Tender DONAU returns from a NATO mission, photo: Bw/SteveBack

Tender DONAU returns from a NATO mission, photo: Bw/SteveBack

Operational diversity and professionalism

The turnaround proclaimed by Chancellor Olaf Scholz not only brings with it a lot of money, but also a return to national and alliance defence. What consequences does this have for Flotilla 1? An interview with its commander, Flotilla Admiral Henning Faltin.

Mr Admiral, where is Flotilla 1 today?

The caesura of the Russian war of aggression against Ukraine heralded a turning point in security policy, which presents our armed forces with new challenges. As a consequence, it is essential to concentrate on the core mission and, to a certain extent, demands a return to the core mission of national and alliance defence. Operational Flotilla 1, with its operational focus on the northern flank and Baltic Sea, has an important role to play here. Controlling this operational area by military means, denying an opponent deployment and thus preventing his deployment in the area is the essential mission and obligation of my flotilla's organisation. In order to protect the northern flank and the Baltic Sea as a transport and trade route in the sense of free sea routes and free trade with a view to the stability of our prosperity and our supply, a solid deterrent potential is required. With its long and indented coastline, the operational area of the northern flank and Baltic Sea is a challenge that places very high demands on the ability to deploy and utilise naval forces.

Flotilla Admiral Henning Faltin

Flotilla Admiral Henning Faltin

Wie immer ist mit Blick auf unsere Fähigkeiten nie alles gut aber eben auch nicht alles schlecht. Gut ist, dass der auf Breite ausgelegte Fähigkeitserhalt über die zurückliegenden Jahrzehnte trotz einer quantitativen Verkleinerung der Flotte erhalten werden konnte. Mit den U-Booten der Klasse 212 und den Korvetten 130 verfügen wir darüber hinaus über moderne und beeindruckende Waffensysteme. Die Erneuerung der Plattformen im Bereich der Unterstützungseinheiten, der Minenjagdeinheiten und der Flottendienstboote ist eingeleitet. Mit Zulauf dieser Einheiten gilt es dann, diese Fähigkeiten miteinander zu operationalisieren und auf den bereits bestehenden Fertigkeiten aufzubauen. In Ergänzung sind das Seebataillon und das Kommando Spezialkräfte der Marine hierzu kompatibel auszugestalten, um die Fähigkeiten an der Schnittstelle von See und Land hochwirkungsvoll zum Einsatz zu bringen. Die Befähigung zur Operation in engen und flachen Küstengewässern ist immer in Zusammenarbeit und engem Schulterschluss mit den verbündeten Anrainerstaaten zu betrachten und kann als durchaus solide bezeichnet werden.[ds_preview]

Angesichts des Kriegs in der Ukraine: Wie ist Ihre Lagebeurteilung in Bezug auf die Verfügbarkeit und die Möglichkeiten der Einheiten Ihrer Einsatzflottille?

Die Vielfalt der Verbände, Waffensysteme und die Bedeutung der facettenreichen Fähigkeiten der Einheiten meiner Flottille für das Operationsgebiet Ostsee und Nordflanke habe ich bereits angesprochen. Nahezu verzugslos waren wir mit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine in der Lage, unter dem Operationsnamen Baltic Guard eine große Zahl an Einheiten der Deutschen Marine und der Einsatzflottille 1 in der Ostsee operieren zu lassen und damit auch einen wesentlichen Beitrag zum Lagebild der NATO zu leisten. Durch die beträchtliche Anzahl von unterschiedlichen Einheiten, welche durch ihre Präsenz und gemeinsamen Übungen mit unseren Partnern in der östlichen Ostsee Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft demonstrieren und dort auch Hafenbesuche durchführen konnten, haben wir gezeigt, dass auf uns Verlass ist – ein Signal, das insbesondere unsere Verbündeten in den baltischen Staaten und in Schweden und Finnland erreichte, aber auch darüber hinaus Wirkung erzielte.

