Turning point, return to national and alliance defence. This means that the navy must once again be able to hold its own in high-intensity combat. An important building block for achieving this goal is the Multidimensional Naval Warfare Training Centre of Operational Flotilla 2.
„Guten Morgen Besatzung, Heute ist Donnerstag, Weekly War! ‚Ginger‘ wird es uns heute nicht leicht machen. Aber wir werden das schaffen.“ Diese Durchsage über die Schiffslautsprecheranlage an Bord einer Fregatte im Seegebiet um Helgoland lässt auf einen spannenden und anstrengenden Tag mit schweißtreibender Arbeit schließen. Die Fregatte befindet sich während ihres Einsatzausbildungsprogramms zum Erreichen der Einsatzfähigkeitsstufe Bravo im German Operational Sea Training German Authorities (Gost GEA). Einsatzfähigkeitsstufe Bravo bedeutet, dass die Einheit an Operationen hoher Intensität auch im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung teilnehmen kann, dass sie also einsatzbereit ist. Der Gost GEA wird durch das Team des EAZ MD SeekFü durchgeführt und begleitet. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich das Einsatzausbildungszentrum Mehrdimensionale Seekriegsführung der Einsatzflottille 2. Die Einsatzflottille 2 ist der kampfkräftigste Großverband der Deutschen Marine und in Wilhelmshaven beheimatet. [ds_preview]
Spätestens nach der bedrohungszugehörigen Auslösung von „Schutzalarm Deckung“ und dem Einnehmen der vorgeschriebenen Körperhaltung sorgt die SLA-Durchsage eines Ausbilders auf der Brücke bei der Schiffsbesatzung für Adrenalin, Stress und Schweiß: „Bänga, bänga, bänga! FK-Detonation an Backbordseite!“ Die Ausbilder spielen das Trefferbild ein, lassen Anlagen und Geräte ausfallen. Verletztendarsteller nehmen ihre Positionen ein, beginnen zu schreien und simulieren die ihnen zugewiesenen Verletzungen: Bewusstlosigkeit, Verbrennungen, Schmerzen, Ängste. Jetzt heißt es für die Besatzung, neben dem externen auch das interne Gefecht zu führen: Schäden aufnehmen und bekämpfen, Instandsetzungen durchführen, Verletzte versorgen und das externe Lagebild nicht verlieren, sondern weiterkämpfen, den gestellten Auftrag erfüllen und den Sieg im mehrdimensionalen Gefecht erringen.
Schiff und Besatzung sind gefragt und gefordert, sich in der realitätsnahen Ausbildung („train as you fight“) beim externen und internen Gefecht zu beweisen. Die Soldaten sollen bestehen und sich folgenden Fragen stellen: „Kann die Operationszentrale die Sensoren und Effektoren für die externe Gefechts- und Verbandsführung nutzen? Steht die schiffsweite Kommunikation zur Verfügung? Was macht der Antrieb? Folgt das Ruder? Wo sind Feuer, wo Wassereinbrüche oder Leckagen? Was ist mit den Verletzten? Kann die Brücke das Schiff weiter ‚fahren‘? Ist eine Ersatzteilversorgung möglich?“ Unterschiedliche Herausforderungen und Problemstellungen, die schnellstmöglich gemeldet, beantwortet und zur weiteren Abarbeitung priorisiert werden müssen. Das Zusammenspiel der einzelnen Stationen und Gefechtsteams muss jetzt funktionieren, damit der Kommandant seine Entscheidungen treffen kann. Denn: Der Gegner schläft nicht; am Horizont ist bereits die nächste Bedrohung erkennbar!

Im Gruppenstand muss die Übersicht behalten werden, Foto: BW
Unterstützung und Ausbildung
Zum erfolgreichen Bestehen des Gost GEA und dem Erreichen der Einsatzfähigkeitsstufe Bravo ist es für die Besatzungen ein harter und „steiniger“ Weg. Doch das nächste Vorhaben, vielleicht sogar der nächste Einsatz der Einheit ist bereits eingeplant.
