpelei. Fragen muss man wenig stellen, er kennt nicht nur seine Boote, seine Kunden und sein Fachgebiet. Er kennt offenbar auch jedes einzelne Werkzeug hier und jede Schublade. Er hat auch ein klares Konzept für Marketing, Verkauf und Service, das nicht viele Worte braucht. Zuverlässigkeit und Qualität. Und das ohne Abstriche. Mehr braucht man nicht. Fertig. Seine zehn Mitarbeiter sind allesamt Spezialisten, jedes Fachgebiet ist mindestens zweimal abgebildet, Auszubildende gehören dazu. Und alle kommen von hier, wie auch Martin Krebs, der die Straße runter wohnt und hier groß wurde.

Zu den Booten: Mittelpunkt ist die VARIANT-Baureihe 505 bis 707, die klassisch oder mit Hardtop lieferbar ist. Gebaut wird nur auf Bestellung und alles nach Kundenwunsch, jedes dieser Kleinode ist einzigartig. Sogar die Reling wird nicht angeliefert, denn der Kunde soll über die Höhe entscheiden. Die Boote sind erstaunliche Raumwunder und verbergen sehr geschickt die Moderne. Auf dem Hardtop glänzt eine Fotovoltaik-Folie, die Beleuchtung besteht aus LEDs, die Anlage wird mit 12 bis 48 Volt betrieben. Das alles widerspricht nicht dem makellos verarbeiteten Holz und den winzigen Details in der Verarbeitung, die so aufwändig und fein sind, dass Qualität an Verrücktheit stößt. Zu sehen auch in einem ansprechenden Webaufritt und in Prospekten als Special einer namhaften Freizeitboot-Zeitschrift. Und was kostet so ein Boot? Bei rund 84 000 Euro geht es los. Mit optionalem Innenborder und einer Auswahl aus einer sehr langen Aufpreisliste ließe sich der Preis mühelos verdoppeln. Die Kundschaft ist eine Fangemeinde, sogar ein Buch hat einer geschrieben: Der Friseur Jürg Oschwald, der die Schere hinwarf und mit einem Boot durch das Mittelmeer kreuzte – mit einer Schubert VARIANT. Die wenigen Zulieferer für Motoren und nautische Ausrüstung müssen dem Qualitätsanspruch Bootsbau Schubert entsprechen, sonst kommt ihm das nicht „auf den Hof“.

Mit der Variant 606lebt die Legende, Foto: hsc

Mit der Variant 606 lebt die Legende, Foto: hsc

Überhaupt: Was ist das für ein Hof? Neben den kleinen, vollgepferchten Hallen existiert ein Freigelände, auf dem Boote für die weitere Arbeit vorgelagert werden. Am Ende ein kleiner Hafen, der noch von Jürgen Schubert selbst gegraben wurde und dessen Genehmigungsverfahren einen eigenen Artikel hergäbe. Die Rampe und die umherstehenden Trailer benötigen kraftvolle amerikanische Fahrzeuge mit V8-Motoren, auch die werden hier pragmatisch bewegt. Das vermeintliche Chaos hat auf den zweiten Blick Methode: Nicht die Werkstatt soll den Kunden beeindrucken, sondern das Produkt. Ganz nebenbei erwähnt Krebs seine weiteren Standbeine: Seit 2018 entstanden Winterlagerhallen für Kundenboote, Wohnwagen, Oldtimer und Motorräder. Dass hier auch Außenborder gewartet werden, versteht sich von selbst. Hut ab. Nicht ganz unser Genre, aber allemal faszinierend.

hsc

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