Auch wenn wir in dieser konkreten Situation unsere Reaktionsfähigkeit unter Beweis stellen konnten, ist das Ringen um die Verbesserung der Verfügbarkeit ein Thema, welches mich tagtäglich beschäftigt. Während sich die Männer und Frauen in der Flotte im wahrsten Sinne des Wortes ein Bein ausreißen und mit Flexibilität, Kreativität und vor allem unbedingtem Einsatzwillen unsere Aufträge erfüllen, sind wir in Bezug auf die uns immer wieder einschränkenden Rahmenbedingungen noch am Anfang der Zeitenwende. Da sind Instandsetzungen, die regelmäßig den geplanten Zeitrahmen sprengen. In der Beschaffung bremsen langwierige Vergabe- und gegebenenfalls die anhängigen Rügeverfahren. Kapazitätsengpässe im Bereich der Beschaffung und Instandsetzung sowie die mangelnde Verfügbarkeit von Ersatzteilen führen zu einem materiellen Klarstand, mit dem ich nicht zufrieden bin.

Die bereits im Vorfeld der aktuellen Krise eingeleitete Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung bekommt angesichts der aktuellen Sicherheitslage zusätzliches Gewicht. In einer gemeinsamen Anstrengung sollte es allen eingebundenen Stellen möglichst zügig gelingen, identifizierte systemische Probleme in den Griff zu bekommen, um die Verfügbarkeit der Bestandsflotte zu steigern.

Stabsgebäude der Einsatzflotille 1 in Kiel, Foto: Bw

Stabsgebäude der Einsatzflotille 1 in Kiel, Foto: Bw

Daran anknüpfend: Wie sehen Sie die Konsequenzen dieser Krise für die Weiterentwicklung in Bezug von Ausbildung, Operationsführung und Ausrüstung innerhalb der Flottille?

Für die Weiterentwicklung unserer Fähigkeiten und Systeme, aber auch unserer Professionalität und der Ausbildung setze ich die Steigerung der Durchsetzungsfähigkeit im Gefecht – das „Siegen können“ – als Schwerpunkt. Dies ist die Ultima Ratio von Streitkräften allgemein und auch die der – zur Verteidigung Deutschlands gemäß Verfassung aufgestellten – Bundeswehr. Nur so können wir der gestiegenen Relevanz der Landes- und Bündnisverteidigung und unserer besonderen Rolle in der Ostsee gerecht werden.

Im eigenen Verantwortungsfeld arbeiten wir kontinuierlich daran, die Bereiche Material, Personal und Ausbildung zu optimieren, um auch das letzte Quäntchen eigenen Gestaltungsspielraums mit der Zielsetzung der Bereitstellung kampfbereiter Einheiten auszuschöpfen. Maßstab hierbei ist das hochintensive Gefecht, wobei die Überlegungen zur Weiterentwicklung von Fähigkeiten, Doktrinen, Taktiken sowie Einsatzgrundsätzen und -verfahren auf einer Analyse der in einem Worst Case möglichen Bedrohung beruhen müssen.

Trotz der bereits angeklungenen, aktuell widrigen Rahmenbedingungen im Bereich Material und einer absehbar weiterhin herausfordernderen Personallage bin ich optimistisch, dass die aktuelle Situation Kräfte freisetzen und Veränderungen möglich machen wird. Krisen waren immer auch Katalysator für Weiterentwicklung. Stärken und Schwächen treten offen zutage und es entsteht dadurch eine unmittelbare Handlungsdynamik.

Eine große Herausforderung in der Vergangenheit war stets der Faktor Zeit, womit sich der Kreis zur Ausrüstung und technischen Verfügbarkeit schließt. Verlängerte Werftliegezeiten bedingen stets verkürzte Ausbildungszeiten in See. Mit Landes- und Bündnisverteidigung als Anspruch und Maßstab können wir uns aber eine verkürzte Ausbildungszeit nicht erlauben.

Welche Auswirkungen wird die Krise in Ihrer Bewertung auf die Seekriegführung, insbesondere in den Randmeeren haben?

Die Ostsee ist vermutlich der maritim anspruchsvollste Operationsraum der Deutschen Marine. Das fordert Kräfte, die vielseitige Fähigkeiten aufweisen und mit Entschlossenheit agieren. Dabei ist nicht alles wie früher, aber auch nicht alles anders als früher. War es im Kalten Krieg die Aufgabe, den gegnerischen Ausbruch aus der Ostsee zu verhindern, so ist es heute wichtig, die Nutzung des Operationsraums für uns gegenüber gegnerischem Einfluss zu erhalten.