Das Einsatzausbildungszentrum in Wilhelmshaven bildet aus, hilft, unterstützt und bewertet hierbei die Besatzungen in den verschiedenen Ausbildungsabschnitten und Übungen. Das erfahrene, fachlich versierte und hochmotivierte Ausbilderteam begleitet die Einheiten und Besatzungen der Einsatzflottille 2 durch wesentliche Meilensteine des Einsatzausbildungsprogramms, damit die Kommandanten zum erfolgreichen Abschluss ihrem jeweiligen Geschwaderkommandeur das Schiff und die Besatzung zur Einsatzbesichtigung vorstellen können.
Dies geschieht auf vielfältige Art und Weise. Praktische und theoretische Ausbildung an Land und in See wird für die Fregatten- und EGV-Besatzungen, aber auch für weitere Dienststellen in Wilhelmshaven angeboten.
Beispielsweise offeriert das Einsatzausbildungszentrum nahezu wöchentlich sogenannte Realbrandschulungen bei der örtlichen Berufsfeuerwehr an. Dort lernen die Soldaten in den mit Gas befeuerten Brandcontainern echte Brände zu löschen. Bei Temperaturen von bis zu 450° C und geringer Sicht wird die Handhabung der Ausrüstung geschult und damit Vertrauen in diese geschaffen. Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz ist es gelungen, eine Kooperation für Bau und Betrieb einer moderneren maritimen Trainingsanlage zu schließen. In absehbarer Zeit wird es möglich sein, die Soldaten bei Brandbekämpfung und Leckabwehr am Standort Wilhelmshaven auszubilden.
Darüber hinaus gehört das Verbindungselement Gost beim Fleet Operational Sea Training (Fost) im britischen Plymouth zum Einsatzausbildungszentrum. Es unterstützt und führt dort die Einsatzausbildung von Kampf- und Unterstützungseinheiten der Einsatzflottillen 1 und 2 durch.
Das Einsatzausbildungszentrum Mehrdimensionale Seekriegsführung setzt also den Auftrag der Einsatzflottille 2 um, durchsetzungs- und durchhaltefähige Schiffe und Besatzungen für das hoch intensive Gefecht weltweit auf hoher See bereitzustellen.
Entstehungsgeschichte
Begonnen hatte dies im Jahr 2009 mit einer Gruppe von sieben Soldaten, die auf der Fregatte Emden den Auftrag hatte, das Gefecht zu „beüben“ und das Schiff wieder einsatzfähig zu machen. Es folgte noch im gleichen Jahr der Befehl zur Durchführung der Einsatzüberprüfung auf Einheiten, die den Gost vor mehr als einem Jahr absolviert hatten. Verankert wurde dies in den damaligen Ständigen Befehlen der Flotte. Dieses damals eingesetzte Mobile Ausbildungsteam wuchs über die Gruppe Einsatzausbildung zum heutigen Einsatzausbildungszentrum Mehrdimensionale Seekriegsführung auf. Hinzu kam mit den Fregatten der Klasse 125 und dem Mehrbesatzungsmodell die Notwendigkeit, die Besatzungen landseitig von der Werft bis in den Einsatz auszubilden und zu begleiten. Grundlage hierfür sind das Konzept Einsatzausbildungszentren und das Einsatzkonzept F 125. Mit zunehmender Verfügbarkeit von Landanlagen, Trainings- und Simulationseinrichtungen für diese Fregatten und die zukünftige Klasse 126 werden Betreuung, Bereitstellung und Nutzung dieser Anlagen durch das Zentrum gewährleistet. Ein erhöhter Bedarf an Ausbildungsunterstützung., beispielsweise als Vorbereitung auf Seeklarbesichtigung, Schadensabwehrgefechtsdienstausbildung und Gost, sowie die Inübunghaltung der Besatzung, geprägt durch die Tatsache, dass das Stellen von Ausbildungsteams aus der Besatzung heraus kaum mehr möglich ist, führte zu einem Aufwuchs des Einsatzausbildungszentrums. In der Zielstruktur besteht das Zentrum aus 120 Dienstposten aller Abschnitte eines Schiffes und zusätzlicher Dienstposten für die landseitige Ausbildungsgestaltung und Administration. Gemeinsames Ziel ist es, mit diesem Personal den bestmöglichen Ausbildungserfolg zu erzielen.
