Tricolour and eagle cooperate not only at sea

Tricolour and eagle cooperate not only at sea

Partnership with potential

There is meaningful cooperation between the navies of Germany and France on many levels. However, cooperation is not always easy.

Die Wurzeln der deutsch-französischen Marinekooperation liegen in der politischen Etablierung der Freundschaft zwischen den beiden Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese blickt mittlerweile auf eine mehr als 58-jährige erfolgreiche Geschichte zurück. Am 22. Januar 1963 unterzeichneten der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in Paris den Elysée-Vertrag. Damit wurden aus den ehemaligen Feinden zweier Weltkriege die wichtigsten Partner in und für Europa.[ds_preview]

Zum 56. Jahrestag des Vertrags unterzeichneten Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. Januar 2019 den Vertrag von Aachen, welcher den Elysée-Vertrag ergänzt. Vereinbart ist darin auch eine stärkere militärische Zusammenarbeit. Dazu gehören die Entwicklung gemeinsamer strategischer Ansätze, beispielsweise bei der Ausgestaltung der Europäischen Verteidigungsunion, einer engen Partnerschaft mit Afrika, Friedens- und Polizeieinsätzen sowie einer noch engeren Abstimmung in den Vereinten Nationen und anderen multilateralen Organisationen. Frankreich unterstützt zudem den deutschen Wunsch nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Die deutsch-französische Marinekooperation ist Teil der militärischen Zusammenarbeit und bildet einen wichtigen Eckpfeiler sowohl für die NATO in Europa als auch für die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Europäischen Union.

Gestaltung der Marinekooperation

Zentrales Element zur Koordination der Marinekooperation und Impulsgeber ist die Unterarbeitsgruppe See (UAG See) auf Ebene der Marinekommandos und der Arbeitsgruppe militärische Zusammenarbeit (AGMilZA) auf ministerieller Ebene. Die AGMilZA (und damit auch die UAG See) treffen sich im Neun-Monats-Rhythmus, wechselweise in Deutschland und Frankreich.
Diese Zusammenkünfte sind den mit anderen Nationen geführten Marinestabsgesprächen vergleichbar. Am Ende eines jeden Treffens steht eine Maßnahmenliste (Agreed Action Items, AAI), die es in der Folge umzusetzen gilt. Diese AAI enthalten Dauerbrenner, kurzfristige Maßnahmen sowie neue Initiativen und Impulse, die bei jedem Treffen einer Revision unterliegen.
Damit sind die AAI das, was im NATO-Sprachgebrauch als living document bezeichnet wird. Vor der pandemiebedingten Unterbrechung fand das letzte Treffen, die 70. AGMilZA, Ende Februar 2020 in Paris statt.
So wie in der Seekriegsführung gilt, dass „nicht Schiffe, sondern Menschen kämpfen“, so kann für die Marinekooperation gelten: „Nicht Institutionen, sondern Menschen kooperieren.“
Daher sind die Zusammenarbeit in der Ausbildung und der Austausch von Personal in den Stäben sowie auf fliegenden und schwimmenden Einheiten von zentraler Bedeutung, um Kooperation zu (er-)leben. Gleichermaßen gilt dies auch für die Partnerschaft im Rahmen von Übungen und Einsätzen.

Das Kernstück der Ausbildungsbeziehungen mit Frankreich ist seit 1993 die jährliche Einsteuerung von je zwei deutschen und französischen Marineoffizieranwärtern in die Offizier-Regelausbildung der Partnermarine, einschließlich eines Studiums. Daneben wird ein Offizier jährlich an der französischen Generalstabs-/Admiralstabsdienstausbildung (Ecole de Guerre) sowie bis zu sechs Offiziere oder Portepeeunteroffiziere der deutschen Marineflieger an der französischen Einrichtung für das Sea Survival Training ausgebildet.

Auf der Grundlage des Memorandum of Understanding (MoU) von 1989 befinden sich sieben deutsche Soldaten (6 Offiziere, 1 Portepeeunteroffizier) im Personnel Exchange Programme (PEP) mit der französischen Marine, ein Stabsoffizier leistet bei FRMARFOR in Toulon als ACOS N7 Dienst und ein Stabsoffizier an der Ecole Navale. In der Deutschen Marine sind aktuell drei französische Offiziere eingesetzt, davon einer bei DEUMARFOR in Rostock.

Seit 2018 unterstützt die französische Marine Deutschland bei Einführung des NH 90 NTH Sea Lion mit technischer und fliegerischer Ausbildung. Das Pilotprojekt zur Umschulung deutscher Besatzungen wurde erstmalig im Spätherbst.2018 erfolgreich durchgeführt. Seither durchlaufen unsere Marineflieger diese Ausbildung jeweils einmal pro Jahr. Für die Deutsche Marine sind die französischen Lehrgänge am besten geeignet, da der deutsche Hubschrauber auf der französischen Variante des NH 90 aufbaut. Langfristig wird ein enger Erfahrungsaustausch angestrebt.

Im Bereich Einsätze legt Frankreich den Schwerpunkt auf nationale Einsätze und solche unter französischer Führung. Für Deutschland stehen mandatierte Einsätze und Einsatzverpflichtungen im Rahmen von NATO und UN im Zentrum. Die jeweilige Schwerpunktsetzung beruht auf den historisch gewachsenen, unterschiedlichen sicherheitspolitischen und strategischen Analysen.