Die Sicherung und Verstärkung unserer baltischen Verbündeten und auch die Unterstützung unserer Verbündeten an der Nordflanke mit unseren Partner- und Anrainernationen ist hierbei von unabdingbarer Bedeutung.

Dieser Operationsraum ist für unsere Nutzung offen zu halten; die Handels- und Versorgungswege mit Energie, Rohstoffen und Informationen bedürfen einer glaubwürdigen Sicherung und Abschreckung. Hierbei ist die Ostsee ein enges und anspruchsvolles Operationsgebiet, in dem nur besteht, wer professionell und entschlossen zu operieren versteht. Dies bedarf der Fähigkeit zu eingeübtem, aufeinander abgestimmtem Handeln der verschiedenen Waffensysteme im Verbandsrahmen, national wie international.

Auch wenn die Zahl der befreundeten Staaten an der Ostsee seit dem Ende des Kalten Kriegs zugenommen hat, ist die Operationsfreiheit damit nicht größer und einfacher geworden und nur dann gegeben, wenn wir miteinander zu kooperieren verstehen. Hierzu ist es notwendig, ein gemeinsames Lagebild zu erhalten, um mittels Informations- auch unverzügliche Wirkungsüberlegenheit zu schaffen.

Dies umfasst die Nutzung eines auch gegenüber Cyberangriffen robusten Sensornetzwerks und solider Satellitenüberwachung für extrem kurze Reaktionszeiten und schnelle Schwerpunktbildung anhand eines gemeinsamen Echtzeitlagebilds. Schneller, sicherer und entschlossener gemeinsam zu handeln wird hierbei von entscheidender Bedeutung sein. Nur so können wir als verlässlicher Partner im Herzen von Europa auch im Ostseeraum unserer Verpflichtung als Anlehnungsmacht gerecht werden.

Die Einsatzflottille 1 mit den ihr unterstellten Einheiten für den Unterwasserseekrieg hat sich in der Vergangenheit stets auf die Auftragserfüllung in den Randmeeren Ostsee und Nordsee fokussiert und hier insbesondere in den Bereichen Anti-Submarine Warfare, Anti-Surface Warfare und Mine Warfare Kompetenzen aufgebaut.

Durch die Krise wurde diese Fokussierung seitens unserer NATO-Partner noch einmal eindeutig bestätigt. Die Deutsche Marine wird, und das nicht nur im Bereich des Unterwasserseekriegs, vor allem im Bereich der Ostsee und der Ostseezugänge als key enabler für viele operationelle Forderungen der NATO gesehen. Wir stellen für die Seekriegführung wichtiges regionales Know-how und übernehmen Koordinationsaufgaben auch für die Zusammenarbeit mit nicht NATO-Staaten. Es gilt hier, auch nach der Krise den Fokus zu halten und den neuen Sicherheitsaspekten in der Region gerecht zu werden.

Marinestützpunkt hohe Düne - die Tender sind inzwischen in Kiel beheimatet, Foto: Bw

Marinestützpunkt hohe Düne - die Tender sind inzwischen in Kiel beheimatet, Foto: Bw

Wird sich die aktuelle Situation auch auf die Zusammenarbeit zwischen den Ostsee-Marinen auswirken?

Die Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und Partnermarinen in der Ostsee war bereits in der Vergangenheit sehr gut und vertrauensvoll ausgeprägt. Auf dieses gegenseitige Verständnis ließ sich in der aktuellen Situation schnell anknüpfen und nahezu verzugslos eine Steigerung der gemeinsamen Aktivitäten im Rahmen von Präsenzoperationen und Übungen erreichen.

Mir kommt es jetzt darauf an, die Rolle der Einsatzflottille 1 als Kompetenzträger im Bereich Ostsee und Nordflanke noch weiter auszubauen und die Integration und Kooperation zu stärken. Neben der Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit unserer Verbände mit den Marinen unserer alliierten Partner und gerade auch der Ostseeanrainer werden wir mit unseren Fähigkeiten einen wesentlichen Beitrag leisten, um die übergeordnete Zielsetzung des Inspekteurs der Marine zu erfüllen, im Ostseeraum eine führende Rolle als Anlehnungsnation und als Regional Maritime Domain Advisor für die NATO wahrzunehmen.