Ausbildung nahe am Gefecht
Der Grundgedanke eines Gost GEA ist, die zur Verfügung stehenden Übungspartner des Fost, die dortigen Zieldarstellungsmittel, die South Coast Exercise Areas – so werden die Übungsgebiete vor Plymouth bezeichnet – und weitere dortige Übungsteilnehmer sowie Übungsmöglichkeiten zu nutzen. Diese Ausbildung und Prüfung wird durch ein deutsches, für die gesamte Dauer des Vorhabens an Bord befindliches Team des Einsatzausbildungszentrums durchgeführt. Das eingeschiffte Team steht der Besatzung ununterbrochen zur Verfügung. Es hilft, unterstützt, leitet an und bewertet das Gesehene. Letztendlich ist der Gost GEA eine Überprüfung von Schiff und Besatzung auf Einsatzfähigkeit. Durch die Verwendung einheitlicher Bewertungskriterien wird eine größtmögliche Vergleichbarkeit mit einem regulär absolvierten Gost beim Fost erzielt. Der Gost GEA soll den Gost nicht ersetzen, sondern ist eine Alternative, falls eine Gost-Durchführung durch Fost-Ausbilder nicht möglich ist.
Der Gost GEA dauert für Fregatten sechs Wochen. Er ist aufgeteilt in einen zweiwöchigen Abschnitt, vorzugsweise in der Deutschen Bucht rund um Helgoland und in Wilhelmshaven, sowie einen vierwöchigen in den Seegebieten vor Plymouth. Im ersten Teil wird die gute und bereits etablierte Zusammenarbeit mit der zivilen Flugzieldarstellung für die Bundeswehr und mit den Marinefliegergeschwadern 3 und 5 genutzt. Darüber hinaus werden weitere Organisationen und Behörden, darunter die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und die Bundespolizei See, zur realistischen Darstellung des externen Gefechts eingebunden. Eine Integration der Luftwaffe ist hier ebenso gewünscht und wurde in der Vergangenheit bereits erfolgreich durchgeführt. Darüber hinaus bietet sich häufig die Möglichkeit Anrainer wie die Niederlande mit seegehenden oder fliegenden Einheiten in die Übungen und Prüfungen zu integrieren, um Synergien zu nutzen und realistische Ausbildungsmöglichkeiten für das externe Gefecht zu schaffen.

Kraftstoffübernahme
Es werden in diesen ersten zwei Wochen Luftverteidigungs-, Überwasserseekriegs- und U-Boot-Jagdübungen durchgeführt. Seemännische und navigatorische Manöver, aber auch Notrollen und klassischer interner Gefechtsdienst werden ebenso trainiert wie Boarding-Operationen und Übungen zur Abwehr asymmetrischer Bedrohungen. Die realitätsnahe Schadensabwehrausbildung wird mittels Rauchgasgeneratoren, realistischer Verletztendarstellung sowie durch Geräte- und Anlagenausfälle abgebildet. Im Vorfeld akribisch abgestimmte und erprobte Schadens- und Trefferbilder in den Bereichen Schiffssicherung, Gefechtssanitätsdienst, Machinery Engineering, Weapon Engineering und Command and Control werden unter eine operative Übung gelegt und mit vorher festgelegten Trefferzeiten versehen. Zu diesen Zeiten wird über die Schiffslautsprecheranlage der Treffer initiiert und auf den verschiedenen Stationen durch die Ausbilder das Schadensbild eingespielt und gestartet. In der Ausbildung und Prüfung werden die Besatzungsangehörigen immer wieder vor neue Situationen und vor immer höhere Schwierigkeitsstufen gestellt, die sie dann schließlich ohne Anleitung bewältigen müssen.
Der Weekly War am Donnerstag ist der Höhepunkt einer Seewoche und fordert von Besatzung und Schiff alles ab. Hierbei ist das bisher Erlernte durch die Besatzung umzusetzen und anzuwenden. Das Gefecht wird so real wie möglich in einem mehrstündigen, an realistischen Gefechtssituationen orientiertem Szenario unter einer mehrdimensionalen Bedrohung geführt. Alleine der Begriff Weekly War lässt bei den Kampfgemeinschaften der Besatzungen entsprechende Emotionen aufkommen.
