Beijing is massively arming itself, particularly in the maritime sector. The return of Asian naval power is challenging the West - once again.

China also has the potential to overtake the USA militarily. Photo: US Navy
It's over. It's over. Taiwan can no longer be defended. At least not militarily. China is too strong. Now also for the United States. This is how one could summarise the Pentagon's conclusion. The US Department of Defence has already simulated the defence against a Chinese invasion of Taiwan eighteen times. Eighteen times the simulation ended in defeat for the Americans.
How could it come to this? Is the mighty US Navy with its large aircraft carrier battle groups no longer able to control the Taiwan Strait? This strait, only 180 kilometres wide, between the Chinese mainland and the small Taiwanese island state? Isn't the USA the most powerful military force in the world? At least the latter is still true - but only globally and no longer regionally. Russia has already demonstrated this with its wars in Georgia, Ukraine and Syria. China could be tempted to demonstrate this with Taiwan.
Die Bedingungen dafür hat Peking sukzessive geschaffen. Systematisch wurde Asiens schlagkräftigste Militärmaschinerie aufgebaut. Sie wächst jedes Jahr um die Dimension der gesamten britischen Streitkräfte. Ihr Etat hat sich seit 1999 verzwölffacht. Inzwischen übertrifft er Japans Verteidigungshaushalt um das Sechsfache und Indiens Budget um das Vierfache. Und China verfügt über die Ressourcen, nicht nur wirtschaftlich stärker als die USA zu werden, sondern auch militärisch – nicht zuletzt durch das Potenzial, in Zukunft höhere Ausgaben finanzieren zu können als die bislang führende Militärmacht der Welt.[ds_preview]
Für diesen Status spielen Marine und Luftwaffe zur Projektion von Macht weit über das eigene Territorium hinaus eine Schlüsselrolle. Beinahe unbemerkt von der westlichen Öffentlichkeit besitzt China inzwischen die umfassendsten Seestreitkräfte der Welt – gemessen an der Anzahl der Schiffe. Auch dies hat das Pentagon nun offiziell festgestellt. Damit verdrängt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine Marine die US Navy auf den zweiten Platz. Unter chinesischer Flagge versammelt sich heute eine Flotte von 360 Kriegsschiffen. Ihr Kern besteht aus 130 modernen Zerstörern, Fregatten und Korvetten. Sie werden ergänzt von 62 U-Booten, davon ein Fünftel mit atomarem Antrieb, wovon vier wiederum mit Nuklearwaffen ausgerüstet sind.
Pekings Flugzeugträger
Neben diesen ersten U-Booten mit Interkontinentalraketen, die China die atomare Zweitschlagfähigkeit verleihen, haben in den vergangenen Jahren vor allem die ersten Flugzeugträger der Volksrepublik für Aufsehen gesorgt. Der erste wurde in der Ukraine erworben und in China fertiggestellt. Der zweite ist eine Kopie des ersten und basiert ebenfalls auf einer russischen Konstruktion. Ein dritter befindet sich im Bau, orientiert sich aber an amerikanischen Trägern. Von diesem Typ sollen drei weitere folgen.
Damit würde Pekings Flugzeugträger-Flotte auf sechs Einheiten wachsen. Auffallend ist hier die Parallele zu russischen Vorhaben. Auch Moskau arbeitet intensiv an seinen militärischen Fähigkeiten zur Machtprojektion über große Entfernungen. Bereits bis zum Jahr 2026 soll die zweitgrößte Flugzeugträger-Armada der Welt mit sechs Trägerkampfgruppen entstehen. Als zwei Mächte, die immer wieder ihre strategische Verbundenheit und ihre gemeinsame Front gegen den Westen demonstrieren, würden China und Russland dann in Zukunft gemeinsam über zwölf Flugzeugträger verfügen – und auch in dieser Schiffsklasse die US Navy mit elf Einheiten auf den zweiten Platz verweisen.
Doch lassen sich derlei Vergleiche überhaupt vornehmen? Kommt es nicht weiterhin vor allem auf die Qualität der Ausrüstung und der Ausbildung der Besatzungen von Kriegsschiffen an? Dies trifft sicherlich auch auf das 21. Jahrhundert zu. Den Westen beruhigen könnten hier Analysen, nach denen die Navy weiterhin führend ist bei Schiffstonnage, Schiffsgrößen und Feuerkraft. Als immer noch doppelt so stark wie Chinas Marine bezeichnet sie etwa das amerikanische Center for International Maritime Security.