Die Entscheidungen des Bundestags vor der Sommerpause 2021 ermöglichen der Einsatzflottille 1 eine kleine „Runderneuerung“. Flottendienstboote, Modernisierung der Minenjagdboote, U 212CD – wie sehen Sie die Zukunft? Gibt es hier Aspekte für eine organisatorische Veränderung in der Ausbildung?

Nach einer langen Phase mit verminderter Verfügbarkeit unserer immer älter werdenden Einheiten sehen wir nun in der Tat Licht am Horizont. Der Zulauf vieler neuer und moderner Einheiten in den nächsten Jahren wird zum einen den Dienst an Bord attraktiver machen, darüber hinaus aber vor allem auch wieder mehr operationelle Verfügbarkeit der Einheiten erzeugen. Allerdings gibt es auch weiterhin Handlungsfelder; beispielsweise wegen der weiterhin noch dünnen Personaldecke. Die Pandemie der letzten zwei Jahre hat hier zusätzlich ihre Spuren hinterlassen, da die Nachwuchsgewinnung zeitweilig fast zum Erliegen kam. So wird das Zulaufen dieser neuen Einheiten, das Ausbilden der Besatzungen auf diesen neuen Einheiten und das Etablieren der Ausbildungssystematik für diese Waffensysteme sicherlich ein Kraftakt werden – und das Ganze in einer Welt, die sich mit und nach dieser Krise neu sortiert. Insgesamt aber werden diese Einheiten die Schlagkraft der Marine deutlich erhöhen und damit auch der neuen Sicherheitslage gerecht werden.

Aus meiner Sicht bedarf es keiner grundlegenden Veränderung der Ausbildungsstruktur. Eine Diversifizierung und Erneuerung von Einheiten bedingt aber stets eine Prüfung von etablierten Verfahren und einer gegebenenfalls notwendigen Anpassung. Dabei gilt es, eine gesunde Mischung zu erzielen zwischen der Nutzung von etabliertem Fachwissen und etablierten Verfahren und dem Zeigen von Flexibilität und Mut, um neue Einsatzgrundsätze, Verfahren und Taktiken zu erproben und zu antizipieren.

Diesen Spagat gilt es zu meistern, da kann ich mich aber auf die Fähigkeiten meiner Männer und Frauen in der Einsatzflottille 1 absolut verlassen. Wir haben in den letzten Jahren im Rahmen von diversen Standardisierungsmaßnahmen Wissen und praktische Erfahrungen konserviert, auf die man sowohl in der Einsatzausbildung als auch in der Weiterentwicklung zurückgreifen kann. Seit diesem Jahr werden zusätzlich alle Einsatzausbilder an den Ausbildungseinrichtungen der Deutschen Marine speziell geschult, um sich ihrer Rolle und Prägungsverantwortung in der Einsatzausbildung noch bewusster zu werden.

Aber auch die regelmäßige Überprüfung von Werdegangsmodellen für die Bordbesatzungen ist Pflicht, um die richtige Frau und den richtigen Mann zur richtigen Zeit mit der besten Ausbildung an Bord und in den Einsatzkompanien verfügbar zu haben.

Im Haushaltsentwurf vom 16. März ist nun auch der Naval Strike Missile „entschieden“ worden. Wie sehen Sie seine Integration im Hinblick auf Einsatzführung und, Ausbildung?

Der Naval Strike Missile (NSM) ist als Effektor für die Einsatzflottille 2 auf F 124, 125 und 126 vorgesehen. Hinsichtlich seiner Einsatzparameter entspricht dieser Effektor einem modernen System, welches das Fähigkeitsportfolio der Einsatzflottille 2 und der Deutschen Marine erweitern wird.
Der Lenkflugkörper wird über eine größere Einsatzreichweite als die bestehenden Harpoon verfügen und sowohl gegen Ziele auf See wie auch an Land einsetzbar sein. Sicherlich ist mit der Einführung eines weiteren Lenkflugkörpers (LFK) zu den bereits bestehenden LFK-Systemen der Deutschen Marine eine Erweiterung der Ausbildung und der logistischen Kette notwendig. Aber dieser LFK erweitert eben auch die Fähigkeit als präzise Abstandswaffe gegenüber Seezielen und Zielen an Land und kann aufgrund seines Suchverfahrens die bestehenden Effektoren ergänzen.

