Millions of people are directly dependent on a well-functioning marine ecosystem - and many more indirectly. The global fight against illegal fishing is an important element in preserving this basis of life.
Die sogenannte illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (englisch: illegal, unreported and unregulated fishery, IUUF) stellt ein erhebliches Problem für die regionale genauso wie für die globale maritime Sicherheit dar. Die IUUF hat erhebliche negative wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen und beeinflusst darüber hinaus sogar zwischenstaatliche Beziehungen. Fischbestände, die maritime Umwelt sowie ganze Wirtschaftszweige werden beeinträchtigt. Zur IUUF gehören das Fischen ohne ordnungsgemäße Lizenzen, die Falschmeldung von Fangmengen oder auch Verstöße gegen Bestanderhaltungsmaßnahmen und verbotene Fangmethoden. Der Bevölkerungsanstieg in vielen Ländern – insbesondere des globalen Südens – und die damit steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln, aber auch unzureichende Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten durch die jeweiligen Anrainerstaaten haben zu einer Zunahme von IUU-Fischerei geführt.[ds_preview] So beziffert die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen den jährlich durch IUU-Fischerei erlittenen wirtschaftlichen Schaden weltweit auf bis zu 23 Milliarden Dollar.
IUU-Fischerei hat dabei nicht nur erhebliche negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt der Meere. Da die unreglementierte Überfischung zu einer Erschöpfung der Fischbestände führt, kann sich dies auf die Ernährungssicherheit von Staaten auswirken und schlimmstenfalls zu sicherheitsrelevanten Kaskadeneffekten führen. Ebenfalls kann IUU-Fischerei in vielen Fällen nicht isoliert betrachtet werden, da mittlerweile neben Einzelakteuren ganze Netzwerke organisierter Kriminalität beteiligt sind, welche darüber hinaus auch im Bereich des Menschenhandels, Drogenschmuggels oder auch der Piraterie tätig sind. Rechtlich stellt die von einigen Staaten unterstützte IUU-Fischerei einen Verstoß gegen das geltende Seerecht und internationale Abkommen dar. Sie unterminiert damit auch vereinbarte Fischereimanagementregelungen, wie sie im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik der Europäischen Union oder des UN-Seerechtsabkommens festgelegt wurden.

Durch illegale Fischerei entsteht ein Milliardenschaden, Foto: Deniz Kocak
Global gesehen ist IUU-Fischerei unterschiedlich ausgeprägt und unterliegt dementsprechend verschiedenen Faktoren. Dazu gehören das jeweilige geopolitische Umfeld, die soziopolitischen- und wirtschaftlichen Bedingungen sowie die jeweiligen staatlichen Überwachungs- und Kontrollkapazitäten maritimer Räume. Die drei folgenden Regionen stehen beispielhaft für die unterschiedlichen Auswüchse dieser Problematik: Der Indopazifik, der Golf von Guinea und die Ostsee. Südostasien hat neben dem Schutz der maritimen Biodiversität auch mit der Problematik territorialer Streitigkeiten und grenzüberschreitender organisierter Kriminalität zu kämpfen. Im Golf von Guinea floriert die IUUF aufgrund von Piraterie sowie insgesamt schwachen und teils instabilen Staaten, was die regionalen Sicherheitsprobleme noch verschärft. In der Ostsee bedrohen Auswüchse von IUU-Fischerei vor allem das ohnehin empfindliche ökologische Gleichgewicht und stellen eine erhebliche Herausforderung für das regionale Fischereimanagement dar. Die Eindämmung der IUU-Fischerei erfordert dementsprechend ein differenziertes Verständnis ihrer regionalen Unterschiede, ihrer globalen Auswirkungen sowie entsprechender Handlungsmöglichkeiten.