Daher beunruhigen in Washington derzeit weniger die maritimen Bauvorhaben konkurrierender Mächte wie China und Russland, zumal dort in den vergangenen Jahren immer wieder Zeitpläne und auch Vorhaben an sich korrigiert werden mussten. Alarmiert ist man in den USA vielmehr aufgrund der zunehmenden Verwundbarkeit der eigenen Flotte. Gerade den Flugzeugträgern als Rückgrat amerikanischer Machtentfaltung in Übersee könnte ein ähnliches Schicksal drohen wie ihren Vorgängern, den Schlachtschiffen: Sie wurden im Zweiten Weltkrieg reihenweise versenkt – und zwar nicht von ihresgleichen, sondern von Flugzeugen mit Bomben und Torpedos. Alle großen Seemächte machten diese Erfahrung – ob auf Seite der Alliierten oder der Achsenmächte. Nach dem Krieg ersetzte dann endgültig der Flugzeugträger das Schlachtschiff als größten Kriegsschiffstyp.
War es die Angriffsmöglichkeit über weite Entfernungen, die den Flugzeugträger dem Schlachtschiff überlegen machte, so ist es heute der Flugzeugträger, der nun selbst durch eine Angriffsmöglichkeit über weite Entfernungen gefährdet ist: die Rakete. China hat weitreichende Lenkwaffen entwickelt, die sich zur Bekämpfung beweglicher Ziele und damit auch zur Zerstörung von Flugzeugträgern eignen sollen – aus einer Distanz von 1500 bis 3000 Kilometern. Damit werden die US-Träger im Pazifik von Jägern zu Gejagten.

Bild aus vergangenen Zeiten: chinesische und amerikanische Marineeinheiten beim Passex im Jahr 2015. Foto: US Navy
Ein ähnliches Schicksal droht einem weiteren Pfeiler amerikanischer Seemacht wie Abschreckung. Bislang galten die strategischen Atom-U-Boote mit ihren Interkontinentalraketen zur nuklearen Zweitschlagfähigkeit als vom Gegner schwer zu orten, wenn nicht unauffindbar in den Weiten und Tiefen der Ozeane. Doch eben an dieser angenommenen Unverwundbarkeit wird zunehmend gezweifelt. Technologische Fortschritte nicht zuletzt im Bereich der künstlichen Intelligenz könnten gegnerische Fähigkeiten erhöhen, die amerikanische Unterseeflotte aufzuspüren und zu zerstören. Von einer sich anbahnenden Revolution in der U-Boot-Abwehr ist bereits die Rede. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sehen sich die Vereinigten Staaten in ihrer technologischen Überlegenheit bedroht – eingeholt in Entwicklung und Einsatz von KI durch China. Nach dem jüngsten Bericht der National Security Commission on Artifical Intelligence besitzt die Volksrepublik nicht nur die Ambition, sondern auch die Macht und das Talent, die USA innerhalb eines Jahrzehnts als führende KI-Nation hinter sich zu lassen.
Glaubte man im Westen über Jahrzehnte, die nukleare Abschreckung erlaube keine klassischen Kriege Großmacht gegen Großmacht mehr, sondern allenfalls Stellvertreterkriege, wie sie den Kalten Krieg prägten, so hat hier in China ein neues Denken und in Russland auch bereits ein neues Handeln begonnen. Die nukleare Abschreckung dient Peking und Moskau zwar weiterhin in ihrer ursprünglichen Ausrichtung zur Verhinderung eines Angriffs auf das eigene Territorium und eines globalen Krieges. Aber zugleich wird der atomare Schutzschirm genutzt, um unter ihm regionale Kriege konventioneller Art zu führen, ohne dabei die Vernichtung des eigenen Landes riskieren zu müssen. In der Ukraine und in Syrien hat Russland dieses Denken und Handeln bereits militärische Erfolge gebracht. Moskau hat dazu gezielt in moderne, mobile Streitkräfte investiert, die in kurzer Zeit regional militärische Überlegenheit erringen können. In Asien wirkt Chinas Aufrüstung ähnlich ausgerichtet.
Weitere Aufrüstung droht
Peking investiert nicht nur massiv in den Ausbau seiner nuklearen Abschreckung – das Arsenal von allmählich gut 300 atomaren Sprengköpfen soll weiter kontinuierlich wachsen, flexibel einsetzbar durch neue, mobile Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen. Auch nichtnuklear will man Washington auf Distanz halten. Dazu dient ein umfassendes Raketenbauprogramm – von weitreichenden ballistischen bis hin zu sehr zielgenauen Raketen und Marschflugkörpern. Auch Hyperschallwaffen, gegen die es bislang keine Abwehr geben soll, zählen zu diesem Abschreckungspotential. Von Zielübungen bis hin zum US-Stützpunkt auf Guam im Westpazifik wird berichtet. Chinesische Kampfflugzeuge sollen bereits einen Angriff mit Anti-Schiffs-Raketen auf einen amerikanischen Flugzeugträger vor Taiwan simuliert haben. In Washington sieht man sich gezwungen, über eine neue, dezentrale Aufstellung der eigenen Kräfte in kleineren und noch mobileren Einheiten nachzudenken – möglichst außerhalb der Reichweite chinesischer Raketen.