Als Operateur bin ich daher davon überzeugt, dass der operationelle Nutzen überwiegt und die Integration gelingen wird. Hierbei sind auch der gemeinsame und koordinierte Einsatz der verschiedenen Effektoren zu beüben und deren Vorteile zu operationalisieren.

Minensuchgeschwader in Kiel, Foto: Bw/Jane Schmidt

Minensuchgeschwader in Kiel, Foto: Bw/Jane Schmidt

Kommen wir zu Ihren Erwartungen an das Sondervermögen zur Stärkung der Bundeswehr. Der Inspekteur der Marine sieht neben schwimmendem und fliegendem Gerät Prioritäten bei Munition und Ersatzteilen. Könnten Sie dies für die Leser weiter erläutern?

Die durch den Inspekteur der Marine vorgegebenen Prioritäten bezüglich Munition und Ersatzteilen ergeben sich aus der langen Phase der sogenannten Friedensdividende, in der in diese Bereiche nur unzureichend investiert wurde. Bedarfsbegründend war das internationale Krisenmanagement mit Einsätzen mittlerer und niedriger Intensität, wie zum Beispiel die EU-Operation Sophia.

Der Inspekteur der Marine hat der Verteidigungsministerin gesagt, dass es für ihn sieben Prioritäten gibt, die da sind: „Munition, Munition, Munition, Ersatzteile, Ersatzteile, Ersatzteile und Kommunikationsmittel“.

Die aufgestellten Forderungen und Prioritäten sind aber kein „Wünsch-dir-was“-Konzert. Um schnell substanzielle Verbesserungen der Einsatzfähigkeit zu erzielen, liegt die Priorität der Marine auf der Bestandsflotte, und dies erfordert eben auch eine deutliche Verbesserung bei Ersatzteilen und Munition.
Gleichzeitig steht dies nicht der längerfristigen und zwingend erforderlichen Zielsetzung entgegen, die Flotte zu erneuern und deren Umfang auf den Stand der gegenüber der NATO eingegangenen Verpflichtungen anzuheben.

Ich stimme den Ausführungen des Inspekteurs der Marine vollends zu. Wir müssen das angehen.

Gesetzt den Fall, die zusätzlichen Korvetten und U-Boote kommen: Kann die Marine die zusätzlichen Einheiten absorbieren?

Dazu, und ich bitte um Verständnis, kann ich im Augenblick keine detaillierte Beantwortung abgeben.

Worin sehen Sie für die Einsatzflottille 1 darüber hinaus Bedürfnisse?

Auch hier möchte ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter einlassen

Noch ein Wort zu den Einsatzbooten für das Seebataillon und die Kampfschwimmer?

Das Projekt Taktische Beweglichkeit maritimer Einsatzkräfte auf dem Wasser – kurz: Mehrzweckkampfboot – begleitet uns schon seit einigen Jahren. Die Notwendigkeit, diese Fähigkeitslücke zu schließen, wurde erkannt und befindet sich auf dem Weg zur Umsetzung.

Mit dem kleinen Kampfboot wird die Möglichkeit eröffnet, Kräfte in Küstenmeeren und auf hoher See bei Tag und Nacht unter den jeweiligen einsatzbedingten geografischen und klimatischen Bedingungen operativ zu verbringen und ihre taktische Beweglichkeit im Operationsgebiet zu gewährleisten. Das erhöht die Einsatzfähigkeit erheblich, sodass der Kernauftrag im maritimen Umfeld im Rahmen verschiedener Operationen gewährleistet werden kann.
Durch die Zusage des Sondervermögens durch die Bundesregierung hat dieses Projekt weiter Fahrt aufgenommen, es wird durch die Verbände Kommando Spezialkräfte Marine (KSM) und Seebataillon aber auch bereits dringend erwartet.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat im Rahmen eines Interviews am 4. April 2022 bezugnehmend auf dieses Projekt klar dargestellt, dass eine marktverfügbare Lösung gekauft werden soll.

