The Class 404 tenders were designed for use in the Baltic Sea and were operated almost worldwide. Due to the constantly increasing requirements, it is time to develop a successor.
Nicht erst seit den aktuellen Konflikten und den damit einhergehenden dramatischen Veränderungen steht die Nutzungsleitung im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) täglich vor der Herausforderung, sich verändernde Anforderungen sowohl hinsichtlich militärischer wie auch technischer und betrieblicher Aspekte zu erfüllen. Und dies im laufenden Betrieb sowie mit dem Anspruch, eine optimale Verfügbarkeit der Einheiten zu gewährleisten. Am Beispiel der Tender Klasse 404 werden diese Herausforderungen beleuchtet und aufgezeigt,[ds_preview] wie ein zukunftsorientiertes Schiffskonzept sich auch über 30 Jahre bewähren kann – und wo Grenzen erreicht werden.
Ende Oktober 1990 beginnt die Geschichte der Klasse 404 mit der Billigung der Haushaltsmittel für den Bau der sechs Einheiten ELBE, MOSEL, RHEIN, WERRA, MAIN und DONAU. Ursprünglich ausgelegt für Einsätze im Ostseeraum, standen zunächst die Aufgaben Versorgung und Unterstützung von Bootseinheiten im Vordergrund. Die Tender waren quasi die schwimmende Tankstelle zur Versorgung maritimer Kräfte in See mit Kraftstoff, Frischwasser, Proviant, Ersatzteilen und Munition, und die schwimmende Werkstatt für Wartungs- und Reparaturarbeiten der zu unterstützenden Boote. Im Laufe der Zeit wurde ein Tender, die MAIN, zu einer U-Boot-Unterstützungseinheit umgebaut, um den zu diesem Zweck nötigen besonderen Anforderungen gerecht zu werden.
Auf einer Länge von nur 100 Metern betreibt eine Mannschaft von 68 Marinesoldaten ein rund 3300 Tonnen schweres Schiff, welches 700 Kubikmeter Schiffskraftstoff, 240 Kubikmeter Frischwasser, 160 Tonnen Munition und 27 Tonnen Proviant zur Versorgung von Booten mit sich führt.
Mit einer Geschwindigkeit von 15 Knoten und ausgerüstet mit zwei Marineleichtgeschützen des Kalibers 27 Millimeter sowie vier schweren Maschinenkanonen 12,7 Millimeter und zwei Flugabwehrständen für Stinger operieren die Tender bis zu 30 Tage völlig autark. Auf dem hinteren Deck der Tender können Hubschrauber bis zur Größe eines NH 90 Sea Lion landen und starten, um Last- und Personentransporte sowie Rettungsflüge durchzuführen. Und für Außenmissionen verfügt der Tender über ein Bereitschaftsboot, das mit einer Länge von 7,5 Metern flexibel den Transport von bis zu zwölf Personen oder 1,3 Tonnen Material mit 36 Knoten ermöglicht.
Die besondere Flexibilität der Tender ergibt sich aus der Fähigkeit, bis zu 25 Standardcontainer im 20-Fuß-Format aufzunehmen, wenn nötig auch mit dem eigenen Bordkran. Das ermöglicht, unterschiedlichste Ladungen und Ausrüstungen schnell aufzunehmen und damit verschiedene Missionsprofile abzudecken.
Unter anderem kann für Instandsetzungsarbeiten von Booten im Einsatz ein rund 30-köpfiges Team von Spezialisten der Systemunterstützungsgruppe eingeschifft werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, einen Geschwaderstab mit bis zu zwölf Personen aufzunehmen, sodass der Tender auch als Führungsplattform fungieren kann.

Tender während Seeversorgung. Foto: Bw
Bewährtes Konzept
Die konzeptionelle Auslegung der Klasse 404 mit der Fähigkeit, flexibel verschiedenste Ausrüstung mittels Container und unterschiedliche Einschiffungsteams aufzunehmen, ermöglicht die missionsspezifische Durchführung vielfältiger Einsätze. Und dies alles bei einer ausgesprochen kompakten Bauweise mit den Vorteilen, dass nur wenig Betriebspersonal benötigt wird und Operationen in engen Gewässern ermöglicht werden. Diese Leistungs- und Anpassungsfähigkeit hat sich über drei Jahrzehnte mit stetigen Veränderungen der Anforderungen immer wieder bewährt. Die vielfältigen, weltweiten Einsätze der Tender unterstreichen dies deutlich. Operation Enduring Freedom, Unifil oder Standing NATO Mine Countermeasures Group 2 sind nur einige Beispiele, bei denen die Deutsche Marine auf die Tender Klasse 404 vertrauen konnte.