Jährlich ergeht eine Einladung der französischen Marine zur Beteiligung deutscher Marineeinheiten am französischen Trägerverband Charles de Gaulle (CDG) und am Ausbildungsverband Jeanne d’Arc (JDA). Am CDG-Verband hat sich die Deutsche Marine im Rahmen des Einsatzes Counter Daesh 2016 zweimal mit einer Fregatte der Klasse 122 beteiligt. Auch in den Folgejahren fand, wann immer möglich, eine zeitlich befristete Unterstützung mit einer deutschen Fregatte statt, zuletzt im März und April 2020.

Eine deutsche Beteiligung am JDA-Verband konnte in den vergangenen beiden Jahren angesichts höher priorisierter Aufgaben und der begrenzten Anzahl verfügbarer Schiffe nicht realisiert werden. Eine intensivere operative Zusammenarbeit ist weiterhin das Ziel beider Marinen, welches aber im Rahmen verfügbarer Ressourcen nicht immer im gewünschten Maß realisierbar ist.

Im Bereich der Rüstung wollen Frankreich und Deutschland gemeinsam ein Nachfolgemodell für ihre derzeit im Dienst befindlichen Maritime Patrol Aircraft (MPA) entwickeln und beschaffen. Im Rahmen der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) wurde hierfür am 26. April 2018 das High Level Common Operational Requirements Dokument zum Maritime Air Warfare System (MAWS) durch das deutsche und französische Verteidigungsministerium untergezeichnet. MAWS hat aus Sicht beider Marinen das Potential eines Leuchtturmprojekts. Damit können sich im nächsten Jahrzehnt auch im Bereich der Marineflieger weitere Kooperationsfelder für Ausbildung, Personal und Material ergeben.

Auch die Marine Nationale betreibt NH 90

Auch die Marine Nationale betreibt NH 90

Summary

Die deutsch-französische Marinekooperation ist insgesamt eng, vielfältig und wird in ihrer Bedeutung von beiden Seiten grundsätzlich als hoch eingeschätzt. Somit ist zunächst festzuhalten, dass es auf beiden Seiten den ausdrücklichen Willen zu einer engen Kooperation zwischen der Deutschen Marine und der Marine Nationale gibt. Die oben genannten Unterschiede in der sicherheitspolitischen und strategischen Bewertung sorgen, in Verbindung mit knappen Ressourcen auf beiden Seiten, für eine gewisse Frustration. Dies sollen die unten aufgeführten Bereiche Operation und Einsätze sowie Ausbildung nochmals beispielhaft verdeutlichen.

Gemeinsame Einsätze wie die deutsche Beteiligung mit Begleitfregatten an einem CDG- oder JDA-Verband lassen sich, vor allem aus Sicht der französischen Marine, zu selten realisieren, da die verfügbaren deutschen Einheiten bereits für andere Verpflichtungen verplant sind.

Im Bereich der Ausbildung und Umschulung von deutschem Personal für den NH 90 in Frankreich können sich die durch die Deutsche Marine gewünschten zwei Ausbildungsgänge pro Jahr aufgrund des französischen Eigenbedarfs und der daraus resultierenden begrenzten Kapazitäten derzeit nicht umsetzen lassen. Die Durchführung von einem Lehrgang pro Jahr wird durch Deutschland zwar sehr begrüßt, aber als nicht hinreichend bewertet.

Worauf kommt es an, um aus dieser für beide Seiten unbefriedigenden Lage in einem für die jeweils betroffene Marine sehr wichtigen Kooperationsfeld keinen nachhaltigen Unmut und keine Resignation aufkommen zu lassen?

Für mangelnde Einheiten und Ausbildungskapazitäten gibt es keine kurzfristige Lösung. Ebenso ist eine sehr zeitnahe Angleichung von politischen Vorgaben nicht zu erwarten. Das ist beiden Seiten gleichermaßen bewusst und könnte durch flexible Anpassung bisheriger Herangehensweisen überwunden werden. Jedenfalls scheint der klare Wille hierzu beiderseits vorhanden zu sein.

Im Grunde ist die Situation vergleichbar mit den Entwicklungen während der Coronapandemie. Es gibt immer wieder Lichtblicke und Rückschläge, die aber den Blick auf die bisher grundsätzlich positive Entwicklung nicht trüben sollten. Die derzeitige Lage erfordert daher gegenseitiges Verständnis und Geduld. Vor allem aber ist Vertrauen in den festen Kooperationswillen des Partners vonnöten. Das geeignete Mittel hierfür ist, die bisher praktizierte kontinuierliche, intensive und offene Kommunikation fortzusetzen und gemeinsam neue Impulse und Denkansätze zu schaffen.

In der Summe bleibt festzuhalten: Die Marinekooperation war und ist auf Kurs und wird auch mit Sicherheit wieder mehr Fahrt aufnehmen und somit weiterhin ihren Beitrag zur deutsch-französischen militärischen Zusammenarbeit leisten können. Ganz im Sinne des Vertrags von Aachen.

Fregattenkapitän Uwe Zerull ist Länderreferent im Marinekommando Abteilung Planung, Referat Internationale Kooperation.

Fotos: Marine Nationale

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