Diese Entscheidung hat uns erfreut, da bei unseren dafür infrage kommenden Partnernationen viele Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich Mehrzweckkampfboote vorhanden sind und sich mit einer Beschaffung für KSM und Seebataillon Synergieeffekte für Einsatz, Ausbildung und Betrieb ergäben. Ein weiterer Vorteil einer marktverfügbaren Lösung ist, dass die Boote dann schneller verfügbar sind.

Korvette Erfurt, Foto: Bw/Marcel Kröncke

Korvette Erfurt, Foto: Bw/Marcel Kröncke

Vielleicht zu früh, doch im Sinne eines Centers of Excellence nach vorne gedacht, folgende Fragen: Gibt es erste Erfahrungen zum Einsatz des Sea Falcon, über die es sich zu berichten lohnt? Wie wird der zukünftige Wirkverband aussehen?

Der Sea Falcon befindet sich derzeit noch in der Einsatzprüfung und soll kurzfristig das Fähigkeitsspektrum der Korvette 130 erweitern. Für den Schutz der eigenen Küstengewässer und der internationalen Seeverbindungslinien sowie für die Fähigkeit zur Kontrolle von Seeräumen aufgrund der maritimen Abhängigkeit Deutschlands und für Einsätze im Bündnisrahmen ist der Sea Falcon unerlässlich geworden.

In diesem Aufgabenspektrum nimmt die Aufklärung durch unbemannte Systeme eine herausgehobene Bedeutung ein und gehört daher zu den Kernfähigkeiten der Maritime Domain Awareness innerhalb der Zukunftsentwicklung in der Dimension See. Der Sensor Sea Falcon dient auf der Korvette 130 der Überwasser-Überwachung, der Aufklärung im Einsatzgebiet und bildet einen Beitrag in der Überwasserseekriegführung im Mittel- und Weitbereich.

Dabei kann er deutlich über den Radarhorizont und die optische Sichtweite der K 130 hinaus zu jeder Tageszeit sowie wetterunabhängig operieren und erweitert hier deutlich das Operationsgebiet der Korvette und des Verbands. Zusätzlich kann der Sea Falcon auch Beiträge für Landoperationen leisten. Alle gewonnenen Informationen können in einem Lagebild auf den zur vernetzten Operationsführung befähigten Korvetten im Joint-/Combined-Verbund ausgetauscht werden.
Im Endeffekt können diese Daten anforderungsgerecht den Endnutzern der Allianz bereitgestellt werden, um mit weiteren Mitteln aus der Distanz heraus wirken zu können. Mit den Beiträgen, die der Sea Falcon liefert, verbessern sich die Domänen Aufklärung, Wirkung und Unterstützung erheblich. Der Sea Falcon kann sozusagen als fliegendes Auge einer Korvette oder eines Verbands betrachtet werden und wird in einem Wirkverband der Zukunft eine sehr wichtige Rolle für die Informationsüberlegenheit und somit für die Wirkungsüberlegenheit einnehmen.

Mit der Einführung dieses Systems beschreitet die Deutsche Marine einen Schritt zu unbemannten Systemen in der Überwasserseekriegführung. Gerade mit Blick auf das Operationsfeld Ostsee und die vorhandenen Wirkmittel lässt mich dieser Schritt zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Gibt es Berichtenswertes zu IDAS?

Die Finanzierung IDAS ist im Februar 2022 um ein weiteres Jahr geschoben worden, womit ein Zulauf der ersten Systeme an Bord erst gegen Ende des Jahrzehnts geplant ist.

Sie sind auch Director des NATO Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters mit Sitz in Kiel, kurz COE CSW. Welche Rolle spielt dieses Kompetenzzentrum?