Für Peking wiederum bilden diese Raketen einen Schutzschirm, unter dem es eine Flotte versammelt, die zu amphibischen Angriffsoperationen in der Lage ist – bislang eine Domäne der US Navy. Ihr ähnlich werden große Hubschrauberträger in Dienst gestellt – sie gelten als Kopien der amerikanischen Originale. Hinzu kommen moderne Docklandungsschiffe. Diese Angriffseinheiten sollen das Marinekorps der Volksrepublik transportieren. Die amerikanischen Marines erhalten ein chinesisches Pendant. Damit könnte China nicht nur seine Kette von Basen im Südchinesischen Meer absichern, sondern auch endgültig offensiv gegen Taiwan vorgehen – chinesische Drohungen, Manöver und das Eindringen in Gewässer und Luftraum des bis heute von Peking als „abtrünnige Provinz“ bezeichneten Inselstaats haben ohnehin schon massiv zugenommen.
Welch epochale Verschiebungen in der maritimen und damit globalen Machtarchitektur nicht erst in der Gegenwart vom pazifischen Raum ausgehen, ist in weiten Teilen Europas in Vergessenheit geraten. Umso mehr schreckt man nun in den europäischen Hauptstädten auf. Dabei wird die Bedeutung der gegenwärtigen Entwicklung erst mit Blick auf die vergangenen Jahrhunderte vollends klar. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte gegolten: Britannia rules the seas. Die Royal Navy hatte die Weltmeere für gut ein Jahrhundert nach Nelsons Sieg über Napoleons Armada dominiert. Auch in den Jahrhunderten vor der Zäsur von Trafalgar 1805 waren es die Europäer gewesen, die das maritime Weltgeschehen durch ihre koloniale Expansion geprägt hatten – ob Portugiesen, Spanier, Niederländer, Franzosen oder Engländer.
Doch dann begann spätestens in den 1920er- und nicht erst in den 2020er-Jahren das asiatische Jahrhundert auf See: Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg war die amerikanische Marine erheblich stärker im Pazifik als im Atlantik aufgestellt – ein maritimer Pivot to Asia lange vor Barack Obama. Die neuesten und kampfkräftigsten Einheiten wurden gezielt dem damaligen potenziellen Kriegsgegner entgegengestellt: Japan mit der drittgrößten Flotte der Welt. Tokio war es schließlich auch, das mit den damals modernsten Flugzeugträgern, Schlachtschiffen, Kreuzern und Zerstörern die Kräfteverhältnisse im pazifischen Raum zu seinen Gunsten verschob – zunächst in einem maritimen Wettrüsten mit den USA, dann in einem maritimen Eroberungsfeldzug gegen die USA.

Kommandant und Erster Offizier eines US-Zerstörers beobachten den chinesischen Träger Liaoning in der Philippinensee. Foto: US Navy
Weltklassemacht im Aufbau
Heute sollte der Westen die Entschiedenheit, mit der China auch im Militärischen zu einer Supermacht aufsteigen will, nicht unterschätzen. „Weltklasseniveau“ ist das von Peking offiziell erklärte Ziel. Bislang gelingt insbesondere der Aufbau einer global einsetzbaren Marine rascher als noch vor wenigen Jahren von westlichen Experten vorhergesagt. Und es wäre im Ernstfall nicht das erste Mal in der Geschichte Asiens, dass Europäer wie Amerikaner unangenehm überrascht würden von der militärischen Wirklichkeit. Es waren internationale Sensationen, als 1905 die modern ausgerüsteten, gut ausgebildeten und effizient geführten Seestreitkräfte Japans die bis dahin für überlegen gehaltene Flotte der europäischen Großmacht Russland bei der japanischen Insel Tsushima in der Koreastraße vernichteten, als sie am 7. Dezember 1941 überraschend die amerikanische Pazifikflotte mitten in ihren Stützpunkt Pearl Harbor dezimierten und nur drei Tage später das modernste Schlachtschiff der Royal Navy im Südchinesischen Meer versenkten – ein britisches Desaster bei der erfolglosen Verteidigung Singapurs gegen die japanische Invasion. In allen Fällen hatte man Derartiges im Westen nicht für möglich gehalten.