Systematische Fischerei
Das Südchinesische Meer und die umliegenden Gewässer sind Hotspots für illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei in Südostasien. Die Praktiken von IUU-Fischerei reichen von unerlaubtem Fischfang in den ausschließlichen Wirtschaftszonen bis hin zum Einsatz verbotener Fangmethoden, darunter das Cyanidfischen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind schwerwiegend: Die jährlichen Verluste, die den Staaten des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) entstehen, werden auf sechs Milliarden Dollar geschätzt. Allein Indonesien erleidet durch IUU-Fischerei wirtschaftliche Schäden in Höhe von fast drei Milliarden Dollar. Abgesehen von den erheblichen ökonomischen Verlusten, bedrohen diese Methoden die Ernährungssicherheit und den Lebensunterhalt der stark von der Fischerei abhängigen Küstengemeinden. Zusätzlich wird das Problem durch territoriale Streitigkeiten im Südchinesischen Meer noch verstärkt, insbesondere aufgrund chinesischer Flotten, die rechtswidrig in den Gewässern der Philippinen und Indonesiens fischen. Diese Vorfälle eskalierten mitunter zu Konfrontationen zwischen Fangschiffen und Marineeinheiten und haben so die regionalen Spannungen verschärft.
Als Reaktion auf die Zunahme von IUU-Fischerei wurden in Südostasien unterschiedliche nationale und regionale Maßnahmen zu ihrer Eindämmung eingeführt. Indonesiens konsequente Politik der Beschlagnahmung und symbolträchtigen Zerstörung ausländischer Schiffe, die bei illegaler Fischerei ertappt wurden, erregte zwar mediale Aufmerksamkeit, wurde aber unter anderem aufgrund eines Wechsels im zuständigen Ministerium eingestellt. Hingegen zeugt die Einrichtung von Asean-geführten Initiativen, wie den Asean-Leitlinien zur Verhinderung der Einschleusung von Fisch und Fischereierzeugnissen aus IUU-Fischerei in die Lieferketten, von einer wachsenden politischen Zusammenarbeit auf regionaler Ebene.
Der Golf von Guinea, der sich von Senegal bis Angola erstreckt, ist eine bedeutende Meeresregion, die aufgrund ihrer Biodiversität reich an Fischbeständen ist. Zu den Praktiken der IUU-Fischerei gehören hier der Einsatz von verbotenem Fanggerät sowie insbesondere die Falschmeldung und Überschreitung von Fangmengen. Die westafrikanischen Anrainerstaaten verlieren dadurch Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 9,4 Milliarden Dollar. Dies ist besonders schwerwiegend im Angesicht der starken regionalen Abhängigkeit von Fischerei im Hinblick auf Ernährungssicherheit, Beschäftigung und Exporteinnahmen.
Die Verbreitung der IUU-Fischerei im Golf von Guinea ist eng mit anderen Bedrohungen der maritimen Sicherheit verbunden, insbesondere mit der Piraterie. Hierbei sind kriminelle Netzwerke oft an mehreren sich überschneidenden, illegalen Aktivitäten beteiligt, was die Bekämpfung der IUU-Fischerei als eigenständiges Problem erschwert. Zu den regionalen Kooperationsbemühungen bei der Bekämpfung solcher Aktivitäten gehört der Yaoundé Code of Conduct von 2013, der auf eine bessere Koordinierung der maritimen Sicherheit zwischen den Staaten des Golfs von Guinea abzielt. Darüber hinaus konzentrieren sich Initiativen wie die West Africa Task Force speziell auf die Bekämpfung der IUUF durch Informationsaustausch und gemeinsame Operationen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wird jedoch durch Faktoren wie eine schwache Regierungsführung der Anrainerstaaten, begrenzte maritime Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten sowie die vorherrschende Korruption eingeschränkt. Viele Länder in der Region verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen, um ihre ausgedehnten Ausschließlichen Wirtschaftszonen wirksam zu überwachen. Internationale Partnerschaften, unter anderem mit der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten, bieten zwar eine gewisse operative Unterstützung, sind häufig jedoch nicht nachhaltiger Natur.
