Dem bisherigen Projektbetreiber Hong Kong Nicaragua Canal Development Investment (HKND) wurde durch die nicaraguanische Nationalversammlung per Gesetzesänderung die Konzession für den Bau und die Lizenz für den Betrieb entzogen. Das ohnehin stark verzögerte Konkurrenz-Projekt zum Panamakanal ist zwar (noch) nicht endgültig beendet, sondern vorerst in staatlicher Hand.[ds_preview]
Planning
Gründe für die Auflösung des Vertrags wurden nicht genannt, allerdings ist ein Zusammenhang mit finanziellen Problemen des chinesischen Unternehmers durch sinkende Kurse an der chinesischen Börse herstellbar. Ursprünglich hätte der Kanal bereits 2019 fertig gestellt sein sollen. Nun hieß es von Regierungsseite, das Verkehrsministerium werde die Verwaltung der Kanalbehörde übernehmen.
Kanalführung
Die Pläne für das auf über 46 Milliarden Euro veranschlagte Projekt „Gran Canal Interoceanico“ wurden 2012 durch die nicaraguanische Nationalversammlung beschlossen. Im Gegensatz zum 80 km langen Panamakanal, sollte sich der Kanal über 278 Kilometer von der Mündung des Rio Brito am Pazifik bis an die Nähe des Flusses Punta Gorda in der Karibik erstrecken. Den Kanal, der den Nicaragua-See einschließen würde, sollten größere Schiffe als den Panamakanal passieren können, weshalb insbesondere China großes Interesse an den Projekt hat.

Die Schleusen müssen 30 Höhenmeter überwinden. Grafik: Tagesschau
Proteste
Das chinesische Unternehmen hatte im Dezember 2014 versichert, dass das Projekt möglichst transparent und mit Rücksicht auf die Menschen vor Ort und die ökologischen Auswirkungen vorangetrieben werde und alle betroffenen Interessengruppen profitieren würden. Nach Baubeginn Ende 2014 folgten jedoch massive Proteste aus der Bevölkerung und durch die Gegner des gigantischen Bauvorhabens, die negative Folgen für die betroffene, u. a. indigene Bevölkerung, die Umwelt und den Naturschutz erwarten. Auch wird befürchtet, dass der eingeschlossene Nicaragua-See, das größte Trinkwasserreservoir Mittelamerikas und Lebensgrundlage tausender Menschen, versalzen wird.

Geplanter Kanal-Verlauf durch Nicaragua. Grafik: HKND
Die Demonstrationen wurden von den Behörden teils mit großer Härte niedergeschlagen. Im Jahr 2019 verhängte ein Richter drakonische Strafen gegen drei Bauern, die an den Protesten beteiligt waren – sie erhielten Haftstrafen von 216, 210 und 159 Jahren. Vorwurf der Anklage: „versuchter Staatsstreich“.
Eine nicaraguanische Anwältin und Umweltaktivistin sieht in dem jetzigen Beschluss der Nationalversammlung nun eine "Niederlage für die Diktatur".
Symbol der Korruption
Die Bauarbeiten waren 2014 symbolisch aufgenommen worden, kamen aber nie richtig voran. Kritiker bezweifelten stets, dass das in Infrastrukturvorhaben unerfahrene Hongkonger Konsortium HKND zu dem Megaprojekt überhaupt in der Lage sein würde. Das Unternehmen sollte den Kanal nicht nur bauen, sondern auch über 50 Jahre betreiben und das Land 10 km rechts und links des Kanals sollte HKND als Sonderwirtschaftszone übergeben werden. Dafür hätten über 30.000 Menschen enteignet und umgesiedelt werden müssen.

Für den Betrieb sind die weltgrößten Schleusen erforderlich. Grafik: HKND
Der Kanal gilt als Prestigeprojekt der zunehmend autoritär agierenden Regierung Ortega. Der Präsident versprach zehntausende Arbeitsplätze und einen Schub für die schwache Wirtschaft Nicaraguas. Neben der Wasserstraße mit den größten jemals gebauten Schleusen, waren eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline, zwei Häfen und ein Flughafen vorgesehen.
Bislang ist von einem wirtschaftlichen Aufschwung in Nicaragua allerdings wenig zu spüren.
kdk
Quelle: heise, tagesschau, spiegel












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