Der erste Abschnitt findet mit einer 24-stündigen Force-Protection-Übung in „Taormina“ (Wilhelmshaven) seinen Abschluss. Bei dieser Übung werden unterschiedlichste Lagen rund um einen temporär eingerichteten Checkpoint eingespielt. Hierbei wird die Möglichkeit genutzt, die oft eingeschiffte Bordeinsatzgruppe und die Küsteneinsatzkompanie im Zusammenspiel mit der Bordbesatzung auszubilden, zu fordern und zu bewerten. Die Bordeinsatzgruppe und die Küsteneinsatzkompanie sind dem Seebataillon bei der Einsatzflottille 1 zugeordnet. Der Auftrag des Seebataillons ist es, mit spezialisierten Kräften die Einheiten der Bundeswehr bei der Auftragserfüllung zu schützen und zu unterstützen. Dies geschieht durch land- und seeseitigen Schutz von Schiff und Besatzung vor möglichen Bedrohungen, aber auch durch Boarding-Operationen.
Danach wird der Transit in die South Coast Exercise Areas angetreten. Dabei werden Ausbildung und Überprüfung nicht unterbrochen. Es werden weiterhin Flugabwehr-, Seekriegs- und U-Jagdübungen, seemännische und navigatorische Übungen, Not- und Gefechtsrollen trainiert und bewertet. Obendrein kommt die Verbandsführung hinzu. Das Fahren im Verband mit weiteren Schiffen und verbandseigenen Luftfahrzeugen stellt eine zusätzliche, nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Es gilt hierbei, den Auftrag des Verbands nicht aus den Augen zu verlieren sowie die gegenseitige Stationierung und die Kommunikation zu beachten. Ihr Ende findet diese fordernde Ausbildung und Prüfung in der Final Inspection. Diese ist der letzte Weekly War in der finalen Woche und dient dem zuständigen Geschwaderkommandeur als Einsatzbesichtigung mit abschließender Erteilung der Einsatzfähigkeitsstufe Bravo. Hier muss die Besatzung zeigen, was sie während des Einsatzausbildungsprogramms gelernt hat.
Miteinander, nicht gegeneinander
Für eine erfolgreiche Ausbildung braucht es fachlich versierte, erfahrene und charakterlich geeignete Ausbilder, die das Potenzial des auszubildenden Teams richtig einschätzen können. Eine hohe Motivation sowie Freude am Beruf sind dafür unabdingbar, denn nur wer von dem überzeugt ist, was er macht, kann auch andere mitreißen. Alle Ausbilder am Einsatzausbildungszentrum verfügen über eine mehrjährige Erfahrung auf Dienstposten an Bord von Fregatten oder Einsatzgruppenversorgern. Somit sind Arbeitsabläufe, Einsatzgrundsätze und Verfahren verinnerlicht und das vorhandene Fachwissen wird in zeitgemäßer Form weitergegeben. Aber auch die Besatzungen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit möglichst schnell Fortschritte erzielt werden können. Neben den bestmöglichen materiellen Vorbereitungen kommt es vor allen Dingen darauf an, dass die Ausbildung angenommen wird und der nötige Biss vorhanden ist, um Rückschläge wegzustecken und durch die Ausbilder aufgezeigte Trainingsprioritäten umzusetzen. Selbstverständlich wird auch ein gewisses Maß an Basiswissen sowie Anlagen- und Systemkenntnis vorausgesetzt. Aber grundsätzlich gilt: „Jede motivierte Besatzung kann ausgebildet werden!“
Das Einsatzausbildungszentrum Mehrdimensionale Seekriegsführung führt die Gefechtsausbildung so realistisch wie nur möglich durch. Sein Auftrag ist es, die Besatzungen der seegehenden Einheiten der Einsatzflottille 2 auf ein bevorstehendes, hochintensives Gefecht bestmöglich vorzubereiten. Es bietet die Möglichkeit, flexibel auf unterschiedliche Ausbildungserfordernisse innerhalb der Einsatzflottille zu reagieren. Durch konsequente und kontinuierliche Ausbildung der Besatzungen in allen Facetten der mehrdimensionalen Seekriegsführung ist eine Verbesserung der Kaltstartfähigkeit gegeben. Das Ausbilderteam hat dabei den Anspruch, die definierten Standards in der Marine nicht nur auszubilden, sondern auch nachdrücklich einzufordern.
Kapitänleutnant Heinz Möller ist im Dezernat Operationsdienst/Waffenausbildung im Einsatzausbildungszentrum Mehrdimensionale Seekriegsführung der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven eingesetzt.
Heinz Möller












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