Vice Admiral Jan C. Kaack, Photo: Bw

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Navy protects global sea routes

For the 45th time, the Naval Command's annual report details Germany's maritime dependency.

Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, schreibt in seinem Vorwort zum Jahresbericht 2022 „Fakten und Zahlen zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland“ mit Blick auf den Ukrainekrieg: „Um die Freiheit und Sicherheit der globalen Seewege zu gewährleisten, ist unsere Marine Tag und Nacht weltweit im Einsatz. Gleichzeitig sind wir aber auch bereit, unser Land und unsere Verbündeten gegen alle Aggressoren zu verteidigen.“ Dieser 45. Jahresbericht wird erstmals auch von Marineexperten, Wissenschaftlern und Wirtschafts-fachleuten gestaltet. Sachkundig zeigen sie die globalen maritimen Zusammenhänge und Abhängigkeiten auf. Damit tragen sie zum Verständnis der Lage unseres Landes bei, das nicht umhinkommt, seine maritimen Interessen im globalen Umfeld zu schützen. [ds_preview]

Der Jahresbericht umreißt die Entwicklungen der Weltwirtschaft, des Welthandels, der Welthandelsflotte und des Weltschiffbaus. So war China 2021 Exportweltmeister mit Ausfuhren von 3,36 Billionen Dollar, gefolgt von den USA mit 1,75 Billionen und Deutschland mit 1,63 Billionen. Die Welthandelsflotte umfasst derzeit 58 228 Schiffe. Dabei ist Deutschland die sechsgrößte Schifffahrtsnation und verfügt nach China über die zweitgrößte Containerflotte. Ende 2021 waren in deutschen Schiffsregistern insgesamt 1917 Schiffe mit 46,1 Millionen BRZ registriert. Zivile Seeschiffe im Wert von 110 Milliarden Dollar wurden 2021 weltweit in Auftrag gegeben. Davon gingen über 85 Prozent an China und Südkorea, die ihre maritimen Industrien massiv subventionieren. Dagegen fiel 2021 mit 54 Schiffen im Wert von 15 Milliarden Euro der Auftragsbestand des deutschen zivilen Seeschiffbaus auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Rund ein Drittel vom Umsatz im Schiffbau wird im mehrjährigen Durchschnitt durch den Marineschiffbau erwirtschaftet. Dadurch werden hochqualifizierte Arbeitsplätze sowie wertvolles Know-how auch für zivile maritime Projekte gesichert.

Die maritimen Flüchtlingsbewegungen haben weltweit zugenommen. Das zentrale Mittelmeer war auch 2021 mit 67 724 entdeckten Migranten die meistgenutzte Route nach Europa. Dies ist eine Steigerung um 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr und macht 23 Prozent aller gemeldeten illegalen Übertritte an den Außengrenzen aus. Auf der Kanalroute wurden 2021 auf beiden Seiten des Ärmelkanals über 52 000 illegale Grenzübertritte mit kleinen Booten registriert – ein Anstieg von 241 Prozent gegenüber 2020.

Im Jahr 2021 verzeichnete das Piracy Reporting Centre des International Maritime Bureau weltweit 132 Piraterievorfälle. Im Vergleich zu 2020 mit 195 Vorfällen sind die Fallzahlen damit um 32 Prozent gesunken. Dies beruht insbesondere auf einem deutlichen Rückgang der Vorfälle im Golf von Guinea vor Westafrika und vor den Küsten Indonesiens. Das Bundestagsmandat für die Anti-Piraterie-Operation Atalanta am Horn von Afrika ist am 30. April 2022 abgelaufen und wird nicht mehr verlängert. Damit endete der dortige Einsatz für unsere Marine nach mehr als 13 Jahren.
Auch dieser Jahresbericht erläutert die Aufgabenvielfalt der nationalen Sicherheitsstrukturen für die maritime Sicherheit und ihre internationale Vernetzung. Dazu gehören die Bundespolizei See mit dem Piraterie-Präventionszentrum, das Maritime Sicherheitszentrum in Cuxhaven, der See-Zoll, die Bundesanstalt für Wirtschaft und Ernährung, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die Wasserschutzpolizeien der fünf Küstenländer, das Havariekommando, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger.

Unsere Marine verfügte Ende 2021 über 48 Schiffe und Boote sowie über 56 Flugzeuge und Hubschrauber. Ihr Personalumfang betrug 16 107 Soldaten im Januar 2022. Der Gesamtumfang von Marineuniformträgern in der Bundeswehr betrug 24 204 Soldaten, davon waren 3525 Frauen (14,5 %). Neben 5642 Offizieren (23,3 %) und 1196 Offizieranwärtern (4,9 %) gab es 12 665 Unteroffiziere (52,3 %) und 4701 Mannschaftsdienstgrade (19,4 %). Hinzu kamen 287 Wehrübende und 1816 Zivilbedienstete. Dabei dienten 8097 Marinesoldaten außerhalb der Marine in anderen Organisationsbereichen der Bundeswehr.

Dieter Stockfisch

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