Die Gründungsidee für die Aufstellung des COE CSW aus dem Jahr 2007 hat weiterhin Gültigkeit: Das Einbringen unserer Kenntnisse in das Warfare Development der NATO. Damals wie heute unterstützen wir die NATO mit unserer Kompetenz im Bereich der maritimen Operationen in küstennahen Gewässern. Dies tun wir mit Deutschland als Framework Nation und mit der personellen und finanziellen Unterstützung von Dänemark, Estland, Griechenland, Italien, Litauen, den Niederlanden, Polen, der Türkei sowie den USA. Dies tun wir aber auch im Konzert mit anderen COEs, anderen NATO-Dienststellen und in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Industrie.

Auslaufen eines U-Boots der Klasse 212A, Foto: Bw/Marcel Kröncke

Auslaufen eines U-Boots der Klasse 212A, Foto: Bw/Marcel Kröncke

Sind Sie bei der Wahl ihrer Projekte und Aktivitäten völlig frei?

Die Nationen gewähren uns im Rahmen des unserer Organisation zugrundeliegenden Memorandum of Understanding vergleichsweise hohe Freiheitsgrade bei der Wahl unserer Arbeitspakete und möglicher Projektpartner. Finanzen und Arbeitsprogramm werden unserem Steering Committee, quasi einem Aufsichtsrat aus Vertretern aller teilnehmenden Nationen, halbjährlich zur Genehmigung vorgelegt. Die inhaltliche Ausgestaltung ist aber natürlich ergebnisoffen.

Wie gestaltet sich die Arbeit des COE CSW konkret im Rahmen der NATO?

Das COE CSW unterstützt in erster Priorität alle Bereiche der Transformation in der NATO. Das ist als Vorgabe für alle COEs so festgeschrieben.
Beispielsweise arbeiten wir intensiv mit in zahlreichen Arbeitsgruppen der NATO, beispielsweise der Working Group for Maritime Operations und deren Untergruppierungen, oder im Bereich der NATO Naval Armament Group. Regelmäßig unterstützen wir NATO-Übungen durch die Gestaltung, Planung, Durchführung und Evaluierung bestimmter Übungsanteile. Daneben gehören aber auch strategisch ausgerichtete Projekte zum Portfolio – zum Beispiel unser jährlicher Maritime Security Round Table im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen NATO-akkreditierten COEs?

Es gibt zurzeit fünf COEs, die einen direkten maritimen Bezug haben. Neben dem COE CSW sind das das Combined Joint Operations from the Sea (CJOS) COE in Norfolk, das Naval Mine Warfare (NMW) COE im belgischen Ostende, das Maritime Security (Marsec) COE in Istanbul sowie das Maritime Geospatial, Meteorological & Oceanographic (MGEOMEOTOC) COE in Lissabon.

Die Zusammenarbeit mit diesen maritimen COEs ist intensiv und erstreckt sich auf viele Aspekte unserer Arbeit. Aber auch mit nicht maritimen Kompetenzzentren, wie zum Beispiel mit dem Joint Air Power Competence Centre (JAPCC), dem Improvised Explosive Devices (C-IED) COE oder dem in Ingolstadt beheimateten COE für Military Engineering findet ein reger sach- und anlassbezogener Austausch statt.

Wo liegen die aktuellen Arbeitsschwerpunkte im COE CSW?

All unsere Projekte und Aktivitäten verbindet, dass wir mit ihnen Zukunftsfelder besetzen. Unter anderem betrifft das unsere Initiative zur Entwicklung einer NATO-inhärenten Fähigkeit zu Live Virtual Constructive Training (LVC-T), die Entwicklung der softwareunterstützten Fähigkeit zum Wargaming, die Untersuchung der vielfältigen Möglichkeiten des Drohneneinsatzes in Randmeergebieten, den Bereich Electromagnetic Operations, die Nutzung von Satellitendaten für die Lagebilderstellung sowie Harbour and Force Protection auch zusammen mit Aspekten von Counter-Improvised Explosive Devices (C-IED) im maritimen Umfeld. Trotz verschiedenster Themen haben unsere Projekte und Aktivitäten aber immer eines gemeinsam: Sie richten sich nach den aktuellen Bedarfen der NATO und liegen eng am „maritimen Puls der Zeit“.

Herr Admiral, vielen Dank.

Hans-Uwe Mergener

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Your email address will not be published. Erforderliche Felder sind mit * markiert

en_GBEnglish