Krise vor der eigenen Haustür
Problematische Fischereimethoden sind auch in Europa und in der ökologisch und ökonomisch bedeutenden Ostsee ein relevantes Thema. Elemente der IUU-Fischerei tragen in besonderem Maß zur erheblichen Überfischung bei. In der Ostsee umfassen die Praktiken jedoch nicht nur illegale Fangmengen und unerlaubte Fischereimethoden, sondern auch schädliche Rückwürfe. Alles in allem gefährdet dies nicht nur einzelne Fischbestände, sondern das gesamte marine Ökosysteme und somit auch Schweinswale und andere Meeressäuger.
Die Lösung dieser Probleme erfordert internationale Kooperation. Institutionen wie der Ostseerat, die Helsinki-Kommission und die EU arbeiten gemeinsam an Maßnahmen. Zu entsprechenden Initiativen gehören der Baltic Sea Action Plan, die EU Strategy for the Baltic Sea Region, sowie grundsätzlicher die Common Fisheries Policy der EU. Diese Bemühungen manifestieren sich etwa in jährlichen Fangquoten und Wiederansiedlungsversuchen, wie jene des baltischen Störs. Zugleich sieht sich die regionale Fischerei durch die strengen Fischfangquoten in ihrer Existenz gefährdet. Trotz erhöhter Kontrollen und restriktiver Fangquoten konnten Praktiken, die zur Überfischung führen, bisher nicht vollständig eingedämmt werden.
Eine effektive Bekämpfung von IUU-Fischerei erfordert auch in der Ostsee die Optimierung der internationalen Zusammenarbeit und ausreichende nationale maritime Überwachungskapazitäten. Eine nachhaltige Fischerei wäre langfristig vorteilhaft für das gesamte Ökosystem Ostsee, die regionale Fischerei sowie für Kultur und Tourismus. Institutionen wie die Helsinki-Kommission und die EU bieten die notwendigen Rahmenbedingungen, die effektiv genutzt werden müssen, um Überwachung und Kontrolle zu verbessern und Auswüchse der IUU-Fischerei zu unterbinden.
Südostasien, der Golf von Guinea und die Ostsee stehen exemplarisch für die unterschiedlichen, kontextspezifischen Erscheinungsformen der IUU-Fischerei. Sie unterstreichen die Notwendigkeit angepasster und koordinierter Maßnahmen. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, ist ein umfassender politischer Ansatz erforderlich, der gleichzeitig einer stärkeren Wahrnehmung des Lebensraums Meer sowie Investitionen in den Informationsaustausch, beispielsweise durch den Ausbau von Information Fusion Centers, bedarf.
Darüber hinaus ist der Aufbau von Kontroll- und Überwachungskapazitäten zur See, eine verbesserte Ausbildung und behördenübergreifende und koordinierte Zusammenarbeit erforderlich, um eine bessere Überwachung der Meeresgebiete zu erreichen. Je nach Region müssen jedoch auch die soziopolitischen Ursachen der IUU-Fischerei angegangen werden. Dazu zählen politische Reformen, um alternative Einkommensmöglichkeiten in den Küstengemeinden zu schaffen und somit langfristig für eine Verringerung der Abhängigkeit von der illegalen Fischerei zu sorgen.
Zusammenfassend zeigt sich, dass IUU-Fischerei in verschiedenen Seegebieten nicht nur unterschiedliche Ausprägungen aufweist, sondern auch unterschiedliche Mechanismen für einen effektiven Umgang mit solchen Praktiken erfordert. Dies dient letztlich dem zum Schutz und Erhalt maritimer Ökosysteme auf globaler Ebene.
Deniz Kocak und Julian Pawlak sind Wissenschaftler an der Helmut Schmidt Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg und dem dort angesiedelten interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Maritime Sicherheit (iFMS).
Deniz Kocak and Julian Pawlak












0 Kommentare