Dabei stiegen die Anforderungen an die Tender kontinuierlich. Ganz offensichtlich ist beispielsweise die Erweiterung des Aktionsradius, der heute als nahezu weltweit anzusehen ist.
Damit, sowie durch die rasanten technologischen Entwicklungen in der Kommunikationstechnik und der Datenübertragung, haben sich die Anforderungen insbesondere an die Führungsfähigkeit dramatisch erhöht. Aber auch die Betriebsanforderungen wandeln sich, Stichworte sind hier die Einführung von SASPF-basierter Logistik in der Bundeswehr und in der Marine, Informationssicherheit, aber auch Anforderungen an Umwelt- und Arbeitsschutz. Und letztendlich müssen sogar die gesellschaftlichen Veränderungen berücksichtigt werden. Um diesen Umständen Rechnung zu tragen, sollen den Soldaten umfangreiche Kommunikationsverbindungen, beispielsweise ein Internetanschluss, in Form von Betreuungsnetzen zur Verfügung stehen.
Neue militärische Anforderungen, technische Obsoleszenzen und Änderungen der Vorschriftenlage, all dies sind Herausforderungen, denen sich die Nutzungsleitung im BAAINBw ständig stellen muss. Insbesondere bei älteren Bestandseinheiten kann dies sehr umfangreich und komplex ausfallen. Die Vielzahl notwendiger Maßnahmen beim Tender Klasse 404 verdeutlicht dies anschaulich. Folgende Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder befinden sich in der Vorbereitung:
Führung und Kommunikation:
- Einführung Identification Friend or Foe (IFF) Mode 5
- Erhöhung der Datenübertragungskapazitäten
- Regeneration der internen Kommunikationsmittel
- Aufbau einer Betreuungskommunikation
- Einbau eines zivilen Lagebilds
Schiffsbetrieb und Schiffstechnik
- Stabiltätsverbessernde Maßnahmen
- Regeneration Schiffsautomation
- Hygieneverbesserungen und Erweiterung Frischwassererzeugung
- Regeneration Bordkräne
- Ausbau elektrische Bordnetze
- Regeneration Müllkühlzellen
Navigation
- Regeneration Radarnavigationssystem inkl. elektronischer Seekarten (ECDIS) und automatischer Identifikation (AIS)
- Regeneration Kreiselkompasssystem und Autopilot
Eigenschutz
- Einbau mobiler Fliegerfauststände Stinger
- Regeneration von Warngeräten für chemische Kampfstoffe
Klima/Lüftung
- Regeneration Kältemittel und Klimaanlage
- Regeneration Heizungssystem
Arbeitssicherheit
- Neue Anschlagpunkte Personenschutzausstattung
- Sanierung künstliche Mineralfasern
- Integration eines neuen Bereitschaftsboots

Zukünftig muss die Mittlere Unterstützungseinheit umfangreichen militärischen Anforderungen genügen, Grafik: BAAINBw
Die Regeneration von technischen Systemen muss geplant, beauftragt und durchgeführt werden. Zudem ist eine Koordination mit den regelmäßigen Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten an den Einheiten im Marinearsenal sowie mit den Einsatzerfordernissen der Marine erforderlich. So sind durch die Nutzungsleitung pro Einheit etwa alle drei Jahre umfassende Maßnahmen zu managen. Dies ist bei über drei Jahrzehnte alten Einheiten nicht selten mit gewissen Herausforderungen verbunden. Einsatzreife und Verfügbarkeit der Einheiten erfordern aber mehr als nur den Blick auf die Technik. Die Nutzungsleitung muss auch logistische Aspekte berücksichtigen, beispielsweise die Gewährleistung einer ausreichenden Versorgung mit Ersatz- und Austauschteilen und die Bereitstellung der Grundlagen für die logistische Bewirtschaftung innerhalb der Bundeswehr. Und auch der Support durch industrielle Kapazitäten ist zu organisieren, angefangen von Instandsetzungsrahmenverträgen bis hin zu technisch-logistischen Betreuungsleistungen.
Ablösung nach 40 Jahren
Um die Tender nach fast 40 Jahren abzulösen, werden aktuell vom BAAINBw mehrere Lösungsvorschläge erarbeitet. Das schiffbauliche Design für drei unterschiedliche Lösungen steht bereits. Nun gilt es, die Kostenaussagen auf ein belastbares Fundament zu stellen und Lösungen für die Bereiche Eigenschutz und Führungsfähigkeit zu konkretisieren. Hierbei arbeiten nicht nur der Projektleiter und der Bedarfsträger Hand in Hand. In Workshops werden von Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft, Experten des BAAINBw und Personal aus dem praktischen Betrieb die zuvor erarbeiteten Lösungsvorschläge aus der jeweiligen fachlichen Perspektive bewertet und Aufträge zur zielführenden Überarbeitung erstellt. In einem Monatsrhythmus werden so kontinuierlich Designschleifen durchlaufen, bei denen ein Lösungsvorschlag von allen Seiten betrachtet und gesamtheitlich verbessert wird. Im Ergebnis konnten innerhalb von eineinhalb Jahren so drei belastbare Schiffsdesigns erarbeitet werden, die die Forderungslage in unterschiedlichen Ausprägungen erfüllen.