Heute geht es in Asien nicht nur um Gebietsansprüche und Interessensphären einer werdenden Supermacht China. Dort liegen auch Handelsrouten, deren freier Zugang elementare Voraussetzung für die globalisierte Weltwirtschaft ist. Allein durch das Südchinesische Meer verläuft ein Drittel des maritimen Welthandels über jährlich mehr als 60 000 Schiffspassagen mit einem Warenwert von über fünf Billionen Dollar. China sieht sich hier einem immer heftigeren Kampf um die Rechte des Seeverkehrs ausgesetzt. Dies betonte Xi Jinping bereits 2018 bei seiner Rede zur Neuausrichtung der maritimen Streitkräfte auf dem Deck eines chinesischen Flugzeugträgers. Für ihn ist der Aufbau einer „Weltklasseseemacht“ bis zum Jahr 2035 ein wichtiger Garant für den Wohlstand und die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes. Die Folge ist ein Paradigmenwechsel in der maritimen Strategie: von der Verteidigung der nahen Gewässer hin zum Schutz der fernen Gewässer – festgeschrieben 2019 in einem Weißbuch, das Chinas maritimen Interessen den gleichen Stellenwert beimisst wie der territorialen Integrität der Volksrepublik.
In der Konsequenz hat die Präsenz chinesischer Kriegsschiffe im Indischen Ozean stark zugenommen. Dieser Seeweg wird schon heute für den internationalen Handel stärker genutzt als der Atlantik. Die Marine der Volksrepublik soll die Routen chinesischer Öltanker und Containerschiffe sichern – nicht zuletzt die Lieferungen iranischen Öls. Peking ist als letzter verbliebener Importeuer zu einer zentralen Stütze des Regimes in Teheran geworden. Anlaufen können chinesische Kriegsschiffe inzwischen Überseestützpunkte in Dschibuti am Horn von Afrika und in Gwadar in Pakistan.
Es sind heute nicht mehr allein die Seestreitkräfte von Indien, Südkorea, Japan und Australien, die angesichts der chinesischen Herausforderung nachrüsten, um ihre Schlagkraft zu erhöhen: Canberra mit Atom-U-Booten aus amerikanischer Produktion und Patrouillenbooten aus Deutschland, Seoul und Neu-Delhi mit Flugzeugträger-Projekten, Tokio mit dem Umbau eines Zerstörers mit Hubschraubern zu einem Träger mit Kampfflugzeugen – dem ersten seit dem Zweiten Weltkrieg.
Auch die alten Seemächte Europas ziehen nach. Frankreich hat den Bau des größten Flugzeugträgers seiner Geschichte angekündigt – 70 000 Tonnen mit Nuklearantrieb, Plattform für das neue europäische Kampfjetprojekt Future Combat Air System. Großbritannien macht Schlagzeilen mit der höchsten Aufstockung seines Verteidigungshaushaltes seit drei Jahrzehnten. Zusätzliche 24 Milliarden Pfund sollen in den nächsten vier Jahren in „Spitzenkapazitäten“ investiert werden, vor allem in die Marine.

Chinesischer Zerstörer "Jinan" vom Typ 052C. Foto: US Navy
Wird all dies zu einer neuen Rüstungsspirale führen? Lässt sie sich noch stoppen? Bereits vor einem Jahrhundert gab es ein ähnliches Szenario. Auch damals rüsteten die großen Seemächte um die Wette. Viele der damaligen Protagonisten sind heute erneut beteiligt – die USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Deutschland. Vorbild für Verhandlungen mit China könnten daher die Konferenzen, Abkommen und Verträge der 1920er- und 1930er-Jahre zur Begrenzung der Flottenstärken sein. Mit ihnen gelang zumindest eine Drosselung und Verlangsamung des maritimen Wettrüstens vor dem Zweiten Weltkrieg.
Ob auch dieses Mal dennoch ein Krieg folgen würde? Hoffnung, dass es anders kommen könnte, machte Mitte März die überraschende Einigung zwischen China, Russland und den USA auf ein Übereinkommen im Cyberraum. Nach sechs Jahren Verhandlungsstillstand hatten dann doch alle UN-Mitgliedstaaten den Empfehlungen für mehr Cybersicherheit einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zugestimmt. Angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen Peking, Moskau und Washington auch auf dem digitalen Feld wird die Einigung als Durchbruch gesehen. Warum derlei Verhandlungen nicht ebenfalls im Bereich maritimer Rüstung und Sicherheit beginnen? Noch kann der Westen sich hier auf Augenhöhe mit China bewegen. Noch hat sich die globale Machttektonik nicht vollends verschoben. Noch.
Dieser Beitrag schließt an einen Artikel an, der im Juni 2021 in der Zeitschrift Cicero veröffentlicht wurde.
Auto: Thomas Speckmann ist Historiker, Politikwissenschaftler und Lehrbeauftragter am Historischen Institut der Universität Potsdam.












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