Flexibilität bei gleichzeitig kompakter Bauweise erfordert durchdachtes Design, Grafik: BAAINBw
Die grundlegenden Designanforderungen aus dem Kernbereich Versorgung und Unterstützung werden um Missionsanforderungen wie den Einsatz von Spezialkräften und spezialisierten Kräften von der Einheit aus, dem schnellen und gesicherten Transport von militärischen Einheiten wie dem Seebataillon mit Soldaten und Fahrzeugen bis hin zu Patiententransporten größeren Umfangs erweitert. Die Bedeutung der Fähigkeit, unbemannte Systeme in der Luft, auf dem Wasser und unter Wasser von der Einheit weltweit einsetzen zu können, nimmt ebenfalls zu.
Im Ergebnis wird die sogenannte Mittlere Unterstützungseinheit die aktuellen Anforderungen der Deutschen Marine hinsichtlich einer bedarfsgerechten Versorgungs-, Unterstützungs- und Führungseinheit erfüllen - sowohl entlang der heutigen als auch mit Blick auf die künftig zu erwartenden Anforderungen. Dank der multifunktionalen Auslegung mit einem zu verschiedenen Zwecken nutzbaren Missions-Laderaum bieten die Einheiten ein Höchstmaß an Flexibilität bei gleichzeitig kompakter Bauweise, sodass der Betrieb mit einer Stammbesatzung möglich sein wird, deren Umfang dem auf den heutigen Schiffen der Klasse 404 ermöglicht wird.
Logistische Versorgung und Unterstützung bilden die unverzichtbare Grundlage dafür, dass Marine- und Kampfeinheiten ihren Auftrag über einen längeren Zeitraum autark erfüllen können. Die Tender Klasse 404 haben hierzu über 30 Jahre lang nachweislich erfolgreich beigetragen.
Die Auslegung der Tender mit variablen Einschiffungsmöglichkeiten für unterschiedliche Aufträge hat sich bewährt. Umfang und Art der Einschiffungsmöglichkeiten sind aber begrenzt und können die mittlerweile stark erweiterten Anforderungen nicht mehr vollständig erfüllen. Zudem steigen die Kosten für Betrieb und insbesondere Instandhaltung aufgrund des Alters der Schiffe deutlich an. Insgesamt besteht so die Notwendigkeit, eine Ablösung noch in dieser Dekade zu beginnen.
Die neuen Herausforderungen liegen in einer hohen maritimen Präsenz, Schlagkraft sowie Bewertungs- und Führungskompetenz unter Berücksichtigung technologischer Zukunftsorientierung.
Für eine durchhaltefähige Präsenz in den Operationsräumen tragen die Nachfolger der Tender, die Mittleren Unterstützungseinheiten, mit ihrer erweiterten Basisfähigkeit zur logistischen Versorgung und Unterstützung maßgeblich bei.
Kompakte und personaloptimierte Auslegungen ermöglichen die Realisierung einer größeren Anzahl von Mittleren Unterstützungseinheiten, was in Verbindung mit der Auslegung als Plattform für den Einsatz unbemannter Systeme die Forderungen nach Schlagkraft unterstützt.
Führungs- und Kommunikationsmittel, die weit über dem Stand der Technik auf den heutigen Tendern stehen, sichern eine Bewertungs- und Führungskompetenz durch die Mittleren Unterstützungseinheiten.
Um den erweiterten Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig den Aufwand hinsichtlich technischer wie auch personeller Art zu begrenzen, sind Einheiten mit flexibler und schnell anpassungsfähiger Missionsausrichtung erforderlich. Lösungen, wie sie heute mit der Mittleren Unterstützungseinheit erarbeitet werden, sind die logische Weiterentwicklung der Tender Klasse 404 und ermöglichen der Deutschen Marine den Einsatz eines wandlungsfähigen Mittels zur Auftragserfüllung auch in den nächsten Jahrzehnten.
Technischer Regierungsdirektor Gunther Brückner arbeitet im Referat Einsatzgruppenversorger, Tender und Mittlere Unterstützungseinheit des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.
Gunther Brückner












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